Wortglauberei

Schreibend

Um zu schreiben, so dachte er, muss man sich einfach hinsetzen und seinen Gedanken freien Lauf lassen. Dass dies Arbeit erfordern könnte, war ihm nie in den Sinn gekommen. Henrik hatte mit seinen 59 Jahren von Camus bis Kehlmann alles gelesen und hatte die letzten Jahrzehnte damit verbracht, eine beachtliche Sammlung von Erstausgaben der klassischen […]

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Lektion

Ich weiß, Ihr lieben Dichter Ihr habt mich längst so weit gebracht „Alles andre Irrgelichter! Auf deine Füße habe Acht!“ Nun steh ich auf meinen Füßen Und muss für alles andere büßen. Bernd Remsing http://fm4.orf.at/stories/1704846/ www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 18117

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Wenn das Glück kommt, musst du ihm einen Stuhl hinstellen

Ich habe viele Stühle in meinem Haus, viel mehr, als meine Familie braucht. Immer schon habe ich herrenlose Stühle aufgelesen, die auf Dachböden, in Kellern oder Garagen ihr vorläufiges Ende gefunden hatten. In mir regt sich bis heute das Mitleid, wenn ich einen ausrangierten Stuhl sehe. Er tut mir unendlich leid und ich nehme ihn […]

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Der Morgen

Ein junger frischer Morgen wollt es der Nacht besorgen. Die schloss jedoch die Tür und rief: “Mir graut vor dir!“ Der Morgen einsam floh und graute anderswo. Aus: „55 x Blödsinn“,  illustrierte Gedichte aus allen Lagen des nicht alltäglichen Lebens Zeichnung und Text von Yvonne Richter www.yvonne-richter.de www.fabulus-verlag.de/autoren/yvonne-richter www.facebook.com/yvonnerichterbuecher/ www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei| Inventarnummer: 18022  

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Der Dichter

„Zu viel Nebel“, sprach der Hebel. „Viel zu dicht für Wortgeschlicht. Denn beim Nebel“, sagt der Hebel, „finde ich die Reime nicht.“ Aus: „55 x Blödsinn“,  illustrierte Gedichte aus allen Lagen des nicht alltäglichen Lebens Zeichnung und Text von Yvonne Richter www.yvonne-richter.de www.fabulus-verlag.de/autoren/yvonne-richter www.facebook.com/yvonnerichterbuecher/ www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 18017

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Schatten

Viele sagen etwas, sprechen von der Dystopie, viele Sätze bauen Spannungen, Ich nehme sie, blicke aus dem Fenster, Die Nachmittagssonne lädt Solarzellen auf, drei blaue Lichter, Hundert Prozent, ich warte noch im Schatten Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 17177

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Ins Stocken kommen 2 (Minihörspiel)

Zwei Stimmen, die erste weiblich, die zweite männlich „Schläfst du?“ „Nein.“ „Denkst du?“ „Nein.“ „Träumst du?“ „Mmm.“ „Was träumst du?“ „Ich schlafe doch noch nicht.“ „Warum sagst du dann Mmm? Das klingt nach ja.“ „Mmm.“ „Träumst du wenigstens von mir?“ „Wie soll ich das, meine Liebe, wenn mich deine Knie stören.“ „Magst lieber meinen Busen, […]

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Ins Stocken kommen 1 (Minihörspiel)

Zwei Stimmen, die erste weiblich, die zweite männlich „Ich liebe dich!“ „Wie schön.“ „Wirklich!“ „Wie schöner.“ „Das ist doch kein richtiges Deutsch.“ „Aber es stimmt.“ „Stimmte das, wär’s ja noch schöner – so viel verstehe ich schon von unserer Sprache. Ach, man sollte Italienisch können, klingt gleich viel romantischer: Ti amo!“ „Verstehe ich nicht.“ „Du […]

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Sieben an der Zahl

Vorgeschmack Das Zitat zum Morgenkaffee – unbeirrbar prangt es uns entgegen, in der Zeitung, im sozialen Medium unserer Wahl oder auf dem Kalenderblatt; und plump meist sein Versuch, uns gute Laune abzuringen für einen Tag, den das Schicksal für uns bereits mit dem Erwachen als gescheitert abgekanzelt hat; oder uns moralisch zu besseren Menschen belehren […]

