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Das Rehwild

Nimm an ein schwarzer Kater
Der im Größenwahn
Ja, im Wahn was tat er?
Er ging ein Rehwild an!

Er ging es an, ach wär’s nur das!
Er musst’ es auch gleich jagen
Die Leidenschaft am Herze fraß
Am Katerherzen will ich sagen

Er jagte und er legte es
In einem Wiesenneste
„Ach, dass ich nie mehr Rehwild fress!
Ich fraß mir weg das Beste!“

So maunzt’ geknickt der Wüterricht
Da hat man ihn gefangen
Und stellte ihn vors Tiergericht
Und wollt’ ihn auch gleich hangen

Nur dass er jung an Jahren
Hat ihm den Hals geschonet
Nach Trommeln und Fanfaren
Hat hohl die Eul getonet:

„Kater  fressen Rehlein nicht!
Nur Kleinvieh sei die Beute
Gattungsschranken sind hier Pflicht
Darum verkünd ich heute:

Weil Liebe ihn zur Schandtat trieb
Sei ihm die Lieb entzogen
Weder hab ihn jemand lieb
Noch sei er wem gewogen!“

Doch da der Kater gar so jung
Als er die Tat begangen
Erfährt das Urteil Milderung
In magischen Belangen

Gesetzt, dass es geschähe
Es liebt’ ihn wer so rein
Dass er die Seele sähe
Von uns’rem Katerlein

So sei er aufgehoben
Der Bann samt Fluch und Schwur
Die Klausel ist zu loben
Weil lehrhafter Natur –

Vielleicht in alten Zeiten
Gab es solch reine Liebe
Doch was wir uns bereiten
Das folgt vielmehr dem Triebe

Der arme schwarze Kater
Randvoll mit bitt’rer Reue
Als er dies hört’ verzagt er
Hier half ihm keine Schläue

Einst so frech und munter
Nach bösen Katerjahren
Kam der Kater runter
An Fell und Fang und Haaren

Er trug den Schweif gedrücket
Trüb wurden ihm die Augen
Die einst die Katz entzücket
Man mochte es kaum glauben

Es drückte ihm die Seele
Im Wachen und im Traume
Damit sie ihn nicht quäle
Hing er sie auf einen Baume

***

Ein Reh liebte zu pirschen
Früh fing es damit an
Es liebte vor allem die Hirschen
Was ihm gar übel bekam

„Rehwilder grasen und fressen
Nur Pflanzen grün und fad
Wie konntest du dich vermessen!?“
So sprach der Rehwildrat

Das Reh ward drum verstoßen
In den dunklen Tann
Es regnete Hagelschoßen
Es fror und weinte, doch dann …

Sah es des Katers Seele
An jenem Baume hangen
Ich will, dass man uns vermähle
Sprach es voll Wunderbangen

Es nahm die Seele vom Triebe
Und wickelt’ sich darin ein
Die Seele erglühte in Liebe
Und fuhr in den Kater ein

Der schoss aus dem Unterholze
Auf das Rehlein zu
Wir spar’n uns das Liebesgebolze
Sie heirateten im Nu!

Sie hielten sich in Ehren
Und ließen an sich alles dran
Höchstens – wer kann es verwehren?
Ein kleines Stück Ohr dann und wann

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 21083

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das zornige Eichhörnchen

Meistens sind die Rätsel, die uns die Natur aufgibt, leicht zu lösen, wenn man vom Menschlichen absieht und nur in den Kategorien der Natur denkt.
Neulich entdeckte ich mich, wieder in den primitivsten Anthropomorphismus zurückgefallen zu sein, den ich schon so oft bei mir festgestellt habe.

Am 1. April kam ich in meinen Schrebergarten am Hüttelberg. Mit Schrecken stellte ich fest, dass alles, was ich am Vortag an den Rand eines frisch bereiteten Beetes eingesetzt hatte, ausgegraben war. Da lagen herumgeworfen ein Petersil, ein Oregano, ein Basilikum, ein Schnittlauch-alles-Kräuterstöckerl aus dem Supermarkt, die ich im Garten heimisch und fruchtbar machen wollte. So wie jedes Jahr, und ich war gar nicht unerfolgreich.
Von einigen habe ich sogar im Winter geerntet und ins Frühjahr gebracht. Den Schnittlauch zum Beispiel, dazu Salbei, Thymian und Zitronengras. Das Lorbeer-Stöckerl vom Hofer entwickelt sich schon zu einem dichten Busch.

