hin & weg

Der Wind

Klaviertöne erzählen mir, von dem Platz, ein Feld, Sterne und Mond, Wind verbläst Lärm, Kennst du diesen Ort, zur Ruhe gehen sie, bezahlen für die Entspannung Geld, belasse es, die Frage zu stellen, kaltes Licht verblasst, Die gewaltige eingemeißelte Flimmerkiste, im schweren Beton, Verschwindet Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 18050

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Kein Weg zurück

Ein Fuß vor den anderen, und nicht nach hinten sehen. Nives Farrier aus: Nach Dir. (TwentySix Verlag, 2018) www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 18059  

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Luftschlösser

Wenn ich nicht mehr da bin, liebst du mich, wie aus dem Nichts. Ich hab das Gefühl, ich muss mich immer in Luft auflösen, damit du von mir träumst. Nives Farrier aus: Nach Dir. (TwentySix Verlag, 2018) www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 18076  

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Selbst verloren

Du warst überrascht, als du merktest, dass ich dir fehle. Ich war überrascht, als ich merkte, ich fehle mir auch. Nives Farrier aus: Nach Dir. (TwentySix Verlag, 2018) www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 18077  

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Generalprobe

Du hast den Abschied perfektioniert, jedes Detail liebevoll arrangiert. Über Monate den Ernstfall geprobt. Mit trübem Blick stehst du da nun, und bist trotzdem nicht bereit, es zu tun. Nives Farrier aus: Nach Dir. (TwentySix Verlag, 2018) www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 18089  

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Ostsee

Meer Wolken und Wasser Wasser und Wolken Meer Herr Wind hat da und dort zu tun Wasser schubst er in Wellen ans Ufer Emsig laufen sie sich aufbäumend schicksalsgetrieben Im Sand werden sie zahm und lahm und müd Doch es gibt keine Rast Kaum Atem geholt eilen sie zurück ins Meer Gezogen von unsichtbarer Hand […]

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Let’s go

Dunkelheit, im Hintergrund schnelle Piano-Jazzklänge, darauf folgend Applaus Djamal spielte Oboe in Damaskus. Vor einem Jahr noch. Zwanzig Jahre alt. Ohne Mittel. Ohne Familie. Ohne Zuversicht. Aber mit Oboe. Djamal spielt nun in Österreich. Es wird heller, drei Personen betreten eine Künstlergarderobe in einem Kulturzentrum einer oberösterreichischen Kleinstadt. Saxophon, Flügelhorn und Kontrabass liegen/stehen herum. Djamal: […]

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Die Liebe der Seekuh (Italien 6)

1. Letztlich bin ich doch noch nach Punto Maria del Leuca gekommen. Enttäuschung pur. An der Kirche und dem Leuchtturm vorbei. Ist das die einzige hässliche Kirche in Italien? Und der Leutturm passt besser nach Gotland als nach Apulien. Dann die Palmen-Eukalyptus-Oleander-Promenade entlang. Sie stehen stehen still da, zernepft und habtacht wie preußische Feldwebel. Beim […]

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Die Taube vom Bologna Centrale (Italien 5)

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das sagt sich leicht und oft. Aber wenn es einmal ein eindeutiges Beispiel gibt, wird aus dem banalen Satz eine tiefe Wahrheit. Man reagiert nie situationsgenau, sondern ferngesteuert von Erinnerungsfetzen. Ich steige auf dem Bahnhof Bologna Centrale aus dem Schnellzug von Lecce und steuere ohne Nachdenken das Café Emma B. […]

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Was Pag mit uns macht

Obwohl die fünftgrößte der Adria-Inseln, ist Pag ähnlich unbekannt wie die Rückseite des Mondes. Und so schaut sie auch aus. Und wenn berühmt, dann nicht für ihren Reichtum, sondern für ihre Kargheit. Und diese karge Schönheit muss man auch noch suchen. Oder man hat Glück, und sie überfällt einen. Der Mai dieses Jahres machte es […]

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Loblied auf eine Zwergenbahn II (Italien 4)

Abreise 19.2., 10 Uhr 07 zurück nach Lecce, statt 14 Tage 4 Tage, Flucht in den Norden Seit ich um 3 Uhr 45 aufwachte, rauscht schwerer Regen nieder, senkrechte Ströme aus Scheffeln, ab und zu weht eine Sturmböe volle Gießkannen waagrecht gegen die Fenster. Unter Heulen, Klappern und Ächzen vom Balkon her bleibt wenig von […]

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In den Schluchten der Altstadt von Genua

