Kategorie-Archiv: Michaela Swoboda

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Seitenwechsel

Es hatte sich mit so einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit ergeben, eines Nachmittags im Sommer. Ich hatte Martin einfach ein paar Werkstücke vorbeigebracht und erklärend gemeint, dass ich ohnedies zufällig in seine Richtung unterwegs gewesen war. Und schon war ich in seiner Wohnung, in der er die Werkstatt hatte, in der er mich dann auch gleich herumgeführt hat … Martin fertigte für unsere Praxis die Zahnspangen, die er fast täglich bei uns ablieferte. Er gefiel mir und ich wollte ihn privat kennenlernen.
Wir waren ein fröhliches Pärchen, in ungezwungenem Verhältnis zueinander, eine Sommerliebelei.
Meine Kollegen in der Ordination wussten davon nichts, was mir recht war, ich wollte mich nicht fix binden. Martin sah das vermutlich auch so. Ich hatte mich noch nie festlegen wollen, hatte tiefe Gefühle zu keiner Zeit in Aussicht gestellt.
Meist war er es, der sich meldete, der per WhatsApp ein Treffen vorschlug, und oft passte das auch zu meinen Plänen. Es blieb angenehm unverbindlich und leicht.

Eines Tages – ich saß am Empfang in der Ordination – erschien ein auffallend attraktiver Patient. Auch seine Art fand ich auf Anhieb ansprechend. Und Samuels Deutsch mit französischem Akzent war ein betörender Singsang. Dazu seine unergründlichen Augen, deren einzige Absicht zu sein schien, meinen Blick zu bannen.
Immer noch war Sommer und wolkenlose Unkompliziertheit war bald auch zwischen Samuel und mir die unausgesprochene Basis.

Für Martin hatte ich jetzt weniger Zeit, eigentlich gar keine mehr. Auf seine Vorschläge, uns zu treffen, antwortete ich zuerst vertröstend, bald gar nicht mehr. Manchmal bedachte er mich mit einem betroffenen Blick, wenn wir uns beruflich begegneten, wenige Male sandte er per WhatsApp so etwas wie „Alles klar?“ oder auch nur „???“. Als ich einmal später zur Arbeit kam, trafen wir auf der Straße aufeinander. Ich tat rasch einen Blick in mein Handy, gab vor zu telefonieren und wechselte die Straßenseite.

Samuel war Künstler, erfolgreich und charismatisch, weshalb sich auch andere für ihn begeisterten. Das stellte ich bald fest. Meist war ich es, die sich bei ihm meldete, die per WhatsApp ein Treffen vorschlug, und gelegentlich passte ein solches auch in seinen Terminplan. Ich wünschte mir bald ein wenig mehr Innigkeit. Er ließ sich nicht festlegen und sprach kein einziges Mal von Beziehung oder Zuneigung.
Nach ein paar Wochen beantwortete er meine Anfragen oft ausweichend und eines Tages gar nicht mehr. Dann schickte ich ein „Ist alles in Ordnung?“ oder ein insistierendes „Was ist los?“ hinterher, später auch ein ratloses „Hallo?“.

Seinen nächsten Zahnarzttermin hatte Samuel für einen Tag vereinbart, an dem ich keinen Dienst hatte, also versuchte ich, ihm en passant in der Nähe der Praxis zu begegnen. Ich sah ihn schon aus der Ferne. Er sah kurz auf, danach in sein Handy und wechselte die Straßenseite.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 19117

Hin und Her

Ich wünsche mir eine Schaukel in meinem Garten, ein schlichtes Holzbrett an Seilen.

Eine Schaukel ist ein Hängesitz, mit dem man hin- und herschaukeln kann. Das Schwungholen erfolgt durch Streck- und Beugebewegungen mit den Armen und Beinen oder durch Abstoßen von einem festen Punkt.

Man lacht über meinen Wunsch und missbilligt das Schaukeln als Kinderkram. Ich weiß, es braucht theoretische Rechtfertigung. In aller Knappheit, unter Nichterwähnung der zahllosen esoterisch anmutenden Argumente: Das Hin und Her kann auch Erwachsenen Freude bereiten, das Schwingen wirkt sich wohltuend auf das Gleichgewicht im Innenohr aus und auf das der Seele, Stress wird abgebaut.

Die schaukelnde Person erreicht maximale Geschwindigkeit im tiefsten Punkt der Bahn; am Scheitelpunkt ist ihre Geschwindigkeit dagegen null.

Man fragt, ob ich mich nicht mit Verschaukeln begnügen könnte, also jemanden verschaukeln, ihn irreführen.

Beim Aufrichten muss dabei Arbeit gegen die Gravitation und die Zentrifugalkraft geleistet werden. Letzteres bewirkt eine Energiezufuhr, die zu einer Erhöhung der Geschwindigkeit am tiefsten Punkt führt und damit die Pendelbewegung antreibt.

Prokulus spricht mir aus der Seele:

Reich mir die
Hand durch die Zeit.
Nimm mich
auf Deine Schaukel.
So entgehe ich
allem.
...

Der Heilige Prokulus, Screenshot Wikipedia

Der Heilige Prokulus, Screenshot Wikipedia

Ich würde einfach gerne manchmal ein wenig meiner Zeit verschaukeln; nicht immer braucht es Erdung.

Quellen:
Wikipedia: Schaukel
Wikipedia: St. Prokulus (Naturns), Foto
Michael E. Sallinger: Proculus auf der Schaukel in: Der Schlern, 86(2012), H.1, S.73

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 19100

Unschärfe

Die Welt erklärt sich mir in mehr oder weniger großen farbigen Flecken.
Der Himmel als zentrales Element, eine blassblaue, unregelmäßig runde große Fläche im Zentrum, mit weißen Schlieren; beim Blick von unten flankiert von bewegten Arealen in verschiedenen Grüntönen.

Ich rühre mich nicht vom Fleck. In der Abendsonne hab ich mich so weit weggedöst. Mein Umfeld sieht aus wie eine Landschaft von Paula Modersohn-Becker.

Ein Blick zur Seite, und es fügt sich eine Kombination aus anderen Farbfeldern zu einem neuen expressionistischen Bild: Es bewegt sich stärker und öfter als das vorige Motiv über mir. Kleine und größere Figuren, bunte Farbpatzer und -kleckse und immer wieder Grün dazwischen. Im Hintergrund ein waberndes fernes reizvolles kühles Blau. Ich richte mich kurzzeitig ein bisschen auf: eine geometrische Tiefebene in Blau, weiße Lichtspritzer auf der Oberfläche.

Ich komme nicht vom Fleck. Eigentlich wollte ich lesen, doch kann ich kaum die Augen offenhalten. Das macht nichts, denn da sind noch die Lautmalereien, mehr oder weniger vernehmliche Geräusche. Spitzes Kindergekreische und weiches Plätschern, Gesprächsfetzen.

Einen blauen Fleck riskieren. Freiwilliger Konturverzicht, ein Wagnis? Ich kann meinen Mut gar nicht hoch genug einschätzen! Versuche halbherzig, mich wachzudenken, doch bleibe ich matt und müde. Ich grinse kraftlos in mich hinein und verweigere träge der Welt meine Aufmerksamkeit; einen Fleck auf der weißen Weste haben.