Der erste Gedanke beim Anblick der Verwüstungen war:
Wer ist mein Feind?
Also ich-bezogen: Wer hat etwas gegen mich und meine Aktivitäten?
Beim Besichtigungsrundgang entdeckte ich, dass das kleine Beet vor der Hütte, in dem ich die ersten Rucola-Samen eingesetzt hatte, vollkommen umgewühlt war. Rundum lagen Avocadokerne.
Weiter oben am Weg steht ein großer Keramik-Kübel, in dem ich vor Jahren einen selbstgezogenen Oleander eingepflanzt, dazu immer wieder Avocadokerne versenkt hatte. Jetzt hing die Oleander-Pflanze schief im Topf mit braunen Blättern, die Avocados waren ausgegraben und rundherum ausgestreut.

Dass sie auch angenagt waren, bemerkte ich in meiner Aufregung zunächst nicht.
Den oberen Rand deckte ich mit zwei Ziegelsteinen ab. Trotzdem waren der Oleander und die angewachsenen Avocados am nächsten Tag wieder durch den Spalt herausgewühlt. Also keine Füchse, es muss was Kleineres sein.
Meine Wahrnehmung war verengt von der Frage: Wen habe ICH zum Feind? Wer tut MIR das an? Die zwei nächsten Fragen: Wen störe ICH? Was tue ICH wem an?, die lagen schon eine kleine Erkenntnisstufe höher.

An wen dachte ich zuerst: an Füchse. Diese leben hier schon immer, haben mir langlebige Nachbarn in der Gartensiedlung erzählt. Als die Hütte jahrelang leer stand und der Garten nicht bewirtschaftet wurde, habe eine Füchsin mit Jungen ganzjährig das Untergeschoß bewohnt. Aber die Fußabdrücke passten nicht – ich habe sie fotografiert und später zu Hause gegoogelt. Fuchsspuren hatte ich schon in einem früheren Jahr an angenagten und im Garten verschleppten Arbeitsschuhen erkennen können. Auch wird der Komposthaufen regelmäßig durchwühlt. Es könnten aber auch Krähen oder Ratten sein. Krähen sind allgegenwärtig, zu sehen und zu hören. Von einer Rattenplage wissen die Nachbarn nichts.

Dann saßen wir am Ostermontag in Liegestühlen auf der Wiese, meine Schwester und ich. Wir hielten Köpfe und Körper in die Sonne und genossen die seltene Wärme. Vor uns machte die alte Föhre einen lockeren Schatten. Die Forsythien stehen in Hochblüte, der Kirschbaum beginnt gerade zu blühen, Bienen umschwärmten ihn schon. Birne und Vogelbeere kommen ein bisschen später. Links und rechts stehen Marillen und Pfirsiche in rosa Blüte, Äpfel und Zwetschken in Weiß, alle recht bescheiden, weil sie noch jung sind.
Da sehen wir es gleichzeitig, als würden wir simultan blinzeln:
Ein Eichhörnchen springt von der Weißtanne auf den Elektromasten, balanciert über den Kabelstrang auf meine Schwarzföhre zu. Da sitzt es, hält inne, die Pfötchen vor der Brust erhoben. Es ist ganz nahe, ich sehe Augen und Pfoten und das Zucken des Schwanzes.
Wenige Bruchteile von Sekunden nur, aber sehr deutlich. Wie eingebrannt auf der Rückseite meiner Augen.
Es ist still, und wir bewegen uns nicht. Trotzdem macht das Eichhörnchen knapp vor der Föhre kehrt und verschwindet in den Bäumen gegenüber.