Ruhig Blut, Lucy, meine geliebte Kamera, du verbrennst ja mir beinah die Hand, so wie du vor Neugier glühst; auch ich kann es kaum erwarten, nach einem langen Jahr wieder in die Altstadt von Genua abzutauchen, meiner Gegenstadt zu Wien, aber lass mich meinen morgendlichen Cappuccino in Ruhe fertig trinken, schätzt du es doch, mit […]

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Der Korkenzieher – il cavatappi (Italien 3)

Ich glaube an die Magie der Orte. Franz Kafka über Müritz, Juli 1923 Vom Sonnenschein angelockt, rüstete ich mich gegen Mittag zum ersten Gang durch die Stadt. Die Schrecken der Nacht würden sich unter dem blauen Himmel auflösen, so die Hoffnung. Ein paar Schritte von der Haustüre die enge Gasse hinunter kreuzt sich meine Via […]

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Eine italienische Nacht in der Casa Franca (Italien 2)

Als ich in Gagliano del Punto aus dem Zug steige, bin ich genau 24 Stunden unterwegs gewesen. Rocco, der frühere Besitzer des Hauses, holt mich pünktlich vom Bahnhof ab und fährt mich an die Adresse mit dem schönen Via Monte Grappa gleich hinter dem Dom. Von der Stadt sehe ich fast nichts, es regnet und […]

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Loblied auf eine Zwergenbahn I (Italien 1)

Lecce, 14.2.18, 16 Uhr 50, Bahnsteig 6 Jetzt fahre ich also in den Stiefelabsatz hinein, ins äußerste Spitzerl im Südosten. Nicht Fahren, sondern Schlüpfen ist mein Vorgefühl, wie mit den Fingern in einen Handschuh oder mit einem Schuhlöffel. Mühsam. Ich bin aufgeregt und angespannt wie vor einer Himalaya-Expedition, obwohl nichts auf ein Abenteuer hindeutet. Alles […]

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Reisen

Atme elektronische Spannungen, Tabletten liegen am Tisch, Aussterbender Plastiksack raschelt, Im bunten Haus, höre ich Podcasts, Warten und schreiben, Fische starren neben Meer und Küste herab, Ein Affe hält sich die Ohren zu, Die Katze hat mich noch nie angesehen, In der Ecke, wo sonst der Herrgott hängt, hängen Muscheln, spiralförmig kriechen sie in die […]

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Bettelkönigin

Die kleine Hand war dunkel und ein wenig schmutzig; unter den Fingernägeln zeichneten sich schwarze Ränder ab. „One Rupee, one Rupee.“ „No.“ Unwirsch blätterte Isabella eine Seite um; sie wollte in Ruhe lesen und sich nicht schon wieder mit einem bettelnden Kind herumärgern. „One Rupee.“ Sie musterte das Mädchen. Es war etwa acht Jahre alt […]

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verlegt. bewegt.

Ich bin die, die auf dem Land wohnt, aber zugezogen ist. Ich bin die, die gesiezt wird. Unter all den anderen Kunden, die sich mit dem Personal duzen. Dennoch ist über die Jahre eine Vertrautheit entstanden, die mich die Kassiererin, eine Frau in mittlerem Alter, fragen lässt, ob sie sich freut auf die anstehende Veränderung, […]

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Vierzig Minuten oder Einmal Parallelwelt und wieder zurück bitte

Wie sehr du dich auf deinen eigenen Bahnen kopierst, wird dir klar, wenn du einmal eine durch Zufall verlässt. Beinahe verloren findest du dich in einem Universum wieder, das zwar dem deinigen ähnelt, aber durchdringend befremdlich wirkt. Ein nicht greifbares Unbehagen: Was ist denn da bloß los? Dabei fing wie meistens alles ganz harmlos (wenn […]

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Vom mangelnden Gespür der Basler für die Feinheiten des Wiener Idioms

Vor ein paar Tagen hab ich die Marta getroffen auf der Thaliastraße. Schräg, sie nach so langer Zeit zufällig wiederzusehen und noch schräger, dass wir uns gleich angesprochen haben, denn eigentlich hätten wir mit gesenkten Köpfen aneinander vorbeirasen sollen, ohne uns umzudrehen, bei unserer Vergangenheit. Aber offenbar verbinden nach einer gewissen Zeit böse Erinnerungen genauso […]