„Bitte beachten Sie: Das Strandbad wird in fünfzehn Minuten geschlossen.“

Allmählich sollte ich doch die Badesachen zusammenpacken und vor allem endlich meine Brille wieder aufsetzen. Vom Fleck weg. Sozusagen.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 19093

Flamboyant

Die Geschichte nahm ihren Anfang während meines Praktikums bei einem großen deutschsprachigen Schweizer Kulturmagazin. Gerade einmal graduierter Magister der Medienwissenschaft, durfte ich, begleitet von einem Fotografenkollegen, meinen ersten Artikel gestalten.
Eine angesagte Künstlerin hatte kürzlich mit großem Erfolg ihre Ausstellung in der Kunsthalle absolviert, und nun waren viele Menschen neugierig auf das Arbeitsumfeld der als eher scheu bekannten Malerin.

Bestimmt hatte ihr Manager sie überreden müssen, ausgewählte Medienvertreter in ihrem Atelier zu empfangen. Er war ein drahtiger junger Typ mit kahlrasiertem Kopf und dicker schwarzer Designerbrille; die Dramaturgie des Journalistenempfangs war bestimmt von seinen exakten Vorgaben, die uns im Vorhinein übermittelt wurden und bestätigt werden mussten. So durfte etwa nur der Stadtteil, nicht aber die genaue Adresse des Ateliers genannt und auch keine Außenansicht des Gebäudes veröffentlicht werden.
Das Navigationssystem lotste uns zu einer alten Fabrik am Stadtrand mit charmanter Klinkerfassade, wo die anwesenden Journalisten vom Manager empfangen und mit ein paar Verhaltensregeln versorgt in die Werkhalle vorgelassen wurden.

Das Ziel unseres Interesses, die Dame des Hauses, wartete bereits, gehüllt in beinahe bodenlange weite, weiße Gewänder, in angespannter Körperhaltung und mit vor Nervosität leicht gerötetem Gesicht. Sie stand barfuß und breitbeinig, wie um sich selbst mehr Terrain zu verschaffen und das der von ihr misstrauisch beäugten Eindringlinge zu minimieren. Bestimmt aus demselben Grund umgab sie sich mit zwei Windhunden, sehr hellen kurzfelligen, die breite weiße, lederne Nietenhalsbänder umgeschnallt hatten und nervös tänzelnd um sie Raum nahmen.
Das lange brünette Haar trug Leonie Lafleur offen, ganz so, als ob sie sich bei Bedarf rasch dahinter zurückziehen könnte. Mit einem bemühten schmalen Lächeln rang sie sich eine Begrüßung ab.
„Willkommen, bitte stellen Sie Ihre Fragen, ich werde gerne Auskunft über meine Arbeit geben.“

Die Halle hatte einen polierten Betonboden, auf den an diesem warmen Nachmittag eine recht vehemente Septembersonne ihr Licht drängte, durch hunderte von Eisensprossen gebildete Glasfelder der raumhohen Fabrikfenster. Parallel zu den Außenmauern waren verputzte und weiß grundierte, etwa zwei Meter hohe gemauerte Innenwände montiert, an denen großformatige Bilder hingen, mehrheitlich ungerahmt.
Ein Spatz war durch eine offene Dachluke hereingeflogen und durchzog mit ängstlichem Gezwitscher die Halle in langen Flugbahnen, was die Hunde irritierte.

Die Frau in Weiß, die immer wieder ihren Blick senkte, sich wand, befangen in ihrer nicht alltäglichen Rolle als Anschauungssubjekt, bannte meinen Blick und retardierte meinen Geist. Sie bildete mit ihren Gewändern, die auf leichteste Bewegungen voluminös reagierten, und mit ihren Hunden ein oszillierendes weißes Etwas inmitten der sonnengefluteten Halle.
Die Kollegen mit den Kameras begannen ohne Verzögerung mit ihrer Arbeit. Das Klickstakkato war es auch, das meine Denkblockade beendete. Auch die anderen Reporter hatten sich akklimatisiert und das Erstaunen weggesteckt, der Bann war gebrochen, und es kamen erste Fragen.

„Haben Sie fixe Arbeitszeiten, Madame Lafleur?“, wollte eine junge Kollegin von der NZZ wissen, worauf nach kurzem Nachdenken eine leise Antwort folgte: „Tatkraft und Passion kennen keine Uhr.“

Ein blonder Journalist, der seine Sonnenbrille auf die Stirn geschoben hatte, fragte: „Sie waren ja die Ehefrau von einem großen Kunstmäzen, hat er Sie gefördert? Haben Sie noch Kontakt zu ihm?“
Die Antwort erfolgte prompt und in verärgertem Ton: „Was für eine Frage. Als wäre ich ein relatives Wesen. Ich bin doch keine Trabantin, keine Frau von jemandem.“

Der Spatz hatte immer noch nicht hinausgefunden und zog weiterhin mäandernd seine Kreise durch die Halle.
Auf das Eigentliche war ich nicht vorbereitet gewesen  –  die unvergleichlichen Kunstwerke: Blumen, Blüten, Blätter, alle in Grautönen; Makro-Ausschnitte, bildfüllende Großaufnahmen.
Nur schwarz, grau, weiß. Ein unentschlossenes Changieren zwischen Diskretion und Opulenz.
Ich machte mir meine Notizen.
Schwarz, grau, weiß. Wie die Künstlerin selbst und wie ihre Hunde.
Plötzlich sah ich den Titel meines Artikels klar vor Augen und schrieb ihn in mein Notizbuch: „Flamboyant in Grau“, das passte!

Leonie Lafleur beschrieb ausführlich ihre Technik, große Leinwände in Acryl oder Öl zu bemalen und zeigte auch einzelne Arbeitsschritte.
Das war uns natürlich nicht genug; eine Kollegin fragte insistierend nach: „Mit vegetabiler Malerei verbindet man auf jeden Fall Farbe. Können Sie bitte unseren Lesern erklären, warum Sie genau darauf konsequent verzichten?“
Es brauchte ein paar Augenblicke, bevor die Künstlerin die richtigen Worte fand: „Farbigkeit ist für mich etwas Subjektives und somit schwer vermittelbar. Mein Auge ist glücklich mit Grau. Und Weiß ist auf eine Art mein Farbfavorit, mehr als alle anderen. Und Schwarz mag ich, weil es mir nichts abverlangt.“
Die Journalistin fragte weiter: „Würden Sie sich selbst als exzentrisch bezeichnen, Frau Lafleur?“, und wurde mit einer lapidaren Antwort bedacht: „Ich weiß nicht, ich mache gedanklich um mich selber meistens einen Bogen.“

Jetzt sah ich meine Chance und hob die Hand: „Sind Sie hier so ganz allein in dieser Fabrikhalle nicht manchmal einsam?“
Es traf mich ein kurzer gekränkter Blick, sie hob an und bewegte die Lippen, hatte aber in diesem Augenblick ihre Stimme verloren.
Es erhob sich empörtes Geraune der Kollegenschaft ob meiner Unverfrorenheit, und ich kassierte einen Rempler in meine Rippen, ausgeteilt von meinem Fotografenkollegen.

