Schlagwort-Archiv: es menschelt

Der Marillenbaum

„Was wollen Sie von mir?“, fragt er misstrauisch die Frau, die, ohne anzuklopfen, in sein Schlafzimmer kommt.

„Nur etwas erzählen“, antwortet sie mit sanfter Stimme. „Darf ich?“

Zögernd nickt er und sie setzt sich zu ihm an den Bettrand.

„Also, ich beginne“, sagt sie, atmet einmal tief ein und aus. „In einem kleinen, sonnengelb gestrichenen Haus lebt ein altes Paar. Anna und Peter. Seit über fünfzig Jahren sind sie verheiratet. Natürlich haben sie viel zusammen erlebt in dieser langen, langen Zeit. Sehr viel Schönes und auch Schwieriges. Als Anna in jungen Jahren zwei Fehlgeburten erleiden muss, ist Peter ihr ganzer Halt. Und Jahrzehnte später hilft Anna ihrem Peter, so gut sie kann, mit seiner altersbedingten Erkrankung umzugehen.“

„Das ist gut “, sagt er. „Erzählen Sie weiter!“

„Anna und Peter lieben ihren kleinen Garten, in dem ein prächtiger Marillenbaum steht. Und sie sind vernarrt in ihr Haustier, einen lustigen, schwarzen Kater mit grünen Augen.“

„Wie heißt denn der Kater?“, fragt er interessiert.

„Oskar“, antwortet sie.

Er lacht auf.

„Ein schöner Name! Genau so würde ich meinen Kater auch nennen!“

„Oskar klettert oft auf den Marillenbaum. Im Sommer trägt der Baum schwer an seinen vielen Früchten. Und Anna und Peter genießen jeden Morgen ihre selbstgemachte Marillenmarmelade auf ihrem Frühstücksbrot.“

„Ja, ja“, ruft er begeistert, „ich mag Marillenmarmelade auch sehr gerne!“

„Von ihrem Schlafzimmerfenster aus können Anna und Peter den Marillenbaum sehen.“

Verwirrt sieht der Mann die Frau an. Sie nickt ihm zu. Er richtet sich in seinem Bett auf und schaut angestrengt durch die Fensterscheibe gegenüber. Sieht die dichten Zweige und grünen Blätter eines Baumes. Spürt die warme Hand der Frau auf seiner Hand.

„Ist das ein Marillenbaum?“, fragt er aufgeregt.

„Ja“, sagt sie und lächelt.

Und plötzlich blitzt etwas in ihm auf. Ein Name. Eine Erkenntnis.

„Anna“, flüstert er. „Bist du meine Anna?“

„Ja, Peter“, sagt sie.

Claudia Dvoracek-Iby

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26050

Du bist eine tolle Frau, aber …

Das Fatale an solchen Abschieden, nennen wir es ruhig beim Namen: Trennungen, ist ja, dass man es nur falsch machen kann. Jedes Wort kommt einem zu viel, zu wenig oder zu wenig rücksichtsvoll vor – und ist es auch.

Die in solchen Fällen gern gebrauchte Floskel, es läge an mir und nicht an ihr, kommt mir nicht über die Lippen, sammelt sich in meinem Mund zu einem Wortmüllhaufen, was soll ich nur sagen? Sie hat bestimmt längst gemerkt, dass was nicht stimmt. Unsere Telefonate sind sonst so unbeschwert, luftig, launig, wie ein Sonnenstrahl im Grau des Alltags. Aber diesmal ist es anders für mich. Ich hab kurz vor unserem Gespräch online auf mein Konto geschaut, beinah hat mich der Schlag getroffen: Das alles soll ich gekauft haben???

Das Telefonat endet wie üblich, sie hat wohl doch nichts von meinen Zweifeln bemerkt, noch nicht. Doch danach denke ich länger drüber nach, wie das geschehen konnte. Ich weiß, sie wird bald wieder anrufen, alle paar Tage sind das Minimum, und ich möchte mich diesmal darauf vorbereiten. Ihre heitere, einladende Stimme macht es mir wohl nicht einfach, ihren Redefluss zu unterbrechen. Sonst hab ich immer lange zugehört, bevor sie bekommen hat, was sie wollte: meine volle Aufmerksamkeit und mein uneingeschränktes Ja zu ihren Vorschlägen.