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Helga Wittners Rettung

Helga Wittner wurde Anfang Mai zwangseingewiesen, ‘Wahnvorstellungen’ lautete die erste, ungenaue Diagnose. Sie würde sich auf fremde Planeten flüchten, stand im Bericht des diensthabenden Arztes. Die Patientin wurde Dr. Axel Egger zugeteilt, welcher einige Gespräche mit ihr führte und sie durch diese kennen und schätzen lernte. Der Auslöser für Helgas Reise auf einen Planeten namens […]

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Karl Roßmann kam nicht bis Oklahoma

Was der Dichter schafft, das muss so hingenommen werden, wie er es geschaffen hat… So wie er die Welt gemacht hat, so ist sie. J.W. Goethe 1. Als der sechszehnjährige Karl Roßmann – ein andermal ist er siebzehn – am Morgen eines Apriltages im Jahre 1912 mit der „Sibylle“ der Hamburg-Amerika-Line in den Hafen von […]

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Mein Oster-Erweckungserlebnis

April 1971 Meine Freunde Pashka und Wjeta wussten davon über Mundpropaganda. In der Christi-Himmelfahrts-Kirche von Kolomenskoje soll es einen geheimen Oster- Gottesdienst geben, eine Auferstehungsfeier die ganze Nacht hindurch. Wir fuhren mit der Metro hinaus zur Endstation Kolomenskaja und gingen über die fast schon grünen Wiesen der Parkanlage zur Kirche. Vor allen Seiten strömten Menschen […]

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Der neue Koloss vs. Die Mutter der Verbannten

Der dreiste Gigant von griechischem Ruhm kreischt mit lauter Stimme von seinem Thron: Behaltet sie dort, eure Müden, eure Armen, eure Schicksale und menschlichen Dramen, eure geknechteten Massen, werden nicht mehr hereingelassen! Wenn sie frei zu atmen begehren, werden wir sie mit Mauern abwehren. Aufgrund des elenden Unrats eurer gedrängten Küsten werden wir nun unser […]

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Mach es so, dass jeder auf dich stolz sein kann

Es ist gefährlich, in der Provinz Logar im östlichen Afghanistan zu leben. Seit Jahrzehnten kennen die Menschen dort keine Normalität. Die russischen und amerikanischen Besatzungstruppen sind gekommen und gegangen. Sie haben Hoffnungen geweckt, Enttäuschungen beschert und unaufhaltsam größere Not über die Bevölkerung gebracht. An Arbeit und Schule ist seit Langem nicht mehr zu denken. Alle […]

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Frieden III

Die U-Bahn fährt weiter, ich mit ihr, Sie erscheinen nicht mehr in Schwarz, Schwarzer Schleim und Tentakel schlummern unter Gleisen, Pflege des Unkrautes, Der Gärtner hatte verschlafen Lichtröhren beleuchten den Wagon, Farben sehen, Fühlen, Beton und Stromleitungen, danach immer eine Station, Irgendwann kommt das warme Zuhause, Voller Tag, Bilder sind vorbeigezogen, er singt ihnen Lieder, […]

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Bericht aus der Anstalt oder die Verstollenen

Der Empfang war freundlich und persönlich wie in einem Hotel. Die Rezeptionistin überreichte mir den elektronischen Zimmerschlüssel und den vorläufigen Therapieplan; dabei bemerkte sie, dass sie die gleichen Schuhe habe wie ich – bequem, gell! Dann rief sie den Hausarbeiter, der sich als ein Zoran aus Banja Luka herausstellte. Während er mein Gepäck schleppte, versetzte […]

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Autobahn

Zurück zu dir, jeder Kilometer bringt mich zur alten Liebe Eine Fahrt mit tippenden Geräuschen, Braune kleine Augen, blicken aus der Tasche, er hat ein schöneres Fell als ich Plappernde Gespräche beschallen den fahrenden Raum, Das gut riechende Mädchen ist in der LED-Beleuchtung schön, Ein Schläfer zieht seine Haube vor die Augen, Blind für alle, […]

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Busfahrt

Kreuzworträtsel neben mir rechts, Links ein Spielplatz, Apathische Blicke, Langeweile und daneben Telefonate, die Mitte gehüllt in Dunkelheit Er brummt über die Brücke, kalte Luft wird zerschnitten, die im Dunkeln stehen und reden Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg| Inventarnummer: 17081

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Wenn die Moka singt

Mag man irgendwo in Italien in einem noch so unterpreisigen, lausigen Bed & Breakfast abgestiegen sein, am Rande einer Vorstadt nahe der Tangente, wo einem der hitzeüberladene Augustwind unaufhörlich den Straßenlärm durch die Ritzen der herabgelassenen Rollläden spült, und beim Rundgang durch die speckige Küche ein Brotmesser vorfinden, das nicht einmal die Butter zu schneiden imstande ist, […]