Eineinhalb Stunden waren vergangen, alles Mögliche gefragt und beantwortet worden, auch ich konnte noch eine akzeptable Frage platzieren und war zufrieden. Der Sonne ging langsam die Kraft aus, die Schatten in der Halle wurden länger, der Spatz war verschwunden, Leonie sah angestrengt aus; die Hunde lagen matt zu ihren Füßen.

Beim Weg hinaus verlor sich mein Blick noch einmal im Sog des grauen Interieurs. Leonie Lafleur verabschiedete sich von allen Anwesenden mit einem persönlichen Händedruck.
Mich traf ein einigermaßen luzider Blick aus spöttischen Augen und sie meinte mit leicht gesenkter Stimme: „Danke, dass Sie hier waren, viel Erfolg beim Schreiben, und um Ihre erste Frage letztlich doch noch zu beantworten: Ja, ich fühle mich manchmal einsam.“ Es folgte umstandslos und unerwartet ein dezent kokettes Lächeln, das ich wohl mit einem recht tumben Blick erwidert haben musste, weil sie ein leises Lachen hören ließ.

Sie möchten bestimmt wissen, ob ich damals mit der Offensive der schillernden Künstlerin etwas anfangen konnte. Nun ja, wie ich schon sagte, die Geschichte nahm damals einen Anfang, jedoch war sie von kurzer Dauer und mager an Erzählenswertem. Leonie Lafleur gewachsen zu sein, dazu bedurfte es schlicht mehr Erfahrung, als ich sie hatte.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau'n | Inventarnummer: 18135

Erwarten können (Bühnenversion)

Drei Personen:
Sprecher/in (Text in Schwarz)
Marek, der tschechische Kellner (Text in Blau)
Jana, der Gast (Text in Rot)

Auch heute wurde Jana wieder der kleine Ecktisch zugewiesen. Von dort bot sich der beste Blick in das Lokal, von hier aus konnte man die anderen Gäste beobachten, aber auch hinaus auf den Hauptplatz blicken.
Das Pflaster der schmuck herausgeputzten Kleinstadt glänzte an diesem nasskalten, späten Winterabend. Die pittoresken, liebevoll beleuchteten Häuser mit ihren Fassaden, an denen die Jahrhunderte abzulesen waren, im Hintergrund der Turm des imposanten Schlosses.

Sie hatte sich hübsch gemacht, ihr festliches kirschrotes Jerseykleid brachte Rundes auf schmeichelhafte Weise zur Geltung.
Sie trug es nicht oft, denn meist war die Farbe stärker als sie selbst. Sie wählte das Kleid also nur, wenn sie dem Rot Kontra geben konnte. Etwa durch jene seltenen Gefühle von Ausgelassenheit und Übermut, die zu bündeln ihr in jungen Jahren gut gelungen war.
Heute war dem Rot aber auch beizukommen, mit ausgeprägter Gemütsruhe nämlich.
Genau so ein Abend war heute, mit innerer Balance bot sie dem Rot die Stirn.

Jana blätterte nahezu erwartungsvoll in der Getränkekarte, als ob diese heute ein gänzlich neues Angebot für sie beinhalten könnte.
Der Kellner näherte sich ihr nach einigen Minuten und fragte mit tschechischem Akzent: „Möchten Sie bestellen, gnädige Frau, oder warten Sie noch auf jemanden?“

„Ja, ich warte. Aber ich würde dennoch gerne bestellen.“

Das Restaurant war gut gefüllt. Die kleinen Tische waren fast ausschließlich mit jeweils zwei oder drei Personen besetzt, darunter einige, die Jana als Touristen zu erkennen meinte.
Der Kellner stellte einen Gin Tonic auf Janas Tisch und machte dabei eine angedeutete Verbeugung.
„Ich habe mir erlaubt, ein kleines Stück Limette zu ergänzen. Und wenn Sie mir die Bemerkung gestatten: Eine Dame wie Sie sollte man keinesfalls warten lassen.“
Sein Gesicht blieb dabei seltsam entspannt und er lächelte sie offen an.

Jana erwiderte überrascht:
„Danke sehr, schon gut. Aber ich warte gern. Noch dazu bei dieser prächtigen Aussicht.“

Er nickte und meinte zustimmend:
„Ja, wir alle haben gelernt zu warten, schon als Kinder, auf die Ferien, auf das Christkind, auf die Geburtstagsfeier.
Der Sehnsucht war man ja recht hilflos ausgeliefert. Es war richtig schwer zu warten. Aber es hat die kindliche Vorfreude nicht getrübt.“

Jana antwortete freundlich:
„Tja, so war es. Aber mittlerweile habe ich einen langen Atem. Man lernt schließlich dazu, die Leerläufe im Alltag mit Gleichmut hinzunehmen: bis der neue Badezimmerschrank geliefert wird, der PC hochgefahren ist, oder der träge Aufzug endlich eintrifft.“

Jana fühlte sich hier wohl. Sie aß ein Paar Frankfurter mit Senf und Kren und trank ein Seidel Bier dazu. Danach genoss sie die Stille im Warten und das Nichts-zu-tun-Haben.
Sie sah von ihrem Tisch aus durch das großflächige Fenster auf die beleuchtete Stadt hinaus. Und sie hatte ausreichend Zeit, die hübschen Häuser der Stadt einzeln auszumachen und mit ihrem Blick am weihnachtlich beleuchteten Brunnen am Hauptplatz zu verharren.
Dann gab ihr Smartphone ein kleines Signal und sie hatte Zeit, eine Nachricht ihrer Tochter Tereza, die in Budweis auf sie wartete, in aller Entspanntheit zu beantworten.

Aus dem Nebenraum kommend, trug der Kellner einen Aschenbecher voller Zigarettenstummel an ihr vorbei, auf die Janas Blick fiel.
Er bemerkte es und flüsterte ihr zu:
„Schlechthin das Synonym fürs Warten.“

Er blieb kurz stehen und sinnierte laut weiter:
„Und es ist beileibe nicht immer Sehnsucht, die das Warten so schwer macht. Oft ist man dabei auch voller Furcht, beim Warten auf ein Prüfungsergebnis, auf den Pannendienst, die Polizei, auf Asyl in einem friedlichen Land.“

Jana setzte fort:
„Ja, oft ist die Furcht existenziell beim Warten auf eine Diagnose, eine Spenderniere, auf Regen bei Dürre, auf den Wasserhöchststand bei Überschwemmung.“

Er wirkte bestürzt angesichts der genannten Beispiele:
„Menschen warten praktisch immer auf bessere Zeiten, auf die große Liebe, das Glück.“

Sie erzählte:
„Ich fragte mich als junge Frau oft: Wann beginnt endlich das richtig schöne Leben, jetzt wo ich so viel abgenommen habe?“

Er lachte und sagte:
„Oder das Warten auf Antwort von dem Mädchen, in das ich mich als Jugendlicher verliebt hatte – das war schwerer zu ertragen als die spätere Erkenntnis, dass sie mich gar keiner Antwort für würdig hielt.“

