Kategorie-Archiv: Robert Müller

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Herr Twaroch kauft ein Auto

Der NEUE war fällig: Die Reparaturtermine des bewährten Familien-Opels verdichteten sich, und bei der vorgestrigen Überprüfung waren Roststellen aufgetaucht. Der Twaroch’sche Familienrat tagte nach dem Abendessen:

Für Herrn Amtsdirektor Twaroch war alles klar – man würde wie gewohnt das aktuelle Modell von der nahegelegenen Opel-Vertretung beziehen. Offen war nur, ob man den alten Wagen zurückgeben oder günstiger privat verkaufen sollte. Frau Twaroch, weil bar jeden technischen Interesses, war immer „federführend“ bei Farbe und Ausstattung, und der studierenden Tochter war die Familienkutsche sowieso immer zu spießig. Einzig der Zeitpunkt war heikel, denn der Urlaub stand vor der Tür. Sollte man nun trachten, unverzüglich das neue Modell zu erhalten (wozu Frau Twaroch neigte), oder wäre nicht besser – so ihr Gemahl – noch mit dem alten Wagen zu fahren, um in Ruhe auswählen zu können?

„Einmal möcht ich erleben, dass du was gleich zuweg bringst“, ließ Frau Twaroch alten Groll von der Seele – „und nicht ewig herumzögerst wie in dein’ Amt – wenigstens z’Haus könntest die Ärmelschoner auszieh’n!“ Das traf ins Herz! Die Tochter gluckste amüsiert – und Frau Twaroch legte ein Schäuferl nach: „Und bring bitte morgen Nachmittag die Prospekte mit, dass was weitergeht!“ „In Gottes Namen“, gab Herr Twaroch nach und trank grantig sein Bier aus. Den „Ärmelschoner“ würde er bei Gelegenheit zurückzahlen, das war zu viel!

Bei Opel saß zu der Zeit Verkaufsdirektor Neunteufel mit den Verkäufern im Büro und machte Druck: „Jetzt bekommen wir nächsten Monat die neuen Modelle herein und dieser überständige zuckerlrosa Corsa ist noch immer nicht verkauft! Ja, ja, ich kenne seine Geschichte – aber jetzt ist Feuer am Dach! Wir können 15% Rabatt geben – und wer ihn die nächsten acht Tage verkauft, bekommt zusätzlich einen Urlaubstag – also schauen Sie dazu!“ Die Herren nickten schweigend.

Herr Twaroch betrat am nächsten Tag mit gemischten Gefühlen das Autohaus. „Sein“ langjähriger Verkäufer war auf Probefahrt – und so nützte der junge Herr Pfusterschmidt die Gunst der Stunde. Beflissen kramte er die Prospekte heran, erklärte geduldig die Neuheiten und technischen Finessen, bis die Rede auf die Lackierung kam: „Wir bekommen unsere drei Vorführautos in ca. fünf Wochen herein – in Oxydblau, Weinrot und Neusilber, dann ist je nach Farbe mit acht bis zwölf Wochen Lieferzeit zu rechnen.“ „Ich würde den Wagen in vier Wochen brauchen, wir haben den Urlaub schon gebucht“, erklärte Herr Twaroch ungeduldig, „Geht das nicht schneller?“

„Ich fürchte nein, alle Händler bekommen die neuen Modelle gleichzeitig, und dann hat Opel Werksferien – es sei denn ...“. Hier fiel Herrn Pfusterschmidt der rosa Corsa ein. Das könnte die Chance sein! Aber gleich verwarf er den Gedanken. Sein Kunde war Anfang 50 und hatte immer würdige unauffällige Mittelklasse-Diesel gefahren. Schade!

„Es sei denn was – gibt es noch eine Möglichkeit?“, drängte Herr Twaroch. „Nun, wenn Sie sich rasch entschließen könnten, ein unkonventionelles spritziges Modell zu fahren – wir haben noch einen Corsa auf Lager, den eine junge Anwältin bestellt, aber noch nicht abgeholt hat“, erklärte der Verkäufer, „Das Modell spricht alle Sprachen, hat 90 PS und sieht fantastisch aus! Den könnten Sie sofort und mit 15 % Preisabschlag bekommen!“

Herrn Twarochs Hirn arbeitete fieberhaft. Die Worte unkonventionell und spritzig waren ihm unangenehm – er liebte sein ruhiges, geordnetes Leben – aber andererseits: Er könnte erfolgreich mit „Beute“ nach Hause kommen, und 15 Prozent Nachlass wäre eine hübsche Summe, und die Kollegen würden schauen, wenn er mit einem flotteren Wagen ankäme, und unbewusst juckte es ihn doch, seine beamteten Fesseln zu lockern, und und und. Nur, was würde seine Frau dazu sagen? Ohne sie war doch bisher nie eine Entscheidung gefallen. Aber hatte sie gestern nicht den Bogen überspannt mit den „Ärmelschonern“? Und einen Zauderer hatte sie ihn genannt – das schrie nach Vergeltung! „Zeigen Sie mir halt das Auto“, sagte er gespielt reserviert und unverbindlich, „anschau’n kann ich mir’s ja, das kost’ nichts.“