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Luft verspielt

Die Bahn entgleist, In das Licht, für Momente, Nebel hängt und Wasser spiegelt sich, einen Gewinn verspielt, grabe nach Gold, sehe euch tief unten, dort oben wird die Luft dünner, Taub von der Isolationshaft am Dach meines Kopfes Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg| Inventarnummer: 17077

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Schwarzer Bahnhof

Schwarzer Bahnhof, Hohe Betonsäulen ragen auf, verdreckt von der Zeit Ein grauer Nebel blickte zwischen den dunklen Schemen hervor, Nervöse Zuckungen, ohne Gesicht und transparent, Schleichen an Gleisen herum, Endlose Runden drehen sie. Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg| Inventarnummer: 17069

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Im Schatten des Minaretts

Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist. Jean Paul  Wer sich vor dem Tod fürchtet, geht nicht auf Reisen. J.W. Goethe, Der west-östliche Diwan  I‘m not going to die before my time. Lisl Steiner, Fotografin, mit 88 Seit der Jugend-Lektüre von Sven Hedins „Zu Land nach Indien“ ließ mich die Seidenstraße nicht […]

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Ein Tag im Garten

Weiße Wolken Mitten in der grünen Lunge Im Blumenmeer schwimmen Vögel Stehende Hitze wärmt das Fleisch, kaltes Meer spritzt, verschwommenes Blickfeld Zwischen den braunen Spitzen Kokosnussgeruch Weit dahinter, ein Sprung in das Salz Hawaiihemd halb offen Braune Fäden wehen zwischen Palmen Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg| Inventarnummer: 17028

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Der Railjetsimulator

Wenn ich nicht mehr Bahn fahre, kann ich auch nicht mehr schreiben. Ich überlege mir, eine alte Waschmaschine so umzubauen, dass ihr Schwungriemen eine Plattform rüttelt, auf der ein kleiner Schreibtisch und ein Stuhl stehen. Von einem Beamer aus werden Aufnahmen einer vorüberziehenden Landschaft auf die Wand projiziert. Ich besteige die Plattform, setze mich auf […]

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Der Vogel und das Nest

Selbstverständlich sollen Dinge sein, einfache, sagen sie, Hoch oben zwischen den Kronen schauen sie hinab zum kleinen Vogel, Der Flug nach oben kann so leicht sein, Oben in den Kronen bekommt man alles, rufen sie, Er zwitschert nur hinauf, bis in das Morgengrauen, dann Stunden und Tage, sein Zwitschern wird monoton Er fliegt hoch, Zwischen […]

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Spatz oder Taube

Das Angebot, das Walter Pirker von Emilio unterbreitet worden war, hatte einfach zu gut geklungen. Dieser hatte ihn in einer Mailänder Hotelbar angesprochen und ihm in einem vertraulichen Gespräch zweitausend Euro versprochen, wenn er eine Person von Italien nach Österreich befördern würde. „Wie sind Sie auf mich gekommen?“, fragte Pirker, nachdem er eingewilligt hatte. „Sie […]

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Mein Südtirol

Aurouggla – Teil 3 Als sich Tage danach der Stress um das Brautpaar gelegt hatte und der Alltag wieder seine ruhigen Bahnen zog, meldete ich mich bei Moidl (Mutter meines Schwagers, die Maria hieß) wieder zum Bardienst zurück, und ich muss sagen, ich war mit meiner Tätigkeit dort sehr zufrieden. Tagsüber kamen zahllose Italiener vorbei, […]

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Discokugel

Krogg und Popp waren mit ihrem Raumschiff unterwegs zu einem weit entfernten Planeten, der in einer anderen Galaxie lag. Er war klein und blau, die Instrumente auf ihrem Planeten hatten eine Atmosphäre und flüssiges Wasser erkannt. Auf seiner Oberfläche hatten sie Aktivität festgestellt, intelligentes Leben zweifellos, zu dem Zeitpunkt, als der Lichtstrahl ihren Heimatplaneten Bunker-339I […]

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Eis/Beton

Ein Irrgarten aus künstlichem Licht wurzelt mit seinen Ranken Augenringe und mechanische Stimmen Auf dem Beton leuchtet der Mond, ein Eisbär blickt ruhig übers Eis, nur Pinguine springen umher Sterne stechen durch die Schwärze/ Malen nach Zahlen Florian Pfeffer www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg| Inventarnummer: 16140