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Konfrontation im Salzamt

1 Der Mann war unbemerkt in den Raum gekommen. Er hatte die Eingangstüre geräuschlos geöffnet und wieder geschlossen. Er stand eine Minute regungslos im Raum, dann wandte er sich um, kam an meinen Tisch und sagte: „Ist niemand hier?“ Damit meinte er, dass keine Kellnerin hinter der Bar stand und Dienst versah, und ihm dies […]

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Geschwurbelt

Die Sonne geht schon früh unter in diesen Tagen, ihr Licht hat auch nur wenig Kraft, gerade einmal genug, um den luftigen, in zartem Orange und Magenta gehaltenen Vorhang leuchten zu lassen. Ein Leuchten, das die beiden alten Herren wieder anzieht, sie hier ihren Tee hier trinken lässt. Es sind die Farben des Frühlings und […]

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Mein Weg zum Schreiben

Ich bin Schriftsteller, nicht Künstler, denn ich erachte die Schriftstellerei nicht als Kunst, vielmehr stehe ich auf dem Standpunkt, dass sie eine Notwendigkeit für den schreibenden Menschen darstellt, beispielsweise um seinen Standort kundzutun, um mitzuteilen, wo er innerlich zu verorten ist, oder um sich, wie man sagt, Dinge von der Seele zu schreiben. Ich bin […]

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Katzennärrin

Heute hat meine Katze „danke“ gesagt. Laut und deutlich. Sie hatte geniest, so einen hübschen, niedlichen Katzennieser von sich gegeben, bei dem einem immer ganz warm ums tierliebe Herz wird. Daraufhin ich natürlich: Gesundheit! Und da sind wir nun. Da haben wir wohl beide nicht aufgepasst, sie noch weniger als ich. Wie weitertun? Sollen wir […]

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Ich muss es auch erst lernen

Wie es sich für jedes Lehrbuch gehört, das einen gewissen akademischen Anspruch hat, beginne ich mit einer Einleitung. Zuerst möchte ich die ungestellte Frage beantworten, die ein solches Unternehmen aufwirft: Brauchen wir in der Flut der Lehrbücher des Deutschen ausgerechnet noch ein Pseudo-Lehrbuch, das das Genre des Lehrbuchs auf die Schippe nimmt? Was ist das […]

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Die Macht der Worte

Ob Sie wollen oder nicht Ich schreib jetzt ein Gedicht Und Sie steh‘n von Anfang an Mit Haut und Haar in meinem Bann Sie sind Wachs in meinen Händen Warum sollt‘ ich das Gedicht schon enden Sie merken, wie Ihr Selbst zerbricht Wie aus ihm ein andrer spricht Ihr Wollen und Ihr Denken Beginne ich […]

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Das rückbezügliche Fürwort

Es war einst ein rückbezügliches Fürwort, das lebte glücklich mit allen anderen Wörtern in einem dicken, großen, bunten Buch namens Leben. Es herrschte völlige Harmonie, jedes Wort kannte seinen Platz. Auch das rückbezügliche Fürwort war ziemlich zufrieden. Dennoch nagte stets das Bewusstsein an ihm, in ständiger Abhängigkeit anderer Wörter zu leben, ohne selbst eine eigenständige […]

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Worte fallen mir in die Hand

Wieder einmal habe ich darauf vergessen, die Frucht rechtzeitig vom Baum zu pflücken. Nun fällt sie mir in die Hand, und während ich sie so betrachte, fleht sie mich an, ich möge sie zu Papier bringen. Um ein Haar wäre sie auf den Boden gefallen und verwest, allerlei Tierchen hätten sich daran gütlich getan und […]

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Wortfluss

Es fließt, Wort für Wort, wie ein Bach, im Gleichklang, unaufhaltsam, aneinandergekettet wie eine lange Kette von Lauten, die einander ergänzen, die sich wiegen, wie die Wellen und manchmal über Steine springen, aber nur ein kleiner Sprung in eine andere Furche, um dort weiterzufließen in einem anderen Licht in einem anderen Tonfall, um beim nächsten […]

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Unwörter für Hoffende

"Leider" ist ein böses Wort, kaum hörst du's, ist die Hoffnung fort. - Leider! Beinah genauso schlimm ist "fast". Es heißt, es hätt' beinah gepasst. - Fast. - Leider! Und auch "bestimmt" klingt etwas schal im Hinweis auf ein nächstes Mal, wo's passt. - Bestimmt! - Fast. - Leider! Michaela Harrer-Schütt www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei […]

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