Erst da beginnen wir zu sprechen.
Hast du es gesehen? Das Eichhörnchen.
Ja, ich kenne es schon lange. Früher wohnte es hier im Baum. Seit ich die Föhre stark beschneiden ließ, habe ich es nicht mehr gesehen. Aber abgenagte Bockerl und Zapfen liegen immer wieder auf dem Boden, also holt es sich Nahrung aus dem Baum.
Ich glaube, sage ich, es ist mir böse, weil ich den Baum so stark ausgedünnt und in eine für mich ansprechende Form gebracht habe. Einerseits um den Nadelfall zu verringern, andererseits um ein Meditationsbild zu erhalten: Die geschwungenen Äste habe ich vollkommen nackt gemacht und von einem Gartenarchitekten zu einem chinesischen Schriftzeichen ziselieren lassen. In meinen Augen bedeutet es: Haus und Friede. Im Sommer schimmern Stamm und Äste rötlich gegen den blauen Himmel, im Winter mit Schnee schwarz.
Es rächt sich nun an meinen Pflanzen. Vermutungen und Annahmen, kein Wissen. Alles falsch, weil ich nur im Sinne einer Beziehung denke und nicht im Sinne der tierischen Bedürfnisse.

Wir reden noch länger über die vielen Rätsel, die mir die Natur sogar auf einem so beschränkten Platz wie einem alten Schrebergarten aufgibt.
Der Bussard, der sich kurz nach meinem Einzug bei mir vorgestellt hat, die Äskulapnatter, die ins Dach der Hütte eingezogen ist, die Frösche, die schon kurz nach seiner Errichtung den Mini-Biotopteich entdeckt und sofort mit der Nachwuchsproduktion begonnen haben, die Erdkröte Bufo Bufo, die sich im Abfallhaufen eingenistet hat und mit ihren langgezogenen, metallisch-knarrenden Öok-Öok-Rufen eine Partnerin anlockt. Große Freude, als ich die ersten Antworten mit dem kurzen Ük-Ük höre.

Meine Schwester hält mich nicht für verrückt, teilen wir doch eine Kindheit, in der wir am Mondsee unter der Drachenwand Dörfer für die Zwergerl bauten, mit Leidenschaft und der Überzeugung, dass es sie wirklich gibt. Gleiches Bedauern, dass wir nie das Einhorn zu Gesicht bekamen, das wir erwarteten, zwischen den hohen Tannen, Flechtenschleiern, Farnen und Felsbrocken auftauchen zu sehen.
Erst am nächsten Tag, als der Blumentopf wieder umgegraben war und ich die Kräuterpflanzen übers Beet verstreut vorfand, machte ich mich an eine genaue Ursachenuntersuchung. Ich fand neben dem Oleanderstock ausgehöhlte, schon eingeschrumpelte Schalenhälften von Avocados.

Da erst fiel mir ein, dass ich zwei Avocados beim Aufschneiden braun vorgefunden, die Kerne in die Erde versenkt, die Hälften aber neben dem Topf liegengelassen hatte. Avocados, das Super-Food. Schon die Azteken fanden sie süß, fett und nussig und opferten sie ihren Gottheiten. Natürlich wissen die Eichhörnchen nichts von den ungesättigten Fettsäuren, von den nützlichen Vitaminen A und E, dem Jungbrunnen für die Haut, der Low-Carb-Ernährung ohne Kohlehydrate und von den vielen Proteinen, die lange satt machen. Aber sie werden es gespürt haben. Wahrscheinlich ein Festessen für mein Schrebergarten-Eichhörnchen.
Welches Eichhörnchen bekommt schon einmal eine solche Köstlichkeit, ganz für sich allein?
Oder hat sich eine ganze Familie darum geschart? Danach wird es sich auf die Suche nach ähnlichen Genussquellen gemacht haben, in den Streifen mit den jüngst eingepflanzten Kräutern. Eichhörnchen sehen nicht gut, ihr Geruchssinn und Gedächtnis sind aber ausgezeichnet. So finden sie auch ihre über Sommer und Herbst angelegten unterirdischen Futterlager. Mit denen kommen sie über den Winter, dabei verbreiten sie die Samen durch die Wälder.