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Auf der Fahrt ins Gleichgewicht

In Erinnerung an die unverwechselbare Silvana Mangano, die folgende Szene die spitzen Finger am Lenkrad mit drei Augenaufschlägen ihres rabenschwarzen Blicks darzustellen gewusst hätte, ohne auch nur ein einzige Silbe ihrer an sich schönen Stimme in Anspruch nehmen zu müssen … „Heimat?“, hatte er damals meiner Frage als Gegenfrage entgegengesetzt, dann war sein Blick abgewandert, in eine unbestimmte Ferne gerichtet, […]

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Laubbläser im Sturm

Wo, mein Guter Ist dein Sancho Panza? Könntest ihn gut brauchen Wenn ich dich so sehe Laubblasend Am windigsten Tag der Woche Deine Rosinante hat dich Wohl im Stich gelassen Statt ihr trägst du die schwere Bürde Laubbläser zu sein Ist keine Kleinigkeit Die Passanten passieren Bei dir wirbeln die Blätter Auch ohne dein Zutun […]

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Sumpf

Im Sumpf Im schwarzen Dickicht sehe ich es wuseln Baue Mauern, um den Schleim wegzuhalten Es kriecht mit Täuschung durch den Dschungel, manche locken mit Pheromonen, mit starken Duftnoten, die durch lange Gänge schleichen Überall Kämpfe im Sumpf, jedes Individuum will zum Alpha werden In einem unsichtbaren Netz ziehen sich kollektive Brutstätten zusammen, zu einer […]

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Die Hochzeit

Aurouggla – Teil 2 Nachdem meine Familie also erfolgreich im Hotel Belvedere untergebracht worden war, trat etwas Ruhe in die ganze Sache ein. Vater hatte aufgehört, nervös zu schnupfen, und Mutter genoss den ausgezeichneten Blick über Meran von der Terrasse des Hotels aus. Sie sah, zumindest für Momente, sogar etwas entspannt aus. Und ich? Nun, […]

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Hotel Polissja

„Vielleicht inzwischen doch ein bisschen veraltet, dein Reiseführer.“ „Nun ja, die Preise werden wohl nicht mehr stimmen, aber ansonsten, was soll sich schon groß geändert haben?“ Und unbekümmert blätterte mein Vater weiter in dem abgegriffenen Büchlein mit den kyrillischen Buchstaben und den grobkörnigen Fotos in Schwarzweiß, das ihm irgendwann in den achtziger Jahren auf einem […]

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Nordsee-Exkurs

Eine spröde Geliebte ist sie, die Nordsee. Hat sie den gerade angekommenen Bewunderern eben noch zugeblinzelt, sich in der Abendsonne schmeichelndem Licht präsentiert, so entzieht sie sich den erlebnisgierigen Blicken alsbald wieder. Was schert sie der Verehrer, sie überzieht ihn erst mit düsteren Wolkengebilden – soll er sich doch der Ehre, an ihrer (Küsten-)Seite zu […]

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Die Bar Diana

Aurouggla – Teil 1 Es herrschte heller Aufruhr im Hause, die Koffer waren gepackt, das Taxi stand mit laufendem Motor vor dem Haus, fehlten nur noch die Fahrgäste. Wenn zwei junge Menschen einander die Ehe versprechen, dann ist das schon ein bedeutendes Ereignis für alle Beteiligten, für die Eltern selbstverständlich, aber auch für die engeren […]

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Im Labyrinth der Zeit

Se vogliamo che tutto rimanga come è, bisogna che tutto cambi. – Tomasi di Lampedusa: „Il gattopardo“ „Parlare, parlare, parlare, so lösen wir die Probleme hier in Sizilien.“ Und die Erleichterung steht meinem Zimmervermieter ins Gesicht geschrieben, dass mein Fernsehanschluss wieder funktioniert, dass das Kabel gefunden worden ist, über das die minderbemittelten Maurer von der Baustelle nebenan […]

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Straßengedanken

Halbgedanken, Luftgedanken, Dunstgedanken, mehr an Angedachtem will mir nicht durch den Kopf gehen, hier auf diesem pfeilgeraden Autobahnstrich knapp hinter Villach, diesem sonnenüberfluteten Band Asphalt im Niemandsland vor der Grenze zu Italien. Nicht mehr als ein Gedankenrauschen, das mich durchflutet, eingeharkt den Tempomaten auf milde Hundertdreißig, geistig zu nichts anderem angespannt, als ein Lenkrad schnurgerade […]