Der Verkäufer roch Lunte und geleitete sein Opfer auf den Parkplatz: „Na, was sagen Sie? Ist das nicht ein Prachtstück – da dreht sich jeder um auf der Straße!“ Herr Twaroch fiel vor der himbeer-rosa glänzenden Versuchung aus allen Wolken: „Das? Mmmit so was soll ich fahren? Da glaubt ja jeder ich hab die Midlife-Crisis oder so – das fährt doch höchstens eine ganz junge Frau – also was sollen denn die Leute von mir denken?“

„Die werden höchstens denken, dass sie Ihnen das nie zugetraut hätten“, goss der mit allen Salben geschmierte Herr Pfusterschmidt Öl ins Feuer, „Und wissen Sie, was dieser junge Corsa alles kann? Das erzähl ich Ihnen auf der Probefahrt, also der Wagen hat eine Zusatzausstattung, die Sie bei weit größeren Autos teuer zukaufen müssten.“. Er öffnete einladend die Beifahrertür, Herr Twaroch stieg (vom Schock gelähmt) automatisch ein – und die Falle schnappte zu.

Der Verkäufer fuhr dosiert spritzig ein paar Kilometer stadtauswärts und plauderte dabei ununterbrochen, sodass sein Opfer nicht zum Denken kam: „Na, was sagen Sie, wie der anzieht und wie wendig er ist. Jaja, viele Leute glauben nur an die passive Sicherheit eines großen Wagens, aber erstens gibt es immer einen noch dickeren, und hier ist die aktive Sicherheit viel größer – wo Sie mit einem gleichstarken Vectra oder Astra wegen der größeren Trägheit nicht mehr überholen oder ausweichen können, flutscht dieser schnellere Corsa noch weg wie nichts, der hat ja den österreichischen Motor. Und wenn ich Ihnen die Servobremsen vorführe. haben wir beide eine gebrochene Nase. Front- und Heckscheibe sind geheizt, Airbags auch im Fond und – sehr praktisch im Sommer – Aircondition!! Die allein kostet sonst ein Schweinegeld – und hier ist sie gratis dabei! Ich sage Ihnen, wenn ich nicht vor vier Monaten einen neuen Dienstwagen bekommen hätte, ich würde ihn selbst kaufen. Ich habe vorige Woche meine Freundin bei einer Probefahrt mitgenommen – die wollte gar nicht mehr aussteigen! Und sehen Sie diese tolle Stereoanlage mit CD-Wechsler – das haben sonst nur Super-Luxus-Modelle!“

Herr Twaroch war sprachlos – und immer neue Befürchtungen und Visionen schossen durch sein kochendes Gehirn. Ein günstiger Kauf, oh ja. Aber was würde sein Chef und Vorbild, der wirkliche Hofrat DDr. Erbsendrescher, zu diesem Hippie-Auto sagen? Und seine Bekannten würden über ihn tuscheln! Seine bequem gewordene Gattin träumte sowieso von einem weißen Mercedes. Aber irgendwie fühlte er sich immer jünger in diesem bunten Flitzer, wie abgehoben.

„Lassen Sie mich zurückfahren“, sagte er endlich zum Verkäufer. In den nächsten zehn Minuten alterte Herr Pfusterschmidt um Jahre, denn nach ein paar Anpassungsfehlern fühlte Herr Twaroch, dass ihm dieses flotte Auto in die Hand wuchs wie maßgeschneidert – er fuhr wie eine gesengte Sau, aber mit einem staunenden Lächeln im Gesicht.

„Ja, lauft wirklich gut“, lobte er gekonnt gelangweilt nach unfallfreier Rückkehr, „aber ob das für mich der Richtige ist – also ich weiß nicht!“ Er schüttelte ungläubig den Kopf. Da kam Herr Neunteufel über den Platz, begrüßte den Stammkunden herzlich und spürte dessen Unsicherheit. Prompt verwies er den Verkäufer an eine wartende Dame und bat Herrn Twaroch in sein Büro. Die offenherzige Frau Mitzi servierte den Türkischen, und der Verkaufsleiter eröffnete routiniert: „Herr Twaroch, wie kann ich helfen – sind Sie über das Modell unsicher oder überdenken Sie bereits Ihren Entschluss?“ Der Amtsdirektor nippte am Mokka: „Sie sind ein guter Menschenkenner, es trifft beides zu“, und erzählte sein Dilemma. Herr Neunteufel hörte aufmerksam zu und lehnte sich dann zurück:

