Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

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Das mit dem Altwerden

Wie schnell uns doch die Zeit vergeht,
als möchte sie uns überholen.
Im Tempo liegt, was sie verrät,
kostbar wär sie, nicht gestohlen.

Nicht bloß die Jahre zähl’n im Leben.
Das Jungsein, eine Gnade der Natur!
Doch in den Jahren zählt das Leben,
und alt werden, als ihre Laune nur.

Die Jugend weiß meist, was sie will.
Wenn auch das Stürmische verraucht,
was zuvor laut, und bunt und schrill,
es weiß das Alter, was es braucht.

Scheint es auch trüb und ohne Freuden,
was mit dem Alter jähe endet.
Die neuen Freunde heißen Leiden,
und Hoffnung gilt schon als verschwendet.

Alt werden, zunächst ein Glück,
für den, der noch gesund und frei.
Das Schicksal lenkt unser Geschick.
Die Hauptsach’ ist, man blieb sich treu.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26215

Zurück in die Zukunft

Nun hat die moderne Welt nicht zuletzt ganze Arbeit geleistet.
Und unerbittlich alle Gespenster restlos vertrieben.
Hat ununterbrochen aufgeklärt, doch was ist passiert?
Der Erdling strebt, rundum informiert, begierig nach Zukunft.

Vor neuen Königen wimmelt der Globus, gleich der Antike Helden.
Cäsaren, die eiskalt und blutrünstig handeln.
Nur vorwärts, wir müssen zurück in die Zukunft,
die liegt im Vergang’nen auf ewig begraben.

Die Sehnsucht, nach Hause, ans sichere Ufer,
ins Eig’ne zurück, als folgte sie nächtlicher Blindheit.
Nun soll es so sein, so wie es schon immer längst war.
Denn oben sei oben, und unten bleibt unten.

Als Ziel gilt dem Massenmörder der Ursprung,
beschmutzt gilt die heilige Erde durch Fremde.
Verfall durch Verlockungen westlicher Triebe.
Wie in der Sirenen Gesänge, die Invasoren schlachtet man ab.

Und Sympathisanten, sie alle träumen den ein und denselben Traum.
So wartet, bald herrscht wieder Klarheit und Härte.
Hinein in die Neoantike, die Sehnsucht nach ihr führt euch heim.
Die Odyssee der Moderne hat längst ihr Ende gefunden.

Trieb man zu lang auf dem Meer der enttäuschten Hoffnung?
Der Himmel ward einem versprochen, wie auch des Rücken Wind.
Stattdessen herrscht Ungleichheit glühend wie Fieber,
und dieses erregt allhier die planetarische Furcht.

Das transnationale Gesetz wie den gordischen Knoten durchschlagen!
Von jetzt an gilt das archaische Faustrecht im Zeichen des Wolfes.
Und übrig bleibet der Krieg, als erblicher Vater der Dinge.
Als auch die epische Unfähigkeit zum gemeinsamen Handeln.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26203

neologisch

Ich sage dir, geliebte Daisy,
Sprache ist heut wirklich crazy.
Drum frag mich nicht, wie soll das geh’n,
denn du wirst zero mich versteh’n.

Zum Beispiel, checkst du?, steht am Ende,
ob du dieses rezipierst?
Und verzweifelt ringen Hände,
hoffend, dass du es kapierst!

Oidi!, löst bei dir ’nen Trigger,
hingegen, Oida steht für Mann.
Woanders sagt man, hallo, Diggah!,
im Norden, dort, beim Alleman.

Halt die Klappe, das ist komisch,
kürzt mit syban mancher ab.
Anglophil, sprachökonomisch.
Ist doch stimmig, kurz und knapp.

Geht einmal etwas daneben,
kann man hören, das ist tot!
Bedeutet langweilig und peinlich,
desolat oder marod.

Das Wort krass, ich sag nur uff!
Dieses Wort ist längst passé!
Heutzutage heißt das tuff,
Schon von gestern. Alter Schnee.