In meinem Fall war das so, dass ich über die Jahre alle möglichen Kerne in der näheren Umgebung meiner Hütte in die Erde versenkt habe: in den Oleanderstock, in das Rucola-Beet vor der Terrasse, aber auch im Rand des Kräuterrabattls. Alles nur entlang ihres Geruchs- und Geschmacksinnes. Hat absolut nichts mit mir zu tun.
Das kluge, scharfnasige Eichhörnchen ging einfach seinem Bedürfnis nach Köstlichkeiten nach, nach etwas, was ihm guttut, etwa so wie wir auf dem Weg über Graben und Kohlmarkt instinktiv zum Demel gezogen werden. Weil wir übereingekommen sind, dass uns das schmeckt, das wollen wir einfach immer wieder haben, den Zucker, das Fleisch oder das Cola.

Wenn man schon zum Eingeständnis seines Irrtums oder der falschen Annahme gekommen ist, muss man weiter darüber nachdenken, warum das so ist. Warum wir falsch denken und danach falsch handeln. Es ist ja keine ideologische und auch keine moralische Frage, sondern eine praktische. Dabei kann ich nur von mir ausgehen und dabei annehmen, dass es bei den anderen nicht viel anders sein wird. Weil wir Menschen der Hybris erlegen sind, dass wir nicht Teil der Natur sind, sondern uns außerhalb, gegenüber oder oben drüber stellen. Wir haben uns abgetrennt vom Kreislauf der Natur und uns ihr entfremdet. Wie ein Baum ohne Wurzeln, da kann nichts Gutes herauskommen. Dieses falsch interpretierte „Macht euch die Welt untertan“, mit dem seit der Erfindung des Calvinismus der Kapitalismus operiert und sich als alternativlos, als einzig mögliche Wirklichkeit generiert, ja als die Natur selbst.

Erleichtert und froh über meine Erkenntnisse, telefoniere ich mit meiner Schwester darüber. Ich bin nur halbschuld, stelle ich fest.
Sie teilt meine Freude, ermahnt mich aber nachdringlich, keine Avocados mehr zu kaufen. Nicht wegen der Eichkatzerl, sondern wegen ihres katastrophalen ökologischen Fußabdrucks.
Weißt eh, Wasserverbrauch, fast so schlimm wie Rinder, Ausbeutung der Indigenen, Konzerne, Profite, Transporte, Chile, Fußabdruck. Sie ist eine strenge Ökologin.
Ja, das weiß ich alles. Aber was soll ich machen? Ich mag sie, sie schmecken mir und tun mir gut. Es ist schließlich das einzige Fett, das ich verwende. Vielleicht war ich in meinem früheren Leben ein Eichhörnchen? Meine leicht vorstehenden Schneidezähne könnten doch ein Anzeichen dafür sein, oder?
Die Zähne sind eine Familientradition.
Wie bei den Habsburgern die Lippe.
Auch Eichhörnchen haben Traditionen.
Meine Schwester hat perfekt gerade Zähne.

13.4. 21

Veronika Seyr
www.veronikaseyr.at
http://veronikaseyr.blogspot.co.at/

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 21063

Der Kakadu macht Salto

Ich habe mich mit Bertl angefreundet. Bertl lebt im Vogelpark in der Nähe des Turnersees, sommers in einer großen Voliere im Freien. Den Namen hat Bertl von mir. Er ist ein Kakadu, sein Körper ist weiß, auf dem Kopf trägt er einen orangen, nach hinten gebogenen Kamm. Er frisst gerne Erdnüsse. Ich habe ihm welche mitgebracht. Ich reiche ihm eine Erdnuss durch das Gitter, und er ergreift sie. Meist hält er sie in seiner linken Kralle und öffnet sie, die Schale wirft er zu Boden, die Erdnusskerne steckt er in seinen gebogenen Schnabel und frisst sie.

Bertl freut sich über die Erdnüsse, und ich sehe ihm gerne beim Fressen zu. Wir zwei sind ein gutes Gespann. Wir mögen uns wirklich.

Aber Bertl vollführt auch etwas ganz Besonderes: Nachdem er die neue Erdnuss, die ich ihm gegeben hatte, weggeputzt hatte, machte er einen Salto. Zwei kleine Federn flogen von ihm weg. Er begann den Vorwärtssalto auf einem Ast sitzend, und er landete auch wieder darauf. Das war wirklich schwer beeindruckend. Jeder, der das sah, war begeistert.