„Es stimmt, das neueste Modell in vier Wochen ist unmöglich. Also bleibt nur abwarten oder den Corsa nehmen. Darf ich Sie bitten, ein paar Fragen spontan mit Ja oder Nein zu beantworten? Gut. Brauchen Sie den Wagen oft dienstlich? Nein? Brauchen Sie ein großes Auto, weil Sie viel und schweres Material transportieren? Nur den Wocheneinkauf? Fahren auch Gattin und Tochter öfters mit dem Auto? Ja? Wollen Sie heute mit einem Auto nach Hause kommen – Ja? Das war’s, Herr Twaroch, ich glaube Sie haben bereits entschieden. Wie Sie da hereingefahren sind, so schwungvoll und gut aufgelegt, habe ich Sie noch nie gesehen. Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Wenn Sie sich für den Corsa entscheiden, können Sie Ihren alten Vectra zu uns stellen, bis er verkauft ist. Und damit Sie und die Gattin sich so kurz vor dem Urlaub noch an das Auto gewöhnen können, stelle ich Ihnen für das nächste Wochenende meine kleine Ferienwohnung am Faakersee zur Verfügung, na, was sagen Sie? Das nächste Auto kann ja dann wieder ein größeres sein. Natürlich muss der Wagen auch der Frau gefallen, aber dem nachzuhelfen gibt es ein sicheres Mittel!“

Herrn Twarochs sportlicher Ehrgeiz erwachte: „Wie wollen Sie das anstellen, also da bin ich gespannt.“ Herr Neunteufel lächelte nachsichtig: „Ich bin das dritte Mal verheiratet, ich kenne mich aus. Kaufen Sie der Gattin einen himbeer-rosa Blazer und eine weiße Hose dazu, damit sie zum Auto passt. Gleich jetzt, ohne dass sie davon weiß. Wenn Sie heute unterschreiben, erledige ich die Ummeldung morgen vormittags, und am Abend steht der NEUE vor Ihrer Haustür, ist das ein Wort?“ Er hielt dem verdutzten Kunden einladend die Hand hin. Herr Twaroch holte rief Luft, dann schlug er blitzenden Auges ein! Und mit Frau Mitzis Hilfe (sie hatte dieselbe Größe wie Frau Twaroch) schaffte er Blazer und Hose noch knapp vor Geschäftsschluss. „Heute ist es sich nimmer ausgegangen – morgen bring ich dir was mit“, sagte er abends kryptisch zur Gattin und diese nickte resigniert: „Eh klar, wie immer!“

Herr Neunteufel hielt Wort („Der Teufel schlaft nicht und der Neunteufel nur drei Stund“ war ein geflügeltes Wort bei Opel). Um 17 Uhr stieg Herr Twaroch klopfenden Herzens vor seinem Reihenhaus aus dem Corsa. Was würde seine Frau sagen? Er schwitzte zu Recht: „Ja, bist du ganz von Gott verlassen – was hast du dir da gedacht? In so ein Hippie-Auto kannst bei der Love-Parade mitfahr’n, aber ich steig da nicht ein! Den gibst sofort zurück!“ Herr Twaroch trat einen Schritt vor: „Jetzt hörst du einmal zu: Erstens wäre sich der neue Wagen bis zum Urlaub nicht mehr ausgegangen, die haben zwei bis drei Monate Wartezeit – und zwar überall! Aber bitte, du wolltest ihn gleich haben. Zweitens hat dieser endlich eine Super-Klimaanlage, und du jammerst eh immer so, wenn’s heiß ist. Drittens war er sehr günstig, den ganzen Urlaub habe ich runtergehandelt – 15% vom Preis, was sagst! Und viertens hab ich dir was mitgebracht – mach einmal die hintere Tür auf und schau nach!“ Frau Twaroch bockte: „Nicht einmal mit Asbesthandschuh’ greif ich das Auto an! Wenn du dich lächerlich machen willst, bitte, aber ich nicht!“ Der Amtsdirektor atmete tief und straffte sich: „Mach auf und schau nach!“, sagte er dermaßen ruhig und bestimmt, dass sie gehorsam öffnete und staunend den Blazer ausbreitete: „Ja, wie ist dir denn das eingefallen? Und die Hose dazu? Schaut gut aus! Also ich kenn dich ja gar nimmer?“ Ihre geweiteten Augen flogen zwischen der Kleidung und dem Corsa hin und her.

Und wie bestellt kam gerade die Tochter nach Hause. Mit vor Staunen offenem Mund blieb sie vor dem bunten Auto stehen: „Sag Papa, ist das wahr – den hast du gekauft? G’hört der am End mir?“ Herr Twaroch schüttelte lächelnd den Kopf: „G’hör’n tut er jetzt uns allen, weil die letzten zwei, drei Jahr’, wo du noch bei uns wohnst, kannst natürlich auch damit fahren, und die Mama hat sich mit dem größeren beim Einparken eh immer schwer getan. G’fallt er dir, Spatzi?“ Die Tochter umarmte ihn jubelnd: „Na klar, super, darf ich gleich eine Runde machen?“ Sie küsste ihn stürmisch ab, und der Papa bemerkte nur liebevoll: „Nimm die Mama gleich mit, und ein paar CDs, weil eine Soundmaschine hat er auch!“

Die Runde dauerte fast eine Stunde, weil Mutter und Tochter sich so viel zu erzählen hatten, während der Papa mit kreisenden Gedanken in der Küche bei einem G’spritzten saß.