Berechnend? Nein, das kann man so nicht sagen. Sie macht ja nur ihren Job. Dass ich so eingestiegen bin, liegt an mir und nicht an ihr. Aja, nun wären wir doch dort angelangt, bei der Floskel.

Es klingelt, ihre Nummer. Üblicherweise hüpft mir da schon das Herz vor lauter Vorfreude, diesmal sinkt es ganz tief hinab.  Schon während der Begrüßung pocht es in meinen Schläfen: Ich muss es ihr sofort sagen.

„Du bist eine tolle Frau, aber …“ Weiter komme ich nicht. Sie reagiert irritiert: „Was hast du gesagt?“
Ich rede weiter: „Und du machst deinen Job großartig, aber …“ Sie schweigt, ich hab angenommen, sie würde mich unterbrechen. „Aber ich muss dir was sagen“, fahre ich fort. „So geht es nicht weiter für mich. Deine Anrufe werden häufiger, und ich geb immer mehr Geld dabei aus. Mein Kellerabteil quillt über, alle meine Räume sind vollgestopft, ich kann deine Ideen nicht länger unterstützen, es geht einfach nicht. Bitte nimm mich aus eurem Verkaufsverteiler. Ich möchte nämlich auch nicht, dass mich wer anderer von eurer Firma anruft, so leid es mir tut …“
„Tuuuut“, hallt es in meinem Kopf wider, sie hat aufgelegt.

Drei Minuten später erhalte ich eine Nachricht auf mein Handy, gesendet von ihrer Nummer:
Danke, dass Sie uns geholfen haben, das Verkaufserlebnis mit unserer KI-Anwendung zu optimieren. Wir werden uns bemühen, künftig unseren Service Ihren Wünschen entsprechend auszubauen, und melden uns wieder bei Ihnen.

Carmen Rosina

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26039

Schifahr’n

Schifahr’n ist ein teurer Spaß,
und für jeden! Hat sich was!
Hast du Weib und Kind dabei,
rechnet alles sich mal drei.

Der Preis ist das Bescheuertste,
Brettln, G’wand und Lift pro Mann!
Weil Schifoan ist das Teuerste,
was man sich nur vorstell’n kann.

Es entzieht, noch eh ich’s checke,
das Klima mir den Schnee als Decke.
Daher verkürzt sich die Saison,
beinah um vierzig Tage schon.

Beschneiung, denkt der schlaue Bauer,
mach ich, meine Wiesen sind eh sauer.
Scheu tritt aus dem Wald ein Reh
auf den selbstgemachten Schnee.

Sind die Pisten ständig aper,
meiden Mutter, Kind und Papa
solche Schigebiete sehr.
Drum, so fährt man denn ans Meer.

Ganz droben ist es auch nicht besser
und viel teurer für den Esser.
Ski-Heil!, die Lage ist verfilzt,
weil auch schon der Gletscher schmilzt.

Mit den Preisen in der Hütte
nehmen sie dich auf die Schippe.
Ein Lunchpaket, das längst vermisste,
iss am besten auf der Piste.

Zu teuer ist die Unterkunft,
beinah geg’n jegliche Vernunft.
Der Geizhals baut am Waldesrand
aus Schnee ein Iglu mit Verstand.

Ist der Schiurlaub zu teuer,
der Kassenpegel ungeheuer,
der Traum vom Schifahr’n nun vom Tisch,
dann macht die Not erfinderisch.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafiken)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25232

Was jetzt noch

Was fängt man ohne Hilfe an,
wenn man den Wind nicht ändern kann?
Oft fehl’n Erfahrung und das Wissen.
Vielleicht die Segel richtig hissen?

Alles, was man da so hört,
eine Meinung, ganz allein.
Aber was mich so empört,
das kann doch nicht die Wahrheit sein!