Jana sah den Kellner erstaunt an, als dieser verschwörerisch fortfuhr:
„Und nicht zu vergessen, das Warten auf meine Frau, bis die sich endlich für die richtige Theatergarderobe entschieden hat.“

Er entfernte sich zügig Richtung Küche und Jana konnte gerade noch sehen, dass kleine Schweißtropfen auf seiner Stirn glänzten. Die Arbeitskleidung war hochgeschlossen, die bodenlange dunkle Schürze sah zwar professionell aus, musste aber unpraktisch sein, so mutmaßte sie.
Ein Großteil des Personals ist der Gastronomie kam aus Tschechien.
Kellnern war harte Arbeit, viele Gäste blieben nur auf ein Getränk, die Tische wurden etwa halbstündlich neu vergeben, es wurde bestellt und serviert und kassiert, alles mit ausgesuchter Höflichkeit und dennoch hielt der Kellner immer wieder einmal auf einem seiner Wege bei Jana an (oder schlug sogar einen kleinen Umweg über ihren Tisch ein), um ihr gemeinsames kleines Gespräch über das Warten fortzuführen. Sei es auch nur mit einem Satz, dem sie aus Zeitmangel ihres Gesprächspartners manchmal gar nichts entgegnen konnte:
„Das Gefühl, wenn der Installateur nicht und nicht daherkommt.“

Ein paar Minuten später:
„Hatten wir eigentlich das banale Wartezimmer schon? Und den Zug? Auf Bahnsteigen steht die Zeit ja oft scheinbar still.“

Nach dem Abservieren am Nebentisch:
„Vom endlosen Warten auf den Sommer ganz zu schweigen.“

Nach dem Abkassieren einer aufwändig zu teilenden Zeche einer Gruppe Touristen murmelte ihm Jana zu:
„Nicht zu vergessen das Warten auf den Zahlkellner.“

„Oh, Sie wollen doch nicht etwa schon gehen, gnädige Frau?“
Er wirkte müde, es war 23 Uhr.

„Nein, nein, aber ich hätte noch gerne ein Kännchen grünen Tee, bitte, wenn Sie so nett wären.“

Das Warten war für Jana heute kein unliebsamer Zustand. Sie fühlte sich nicht passiv oder einer Langeweile ausgesetzt, sondern es ermöglichte ihr auf eine entschleunigte, fast poetische Art, in sich selbst hineinzuhorchen und rückwirkend das nun schon fast vergangene Jahr zu betrachten.

Da sah sie den Kellner, der mit dem Tee auf sie zusteuerte und ihr beinahe keck zuraunte:
„Und erst das Warten auf die eine Gelegenheit!“
Er entfernte sich beinahe triumphierend angesichts ihres verdutzten Blicks.

Als die Glocken der Stadtpfarrkirche begannen, mit ihrem mahnenden Geläut zur Mette zur rufen, ging Jana kurz vor die Tür.
Diese Glocken luden nicht froh zum Feiern, nein sie forderten vehement die Disziplin zum Kirchgang ein. Und diesem übermächtigen Klang war nichts hinzuzufügen oder entgegenzusetzen, er erfüllte den Raum und die Zeit aller, egal ob katholisch oder nicht.

Als sie wieder zurückging, hatte sich das Lokal beinahe geleert und die mitternächtliche Sperrstunde nahte.
Der Kellner sah auf seine Armbanduhr und löste seine Arbeitsschürze, während er – abwechselnd mit Jana – heiter und zusammenhanglos die eine oder andere Wartesituation aufzählte.

Plötzlich fasste Jana den Kellner spontan am Arm, er drehte sich überrascht zu ihr und folgte ihrem Blick durch das große Fenster hinaus auf den Hauptplatz:
„Oh, sieh nur, Marek, jetzt ist er da, der Schnee! Er kommt stets nach Belieben einfach irgendwann. Oder man wacht auf, und er ist plötzlich da, über Nacht.“

„Oder man rechnet nicht mit ihm, bis dich plötzlich jemand an der Schulter fasst und aus dem Fenster deutet.“
Der Kellner Marek fuhr Jana liebevoll über den Kopf:
„Aber jetzt komm, Jana meine Liebe, lass uns nach Hause fahren, Zeit für unser Weihnachten. Tereza wartet schon so lang auf uns. Ich möchte jetzt wirklich gerne meine Beine hochlegen. Wir haben doch noch die gestern angebrochene Flasche von dem Rotwein? Und Hunger habe ich auch.
Wie schön, dass du mir Gesellschaft geleistet hast und auf mich gewartet hast.“

Michaela Swoboda
Szenisch dargeboten bei Theaterzeit Freistadt 2018

www.verdichtet.at | Kategorie: an Tagen wie diesen | Inventarnummer: 18132

 

verlegt. bewegt.

Ich bin die, die auf dem Land wohnt, aber zugezogen ist.
Ich bin die, die gesiezt wird.
Unter all den anderen Kunden, die sich mit dem Personal duzen.
Dennoch ist über die Jahre eine Vertrautheit entstanden, die mich die Kassiererin, eine Frau in mittlerem Alter, fragen lässt, ob sie sich freut auf die anstehende Veränderung, was mit einem Seufzer, Achselzucken und einer skeptischen Äußerung beantwortet wird.
Ich reagiere aufmunternd.

Das Schild hatte mich aufgeschreckt: Diese Filiale wird geschlossen und in einhundert Metern Entfernung neu eröffnet.

Die vielbefahrende Bundesstraße.
Linkerhand der flache Baukörper, 08/15 Industriedesign, ohne ästhetische Botschaft. Einerseits sparsam in seinem Verhältnis zum Umfeld, was die schlichte Formensprache betrifft, gleicher Art klotzig und dominant.
Eine Supermarktfiliale mit den fünf charakteristischen gelben Lettern drauf. (Genauso gut könnte es eine anderer Provenienz sein.)
Dahinter hält sich eine Reihe von Wohnhäusern auf. Wer hätte bei der Grundsteinlegung des Familiendomizils vor Jahren gedacht, dass das Einkaufserlebnis so derart nahe rücken würde?
Ein Landstrich, der überfüllt wirkt mit den neuen Geschäftszubauten, die der in Bundesstraßennähe gelegenen Wohnsiedlung ihre dürftige Würde nehmen.
Kommerz und Bedürfnisbefriedigung kennen kein Feingefühl.

Nur einhundert Meter von der neuen entfernt lag die alte Filiale. An einem im Koordinatensystem der Supermärkte nicht so überzeugenden Standort. Die neue liegt vielversprechend an einer belebten Kreuzung.
Natürlich war der frühere Bau ebenso stillos.
Seine Einrichtung und das karge Umfeld boten sich leicht patiniert den Ansprüchen der Kundinnen und Kunden.
Der schlichte schwarz-weiße Terrazzoboden, das angenehme Bisschen Schlendrian beim Ordnungmachen, der entspannt freundschaftliche Informationsaustausch der Verkäuferinnen zwischen den Regalen.
Es hieß, den Leitern mit den halb ausgeräumten Schachteln rundherum auszuweichen.
Das alte Gebäude machte kein Aufhebens und ebensowenig taten dies die dort beschäftigten Frauen aus der Umgebung.
Das Angebot erfüllte den Zweck.
In angenehmer Abgrenzung zum Städtischen.
Eine unaufgeregte Poesie des Überholten.