„Ein raffiniertes kleines G’fraßterl bist trotzdem“, sagte Frau Twaroch spätabends im Ehebett und gab ihm sein Gutenacht-Bussi, „aber ein liebenswertes.“ Herr Twaroch schlief ein in der berechtigten Ahnung, dass sein Leben nun etwas bewegter sein würde als in den letzten Jahren.

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt| Inventarnummer: 23038

Wald, Baum, Holz

Woran denkt man, wenn man „Wald“ hört? An den würzigen Geruch der Nadelwälder? An den Sonneneinfall zwischen den hohen Stämmen (wie in gotischen Kirchen)? An Schwammerl- und Beerensuchen? An lange Wanderungen auf dem weichen Waldboden? Oder ein wenig ängstlich an Orientierungslosigkeit; und dass hinter dicken Baumstämmen jemand/etwas lauern könnte? Ein Jäger oder ein Forstwirt haben da ganz andere Gedanken.

Was assoziiert „Baum“? Seinen wohltuenden Schatten? Seine Früchte? Seine verwurzelte Standfestigkeit und Lebensdauer? Oder seine Blüten im Frühjahr und das Vogelgezwitscher in seiner Krone? Ein Sägewerksbesitzer oder Bauer denken prosaischer.

Welche Anmutungen weckt „Holz“? Den angenehmen Duft und seine lebendige Struktur? Das warme Knistern seiner Scheiter im Kamin? Ein Tischler denkt praktisch an seine Verwertbarkeit (wie viel ist es wert?). Ein Zimmermann schätzt seine Brauchbarkeit im Holzbau ab. Aber ein Volkskundler kann wohl mehrere Bücher schreiben zum Thema Holz.

Wie auch immer, ein Baum ist viel mehr als etwa zwei Festmeter Brennstoff. Und wenn wir ein Stück Holz in die Hand nehmen, können wir fragen: „Was für ein Baum bist du gewesen? Wo bist du aufgewachsen? Welche Vögel haben in deiner Krone ein Nest gebaut und in der ersten Dämmerung den neuen Tag mit ihrem Gesang begrüßt?"

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: let it grow | Inventarnummer: 23031

Die Leseratte

Es war mal eine Leseratte,
die leider nix zum Lesen hatte.
Sie suchte dort, sie schnuppert’ hier,
auf einmal roch es nach Papier;
nach Büchern, alt, mit Lederrücken. „Na endlich“, rief sie voll Entzücken:
„Ein helles Zimmer, Gott sei Dank,
mit einem vollen Bücherschrank!“

Weil sie der Lesehunger plagt – hat ihr ein Kochbuch zugesagt:
„Hausköchin, Magdalena Rettig“ – da stand es, dick und bisserl fettig,
mit Speisen, wo man Mehl und Zimt – und jede Menge Butter nimmt,
und dicke Suppen, fette Braten – da ist die Ratte rund geraten:
„Nein“, rief sie, „nein, das kann nicht sein – ich werd ja dicker als ein Schwein!“

Sie hüllte sich in feuchte Tücher – und las nunmehr Diät-Kochbücher;
„Gekochte Kost ist tote Nahrung“ – so schrieb ein Doktor mit Erfahrung,
„Viel Wildgemüse, Tee und Kraut“ – genau so hat er ausgeschaut!
„Das will ich nicht“, meint sie bedenklich – „die Leute wirken ziemlich kränklich.
„Vegan und g’sund macht säuerlich – ich hätt es lieber bäuerlich.“

Weshalb sie in die Ecke kroch – wo es nach Käs und G’selchtem roch,
nach Brot und Milch, nach Schaf und Kuh – und dem, was die verdaut, dazu;
verschlang den Rossegger, den Peter, und dann so zwei, drei Wochen später
von Heinrich Waggerl „Jahr des Herrn“ – das las sie ganz besonders gern.
Das Wiesenbuch, das Schwere Blut – die schlichte Sprache tat ihr gut.

Dann auch den Stifter, Adalbert – der war zum Schlafen-Geh’n viel wert:
Beim „Nachsommer“, ab Seite vier – da schläft man wie ein Murmeltier.
Gefallen fand der Lese-Ratz – am Schweizer Autor Richard Katz.
Hat seine Bücher durchgelesen – von Afrika und den Chinesen.
So las die Ratte Jahr um Jahr – bis sie am Lebensende war.