Alle reden von Bedrohung
und von ständiger Verrohung.
Nicht die Bösen sind die Krassen,
jene sind’s, die es zulassen.

Und man sagt, so wie du denkst,
du dein Glück dir selber lenkst.
Da fragt man sich, was denkt der Tor,
was geht denn in dem Kerl vor?

Wie ein Tropfen, scheint das Wissen,
wie ein Ozean, was wir missen.
Bange wird, was die wohl denken?
Und was für Leut’ die Welt jetzt lenken!

Wer stößt sich schon an kleinen Dingen,
wenn er die großen will bezwingen?
Auf dem Wege hin zur Macht
lässt man die kleinen außer Acht.

Doch was wäre schon das Leben,
würde es den Mut nicht geben?
So mancher mag gern was riskieren,
um andre damit zu brüskieren.

Vielen, die oft Macht bekommen,
wurde als Kind was weggenommen.
Auf dem Weg zu den ganz Großen
darf man an Kleinkram sich nicht stoßen.

Doch Macht besitzen macht oft blind,
und schnell vergisst das Menschenkind,
ist es erst wichtig, reich und satt,
dass es dasselbe Schicksal hat.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25229

Was jetzt

Fragt man sich, was ist der Sinn des Lebens, oder, gibt es einen Gott?
Was ist eigentlich die Seele? Mag ich Obst oder Kompott?
Oft stellt man sich solche Fragen, täglich an die hundert Mal.
Allzu oft müssen wir passen, bei der Antwort richt’ger Wahl.

Wichtig ist es, kritisch denken, mach dir deinen eig’nen Reim
auf des Lebens ernste Fragen, deine Meinung zählt allein.
Hier geht’s nicht nur ums Wissen, mehr um der reinen Weisheit Willen!
Obwohl ich weiß, dass ich nichts weiß, will ich den Drang nach Wahrheit stillen.

Bei der Wahrheit fängt’s schon an. Zahllos ist die Perspektive,
jeder Mensch hat seine eig’ne, individuelle, anspruchsvolle und naive
Vorstellung von dem, was ist, und es glaubt oft jedermann,
dass die eig’ne, selbst erlebte Wahrheit nur die Wahrheit seien kann.

Natürlich will ich gerne wissen, was so in der Welt los ist.
Und ich will es selbst entscheiden, ist das wichtig oder Mist?
Doch trotz aller Wissenschaft, die uns oftmals Missmut macht,
geht es immer um das eine, Mensch-Sein und Zusammenleben.
Im Mitgefühl, nicht nur im Können, liegt der Menschheit heilend Segen.

Die Frage ist, was will ich bloß? Was brauch, was soll und muss ich denn?
Meine Perspektive sagt mir, ist das wahr und was ist, wenn?
Vielleicht sollte man drüber reden, und man kommt gemeinsam drauf?
Besser, als alleine grübeln, besprechen wir der Dinge Lauf.

Wissen, sagt man, das heißt meinen, sich sicher wiegen, scheint gefährlich.
Menschenleben, die vergehen. Ich bin Mensch, so bin ich sterblich.
Bringt Sich-Regen nicht auch Segen? Wirksam heißt es, sei im Leibe!
Bewahr dir ringsum Wohlbefinden, mach der Seele eine Freude!

Wer sich nur mit Anseh’n füttert, ach, das weiß schon jedes Kind,
wer an Ehr’ und Ruhm sich freut, füttert sich doch bloß mit Wind.
Immer heißt es, der schafft an, der das Geld hat, wär ja g’lacht!
Sehr beliebt scheint diese Meinung, doch nur Wissen, das ist Macht.

Mancher denkt den Körper gar als getrennt von seiner Seel sich,
und er folgert sonnenklar, nun, ich denke, also bin ich.
Nie betrügt uns die Natur, wir sind’s, die wir uns selbst betrügen,
Dass der Mensch nur nützlich sei, straft ihn schließlich selber Lügen.