Baust du Mist, zeigst du die Schere,
and that means, ist deine Schuld.
Synonym leistet, das wäre,
so, wie hab mit mir Geduld!

Mit lowkey mahnt man, unauffällig!
Nur ein bisschen, nicht zu viel!
Damit meinen guys einhellig,
brems mal etwas dein Gefühl!

Ach, mit dieser Sonnenbrille
fühl ich mich wie Talahon.
Klingt aufs Erste nicht nur schrille,
und überdies, wer kennt das schon?

Hell no!, widerstrebt dir was,
entsetzt verziehst du dein Gesicht,
Simultan bedeutet das,
Hölle, nein!, das will ich nicht!

Yurr, fragt jemand, schon geseh’n?
Wird als Einleitung benutzt.
Knurr, sag ich, lass mich bloß geh’n.
Is’ kein Wunder, wenn du zuckst.

Das Wort des Jahres, das ist goofy,
albern, deppert oder blöd.
Vierzehn Nothelfer, die ruf i’!
Neologisch, das ist öd!

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 26190

Ein Untag

Ein Untag, der, kaum hat begonnen,
schon scheint’s dem Morgen echt vermiest.
Dem Kaffee ist gar die Milch geronnen!
Ein Tag, der nicht zu retten ist.

Was ist’s so dunkel?, jetzt sag bloß!
Was ist denn mit der Sonne los?
Nur am Gesims ein leises Klopfen?
Das klingt verdammt nach Regentropfen!

Auch das noch! Unglück, das sich häuft.
Der Tag im Regen mir ersäuft.
Im Zimmer duster, nicht ein Schein.
Und mir fällt nichts zu schreiben ein.

Was kann mir, armem Wurm auf Erden,
an einem Tag wie diesem werden?
Der Löffel fällt mir aus der Hand.
Ein Bild hängt schief, dort an der Wand.

Und am WC, dort tropft der Hahn.
Ich schwör’s, ich hab ihm nichts getan!
Es schließt auch nicht die Kühlschranktüre.
Woll’n sich nicht dreh’n, ihre Scharniere.

Und niemand will etwas von mir.
Nichts will gelingen, jetzt, und hier.
Selbst das geliebte Herz, das rege,
ist fort. Geht seine eig’nen Wege.
Ein Häuflein, das sich Elend nennt,
das bleibt zurück, einsam, und flennt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at |Kategorie: an Tagen wie diesen … | Inventarnummer: 26180

Musik

Mit Musik geht meist einher,
was sie ist und was hört wer?
Will man bloß berieselt werden?
Mit Siegfried bei Wagner sterben?
Satisfaction mit den Stones?
Shake your head and all your bones!

Singt wer oder spielt ganz toll,
sagt man, das ist anspruchsvoll.
Hochberühmte Komponisten
reihen sich in langen Listen.

Manch einem reicht das Grundgerüst,
welches der Bassdrum-Rhythmus ist.
Hi-hats-Snare-Sounds machen Groove,
geächtet sei der, der dies schuf.

Teil der Bildung wär Musik,
so wie Prosa und Lyrik.
Doch nicht Noten bloß allein,
gefühlt erlebt soll Musik sein.

Wer Klang organisiert empfindet,
ein Gefühl damit verbindet,
dem dient, so wie es Sprache kann,
Musik als Ausdrucksform sodann.

Einst hieß es gar, der Musen Kunst,
denn das käm’ vom Können.
Käm’s vom Wollen, hieß’ es Wunst.
Beides wäre streng zu trennen.

Man sagt, Musik kann man versteh’n,
jedoch nicht übersetzen.
Es ist und bleibt ein Phänomen,
mag Sprache durch Gefühl ersetzen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: unerHÖRT! | Inventarnummer: 26179

Big Apple

Und ich war, irgendwann einmal,
auch in Amerika.
Und schon im Flieger haben wir gelacht,
und füll’n den Fragebogen aus. Was haben die gedacht?

Woher ich komme, aus dem Süden oder Norden?
Und was ich überhaupt und eigentlich hier will?
Den Präsidenten wollen Sie ermorden?
Na gut, ich kreuze alles an, das alles klingt ja wirklich ziemlich schrill.