Nun fiel ihr die Entscheidung schwer – wohin der Weg zu nehmen wär:
Der Weg zur Hölle war schön breit – mit vielen Büchern dick bestreut.
„Was“, schrie der Teufel, „du willst lesen? – Bei uns verkehren nur die Bösen!
Hier liest man keine Abenteuer – die Bücher heizen nur das Feuer!
Jetzt marsch hinaus und geh nach oben – dort wird man deine Künste loben!“

Nun sitzt sie hinterm Himmelstor – und liest den kleinen Engeln vor.

Foto & Copyright: Christoph Kempter, lensflair.at

Foto & Copyright: Christoph Kempter, lensflair.at

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 22144

Am Feuer

Zu später Stund die bange Frag - hab ich was Böses Euch gesagt?
Meist war, was ich Euch apportiert - am nächsten Dienstag kommentiert.
Das Feuerlied war abgefasst - dass es in jede Runde passt
So hoff ich, weiter ungebrochen - auf Nachricht in der nächsten Wochen
und schreib gerad, auf kleinem Feuer - ein Leseratten-Abenteuer
Robert Müller

Kommentar der Redaktion: Ende gut, alles gut; wir waren bloß ein
bisschen langsamer als sonst … und präsentieren nun:

Am Feuer

Wie die Eva den Adam – mit’n Apfel verführt
Hat s’ der Erzeng’l aus’n – Paradies ausseg’spirrt
Sie war’n beide nackert – und eahna war kalt
Drum hab’n s’ gleich ein Feuer g’macht – mitt’n im Wald

Und später hab’n d’Menschen – begeistert entdeckt
Wie guat so a Mammut – am Spieß braten schmeckt
Drum ham s’ gleich die Gluat – in a Gruabn eineg’fasst
Und d’Großmuatta hat dann – aufs Feuer aufpasst!

Doch der Fortschritt ist ’kommen – und mit’n Feuer war’s aus
Man kocht jetzt elektrisch – und zentralg’heizt ist’s Haus
Drum hab’n wir uns schnell – a Ersatzlösung g’macht
Und grill’n a paar Würstel – am Samstag auf d’Nacht

Am schönsten ist’s trotzdem – wann’s kalt ist und schneibt
Dass ma g’mütlich auf d’Nacht – vorm Kamin hocken bleibt
Da schaut man ins Feuer – und trinkt an Schluck Wein
Und plaudert mit d’Gäst’ – bis der Mond nimmer scheint!

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt| Inventarnummer: 22129

 

Familiäre Wahrnehmung

Beim jährlichen Familienfest im Wochenendhaus des wohlhabenden Autohändlers Emmerich stehen viele Verwandte mit einem Glas Sekt im Garten oder auf der Terrasse und plaudern in kleinen Gruppen. Es ist ein warmer Frühsommertag. Herbert, der jüngste Sohn des Hausherrn, hat erstmalig seine neue Freundin Gaby mitgenommen, um sie seiner Familie „an kurzer Leine“ vorzuführen. Sie wird freundlich begrüßt und dann von jedem Familienmitglied, je nach Profession und Neigung, beschnuppert und taxiert:

Schwester Susi, Friseurin: „Auf billig geschnittener Bubikopf und vermutlich in Eigenregie nachgebleicht – nicht gerade Klasse.“

Schwägerin Liselotte, Verkäuferin bei einem Juwelier: „Die Halskette ist sehr schön, nicht unter 600 Euro, den Rest kannst vergessen. Aber süße rosige Ohrläppchen hat sie, da würden goldene Sternchen mit Türkis gut dazupassen.“

Norbert, der älteste Bruder, Gynäkologe: „Na ja, ein bisserl eng, das Becken – hoffentlich gibt’s da bei einem größeren Kind kein Problem.“ Und nach einem zweiten Blick: „Aber verhungern wird das Kind sicher nicht!“

Tante Johanna (die „Hansitant“), Inhaberin eines Textilgeschäftes: „Ein billiger und zu kurzer Fetzen! Die grellen Frühjahrsfarben passen überhaupt nicht zu ihrem blassen Teint. Und die schlamperten Nähte werden auch nicht lange halten. Sehr fabriksneu, das Ganze. Ich werd’ ihr halt einmal was G’scheits zeigen, wenn’s beiander bleiben. Bei der Figur kann s’ ja eh alles tragen.“

Cousin Melchior (nach seinem afroamerikanischen Taufpaten „Murli“ genannt), Zahnarzt: „Na endlich einmal feste weiße Beißerchen in dieser kariösen Familie.“

Joschi-Onkel (Orthopäde): „Na ja, ein bisserl Hohlkreuz hat’s, macht aber einen knackigen Hintern. Aber diese grauslich spitzigen Sandalen mit hohem Absatz!! Also in spätestens zehn Jahr’ hat s’ Kreuzweh und Hammerzech’n. Das muss ich dem Herbert gelegentlich sagen. Wo ja die Krankenkassa eh jedes Jahr weniger zahlt!“