Drum sollt ein jeder sich bemüh’n, Gesetzen auf den Grund zu gehen,
die das Denken und das Handeln lenken, in Bezug auf das Geschehen.
Was Geschichte und Erfahrung lehren, ist meist allzu leicht vom Tisch.
Was daraus zu ziehen wäre, ist schnell weg, mit einem Wisch.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25225

Ein guter Freund

Wo sind denn bloß, eh ich beginn, alle meine Freunde hin?
Mit denen ich gescherzt, gelacht, ins Leben eingetaucht?
Jetzt merke ich, ja, immer öfter, dass ich alleine bin,
da frag ich mich, hab ich sie wirklich alle schon verbraucht?

Gute Freunde braucht ein jeder, ein guter Freund ist für dich da.
So einer, dem ich fast alles sagen und auf den ich mich verlassen kann.
Einer, den du fast immer fragen kannst, verlässt dich das Geschick. Sag ja,
ich brauch dich jetzt, was soll ich tun? Was fang ich ohne dich bloß an?

Aber, wer weiß schon, ob ein guter Freund immer das Beste für dich will?
Doch immerhin, der meckert nicht an dir herum und nimmt dich, wie du bist.
Und wenn du etwas von ihm brauchst, gibt er dir das Gefühl,
dass er es mit dir ehrlich meint und ihm weg’n dir nichts wirklich lästig ist.

Ein guter Freund, der hört dir zu und gibt dir einen Rat, wenn er es kann.
Vielleicht verzeiht er dir, wenn einmal etwas nicht in Ordnung war.
Und wenn man später drüber spricht, war’s nicht korrekt, was da begann,
dann lacht er drüber und er sagt, mach dir nichts draus, ist alles wieder klar.

So manche Freundschaft braucht’s , das Sich-oft-auf-die-Probe-Stellen,
denn schließlich darf ein jeder eine and’re Meinung haben.
Wenn sie das aushält, ist es auch hart in manchen Fällen,
und sie besteht, dann halt sie fest, dann gibt es keinen Grund mehr, zu verzagen.

Hält eine Freundschaft dir, genauso stark wie diese, musst du sie pflegen, so gut es eben geht.
Ohne dein Zutun wächst beinahe nichts nur so von ganz allein.
Denn sie gedeiht und blüht von eurer Ehrlichkeit und nicht zuletzt eurer Loyalität.
Begleitet sie dich, durch gute und durch schwere Zeiten, halte sie fest, dann ist sie dein.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25219

Idole

Ich weiß nicht, was das soll?
Ich habe kein Idol!
Niemand, den ich so dann und wann
bewundern und nachahmen kann.

Jemanden, der mich inspiriert!
Der mich als Vorbild motiviert!
Verdammt, eine Persönlichkeit,
die mir durch ihre Fähigkeit
die Lösungen vermittelt
und so an meinem Ego rüttelt.

Würd sie bewundern und verehren,
blind würd ich ihr vertrauen.
Ihr Tun und Lassen heiß begehren,
und ehrfurchtsvoll zu ihr aufschauen.

Ein Idol, das mich richtig anspornt.
Das, was ich sage, nicht verballhornt.
Dem ich, ganz in diesem Sinn,
mit Hingabe als Fan dann dien!

Und hab ich nicht als junger Spund
Popstars gern verehrt, na und?
Wie sie sich gaben, imitiert,
daran hab ich mich orientiert.

Auf der Suche, wer ich bin,
das machte mir damals wohl Sinn.
Habe versucht, mich zu verhalten
oftmals so wie Filmgestalten.

Jagger war’s und Peter Fonda,
auf der Harley, nicht auf Honda.
Eastwood gar und Dennis Hopper,
mit der rot-gelb-farb’nen Chopper.

Später, als ich älter war,
Martin Sheen, als Captain gar.
Wirres, der Apokalypse
vagen Selbstbewusstseins Stütze.
Doch niemals wollt’ ich Hitler sein,
Stalin, oder sonst ein Schwein!

