Na klar!

Es war vorhersehbar gewesen. Ja, natürlich. Trotzdem verursachte es mir Herzklopfen. Und trotzdem war ich enttäuscht. Das Handy hielt ich immer noch in der Hand, unentschlossen, was nun zu tun sei. Ganz so, als ob mir gleich dämmern würde, welche Schritte als nächstes anstünden.

Kathi war während der letzten fünf Jahre perfekt gewesen für mich. So eine kleine, zarte Blonde war sie, hübsch. Und sie hatte sanfte Hände. Obwohl – die Annäherung damals war nicht eben leicht, sie war so jung, so unerfahren und so dermaßen empfindlich für Kritik. Sogar Tränen sind geflossen, einmal. Ich hätte einfühlsamer sein können, ja natürlich.
Gleich nach Abschluss ihrer Lehre hatte ich sie kennen gelernt. Schnell waren wir per Du. Anfänglich der übliche Smalltalk über Urlaube, dann Vertraulicheres über ihren Exfreund, der sie nicht gerade fair behandelt hatte. Ausgerechnet in so einen groben Klotz hatte sie sich verliebt. Neben ihrem schlechtbezahlten Fulltimejob wurde damals auch noch von ihr erwartet, dass sie im Stall und auf dem Feld mithalf.

Doch nun war alles anders, die Vorzeichen besser, der Kompass auf Zukunft gestellt, und damit das unausweichlich Folgende vorhersehbar. Ausweichend anfangs noch ihre Antworten auf meine vorsichtige Anspielung auf die plötzlich zu enge Bluse. Doch – obwohl sie vieles daransetzte, es zu verbergen – das Bäuchlein war eines Tages nicht mehr zu übersehen und mein voriger Besuch bei ihr somit der vorläufig letzte.

Das Telefonat endete dennoch irgendwie überraschend mit den folgenschweren Worten: „Die Kathi, die ist seit letzter Woche in Karenz, Sie werden sich für eine unserer anderen Friseurinnen entscheiden müssen, liebe Frau Gruber.“

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 13017

 

 

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