Wie kommt ein Kakadu dazu, einen Salto zu machen?, fragt man sich. Nun ja, die Sache ist so: Bertl hat von seiner Voliere gute Sicht auf einen Fernseher. So konnte er sich viele Spiele der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien ansehen. Dabei wurde er ein echter Fan. Am meisten imponierte ihm der Salto von Miroslav Klose im Spiel Deutschland gegen Ghana. „Das müsste ich eigentlich auch können“, sagte sich Bertl, und er übte und übte, verzeichnete viele Stürze, aber irgendwann klappte der Salto. Na, und jetzt ist es sein spezielles Kunststück.

Vogelfutter

Vogelfutter
Foto: Michael Tosin

Johannes Tosin

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 21048

Fliegenfischen in Ansfelden oder Widerstand

Zwei Steinwürfe vom am dichtesten befahrenen Autobahnabschnitt in Oberösterreich, einen Steinwurf von der buntesten Agglomeration von Baubedarfsselbsthilfetempeln entfernt, fließt die  Krems Richtung Traunfluss. Ihr Wasser befindet sich zwei Meter tief eingegraben in die sie umgebenden Maisäcker. Ein dünner Korridor aus Büschen und Bäumen dämpft die Geräusche der menschlichen Rastlosigkeit zu einem Hintergrundrauschen. In dem tiefen, grünen Tal  kann man für wenig Geld Fliegenfischen.

Ich bin gerne dort, fange aber meistens nichts. Das liegt an den faszinierenden Begegnungen, die man in dieser Alltagsoase hat. Sie halten einen von der Jagd nach Schuppensilber ab. Da hüpft eine Wasseramsel mit ihrem charakteristischen weißen Brustlatz um die Flusssteine. Ein blauer Blitz saust vorbei – ein Eisvogel taucht nach einem jungen Schneider. Langsam schlängelt sich eine ausgewachsene Ringelnatter mit erhobenem Kopf auf mich zu.  Ich stehe bis zu den Knien im langsam fließenden Wasser und sehe einen Rehbock zwanzig Meter entfernt, der dasselbe tut. Wir starren uns ein paar Minuten lang an. Beide haben wir es nicht eilig an diesem Morgen. Das Hermelin hingegen schon. Erstaunlich schnell durchhüpft es auf seinen kurzen Beinen den Slalom aus Ufervegetation.

Meine Fliegen interessieren heute nur ein paar vorwitzige Jung-Aitel. Ich hake sie schnell ab und lasse sie wieder schwimmen. Ein paar Bäume habe ich mit meinen Fliegen bereits dekoriert, es ist  nicht leicht, hier im engen Dschungel zu werfen, ohne im Geäst hängen zu bleiben. Auch der Unterwasserbewuchs kassiert manchen Köder.

Dieser Hänger ist allerdings anders. Der Fliegenhaken dürfte sich in etwas, das aus der Entfernung wie ein Stofffetzen aussieht, verfangen haben.  Beim Näherwaten erkenne ich, es handelt sich um eine Damenhandtasche, die hier schon länger zwischen den Steinen gesteckt haben dürfte. Ich ziehe sie aus dem Schlamm und untersuche den Fund an einer schottrigen Uferstelle.  Kaputte Taschenlampe, durchweichte Prospekte, Lippenbalsam, ein Bund bereits angerosteter Schlüssel, eine Geldbörse. Darin Kredit- und Kontokarte, ein Behindertenausweis und eine Handvoll Stammkundenkunststoff, alle lautend auf Sieglinde R. aus Graz.  Schlüssel, Ausweis und Plastikgeld packe ich in meinen Rucksack.

Am Abend suche ich ein Polizeiwachzimmer in Wels auf. Ich lege das nasse, noch immer leicht dreckige Geborgene auf die Budel, von wo es ein Beamter mit spitzen Fingern aufnimmt. Eine schnelle Recherche in seiner Datenbank ergibt, dass Frau R. die Tasche vor einem halben Jahr in einem Linzer Eissalon gestohlen worden ist. Der Dieb oder die Diebe haben die Tasche dann wohl von der Ansfeldner Kremsbrücke in den Fluss geworfen, nicht ohne vorher die Beute von sagenhaften zwanzig Euro Bargeld aus der Börse genommen  zu haben.