Gleich neben uns, da sitzt ein Ehepaar aus Brooklyn.
Wollten zum allerletzten Mal die Heimat seh’n.
Aunt Mary und ihr Mann, der alte Ed.
Bin noch nicht hin, meint er, sein Darmausgang wär’ künstlich.
Ich staune, darauf lächelt er verschmitzt und sagt, das geht.

Hey Junge, sagen die zu meinem Sohn,
der Flug wird lang, wir hoffen du hast schon
bemerkt, dass es da vorn sogar ein Movie gibt?
Na klar, sagt er, das habe ich natürlich längst schon mitgekriegt.

Wir sind in New York schließlich weich gelandet
und sind im Radisson Hotel am Central Park gestrandet.
Der Jetlag war enorm, wir hab’n den Nachmittag verschlafen
und in der Nacht die Typen unten angeseh’n, die scharfen.
Denn knapp nach Mitternacht wechselt am Park die Szene,
da klappern dir vor Staunen glatt die Zähne.

Am nächsten Morgen steh’n wir in ’ner langen Schlange,
in einem Drogeriemarkt an der Kassa wirklich lange.
Doch plötzlich ruft der Cashier ziemlich laut,
pass auf, da is’n Kerl neb’n dir, der klaut!

Ich dreh mich um, da läuft er schon zur Türe,
davor da steht ein dicker Bulle Schmiere.
Ich zähle panisch meine paar Ein-Dollar-Scheine.
Davon fehlt keiner. Na ja, ihr wisst natürlich schon, wie ich das meine.

Nachdem der Schrecken endlich überstanden war,
seh’n wir uns gleich ein wenig von Manhattan an, na klar.
Vom Hochseh’n an den Wolkenkratzern schmerzt der Nacken,
den langen Weg zum Central-Park-Zoo werden wir auch packen.

Im Empire-State-Building geht ein irrer schneller Lift,
da wirst du echt im Affentempo hochgehievt.
Und jeden Sonntag macht dort King-Kong seinen Dienst,
erschreckt die Leute fast zu Tode, doch er grinst.

Der Mensch, der lebt nicht nur von schlechter Luft allein,
drum geh’n wir in ein China-Restaurant in China-Town hinein.
Das liegt da unten tief in einem dunklen Kellerloch,
wo eben eine Ratte schnell in eine Kiste kroch.

In Macy’s Toyshop werd’n die Augen meines Jungen groß,
als sich der megastarke Eindruck über ihn ergoss.
Da gibt es Flugzeuge und Stofftiere so groß wie echt,
und dass er keines davon hat, ist wirklich ungerecht.

Auf einem ausgedienten Kriegsschiff in der Sonne spielen wir
und stell’n uns vor, wir wär’n der Captain und der Kanonier.
Das Ding, das ist so ungeheuer riesig.
Da schlägt das Wetter um und es wird langsam diesig.

Die Freiheitsstatue, die lassen wir nicht aus,
und schau’n von ihr ganz oben lang aus ihren Augen raus.
Der Blick reicht weiter als bloß bis zum Hafen hin,
sodass ich von dem Panorama überwältigt bin.

Nur schad’, die schönste Zeit am raschesten vergeht,
ich sag zu meinem Jungen, jetzt komm, es ist schon spät.
Denn leider müssen wir noch heut am Airport sein.
Hat alles mal ein Ende und wir müssen heim.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26172

Eukalyptus

Ein Anstieg, steil in Serpentinen,
soll dem Hotelgast dazu dienen,
nachdem er diesen hat erklommen,
in seinem Zimmer anzukommen.

Nach kurzer Zeit schon wird Routine
das Gehen auf der Serpentine.
Doch plötzlich über mir ein Ast,
der gar nicht zur Routine passt.

Ein Eukalyptus an der Biegung
verursacht die fatale Fügung.
Genau in Höhe meiner Stirn,
da hängt das Ding, vor meinem Hirn.