Der neue Bau hingegen macht laut von sich reden.

Ein neuer, junger Filialleiter mit dynamischem Gesichtsausdruck begrüßt die anwesenden Kunden, manche davon auf ihrem Weg durchs Warenangebot mehrmals.
Das alte Personal, allesamt Frauen, wurde übersiedelt und aufgestockt. Ein neues Team, dazwischen die alten Gesichter unter neuen roten Schirmkappen, manche blass, manche müde, manche munter, so wie in der alten Filiale eben auch.
Was hatte ich erwartet? Die bisherigen Gesichter mit neuerwachtem inspiriertem Funkeln in den Augen, motiviert geschminkt und ambitioniert im Verkaufen. Ein kollektives Tuning?

Die Grundstückspreise im Gewerbegebiet sind leistbar, Bauwerk und Parkplätze entsprechend groß. Das von außen hauptsächlich seiner räumlichen Ausdehnung geschuldete optische Pathos des Baus macht neugierig, aber was bitte soll schon groß anders sein als im alten? Die Erwartungshaltung wird schon beim Eintreten gebrochen, der Glanz des Neuen wirkt im hellen Gebäude angenehm gedimmt. Noch weiß ich nicht warum und suche die Ursache in der Beleuchtung. Erst beim zweiten Besuch entdecke ich die hohe Holzdecke, die das Licht so freundlich färbt und ein beinahe gemütliches Mikroklima erzeugt.
Die Macht der Gewohnheit wird mich das bald nicht mehr wahrnehmen lassen.

Im neuen lässt sich Konsumlust auf zeitgemäßem Niveau exekutieren. Nach neuesten marketingwissenschaftlichen Erkenntnissen angeordnete Regalblöcke in extra großzügigem Abstand zueinander, beim Abschreiten des Sortiments Einblicke erlaubend in noch nicht besuchte Gänge mit Waren, deren Bedarf einem so leichter ins Auge drängt.

An der strahlend neuen Feinkosttheke unter den dauerwerbenden Flatscreens wirken die Verkäuferinnen plötzlich nicht mehr souverän, sondern ein bisschen unbeholfen, so kommt es mir vor. Die neuen Maschinen, das größere Angebot, der kulinarische Overkill wird etwas zögerlich, aber vorbildlich in Handschuhen, an die Kunden gebracht.
Der Filialleiter wirft gerade ein aufmerksames Auge auf die Bedienung und so wird das Sich-Erkennen auf ein wohlwollendes Nicken reduziert. Ob sie sich dort wohlfühlt, werde ich ein anderes Mal in Erfahrung bringen.

Der alte Bau, um seine gelben Lettern erleichtert, wartet auf den Abriss oder eine neue Verwendung. Eine Renaturierung hat es selten gegeben, Asphalt und Beton kommen meist, um zu bleiben.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 18008

Auf den Pelz gerückt

Meinen Job, den hätte ich beinahe durch schlichte Schlamperei verloren. Sie wollen wissen, wie das in einer gemächlichen Kultureinrichtung wie dem Dorotheum passieren kann? Also gut.

Jeweils eine Woche vor den Versteigerungsterminen werden die Exponate zur Besichtigung dargeboten, potenzielle Interessenten können diese aus der Nähe begutachten und für sich eine Vorentscheidung treffen, manches verwerfen, anderes in die Wahl ziehen.
Mir oblag es, Räume für diese Besichtigungen vorzusehen, die zuständigen Kollegen anzuweisen, die Waren dort bereitzulegen und Datum und Uhrzeiten der Besichtigungen rechtzeitig öffentlich anzukündigen.

Eines Dienstags im Oktober sollten die Türen um zehn Uhr geöffnet werden. Ich begann meinen Dienst wie gewohnt so gegen neun und die Kollegen waren bereits seit den frühen Morgenstunden am Herbeischaffen der zu präsentierenden Objekte. Ich war alarmiert, denn schon als ich die Stufen hochstieg, hörte ich die Arbeiter fluchen. Auch meine Vorgesetzte hörte ich mit leicht erhobener Stimme Kalmierungsbeschwörungen von sich geben.

In mir stieg Unbehagen hoch, noch hätte ich umdrehen, heimgehen und mich krankmelden können. Doch nichts dergleichen geschah, und so wurde ich kurz darauf – noch bevor ich der Misere ansichtig wurde – von einem messerscharfen und enttäuschten Blick meiner Vorgesetzten getadelt: ein knapp und wortlos konstatiertes „Schade!“.
Noch wusste ich nicht warum.

Mir schlug ein recht strenger Geruch entgegen – die jährliche Pelzauktion stand an und heute wurden die guten alten Erbstücke dem Publikum präsentiert. Vor mir dicht behängte Kleiderstangen auf Rollen. Wieso hatten die Arbeiter nicht (wie sonst auch) vorher die Tische entfernt, um genügend Platz zu schaffen für die voluminösen Kleidungsstücke?
„Wir haben ein Problem“, raunte mir mein Assistent zu und wies mit dem Kopf auf die Tische, auf denen sich nummerierte Mappen in immenser Anzahl stapelten.

Muss ich extra erwähnen, dass Räume nicht doppelt gebucht werden sollten? Das genau war nämlich geschehen. Und dummerweise war ich daran schuld.

So geschah es also, dass es am Dienstag, dem 11. Oktober 2016, im Kolowrat-Saal im zweiten Stock des Wiener Dorotheums eng wurde: In weniger als einer Stunde würden Philatelisten aus nah und fern eintrudeln, um die dargebotenen Briefmarken zu sondieren, und gleichzeitig auf eine Schar aufgeregter Frauen treffen, die sich Pelzschnäppchen für den Winter sichern wollten.
Dass die Briefmarkenliebhaber das Besichtigungsprozedere in gebotener Ruhe vollziehen wollten und die pelzaffine Damenwelt an ebenjene nicht im Traum dachte, liegt auf der Hand.
Ja, wir hatten ein Problem, kurz: Wunderliche Kauzigkeit trifft auf kribbeliges Eventshopping.

Wir waren nervös, der doppelte Andrang musste irgendwie bewältigt werden.

Edel verarbeitete Pelze auf Kleiderhaken - das Angebot umfasste sorgfältig verarbeitete Nerze in vielen Modellen, sowie auch sonst hochwertige Pelze in modischen bis klassischen Schnitten. Während der Vorbesichtigung konnten alle Modelle begutachtet und auch anprobiert werden, was zusätzlich Platz erforderte.
Das pelzige Angebot ruft immer eine große Zahl von Frauen auf den Plan, oft allein, manchmal in männlicher Begleitung, aber auch in kleinen Grüppchen, die sich beim Probieren gegenseitig beurteilen, jedenfalls aber das zu Erwerbende ausgiebig kommentieren. Ob denn nicht besser doch der Ozelot statt des Zobels zur eigenen Persönlichkeit passend oder der Lammfellmantel in seiner Länge zur Körpergröße der Interessentin inadäquat, ja der Stilsicherheit abträglich wäre (ein kürzerer Mantel wirkt zudem jünger als ein langer), von der Inkompatibilität der Fuchsfell- mit der tizianroten Haarfarbe der Trägerin in spe ganz zu schweigen.
(Fehlte bloß noch das Auftauchen der vermummten Anti-Pelz-Aktivistin, die im letzten Herbst in einer Blitzaktion zwei Drittel der Exponate in Neongrün besprüht hatte und dermaßen schnell geflüchtet war, dass sie nur von hinten fotografiert und nicht belangt werden konnte, ein Schadensfall mit hämischer Presse für die ehrwürdige Institution.)