Hausherr Emmerich: „Hmhm, Kolarik heißt’s, das Mäderl. Lieb ist’s ja. Also wenn’s aus der Familie vom Schweizerhaus ist, wär’ eine stramme Mitgift denkbar. Unwahrscheinlich, ja, aber wenn’s so wär’ – und der Herbert endlich sein’ Magister schon hätt’ ...?“

Urgroßonkel Ferdinand, 95, pensionierter Bahnhofsvorstand: „Also stundenlang könnt’ ich mir diesen wunderschönen langen schlanken Hals anschauen.“ Warum dieser Blick auf den Hals? Die Gerüchteküche der Familie will wissen, dass sich Onkel Ferdinand in der Hungerzeit nach 1945 ein paar Jahre in Nordafrika als Scharfrichter (wortwörtlich) durchgeschlagen hat.

Auch anatomische Gedanken, aber mütterlicher Art, hat die Großtante Anna, verwitwete Fleischhauerin in Pension („Grammel-Tant“ genannt, weil sie nach dem Krieg ihren hungernden Verwandten immer Pakete frischer Grammeln zusteckte) beim Anblick des Mädchens: „Mein Gott, so ein Henderl. Na ja, wir werden’s schon aufpapperln, wenn s’ erst einmal zu uns g’hört!“

Herbert: „Hoffentlich können wir bald geh’n, jetzt haben s’ die Gaby eh schon alle g’seh‘n!“

 

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary| Inventarnummer: 22093

Engel auf Erden

Weil’s sonst keiner tut – sag euch ich, das is g’wiss
Dass a Engel auf Erden – was Himmlisches ist

Was ein Mann davon träumt – das ist unbeschreiblich
Von an Engel, was blond is – und rosig und weiblich
A Frau träumt, der Schutzengel – nimmt s’ fest in Arm
So a starker, schwarzg’schnecklerter – haltert schön warm

Aber bleib ma beim Thema – ein Eng’l wär guat
Wannst sonst niemand hast – der dir hilft und was tuat
Wenn’s einmal g'schissen hergeht – und du brauchst an Rat
Ist a jeder ein Engel – was Zeit für dich hat

Wozu ma an Engl braucht – ist sehr verschieden
Wennst arbeitslos word’n bist – oder krank, oder g’schieden
Wennst ka Zukunft mehr siehgst – wenn sich d’Welt nimmer draht
Wennst alleinig daheim bist – und kein Hahn nach dir kraht

Dann wär wohl ein irdischer – Engel recht fein
das kann auch die grantige – Nachbarin sein
Vielleicht sagt s’ dir, was eigentlich – dein Fehler war
Oft ist nach ein‘ Tritt – in dein’ Hintern alles klar

Dass d’ aufstehst und tuast was – der Zorn gibt a Kraft
Aus Wehleidigkeit – hat noch keiner was g’schafft
Oder ’s fallt dir wer ein – dem ’s grad noch schlechter geht
Und ein’ Eng’l wie Dich – dringend notwendig hätt’?

Da bist wer und kannst was – und es Helfen tuat guat
Du kriagst wieder Wärme – und a Eisen ins Bluat
Miteinander räumt’s dann – den Stein aus’n Weg
Zu zweit ziagt ma leichter – den Karr’n aus’n Dreck

Dann plaudert ma gern – bei an G’spritztn im Garten
Wer an Freund hat, der braucht – auf kein’ Engel mehr warten!

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt| Inventarnummer: 22066

Erste Hilfe

An einem Sommerabend beim Heurigen: Die meisten Tische sind besetzt, die Gäste genießen ihr Glas Wein mit einem kleinen Imbiss und plaudern in kleinen Gruppen. Es sind wohl etliche Einheimische hier, die Mehrzahl stellen Besucher aus Wien.

An einem Tisch wird die Unterhaltung eines älteren Paares lauter, die Frau steigert sich in einen hysterischen Anfall und kippt – eine Ohnmacht markierend – gekonnt und ohne Verletzungsgefahr hintenüber von der Bank ins Gras.
Der Alois, ein 50-jähriger Maurer mit guten 100 kg und Walrossbart, stürmt vom Nebentisch hin, reißt die Bluse auf, fünf Drücker Hand über Hand am Brustbein, dann Mund-zu-Mund-Beatmung. Mit einem Pressluftstoß aus blasmusikgestähltem Brustkorb füllt er ihre Lunge bis zum Platzen – diese großzügige Luftspende entringt sich der Frau umgehend in einem schrillen Schrei: „Sind Sie wahnsinnig!“ Sie rappelt sich hoch und keift weiter: „Mich so zu überfallen – um Gottes willen, ich bin halb nackt, meine Bluse … und pfui Teufel, wie Sie aus dem Mund stinken! Haben Sie einen toten Hund gefressen?“
Darauf Lois, gemütlich: „Na, nur a Quargelbrot mit Zwiefel.“
Sie, wieder in Hysterie fallend: „Nein, das halt ich nicht aus, das halt ich nicht aus, oh Gott, mir wird schlecht!“
Lois, väterlich ermahnend: „Sö, Frau, wenn S’ wieder umfallen, mach ich weiter!“

