Kategorie-Archiv: Bernd Remsing

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Die narzisstische Fledermaus

Die Grenze zwischen Tag und Nacht
Hab ich zu meinem Raum gemacht

Kaum fleder ich aus meiner Gruft
Schlag ich Haken in der Luft

Fleder hin und fleder her
Gelsen fressen mag ich sehr

Mücken, Motten, Maienkäfer
Bin hungrig, denn bin Winterschläfer

Mensch, du interessierst mich nicht
Weil’s dir an meinem Sinn gebricht

Was dunkel dir, mir wird’s zu Licht
Weil mein Echo zu mir spricht

Zu mir spricht in Raum und Räumen
Davon kannst du Mensch nur träumen

Fleder her und fleder hin
Weil ich was Besondres bin

Träum nur weiter auf Beinpaaren
Ich spiel derweil mit deinen Haaren

Auch ich bin Säuger, Mensch, wie du
Aber was für einer, huh!

Hab mir das Fliegen beigebracht
Und das Sehen in der Nacht

Hab den besten Schlaf erfunden
Schlafe mit dem Kopf nach unten

Fleder huch und fleder hach
Fleder um dein Häuserdach

Ich weiß wohl, Mensch, du magst mich nicht
Weil’s dir an meinem Flug gebricht

Fleder huch! Und fleder hach!
Weich doch aus, du Häuserdach – krach!

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 19141

Die Krähe

Mein kluger Kopf ist hart wie Holz
Mein Schnabel ist mein ganzer Stolz
Mit ihm muss ich zerhack-,  zerklopfen
Wurzel, Käfer und auch Knochen

Ansonsten bin ich Flügelschwingen
Der Abflug will nicht recht gelingen
Dann flieg ich über Land und Meer
Die Landung holpert wieder sehr

Als Schlachtfeldvogel einst verhasst
Hab ich mir schwarzen Frack verpasst
In diesem schreite ich mit Würde
Schwankend durch der Würde Bürde

Hüpfen, Hacken, Flügelschwingen
Kommt dazu: Ich kann auch singen
Du hörst mein ausdrucksvolles „Krah!“
Von Istanbul bis Kanada

Weil ich so lieblich krächz und krähe
Mal von der Fern, mal in der Nähe
Nennst du Mensch mich ja auch Krähe
Was ich als Kompliment verstehe

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 19078

 

Hexenlied

Wir schütteln uns beim Möhrenkochen
Und setzen unsre Röhrenknochen
Tief ins Gemüsebeet

Wir streichen Farbe, bis sie deckt
Dahinter ist der Sinn versteckt
Der sagt was, was kein Mensch versteht

Es liegt ihm doch sehr viel daran
Dass Schimmel weiß und Pferd sein kann
Das hat dem Sinn den Sinn verdreht.

(Schrilles Gelächter)

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: unerHÖRT! | Inventarnummer: 19045

 

Wirtschaftstheorie

Immer, sagst du, sei der Markt gerecht
Das ist nicht schlecht, das ist nicht schlecht
Sieh da, dein Geld, es mehret sich von selber
Also sind die Armen Kälber, in Verfehlung dieser Gelder
Dass sie arm sind um der Mehrung solchen Geldes
Wem gefällt es? Wem gefällt es?
Zu dumm, die Welt, sie geht dabei in Stücke?
Dann, fürcht' ich, ist da eine Lücke
In deiner Wirtschaftstheorie
Ich gebe zu, das dacht ich nie!

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 19004

Der poetische Funke

Blöder Funke, wird‘s gelingen?
Wirst du endlich überspringen?
Ich mein, von mir auf die da unten
Das ist doch eure Pflicht als Funken! 

Man sieht doch ständig dich bespringen
Die Publika bei Tanz und Singen
Selbst in der übelsten Spelunke
Funkelst du, elender Funke

Ja, und das tut richtig weh
Du sprangst sogar für Gabalier!
Nur bei mir willst du dich weigern?
Wohin denn soll ich mich noch steigern?