Der gemeine Briefmarkensammler wird gerne als ein wenig unbeholfen und schrullig dargestellt. Ich kann mich dem nicht anschließen, es sind angenehme Menschen, die unaufgeregt und sehr systematisch die Bestände sichten. Ein wenig eigen, nun denn, wer wäre das nicht, wenn viel Zeit mit Überlegungen verbracht wird, ob etwa für einen ungezähnten Viererblock mit „August dem Starken“ ein Online-Gebot abzugeben, eine gute Idee wäre; oder nachzudenken, ob eine Fünf-Pfennig-Marke der Reichspost mit diagonalem Aufdruck „Marschall-Inseln“ zu Hause schon vorrätig sei; oder mit anderen Experten über den Wert der Serie albanischer Briefmarken, die mit Aufdruckfehlern in den Handel kamen, zu debattieren.

Sie alle trafen im ehrwürdigen Kolowrat-Saal aufeinander. Dass sie nicht aneinander gerieten, dafür mussten wir sorgen, darauf hatten wir uns vor dem Öffnen der Tore eingeschworen.

Die Frauen waren die ersten, die die allesamt an den Wänden aufgereihten Felljacken und -mäntel ansteuerten. Sofort lagen Gemurmel und Gelächter in der Luft, und der modrig-muffige Pelzgeruch reicherte sich mit einer Duftvielfalt von Parfums an.

Befremdet von der ungewohnten Enge im Raum, dem zugleich strengen und blumigen Geruch, und natürlich der Schar der weiblichen Besucher drängten dann die Philatelisten, alle männlich, die meisten in unauffälligem Beige oder Grau gekleidet, eher zögerlich zu den verbliebenen Freiräumen an den Tischen in der Mitte des Raumes. Die vielen Ringordner hatten wir nicht wie sonst üblich in Regale an den Wänden einsortiert sondern einfach auf den Tischen aufgelegt, was zu Verstimmung und Murren der Kunden führte. Man merkte aus ihren Kommentaren, dass das alberne Getue der Frauen um die schnöde Mode und überhaupt deren Anwesenheit als deplatziert empfunden wurde.

Ich versuchte vor allem, den verstimmten Freunden der Postwertzeichen bei der Übersicht über das Angebot zu helfen.
Gerade war einer der Briefmarkeninteressierten dabei, die Sonderpostwertzeichen zu Gunsten der Berliner Währungsgeschädigten mit Sonderstempel vom ersten Verwendungstag, Rufpreis EUR 380,- mit der Lupe auf fehlende Zähnchen zu untersuchen, als hinter ihm eine exaltierte, nicht mehr ganz junge Frau mit wallenden blonden Locken beim fahrigen Überwerfen eines langfelligen gemusterten Capes ganz viel Wind und ein paar briefmarkenbestückte Steckblätter aufwirbelte.
Sie meinte echauffiert zu ihm: „Oh, entschuldigen Sie bitte, ich habe hoffentlich nicht Ihre Briefmarken vom Tisch gefegt?“, mit ungarisch anmutendem Akzent und einem unsteten Flackern im Blick, das der Angesprochene wahrscheinlich in so charmanter Ausführung und aus solcher Nähe noch nie gesehen hatte.
„Ich war unschicklich, verzeihen Sie.“
Er war aufgestanden und unbeholfen korrigierte er: „Ungeschickt.“
„Oh.“
„Aber das macht nichts.“
„Meinen Sie, die Schulternähte hängen zu sehr über, der Mantel ist schwer? Wie sehe ich aus?“
Sie drehte sich und machte wieder Wind und die männliche Umgebung unruhig.
„Hübsch. Wirklich sehr hübsch.“
Sie beugte sich deutlich näher zu ihm.
„Und riecht der Mantel nicht nach Keller? Er ist wirklich preiswert.“
„Äh, schon etwas, aber wenn man den Mantel im Garten auslüftet …“
„Sie haben einen Garten?“

Ich konnte den Dialog nicht verfolgen, denn ich musste zwei Tische weiter ein kleines Gezänk schlichten.
Etwas später sah ich die beiden gemeinsam im hauseigenen Café sitzen.
Die Vorstellung, er hätte letztendlich auch noch angeboten, ihr seine private Briefmarkensammlung zu zeigen, will ich hier nicht strapazieren, aber natürlich ist das denkbar.

Ein Kollateralnutzen, ausgelöst durch mein Missgeschick, war also gegeben, aber das macht mich nicht stolz. Schließlich hatte ich beinahe meinen Job verloren. (Mir wurde zum Glück verziehen, wobei ich aber die gesammelte Kollegenschaft auf ein Feierabendbier einladen musste.)

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: an Tagen wie diesen | Inventarnummer: 17147

 

 

Im Einundsechzigsten

Die Hauptperson fehlt.
Noch nicht alt. Nicht mehr jung.
Zu jung.

Eine gebrochene hochbetagte Mutter, deren Schmerz nur kurz Linderung erhält durch Momente der  Erleichterung darüber, nun nicht mehr Sorge für die Zukunft der kranken Tochter tragen zu müssen.
Kartenspielen mit der Mutter, beiderseitige Fürsorge.
Was wird sein, wenn die Mutter geht?
Wer rechnet schon mit der umgekehrten Reihenfolge?
Der heißgeliebte Kater in der Obhut der Mutter.

Ein ebenso alter Vater im jägerlichen Lodenrock, verkniffen, erschöpft.
Der Kontakt zur Tochter war nicht der beste.

Der Cousin, angereist aus Wien, der Jüngste und Letzte der Familie.

Zwei ehemalige Kolleginnen, zwei Kameradinnen aus der Kindheit und einige der Freundinnen, die später dazustießen. Gemeinsame Reisen, unbeschwerte Plauderstunden, Salzburgfahrten (zum Patenkind), bei denen erste Gehstörungen auftreten.
Besuche bis zuletzt, aber bestimmt zu selten! Keine Vorwürfe oder Klagen.

Eine feierliche Stimmung will nicht aufkommen, bedrücktes Schweigen.
Der Tross folgt der Urne in der Sommerhitze quer über den Friedhof. Auf knirschendem Kies und unter Verkehrsgetöse und Baustellenlärm.

Die Männer in ihrem Leben sind auch gekommen.

Die Verlobung mit dem ersten Freund empfindet sie gerade noch rechtzeitig als zu eng. Da war immer schon ein großer Wunsch nach Eigenständigkeit, danach, selbst zu entscheiden. Die Freundschaft bleibt dennoch bis zuletzt. Ich hab ihn mir anders vorgestellt, agiler, aber natürlich ist er ein grauer Mann.