Diese gut gemeinte Drohung bewirkt blitzartig: 100%ige Rekonvaleszenz. Sie schreit mit rotem Gesicht: „Nein, wirklich net, Rudi! Ruuudi! Wir gehen! Sofort!“ und läuft beim Gartentor hinaus.
Der Gatte Rudi: „Na, i muaß no zahln. Mitzi, zwei Gspritzte, zwei Brot und a Flaschl Guatn für den Herrn da – so, stimmt schon.“ Er winkt dem Lois zu, grinst und geht seiner Frau nach.

Der Weinhauer zum Alois: „Guat g’macht, Loisl, aber hast so grob sein müssen?“ Der Lois, gestelzt aus den Verhaltensregeln der freiwilligen Feuerwehr zitierend: „Bei Abwehr ernsthafter Gefahr im Verzug sind Kollateralschäden zweitrangig.“ Er setzt sich wieder und trinkt zufrieden lachend seinen G’spritzten aus.
Aber die ungestüme Kraftnatur des Alois hat in der Frau auch anderen Eindruck hinterlassen, wie sie einer Freundin anderntags mitteilte: „Also wie das Trumm Mannsbild mit seine Riesenpratzen über mir war – also da war mir ganz anders.“

Der Rudi besucht nun zwecks Muskelaufbau (die Midlife-Crisis hat auch ihr Gutes) einen Fitnessklub; und bei späteren Heurigenbesuchen bestellte er jedes Mal ein Quargelbrot, weil: „Sicher ist sicher, wennst am End’ wieder einmal einen Anfall kriegst.“

Sie hat nie wieder einen gekriegt!

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary| Inventarnummer: 22007

Handgreifliches

Max (Name frei erfunden) arbeitete in einer großen Firmenzentrale, die in einem alten, dreistöckigen Haus mit langen Korridoren untergebracht war. Eines Tages traf er am Gang hinter einer verglasten Pendeltüre seinen Abteilungsleiter und wechselte einige Worte mit ihm. Nach der Abschiedsfloskel griff er – noch dem Chef zugewandt, hinter sich an den Türknopf, um seinem Boss die Türe aufzuziehen.

Aber inzwischen hatte – von ihm unbemerkt – eine junge Sekretärin hinter ihm bereits die Türe zu sich gezogen, um durchzugehen, und so ging sein tastender Griff nach dem Türknopf mitten hinein ins „volle Menschenleben“, nämlich ins üppige, hochsommerliche Dekolleté der knapp eineinhalb Meter „großen“ Kollegin.

Max drehte sich erschrocken um – was war denn das? Um Gottes willen – er hatte da, ohne hinzusehen und daher ohne „böse“ Absicht – eine Frau unsittlich berührt, ja geradezu unverschämt angefasst. Mit rotem Kopf konnte er nur mehr stottern: „Bitte, entschuldigen Sie vielmals – ich, ich habe Sie wirklich nicht gesehen! Das ist mir noch nie passiert – was müssen Sie jetzt von mir denken? Und das muss ja furchtbar unangenehm für Sie gewesen sein!“

Da antwortete das unverdorbene Naturkind mit himmelblauem Augenaufschlag: „Nicht so schlimm, unangenehm ist’s ja nur, wenn der Falsche hingreift.“ Der Abteilungsleiter lachte „Hands im Strafraum, das gibt Elfmeter!“ und ging seiner Wege, während Max sich erst einmal fassen musste. Er schluckte und sagte verlegen „Danke, Frau Kollegin, sehr freundlich von Ihnen“, und eilte in sein Büro zurück. Wo er den restlichen Nachmittag einen unkonzentrierten und tagträumenden Eindruck hinterließ.

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary| Inventarnummer: 22023

Verdächtige Überstunden

Max war ein fleißiger Mann und hatte dazu auch allen Grund: Als Alleinverdiener (die Gattin war mit dem Baby in Karenz) musste er für die ansehnliche Miete der neuen, größeren Wohnung und den Kredit für die Einrichtung aufkommen. Gott sei Dank war in der Firma – er arbeitete in einem großen Rechenzentrum – viel los und es fielen oft Überstunden an. Seit einem Jahr war er für den großen Einzelblatt-Laserdrucker verantwortlich, der pro Sekunde zwei Seiten DIN-A4 ausspuckte und somit technisch anspruchsvoll war. Die überschüssige Druckkapazität konnte Max am Markt frei verkaufen, wovon große Werbefirmen gerne Gebrauch machten.

