Kategorie-Archiv: Bernd Remsing

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Die Sonnenbrille

Ich saß vor Angst erstarrt in meinen Bügeln,
steckte sie fest in vorgegeb’ne Löcher.
Um mich andre Brillen noch und nöcher.
Es galt, jede Bewegungslust zu zügeln.

Doch dann kamst du und alles drehte
im Kreise sich, bis du mich fasstest
Und aus den Löchern zogst und mich entrastest.
Ach, wie ich dir entgegenschwebte!

Beweglich wurde ich in meinen Achsen
Du zeigtest mir die Welt durch unsre Augen
Ich mühte mich, UV-Licht wegzusaugen
Wir konnten beide aneinander wachsen.

Du zeigtest mir den Sinn meiner Gelenke:
Gespreizt zum Flug an schönen Tagen,
an schlechten, ruhig zusammenschlagen.
All das waren die schönsten der Geschenke.

Von heut auf morgen hast du mich vergessen.
Es war schon warm, sie saß mit langen Beinen.
Und mir war klar, du wolltest dich mit ihr vereinen.
Mit ganzer Last bist du auf mir gesessen.

Unbeschreiblich, wie die Schmerzen stachen.
Nicht nur mich, du hast auch dich verraten.
Es gibt kein Wort dafür in allen Sprachen.
Der Schmerz so groß, dass meine Augen brachen.

Ich sehe wieder, doch durch der Risse Spalten
fällt Sonnenlicht, ich seh alles gebrochen.
Nur eines sei dir Schuft versprochen:
Meine Fassung, die hab ich behalten!

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 24121

 

Sesselgedichte: Adolf Loos: Hotelsessel, um 1924

Ein Sessel ist ja ein Gestell
und man wirft, grad im Hotel,
Hose, Hemd und Überkleider
auf ihn drauf – sie knittern leider.

Loos hat das genau erfasst:
„Modern ist, was dem Menschen passt.
Und will er keine Schränke mehr,
müssen Kleider-Sessel her!“

Doch keinen der Hotelbetreiber
kümmerten die Knitterkleider.
Und so steh’n bis heute dumm
ihre Schränke leer herum.

Grafik: Jannis Edelsbacher

Grafik: Jannis Edelsbacher

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

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www.verdichtet.at | Kategorie: möbliert | Inventarnummer: 24096

Sesselgedichte: Dagobert Peche: Sessel mit überhöhter Rückenlehne, 1912/14

De Stijl strebte in Niederland
die Welt abstrakt zu setzen.
Bauhaus dann am Stadtesrand
traut Stahl noch und Gesetzen.

Nur Wien gab sich ganz dekorativ
und mit betonter Freche
errichtete dies Goldmassiv
Dagobert Peche.

Grafik: Jannis Edelsbacher

Grafik: Jannis Edelsbacher

Bernd Remsing
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www.verdichtet.at | Kategorie: möbliert | Inventarnummer: 24095

Sesselgedichte: Cottillion

Ob Ballsaal oder Kursalon,
man wartet auf des Cottilion
vergoldetem Gedrechsel
bis zum Partnerwechsel.

Dann jagt den Kaiser man davon –
der Cottillion behält Facon:
Jetzt trägt er eben zeitgemäß
unbetiteltes Gesäß.

Grafik: Jannis Edelsbacher

Grafik: Jannis Edelsbacher

Bernd Remsing
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Sesselgedichte: Adolf Loos: Dreibeinhocker, um 1900

So saßen die Kulturtitanen,
Altägypter, eure Ahnen:
Dreibeinig wider die Natur
war’n wir Zeichen der Kultur.

Als dann die schlechten Zeiten kamen,
die Dreibeinhocker ganz verkamen,
Melkschemel bloß,
rettete uns Adolf Loos!

Grafik: Jannis Edelsbacher

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Bernd Remsing
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www.verdichtet.at | Kategorie: möbliert | Inventarnummer: 24093

Sesselgedichte: Hoffmann: Sitzmaschine, 1905

Hoffmanns Hände schufen
zwei „Us“ mit Zwischenstufen.

Die kippt’ er parallel
als Sesseltraggestell.

Drauf legt’ er eben jene
quadratgestanzte Lehne,

die nach dem U-Schwung fällt –
da staunte alle Welt!

Bestaun in der Vitrine
Hoffmanns „Sitzmaschine“!

Der Sesseltyp war längst bekannt,
doch hat ihn niemand so benannt.

Grafik: Jannis Edelsbacher

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Bernd Remsing
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Sesselgedichte: Gustav Sigl: Armlehner für die Pariser Weltausstellung 1900

Seht das „U“ als Element
der fünften Weltausstellung!
In Paris um Neunzehnhundert
wurde Sigls Werk bewundert!

Der solches in die Welt gedrängt
war grad mal zwanzig Jahr jung:
Rücken, Lehne, Füße gar –
mit einem Schwunge war’n sie wahr!

Doch niemand mehr kennt seinen Namen,
Gustav Sigl war aus Wien.
Und Hoffmann, Wagner übernahmen
seine Formen und auch ihn.

Grafik: Jannis Edelsbacher

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Bernd Remsing
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www.verdichtet.at | Kategorie: möbliert | Inventarnummer: 24060

Sesselgedichte: Wilhelm Schmidt für Prag-Rudniker, 1903

Weil’s keiner weiß, teil ich es mit:
Entworfen hat mich Wilhelm Schmidt.
Noch denkst du weiter nichts dabei,
doch ist mein Jahrgang Neunzehndrei!

In mir hebt die Moderne an
von Morris bis zu Mondrian!
Und bin mir dabei nicht zu stolz
für Korbgeflecht und Buchenholz.

Grafik: Jannis Edelsbacher

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Bernd Remsing
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www.verdichtet.at | Kategorie: möbliert | Inventarnummer: 24059

Sesselgedichte: Adolf Loos: „Smokers Bow“ für die Wohnung Stössler, 1899

Loos, der große Non-Stilist
sagt, die Secession sei Mist:
Denn seit der jungen Steinzeit schon
sorgt der Mensch sich, wie man wohn’!

Von Ägypten bis Great Britain,
du findest alle Möbeltypen!
Die längste Testreihe der Welt –
nimm davon, was dir gefällt!

Ein Esstischsessel? Ja, wieso
nimmst du nicht den Smokers Bow?
Er hat alles, was du brauchst,
auch wenn du drauf nicht Pfeife rauchst.

Grafik: Jannis Edelsbacher

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Bernd Remsing
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