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Zwiespältig, sein Lächeln

Ein Tisch, irgendwo in Italien. „Zu welch Unsinnigkeiten man sich doch hinreißen lässt, aus Gründen der Einsamkeit –!“ Was meinen Sitznachbar zu einem Lächeln veranlasst, Alessandro an seinem italienischen Stammtisch. Fahr fort, deutet still seine Handbewegung. „– sogar deine Sprache versuche ich mühsam zu erlernen.“ Amüsiert hebt er nun die Augenbraue, dieser Alessandro, im Schweigen […]

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Der ewig Reisende

Alte Wäscheständer, mein erster nachhaltiger Eindruck in dieser Wiener Wohnung, nachlässig in sich geklappt an die Wände gelehnt, schon lange haben sie keine Wäsche mehr gesehen, die ihnen zum Trocknen auferlegt worden ist, alte Wäsche, die ich verborgen in den hintersten Reihen des mächtigen Einbauschranks vermute, wahrscheinlich nur unpersönliche Wäsche, wie Bettlaken und Handtücher. Eine […]

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Die keltische Kriegerfürstin aus Sizilien

Verdammt, Paolo, du weißt doch ganz genau, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn du mir wildfremde Leute an den Tisch setzt, selbst wenn deine Taverne gerammelt voll ist, du sogar schon ein paar Stühle von drinnen hier auf der Terrasse aufstellen hast müssen. Ja, ich weiß, Kinder sind nicht billig, besonders deine, die ja […]

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In Sand gemeißelt

Hinter uns die Nacht, im Schlafzimmer eines alten Bauernhofs inmitten der Toskana, die Nacht, in der es uns nach ungezügelter Liebe gelüstet hatte, jetzt am Morgen gelüstete uns nach Zahnbürsten, wer von uns schneller war, an der Regenrinne im Hof, grinste umso breiter. Und weggeputzt der Nachgeschmack der Nacht, gelüstete uns nach einem Nachspiel, nur […]

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Kusch

Endlich ein warmer Tag! Nach einem halben Jahr Winter sehnen sich Körper und Seele nach der Sonne wie die Blumen nach dem Wasser. Da ist mein Rad. Mein italienisches Rennrad. Nicht unbedingt das neueste Modell. Muss ja nicht unbedingt sein. Den Winter über in der Garage gestanden. Von Spinnweben überzogen befreie ich es erstmal davon. […]

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Trauriges Beispiel

Einst, stolzgebläht, der Stürme Fahrgast Hängst du nun da an einem Baumast Ein toter Ast ist’s obendrein Er fing dich schon vor Jahren ein Oft auf meinen Arbeitswegen Sah ich dich vergeblich regen Freiheit! Ächzt’s aus deinen Falten Doch der Baum, er wird dich halten Sturmflug! Flatterst du im Wind Dieweil die Regenträne rinnt Oh, […]

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On the Road Again

Einen Spaziergang machen. Zum Nachdenken, zum Runterkommen, zum Erholen, und um alles von sich abzuschütteln, was so an einem unangenehm haften geblieben war die letzten Tage. Alles loswerden, was einen so vereinnahmt. Die kleinen Histörchen, Skandale, die Familiengeschichten, Songtexte und und und. Wenn das so leicht wäre! Landschaft. Konzentrieren auf die Landschaft. Dort ein Baum, […]

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Geisterzug

Dieser Zug schleicht raubtierhaft Durch die Raubtierkatzennacht Katzenaugen der Signale Warnen vor Der Bahngeleise-Schreckensmacht Der Geisterzug setzt geisterhaft Setzt zum Sprung an durch die Nacht Rot erschreckte Autolichter flüchten vor des Untiers Kraft Und schon erlegt Und wirklich kraftlos liegt das schwarze Alpentier Mit abgeschabten Hügelbrüsten Mit ausgefransten Waldfellbüscheln Säugt es dir Kein Junges mehr […]

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Dunkles Land

Mathis - schon sein Name verhieß die wohl konservativste Sexfantasie aller Frauen: ein heißer, französischer Sommerflirt. Auf einer Interrailreise mit Freundinnen traf ich ihn und hatte mich vom ersten Moment an unsterblich in seine großen, dunklen Augen verliebt. Er war mit seinen Kumpels gerade Richtung Italien unterwegs, und wir hatten eine Rundreise in Frankreich geplant. […]

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Zwei Fremde im Bus: Von Aleppo nach Laaanderthaya

