kunst amoi schau'n

Flamboyant

Die Geschichte nahm ihren Anfang während meines Praktikums bei einem großen deutschsprachigen Schweizer Kulturmagazin. Gerade einmal graduierter Magister der Medienwissenschaft, durfte ich, begleitet von einem Fotografenkollegen, meinen ersten Artikel gestalten. Eine angesagte Künstlerin hatte kürzlich mit großem Erfolg ihre Ausstellung in der Kunsthalle absolviert, und nun waren viele Menschen neugierig auf das Arbeitsumfeld der als […]

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Das neue Auge

Sinnlich liegt sie mir in der Hand, und ihre Anschmiegsamkeit wärmt mich bis unter die Haut, auch wenn meine Finger noch nicht die richtigen Stellen blind treffen, ich noch nach ihren Knöpfen taste und linkisch an ihren Rädchen drehe, die meiner neuen Geliebten, der kürzlich erworbenen Kamera — meinem neuen Auge. Und durch viele Hände bist […]

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Malen

Fein ist das Grau, Ohne Konturen, frei rinnt es zusammen, Der weiße Schwamm, saugt Ruhe in sich auf, Gitarren vibrieren, Bässe drehen Kreise, Borsten formen Formen Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau'n | Inventarnummer: 18005

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Im Zwiespalt von Kunst und Macht

Palazzo della civiltà italiana – Rom Eine leichte Brise ist aufgekommen, jetzt, wo die Sonne beginnt, sich hinter den Horizont zu neigen, und ein Frösteln in meinen Fingerspitzen macht mich darauf aufmerksam, wie zeitlos lange ich hier gesessen bin, am Rande der Plattform versunken in Betrachtung dieser Bögen; versunken im Versuch, jeden einzelnen von ihnen […]

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Von der Last der Farbe befreit

Und manchmal stört es einen, von der Überfülle der nackten Blickeswahrnehmung vor einem überfallen zu werden - gesegnet die Kurzsichtigen, die mit Abnahme der Brille die Welt in eine Verschwommenheit zu tauchen vermögen, um sie klarer, umfassender, einnehmender aufnehmen zu können. Und ähnlich verhält es sich mit der Farbe, manchmal vermeint man sie aus dem […]

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Der Raub der Sappho

Trauerspiel in vier Aufzügen 1. Wann kann das gewesen sein? Wie alt war ich damals, als ich diese Tragödie erlebte? Erlitt, und ich leide bis heute daran. Im Josefstädter Theater war es, da bin ich mir sicher, und dass ich ein Kleid anhatte, das mir meine Schwester Agnes aus Amerika geschickt hatte. Natürlich kein Care-Paket […]

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In einem kleinen Dorf

Gratwein ist ein kleines Dorf in Österreich. Es ist unweit der steirischen Landeshauptstadt Graz gelegen. Etwa dreitausendfünfhundert Menschen leben in Gratwein, und die haben es in sich. Oswald Heiner, der ehemalige Gratweiner Künstler, ist einer von ihnen. An einer Universität hat er nie studiert, er hat sich alles selbst beigebracht. Bevor er Künstler wurde, war […]

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Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau

Dass die mich nicht eingelocht und freigesprochen haben, war kein Glück, das war Können. Wegen Unzurechnungsfähigkeit zur Tatzeit. Sonst würde ich jetzt noch in der Anstalt hocken. Und ... das mit dem Bild, das habe ich mir reichlich überlegt. Ich meine, da habe ich ein Bild beschädigt und dann stürzen sich alle auf mich wie […]

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Zwei Bilder

Es war eine lange Passage, von Bordeaux nach Tahiti, die der berühmte Maler Aribert Vergouts mit seinem Modell Anne Palimenta unternahm. Auf Tahiti wollte er das dortige „himmlische Licht“ in einem Gemälde mit seinem Modell einfangen. Monsieur Aribert und Mademoiselle Anne hatten getrennte Kajüten. Er versuchte alles, um sie zu verführen, aber sie wehrte sich […]

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Borromäus‘ Beistand

Zu Füßen des Heiligen liegen rechts zwei Putti und ich bin dabei, die beiden kleinen barocken Kerle wieder adrett herzurichten, konkret restauriere ich gerade, mit der Farbpalette in der linken und dem Pinsel in der rechten Hand, den linken bläulichen Flügel des hinteren Engels, dessen Blick träumerisch in Leere zu gehen scheint. Es ist eine […]

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Der Drucker, der nicht lesen konnte

Er war der Drucker, der nicht lesen konnte. Noch in den 1970er-Jahren trug es sich zu. Niemand wusste, wie Bong es geschafft hatte, den Hauptschulabschluss zu erreichen. Und dann hier in dieser ehrwürdigen Zeitungsdruckerei einen Lehrplatz als Drucker zu ergattern. Und die Lehre dann, als Gipfel des Erfolgs, auch abzuschließen. Er war jetzt Drucker-Geselle. Die […]

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Die Stadt der Anderen

Es sind zwei Hügel. Und auf diesen Hügeln liegen zwei Städte, die sich gegenseitig trotzig belauern, wer wohl die schönere, die höhere von beiden sei. Und Tag für Tag spielt die Sonne mit deren Eitelkeiten und der gegenseitigen Eifersucht, wenn sie morgens die eine Stadt im blendenden Glanz erstrahlen lässt und diese ihren breiten Schatten […]

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Im Wladislaw-Saal der Prager Burg

Das ist ein Raum, den ich mit fliegenden Schritten durchtanzen möchte, sofern ich das könnte. Weit ist er und mit matt glänzenden, honigfarbenen Holzdielen belegt, die in den vergangenen fünf Jahrhunderten Abermillionen Füße über sich gehen, schreiten, schlurfen, tanzen und wohl auch stöckeln fühlten. Sogar auf Pferden wurde durch den Saal geritten, kann man im […]

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Inszenierung

Es ist der 3. Juli und wir befinden uns heute im Theater, vorletzte Aufführung, die Karten sind - wie an den Abenden und Wochen davor - restlos ausverkauft, das Stück schreitet zum dritten Akt voran, im Publikum: erregte Ungeduld. Plötzlich! – Licht unzähliger Scheinwerfer flutet die Bühne, ein schwarzgekleideter Mann mit Hut tritt auf: Es […]

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Das Bild

Ich warte darauf, dass das Bild mir von sich erzählt. Aber noch ist es nicht so weit. Noch schweigt es. Es ist weit gereist, von Wien in die Steiermark, immerhin. Ob es mitbekommen hat, dass es nicht mehr in der Mappe seines Schöpfers liegt? Dass es ein neues Zuhause hat? Wo ist sein neues Zuhause? […]

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Zahnfee reloaded

Man sieht mich auf dem Sozius einer Harley sitzen. Ich bin eine kleine Person von zierlicher Statur und das ist auch auf dem großformatigen Bild zu sehen. In meinem weißen Kittel, mit aufgestecktem Haar und ohne Helm sitze ich dort. Und wer genau hinsieht, der erkennt, ich habe meine Lupenbrille auf und ein sehr sanftes […]

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Allein mit Meret Oppenheim

Man fährt ja immer wieder nach Passau. Der Gründe sind genug. Zu nennen wären die Brauereien. Linz, eine Stadt mit vier Mal mehr Einwohnern, hat längst keine einzige mehr. Selig die Zeiten, da der Onkel meines Vaters, der mir nur einmal als sich den Bauch kratzender Teddybär im Pyjama begegnete, sein Bierkontingent, das ihm als […]

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