Ich schlag die Verse hart auf hart
Ich fleh dich an, ich lock dich zart
Bemüh mich redlich jeden Tag
Auch nächtens muh ich meine Plag

Bemih und mäh mich fürchterlich
Sturer Funke, rühre dich!
Doch du bleibst reserviert und kalt
So brauch ich, Schurke, denn Gewalt

Ich werde deine Trägheit reimen
Mir ein Gedicht zusammenleimen
Ein Gedicht, das Klage führt
Darüber, dass du ungerührt

Das Feuer wahrer Lyrik schmähst
Doch wenn wo wer den Bockssang bläst
Dich glitzernd über Häuptern sprengst
Dich an jedes Sternchen hängst

Dich an jeden Hengst randrängst
Wenn nur, gesteh‘s der Umsatz stimmt
Wenn nur, du Schuft, die Münze klingt
Oh, Trauer, tiefgesunk‘ner Funke
Du springst nur noch für Frosch und Unke

Ich klage, Winzling, dich gesetzlich
Die Strafe, Gauner, wird entsetzlich
Du wirst zum Schuldienst degradiert
Und wenn, was ja sehr oft passiert

Die sogenannte Einheit stockt
Das Kindsvolk rebelliert und bockt
Funke, wirst du zwangsgelockt
Und hast, ohne dich zu weigern
Die Lernlust radikal zu steigern

Und mit dir als Unt‘rrichtsmittel
Spart der Staat ein gutes Drittel

Solch Dasein wird dich bald ersticken
Kaum jemand wird dich mehr erblicken
Erstirbst du dann vor deiner Zeit
Herrscht finsterste Gerechtigkeit

Du zitterst, Funke? Du erblasst?
Mir scheint, dich hat die Angst erfasst?
Mir deucht, wir werden handelseins
Und springst zum Lied, und sei‘s auch meins?

Arg, du hast mich ausgelacht!
Um mich wird es dunkel, Nacht!
Dass du tatsächlich sitzt und harrst
Damit du mich nur länger narrst!

Warte nur, ich kriege dich!
Ich kriege und besiege dich!
Ich jag dich mit Moskitonetzen!
Ich werd dich mit Magneten hetzen!

Ich stell dir Fallen noch und nöcher
Und schieß an deiner Stelle Löcher
Mit Leuchtpistolen in den Bauch
Des Saals –
Funkelt auch!

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 18145

 

Die Waage

Wie ein Kind, das plötzlich fällt
Und sich an der Erde hält
Wie ein Kranich, sturmbegehrt
Und eben darum unversehrt
Wie Pollux, der nach Kastor rief
Als dieser ihm im Arm entschlief
Wie des Gedankens Doppelsprung
Nicht Niedergang, nicht Besserung
Du siehst die allgemeine Lage
Alles hält sich grad die Waage
Welche Schale wird sich senken?
Die Waage zuckt in den Gelenken

Doch wider allen bösen Schein
Eins entscheidet diese Frage
Das Zünglein an der Waage
Du weißt, welches ich mein
Es ist dein

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 18146

Warum warten?

Ich kann nicht länger auf dich warten
Mein Engel du, mein Satansbraten
Wenn ich noch länger auf dich wart
Bin alt und grau ich, hochbejahrt
Und wächst mein Bart zu langer Länge
Des Eifelturmes Flechtgestänge
Könnt ich glatt damit bestricken
Den tiefen Riss im Weltgepränge
Mit meines Bartes Wolle flicken

So stünd‘ es dann um meinen Bart
Wenn ich noch länger auf dich wart
Drum rette mich auf alle Arten
Mein Engel du, mein Satansbraten
Ich lief‘ ja schleunigst dir entgegen
Auf allen Straßen, allen Wegen
Dich in meine Arm‘ zu schließen
Von Kopf bis Fuß dich zu genießen

Ist mein brennend heiß Verlangen
Doch hindert mich, ich sag’s mit Bangen
Ein verfluchtes Hindernis
Ein Schicksalsschlag, ein Drachenbiss
Ein mörderisches Bergtrollkegeln
Das wider alle bessren Regeln
Durch meine armen Ganglien rollt.
Ich weiß, ich hätt es nicht gesollt
Doch nachdem du heimgegangen
Musst ich, um mich zu erfangen
Die eine oder andre Flasche köpfen
Ein wenig viel zur Brust mir schöpfen

Dieses also ist der Grund
Warum ich jetzt und hier zur Stund
Ziemlich hilflos festgenagelt
Habe mich schon selbst getadelt
Drum denk ich, dass du mir verzeihst
Da du jetzt ja alles weißt.

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: süffig | Inventarnummer: 18141