Aber jetzt, als alter Mann,
fang ich damit nichts mehr an.
Niemand kann und will ich sein
als nur mehr ich, das ganz allein.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25213

Die „feinen Leute“

„Was die alles weiß!“, sagte mein Bruder über seine ehemalige Lehrerin, „die hat uns die ganzen Kirchen gezeigt.“ „Und wie sie Latein übersetzt hat – wie ein Maschinengewehr. Das nenne ich Bildung. Alte humanistische Schule.“

„Zuerst dachte ich“, fuhr mein Bruder fort, „dass das Treffen bei ihr zuhause langweilig werden würde. Aber da habe ich mich gründlich geirrt. In jedem ihrer Bücher eine Notiz. Und zum Essen gab es nur Schinken. Da weiß man nämlich, was drin ist.“ „Ach“, seufzte mein Bruder, „das sind wirklich feine Leute.“

Als ich dies hörte, war ich zunächst skeptisch, ließ mich aber nach und nach von seiner Begeisterung anstecken. Da ich auch Schüler dieser besagten Lehrerin gewesen bin, kam ich auf den Gedanken, ihr eine E-Mail zu schreiben. Ich malte mir schon aus, was für ein fruchtbarer Austausch entstehen könnte, deshalb machte ich eine Anfrage an ihrer jetzigen Schule. Und in der Tat: Nach ein paar Minuten kam eine herzliche Antwort, dass sie sich sehr freue, von mir zu hören. Also schrieb ich ihr eine kurze Nachricht. Eine weitere Antwort ließ aber auf sich warten und blieb schließlich gänzlich aus.

Ja, ja. Die „feinen Leute“, dachte ich mir.

Michael Bauer

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25190

Nur ein kleiner Tropfen

Mensch, vergiss deine Bestimmung nicht,
bedenke, alles ist vergänglich,
betrachte die Erhabenheit der Natur,
fühle dich nicht so wichtig.

Wir sind alle nur ein kleiner Tropfen
im großen Ozean des Lebens,
unser Dasein ist sehr wertvoll.
doch ebenso zerbrechlich.

Drum nutze deine kostbare Lebensreise
mit Demut und äußerstem Bedacht,
dann wirst du wieder erkennen,
wie nichtig die meisten Probleme erscheinen.


Dario Schrittweise
dario-schrittweise.org

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25182

Das E-Bike

Mein Schatz, ach sag mir wo du bist,
wenn ich so einfach frage.
Im Bad bin ich, wie’s halt so ist.
Ich stehe auf der Waage.

Ach so. Und darf man auch erfahren,
was macht denn das Gewicht?
Jetzt komm, das will ich dir ersparen!
Nein nein! Ich sag’s dir einfach nicht!

Jetzt sei doch bitte nicht so stur!
Nanu? Was war das für ein Schrei?
Ich bitt’ ja um die Zahlen nur,
wenigstens die ersten zwei.

Oh Gott, nein wirklich, echt, es reicht!
Ab morgen muss etwas gescheh’n!
Ich weiß, das wird für mich nicht leicht,
das wirst du hoffentlich versteh’n?

Nun gut, meint sie, ich bin bereit.
Ich denk, ich fahr mal Rad.
Vielleicht erlaubt das meine Zeit,
die kostbare, auch wenn ich sie nicht hab.

Seit diesem Tag fährt seine Frau
mit ihrer Freundin beinah täglich
Elektrorad, und das genau
zwei Stunden lang, sagt sie, angeblich.

Das Phänomen, man sieht sie nicht,
doch hört man sie schon quatschen.
Und dann erkennt man ihr Gesicht,
ganz angeregt, wie beide tratschen.

Vor ihnen, Steilhang. Am Rennradl
ein Typ mit superstrammen Wadln.
Sie schaffen, mit Elektrokraft,
sekundenschnell, was der nicht schafft.
Dabei die Klappe dauernd offen,
das macht den Kerl stark betroffen.

Das ist nicht ganz in seinem Sinn,
sein Ehrgeiz, der scheint echt dahin.
Er lässt, wie wild, die Gänge klicken.
Die zwei entschwinden seinen Blicken.

Und die Moral aus der Geschicht’,
E-Biken verringert nicht überschüssiges Gewicht.
Doch ist es auch nicht ungesund:
Es strafft die Muskeln um den Mund.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner



Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25178