Am 27. August 2015 stieg der Mann in den weißen Bus mit drei grünen Rebstöcken an der Seite, bezahlte beim Fahrer 15 Euro: „Laa- an- der-Thaya, please“, ging die Reihen entlang und wählte einen der hinteren Plätze. Den kleinen Koffer legte er ins Gepäckfach, auf den leeren Sitz neben sich stellte er die Papiertasche mit […]

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Fahrradlieder 4 - Fieselotte

(frei nach Brecht) 1) Da lachst du dazu, Fieselotte Und bist schon wieder ganz blau: Zum Kotzen dies Getue, diese ach so hohen Gefühle Interessieren doch keine Sau! Wer ist´s denn am Ende des Tags Der dich Trunkenbold Bei jedem Wetter nach Hause bringt, Während du davon schwärmst, wie Columbina dir hold Oder wie schön […]

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Fahrradlieder 3 - Rhinos-Zerross

(Eine klassische Ode nach Schiller) Doch du, Rhinos-Zerross, woher kamst du? Dich schufen wir in den Kellern, wo das Radvolk sich birgt, um Kräfte und Räder zu nähren. Gegen den täglichen Feind der Menschen und Räder, gegen die alleszerfressenden Autos zu wehren sollt’st du uns helfen, ein Rammbock uns werden, wie sie ihn noch nicht […]

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Volkers Fahrt

Ja, der Volker, mit dem ist es eine eigene Geschichte, ein Exkurs lohnt sich vermutlich, vielmehr hoffentlich. Eigentlich wollte er ja gar nicht einsteigen, und ebenso eigentlich war das sein Hauptproblem. Immer alles offen lassen, Optionen sollen Möglichkeiten bleiben und keine Entscheidungen nach sich ziehen, wer also in einen Zug steigt, lässt einen anderen sein, […]

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Fahrradlieder 2 - Columbina

 (frei nach Rilke) Aus den schattigen Hallen des Händlers hab einst ich dich freigekauft In einer auch mir dunklen Stunde Frei nun, lehrtest du mich, was Freiheit doch ist Lässig die tägliche Bedrängnis umspielend. Nicht der buckligen Ölfresser eifernd sich wehren, nein! In gelassener Ruhe spöttisch umkurven sie - nach Taubenart. Du zeigtest mir die […]

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Fahrradlieder 1 - Expressionistische Überlandfahrt

Rrrr, rrr, tk, tk, tk pfeifst du, tönst du, singst du mir, wenn der Wind dir, sirr, durch die Speichen fährt, singst du windgenährt Mein musikdurchdrungenes Alurennrad. Dein frisch gehäutetes Kirschrot leuchtet und glänzt schelmisch (matt) bei Tag und glüht in der Nacht, ich weiß es, wenn du träumst von der Jagd durch die Stadt, […]

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Wiener Hafen

Legst du dich Mit dem Bauch nach unten Flach auf die Stadt Sind die schräggestellten Dächer Rote Wellenberge Und im Winter bricht Ihr Kamm als weißer Rauch Ist doch die Dächersee zu dieser Zeit Besonders stürmisch Doch frag mich nicht, was unter den Wellen Oder dazwischen Da tun sich Abgründe auf Und du wärst nicht […]

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Hochseilakt

Seiltänzer gehören zu meinen Favoriten unter den Artisten. Als ich in die erste Klasse ging, kam eine Seiltänzergruppe in mein Dorf. Sie spannten das Seil vom Giebelfenster des alten Schulhauses zu einem Mast, der sich auf dem freien Platz unterhalb der Kirche befand. Früher hatte dort ein noch älteres Schulhaus gestanden, das bereits abgerissen war. […]

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Haarig oder Wie ich der Provinz entfloh

Oed. Oed bei Amstetten. Halbzeit. Ich sitze in meinem Ford Escort Baujahr 1975, der Motor auf Hochtouren, Rücksitz und Kofferraum prall gefüllt mit meinem wichtigsten Hab und Gut. Ich heiße Ferdinand, meine Freunde nennen mich Ferdl, und bin am Weg in die Hauptstadt. Die ungeliebte Hauptstadt - die Stadt der Raunzer, der arroganten Schnösel und […]

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Am Weg

Die zufällige Anordnung der Songs und Tondokumente raubte ihr den letzten Nerv. Wer immer diese Shuffle-Funktion erfunden hatte, er hatte die Höchststrafe verdient. Und diese war klarerweise das stundenlange Anhören dieser niederträchtigen Mischung aus (wenn auch gutem) Heavy Metal, Spanischlektionen, Gedichtrezitationen und dazwischen schon mal dem einen oder anderen ausgelutschten Popsong aus den Neunzigern. Auch […]