Die Gesellige, stets Freundliche – es war Verlass auf sie.
Die Lebenslustige, Aktive und Sportliche war eine attraktive Frau und hatte schöne Zeiten.

Ihre große Liebe ist auch hier, ein elegant ergrauter Herr. Der, der sie vor Jahrzehnten einmal sehr verletzt hat. Dem verziehen wurde, und mit dem es danach weiterlief, so nebenbei, aus seiner Sicht in Teilzeit sozusagen.
(Zu der Zeit trat der erste Schub auf, die Sehbeschwerden wurden erst im Nachhinein auf  ihre Krankheit zurückgeführt.)
Wie gut, dass er gekommen ist, aber kurz sträuben sich meine Nackenhaare, wie er jetzt da eine Zeitlang so neben mir hergeht.
Er hat etliche Frauen in sein ruhmreiches Leben gepackt.
Die Freundschaft bleibt aber tragfähig bis zuletzt.

Danach eine Vollzeitbeziehung, im Nachhinein gesehen aber nicht mit dem Richtigen. Nachdem sie diese beendet hat, holt er sich eine junge Frau aus Thailand, empfindet als störend, dass sie ein Söhnchen nachholen will und auch, dass sie schiefe Zähne hat. Der falsche Partner, aber ein Freund, auf den sie zählen konnte. Auch er ist grau; er war es schon immer.

Der nächste und letzte Mann in ihrem Leben hat ihr gutgetan, in Teilzeit und unverbindlich – an ihre Unabhängigkeit hatte sie sich gewöhnt. Als das Leben beschwerlich wird, ist er ein Freund, achtsam in guten wie in schlechten Tagen. Eine gewisse Treue. Auch er ist unter jenen, die sie jetzt begleiten.

Die Tapfere, Zuversichtliche.
Der es dreckig ging, und die kaum geklagt hat.
Die bitteren Entscheidungen: das Auto aufgeben, von der Freiheit ganz zu schweigen!, sich Hilfe suchen, das Pflegebett, der verhasste Rollstuhl, der Badewannenlift, vorzeitige Pensionierung und Pflegegeld beantragen.
Und das niederschmetternde Aufwachen, nachdem im Traum das Gehen-Können wieder möglich war.

Hölzern absolvierte katholische Abschiedsrituale, Trauer nach Regieanweisung. Das Geschehen und der Schauplatz unter der sengenden Sonne und dem nahen Alltagslärm auf seltsame Weise surreal.
Die Mutter untröstlich.
Bei uns anderen wird die Beklommenheit dem Kummer erst später weichen.

Nach einem sehr schlechten Tag mit massiven Sprachstörungen beginnt der folgende mit viel Zuversicht und einem guten Gefühl. Aus diesem heraus verlangsamt sich in der Früh plötzlich der Herzschlag, ihr Sterben ein erstauntes Aus-dem-Leben-Gleiten ohne Kampf und Angst.

Wir sind traurig.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 17137

 

 

 

 

 

 

Borromäus‘ Beistand

Zu Füßen des Heiligen liegen rechts zwei Putti und ich bin dabei, die beiden kleinen barocken Kerle wieder adrett herzurichten, konkret restauriere ich gerade, mit der Farbpalette in der linken und dem Pinsel in der rechten Hand, den linken bläulichen Flügel des hinteren Engels, dessen Blick träumerisch in Leere zu gehen scheint.
Es ist eine spannende Arbeit in luftiger Höhe, unsere Chefin ist umgänglich und kompetent und wir sind ein eingeschworenes Team.

Das war nicht von Beginn an so.

Am ersten Arbeitstag vor zwei Wochen gehe ich auf die Karlskirche zu. Der prachtvolle Fischer-von-Erlach-Bau aus dem 18. Jahrhundert liegt direkt am Karlsplatz und ist ein Glanzstück europäischer Baukunst und ein Wahrzeichen Wiens. Leider sind der Park davor und die nahegelegene U-Bahnstation ein frequentierter Drogenumschlagplatz. Die imposante Kuppel der Kirche prägt das Wiener Stadtbild. Die Mittelfront des Kirchenbaus hat die Form eines griechischen Tempels, die beiden Seitenkapellen erinnern stilistisch an die italienische Renaissance, mit Dächern, die chinesischen Pagoden ähneln. Unklar ist mir, ob die Triumphsäulen nach römischem Vorbild gemacht sind, lassen sie doch zugleich an islamische Minarette denken.

Ich sehe mich im Inneren des großen Sakralbaus in aller Ruhe um. Über dem Kirchensaal erhebt sich die riesige ovale Kuppel, darin das mächtige Fresko; es zeigt im Zentrum den Kirchenheiligen Borromäus, wie er um Abwendung der Pest bittet.

Langsam steige ich die Treppe am raumgreifenden Baugerüst empor. Und während ich an Höhe gewinne, umgibt mich eine Fülle plastischer Ornamente, und malerische Fresken mit kräftigen Farbakzenten bringen Leben in den Innenraum. Die rötlichgetönten Farben der Marmorsockel, die rosenholzfarben marmorierten Stuckpilaster und die gemalte Scheinarchitektur am Kuppelfuß erfüllen den Raum harmonisch. Barock assoziiert in verzerrter Form Täuschung, Trügerisches, das sich in Malerei und Stuck manifestiert. Eine Illusion von Plastizität, die den Raum größer erscheinen lässt.

Immer wieder werfe ich auch einen Blick hinauf zum großen Kuppelfresko, einer Vision der himmlischen Sphären. Ich bestaune den dramatischen Himmel des Malers Johann Michael Rottmayr, der als 70-Jähriger seine letzten fünf Lebensjahre in der Kuppel verbrachte, von 1725 bis zu seinem Tod. Aber ich würde lügen mit der Behauptung, der Anblick der Fresken sei ein spirituelles Erlebnis bei diesem ersten, langsamen Anstieg über die Treppen, deren Anzahl ich später von meinem Kollegen erfahre, es sind 118.
Das Ziel des Malers war, die unbegrenzte Weite hinauf zu Gott in der Kuppel abzubilden, indem er einerseits hinter seine Figurengruppen eine gelbliche bis blaugraue Wolkenwand fügte, die den Blick zum Himmel begrenzt, andererseits diese nach oben immer transparenter werden lässt. Das Himmelsblau wird zwischen den Figuren sichtbar, öffnet den Raum wieder und ermöglicht das Ausschwärmen des Blickes in die Unendlichkeit. Sonst nur vom Boden aus großer Distanz in ihrer lebensfrohen Interaktion sichtbar, sind die farbigen Figuren plötzlich zum Greifen nahe.

Ich ahne bereits aus halber Höhe die zahlreichen Wasserschäden und Verschmutzungen, die zu beseitigen sein würden, um danach auf die Originalsubstanz zu stoßen. In diffiziler Arbeit sollen die unübersehbaren Schäden eliminiert werden, Schollenbildung und Versalzungen, die verblichene Maloberfläche aufgefrischt werden. Über Monate werden wir nun im Auftrag des Denkmalamtes die Figuren reinigen und nachmalen, zum Teil ist die Schicht aus Staub und Ruß bis zu fünf Millimeter dick.