Den Ast, bin ganz darauf versessen,
ihn abzuschneiden. Schwer zu vergessen.
Ich denk, wenn mir nichts and’res bliebe,
dann frag ich mich, ob ich’s verschiebe?

Zunächst versuch ich es mit Bücken.
Das geht ganz schön an meinen Rücken.
Ein andermal geh seitlich dran vorbei.
Mühsam! Verdammte Schweinerei!

Meltemi heißt der Sturm, man glaubt es nicht,
er peitscht den Ast mir mitten ins Gesicht.
Und jedes Mal versuch ich auszuweichen,
mit Güte scheint’s, ist hier nichts zu erreichen.

Dem faulen Gärtner gilt mein ganzer Grant,
hab mir den Kopf schon mehrmals angerannt.
Es nervt der Eukalyptus hier auf Mykonos!
Zum Henker mit Apollon und Dionysos!

Doch irgendwann in einer dunklen Nacht,
ganz heimlich ward die üble Tat vollbracht.
Als Tatwaffe, ein scharfes Messer,
entwendet vom Buffet. Jetzt geht es besser.
Mit einem Wort, der Ast ist abgeschnitten,
nun geh ich aufrecht, direkt drunter, in der Mitten!

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26163

nachtdanachschwer

Allstündlich war ich wach,
in durchgewachter Krippennacht.

Der Regen fällt, mir ist ganz schaurig,
macht mich so richtig kindertraurig.

Ein Blick hinaus, in Leer und Öd,
nicht wach, vielmehr noch morgenblöd.

Nur lidweit, blass und madenbleich,
fühl mich mehr tot, wie Morgenleich.

In dunklen Pfützen quaken Unken,
die Seele mir, schattenversunken.

Da vor dem Haus gurgelt ein Bach,
den hör von fern ich, schwindelschwach.

Ein Rest vom Mond, wie sichelschwebend.
Ich mach Kaffee, mehr tot als lebend.

Eselmännisch, mehr als gröblich,
die Nacht durchzecht, was wenig löblich.

Und rings um mich nur Finsterblau,
so weit ich seh, so weit ich schau.

Angstkalt, müd und alltagsblass,
saumselig ich ins Wasser fass.

Quellwasserhell und unverdrossen,
über Gesicht und Brust vergossen.

Im Spiegel glänzt nassglatt die Backe,
steh augenblickskurz in ’ner Lacke.

In morgengold’ner Luft, oh Herz!
Reicht nichts zu mundverzog’nem Scherz.

Mehr plankenstarr, so viel ich weiß,
zu gestern, da war’s echt lachheiß.

Höhlenheimelig, dampfdurstig,
Schluck Wasser, alles and’re wurstig.

Das Haar nach vorn, ganz fett und wirr,
der Oberkörper grätendürr.

Es brummt der Kopf gar bienenöse,
der Magen stimmt ein, Leergetöse.

Was tintenschön war, und geeint,
scheint heute wutblass, rotgeweint.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: süffig | Inventarnummer:  26150

 

Memento vivere

Sich nicht in Sorgen zu verlieren,
in Aufschieben und Funktionieren.
Leben ist nicht bloße Pflicht.
Lebe, und vergiss das nicht!

Jedoch bedenke, nichts währt ewig,
mach dir das zunächst bewusst
und verfolge es zielstrebig,
dass du erst mal leben musst.

Überlass dein teures Leben
nicht der Gewohnheit und dem Frust.
Verleg es besser nicht auf morgen,
sondern leb es jetzt, mit Lust.

Und aufgrund der Lebensdauer,
der begrenzten, schau genauer,
trenne Wichtiges von dem,
was dir höchst unangenehm.

Nutz den Tag, der schnell vergeht,
wenn unverhofft sich Glück einstellt.
Verdränge und vergiss, was quält,
das dein Leben nicht erhellt.

Mache deine Leidenschaft,
zu leben, dir als Eigenschaft.
Schade ist’s, den Tag verschwenden,
und ihn ungenützt beenden.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenne

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26151