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Der amerikanische Traum

Der Airbus 320 kreiste unaufhörlich über Manhattan, ohne bis jetzt eine Landeerlaubnis erhalten zu haben. Langsam wurden die Passagiere in ihren Sitzen unruhig. Immerhin saßen sie bereits seit neun Stunden auf ein und demselben Platz. Da und dort waren schon nervöses Öffnen und Schließen der Sicherheitsgurte aus den Sitzreihen zu hören. Es waren mehrheitlich Geschäftsleute […]

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Amsterdam oder Der Vorteil, Clowns als Eltern zu haben

Gott sei Dank sind seine Eltern Clowns, dachte ich, als das Gras näher kam. Es berührte mein Gesicht, kalt, ein bisschen nass, hoffentlich nicht von dem Erbrochenen. Nein, nur nass. Wenn sie nämlich keine Clowns wären, hätten sie das bestimmt ein bisschen ernster genommen. Das war das, was mir dann in den nächsten Tagen einfiel. […]

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Vom Stangl g'haut

Der alte Pauli ist auf Malta in den Armen seiner Geliebten verstorben, im Hotelbett, sagt die Moni, seine Tochter. Dabei hatte er schon auf dem Schiff so eine Ahnung gehabt, wie sein Gspusi später erzählte. „Wird's mich doch jetzt nicht vom Stangl hau'n! Wer zahlt denn dann die Überführung?“ Solche Worte graben sich tief in […]

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Das Schiff

Das Leben ist eine immerwährende Verwandlung. Dennoch besteht unser Hauptbemühen darin, den flüchtigen Augenblick festzuhalten und zu bewahren. Wir suchen Sicherheit gegenüber Veränderungen, die unweigerlich über uns hereinbrechen. Wie jämmerlich ist unsere Angst, wie überflüssig unsere Anstrengung, wie lächerlich unsere Hybris. Verwandlung geschieht unmerklich und ständig, auch wenn wir die Augen davor verschließen und uns […]

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Die Insel des Glücks, strahlend

In dem Moment, als mich der automatische Newsfeed meines Handys stumm vibrierend über den Beschluss Premierminister Abes, wieder in die Kernenergie einzusteigen, informiert, zerplatzt ein einsamer Regentropfen auf meiner Wange. Monoton tosend zerbricht Welle auf Welle an den Tetrapoden unter einem Himmel, so stählern grau, dass ich kaum noch den Horizont auszumachen vermag, vor mir […]

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Die Sonnenfinsternis vom Mittwoch, 11. August 1999, am Faaker See

Zunächst schien es, alles wäre vergebens gewesen. Das Buchen der Zimmer, die Anreise, der Kauf der Spezialbrillen, das Warten. Dann aber gab es Risse in den Wolken, die, anfangs tief­hängend, als wollten sie bald vom Himmel fallen, sich mehr und mehr darauf besannen, daß hoch oben ihr Platz war. Aus den Rissen wurden blaue Flecken, […]

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Fieberphantasien im Pullmann-Abteil

Meinem ein bisschen versnobten damaligen Begleiter, einem jungakademischen Psychologen, kam es gerade recht, einer reiseunerfahrenen jungen Frau wie mir zu zeigen, wie man Reiseabenteuern souverän begegnet. Handtellergroße Kakerlaken auf dem Klobrett, doppelt zur Unterschrift vorgelegte Kreditkartenbelege und der Mietwagen, dessen Pneu die Luft nur bis zum nächsten Stadtviertel halten konnte, fallen unter die Rubrik touristische […]

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Ah & Oh!

Der Zug war voll und ganz knapp erwischten wir noch zwei Sitzplätze. Uns gegenüber so ein smarter Thirtysomething. Ein Anzugträger mit stylischer Hornbrille, iPad und iPod. Er telefonierte, warf uns beiden Mädchen einen knappen grüßenden Blick zu. Kathrin und ich wollten unsere Seminararbeit über das Kartellrecht in der EU vorbereiten und starteten beflissen unsere Notebooks. […]

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Ahoi.

Also das mit der Martina war sowieso die ärgste Geschichte. Acht Jahre war ich mit ihr zusammen, alle Höhen und Tiefen. Dann verlässt sie mich mit all ihren Sachen von heute auf morgen. Sie hätte endlich eine Wohnung gefunden und den Auszug schon ganz lange im Sinn gehabt, jetzt wäre die passende Gelegenheit und der […]

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