Nach Abschluss meines Studiums ist das mein erster Job als Restauratorin. Die Leitung der Renovierung des Deckenfreskos in der mächtigen Kuppel der Wiener Karlskirche hätte eine Universitätsprofessorin aus Salzburg bekommen sollen, sie wurde aber letztendlich einem italienischen Kunsthistoriker übertragen, einem  – wie sich später herausstellen sollte – arroganten Schnösel. Einem, der nicht müde wird, uns junge Restauratorinnen ständig anzumachen und zu belästigen. Ganz selbstverständlich bezieht er auch die arrivierte Forscherkollegin aus Salzburg, die mit im Team ist, in den Kreis der Bedrängten mit ein. Es ist frühlingshaft warm in der Kuppel, wir Frauen arbeiten in Shorts und im Top, ernten seine feixenden Blicke und vollmundigen verzichtbaren Komplimente.

Die Arbeit vollzieht sich in kleinen Schritten, bis zu vier Restauratoren sind gleichzeitig am Werk, um die über 1200 Quadratmeter große Fläche annähernd in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen. Die weltberühmten Gemälde erscheinen nach und nach leuchtender und farbiger; der Unterschied zwischen bearbeiteten und unbearbeiteten Flächen ist bald klar wahrnehmbar.

Mit dabei ein liebenswürdiger junger Kollege aus Niederösterreich, ein ehemaliger Kommilitone, etwas tollpatschig, wohlbeleibt von zu viel Fastfood, das sich während der letzten lernintensiven Studienmonate um seine Körpermitte breitgemacht hat. Er könnte den Lift benutzen, nimmt aber die Stufen, was unseren Vorgesetzten, den wir unter uns nur den Imperator nennen, veranlasst, ihn jedes Mal lauthals mit einem scharfen „Presto, presto, andiamo!“ zu drangsalieren, das durch die Kuppel hallt und die Aufmerksamkeit aller Anwesenden, auch der Fremden, auf die schwerfälligen Schritte des jungen Mitarbeiters bei seinem Aufstieg auf 32 Meter Höhe lenkt. Das Besondere an unserem hochgelegenen Arbeitsplatz ist nämlich, dass dieser über einen Panoramalift auch für eine zahlende Öffentlichkeit zugänglich und somit von Touristen frequentiert ist.
Unser behäbiger junger Kollege kann nicht lange verbergen, dass er Angst vor Fahrstühlen hat, was unseren italienischen Chef dazu anspornt, dem armen Mann noch mehr zuzusetzen. Und in Anlehnung an Galileo Galilei kommentiert er belustigt seine angestrengten Bemühungen, zu seinem hochgelegenen Arbeitsplatz aufzusteigen, mit „Und er bewegt sich doch.“ Sein eigenes, darauf folgendes hämisches Gelächter bricht sich immer stakkatoartig in der Kuppel und ist weit zu hören.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir so einen widerlichen Menschen über die kommenden Monate aushalten sollen. Ich richte jedenfalls das eine oder andere Stoßgebet in den ellipsoiden Himmel über uns, direkt adressiert an Borromäus, auf dass er uns doch möglichst auch von dieser Pest befreien möge.

In der ersten Arbeitswoche beschließe ich eines Mittags, meine Pause oben in der Kuppel zu verbringen und nicht mit den anderen essen zu gehen. Ich nehme also die mitgebrachte Jause hoch oben auf der Plattform ein und genieße den Kirchenraum aus dieser Perspektive und vor allem die ungewohnte Stille und das Alleinsein – Touristen sind über Mittag nämlich auch keine in der Kirche.

Nach dem Essen lege ich mir meinen zusammengerollten Pullover unter den Nacken und mich auf den Rücken, um bis zur Rückkehr der Kollegen ein Nickerchen anzuschließen. Meine Augen wandern in die Kuppel knapp über mir, über diese pittoreske Welt aus Wolken und Heiligen, die ob ihrer räumlichen Unmittelbarkeit wahrlich eine Art Himmelszelt über meinem Lager bildet. Ich versuche, dem Blick des Borromäus‘ zu folgen und kurz bevor mir die Augen zufallen, registriere ich Gemurmel tief unter mir, und es gelingt mir einfach nicht, es auszublenden, zumal ich mir einbilde, den unverkennbaren italienischen Singsang unseres unliebsamen Teamleiters zu hören. Also stehe ich auf und versuche zu erkennen, wer sich da mit wem unterhält und meine Mittagsruhe irritiert. Zwei Personen sitzen in einer der Bänke nebeneinander und es will mir aus der großen Distanz nicht gelingen, die Gesichter deutlich auszumachen, zumal der eine Typ eine Kapuze trägt. Es ist – nach der Intonation zu schließen – keine Plauderei, eher ein Verhandeln, das da im sakralen Halbdunkel vor sich geht, aber worum geht es dabei bloß?

Meine Neugierde ist geweckt, ich schnappe mir die Kamera, mit der unser Imperator täglich die Schäden an den Fresken fürs Denkmalamt dokumentiert, und fokussiere aus luftiger Höhe das Zoom auf das Geschehen zwischen den Kirchenbänken. Ich sehe, dass der Kapuzentyp eine Sonnenbrille trägt und seinem Nachbarn – ja, es ist tatsächlich unser Chef! – mehrere Säckchen mit einem weißen Pulver zeigt und ihm diese schließlich in die Hand gibt. Ich brauche ein paar Sekunden, bevor ich begreife, dass dort unten offensichtlich ein Handel sehr weltlicher Natur abläuft.
Ich wage kaum zu atmen und obwohl ich so weit entfernt bin, habe ich plötzlich Angst, entdeckt zu werden. Geistesgegenwärtig drücke ich dennoch wiederholt den Auslöser, um das Unglaubliche zu dokumentieren. 32 Meter in senkrechter Luftlinie entfernt und dennoch beinahe vor meiner Nase passiert eine Straftat:  Ein Dealer verkauft unserem Vorgesetzten Kokain. Ja, mitten in der Kirche!

Aus der Kirchenkuppel hinabblickend, ist mir schlagartig bewusst, dass es keine große Höhe braucht, um tief zu fallen.
Ein Sündenfall, der nicht ohne Folgen bleibt: Wie jeden Abend – so auch an diesem – bringt der Chefrestaurator die volle Speicherkarte aus der Digitalkamera selbst zum Denkmalamt, wo die inkriminierenden Fotos gesichtet werden.

Mit dieser kompromisslosen Stringenz hätte ich offen gesagt nicht gerechnet: Bereits am nächsten Tag ist der Imperator seinen Job los! Wir bekommen ihn gar nicht mehr zu Gesicht, wohl aber seine verschmitzt strahlende Nachfolgerin: Die Salzburger Wissenschaftlerin wird gebeten, ihn in seiner Leitungsfunktion abzulösen, was sie nach klugem Verhandeln über die Dotierung auch gerne tut.

Und vor uns liegen nun ein paar lehrreiche und unbeschwerte Monate in der Karlskirche.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau'n | Inventarnummer: 16098