Heute war endlich das Papier für einen dringenden Großauftrag angeliefert worden, und Max schlug verzweifelt die Hände zusammen: Nicht nur dass die Papierbögen einen Zentimeter zu lang waren, sie hatten vorgabewidrig auch noch eine glatte, glänzende Oberfläche – ein Papier also, das der Drucker in den vorgegebenen Sekunden-Bruchteilen nicht einziehen konnte, weil die schmale Gummirolle immer wieder „ausrutschte“ und daher die automatische Meldung „Papierstau“ mit Stillstand der Maschine auslöste. Die Überlänge wiederum bewirkte, dass der bedruckte Papierbogen am Ablagekorb anstieß und nicht sofort glatt hinunterfiel, was ebenfalls Papierstau verursachte.

Aber wie auch immer – der dringende Auftrag musste gedruckt werden, egal wie, denn der Kunde war eine namhafte Werbeagentur. Diese Aufgabe zu bewältigen, würde gute Nachrede, ein (wenn auch schuldloses) Versagen aber Ärger bringen. Also was tun? Der Techniker der Herstellerfirma entfernte zwecks breiteren Durchlasses ein Leitblech aus der Maschine, und Max programmierte den Drucker um, sodass die fertigen Blätter nicht in den Ablagekorb, sondern aus dem Probedruck-Schlitz herausfielen. Gut, die Überlänge war zu handeln, aber was tun mit dem rutschenden Einzug?

Womit könnte man wohl die weiche Einzugsrolle überziehen, damit das glatte Papier transportiert würde? Ein Test mit dem genoppten Überzug eines Tischtennisschlägers (vom Aufenthaltsraum) fiel negativ aus, das Gewebe war zu hart. Es müsste ein sehr schmiegsames, gummiartiges Material sein – wo bekam man sowas in der Eile her? Ein älterer Kollege hatte die Idee: „Warum nicht ein Kondom? Das wäre elastisch genug!“ Max sauste schon in die nächste Drogerie und besorgte zwei Sorten, einmal „naturfeucht“ und einmal „Reizpräservativ mit Noppen“. Was soll’s, der Zweck heiligt wohl das Mittel.

Das Kondom mit Relief ließ sich schlecht überziehen und schied somit aus, die „naturfeuchte“ Alternative zog wohl zufriedenstellend die glatten Blätter ein, aber nach ein paar Sekunden war das Material erstens trocken und zweitens von der Rolle „gewuzelt“. Wieder nichts, also was nun? Schade, die „naturfeuchte“ Schutzhülle war anfangs so vielversprechend. Halt, wäre das die Lösung – „naturfeucht“??? Max schnitt den Überzug herunter und hielt einen feuchten Lappen von oben an die Gummi-Einzugsrolle, der Kollege startete die Maschine und der Drucker lief wie ein Uhrwerk! Max stellte einen Wassernapf und zwei Lappen bereit, damit der Feuchtigkeitsspender immer blitzartig gewechselt werden konnte, der Kollege am Ausgabefach ließ die gedruckten Blätter in eine davorgehaltene große Schachtel fallen, und mit dieser „händischen“ Zusatzleistung war um zwei Uhr früh der Auftrag abgearbeitet.

Müde und steif von dieser stundenlangen verrenkten Körperhaltung kam Max mit dem Taxi nach Hause, zog Schuhe und Rock aus und schenkte sich in der Küche ein Glas Bier ein – das brauchte er jetzt. Es war drei Uhr früh, Frau und Kind schliefen schon lange. Aber als er gerade das Küchenlicht abdrehen wollte, um ins Schlafzimmer zu gehen, fiel ihm die ausgebeulte Außentasche seines Sakkos auf. Um Gottes willen, da waren ja noch die zwei angebrochenen Kondomschachteln drin! Also wenn morgens die Frau wie gewohnt zuerst aufgestanden und den Kaffee hingestellt hätte, wäre ihr das sicher aufgefallen, und sie wäre der Sache auf den Grund gegangen! Am Telefon spätabends zu erzählen, dass ein dringender Auftrag Überstunden erfordert hätte, und dann mit diesen „Beweisstücken“ – zwei aufgerissene Kondompackungen, einmal sogar „Reizpräservativ mit Noppen“ – um drei Uhr nach Hause zu kommen!!! Also das hätte auch die naivste Ehegattin nicht geglaubt. Rasch nahm er die verräterischen Packungen heraus und warf sie durch das Küchenfenster in die Büsche vor dem Haus.

Vier Stunden später hörte er beim Frühstück am offenen Fenster die unter ihm wohnende Hausbesorgerin schimpfen, welcher „Schweinigel“ da seine unappetitlichen Hilfsmittel weggeworfen hätte. Und der Chef der Werbeagentur bedankte sich vormittags bei der Abholung des Auftrags persönlich mit einem generösen „Schmattes“ bei Max, weil er den heiklen Auftrag pünktlich geschafft hatte. Ja, es ist eben nicht immer alles so, wie es scheint.

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary| Inventarnummer: 22011