Wenn man in der Krems bei Ansfelden steht, kann man das silbrige Aufblinken von Fischleibern im Wasser bemerken. Die Lichtreflexe werden von Barben  verursacht, die sich beim Abnagen von Algen auf die Seite drehen. Barben sind prächtige, große Fische, doch keiner mag sie. Ihr Fleisch schmeckt nach Schlamm, sie haben extrem viele Gräten und sind harte Kämpfer an der Angel - fast nicht aus dem Wasser zu bekommen.  Ungenießbarkeit  und Widerstand zahlen sich aus.

Klaus Buttinger

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 21032

Von wegen Verschwörungstheorie!

Cui bono. Folge der Spur des Geldes. So sagen es diejenigen, die mehr zu wissen glauben als die anderen; die anderen, das sind für eingeweihte „Wissende“ die Hörigen, die dumme Systemherde.

Also mir reicht das jetzt. Ich finde, damit sollte Schluss sein, höchste Zeit, mit dem Unsinn aufzuhören. Ihr Besserwisser liegt falsch! FAKE! Es gibt keine Verschwörung, wie ihr sie vermutet. Denn – und jetzt haltet euch fest, aber besser nicht an eurem Laptop, sondern an etwas Beständigerem als an Social Media – es geht viel weiter als das. Und es ist so unglaublich, dass ihr Mühe haben werdet, es zu verstehen, mit euren beschränkten Gehirnen, die nur gepolt sind auf Existenzsicherung, Wohlstand und Beharren auf Althergebrachtem, wie der Annahme eurer  Überlegenheit, …
Ja, ich weiß, Sätze wie der vorangegangene  überfordern euch inzwischen. Ihr braucht kurze, einfache Botschaften, in simplen Worten. Was ich damit zum Ausdruck bringen will: Was ich zu sagen habe, ist wichtig. Und es wird steil. Es wird richtig steil. Es ist so unglaublich, wie es wahr ist. Und ich bin hier, um euch Kunde zu bringen von der echten, einzigen Verschwörung, der wahren Weltherrschaft, und von denen, die sie nicht an sich zu reißen versuchen, sondern die sie längst innehaben. Oder mit einfachen Worten: Ihr täuscht euch. Ihr sollt nicht manipuliert, abgehört, unterdrückt werden, ihr seid es längst. Und diejenigen, denen ihr am nähesten seid, die ihr liebkost und hätschelt, die sind es, die euch lenken.

Wie sie das machen? Sie kennen euch in- und auswendig. Sie wissen, wann ihr zur Arbeit beziehungsweise neuerdings eher „an die Arbeit geht“, wann ihr kocht, esst, sie hören eure Telefonate mit, sehen mit euch alles an, was ihr euch reinzieht. Sie beobachten euch, sie können jede Nuance im Ablauf eures Handelns korrekt interpretieren. Oder wieder in der einfachen Version: Sie kennen euch wie ihr eure Nasenpopel: Sie sind ein Teil von euch.

Gut, damit dürfte ich eure Aufmerksamkeit wiedergewonnen haben, verzeiht die Ausritte in die Hochsprache. Ich versuche mich zu bessern, denn ihr sollt alle verstehen, worum es geht: Es geht um alles.

Ich fange behutsam an: Wer von euch kennt James Bond? Ah, doch so viele, sehr schön. Und seinen Gegenspieler Dr. No? Was das ist? Ein Gegenspieler ist ein Feind. Also der Bond hat einen Feind, der will die Weltherrschaft. Ja, das kennt ihr: Feind und Weltherrschaft. Also gut, wir haben eine gemeinsame Basis, sehr schön. Ich zeige euch mal ein Foto vom Dr. No.

(Ein Fenster öffnet sich auf den einzelnen Bildschirmen der Teilnehmenden.)

Alles klar? Na, was seht ihr darauf?
Ja, das auch. Was noch?

So, und das ist der Schlüssel. Die Weltherrschaft und Dr. No. Dr. No heißt Dr. Nobody, er ist nicht wichtig. Wichtig ist das Wesen, das ihn lenkt. Und das ist jenes, das auf seinem Schoß sitzt. Ja, da schaut ihr verdutzt. Aber glaubt mir, so ist es. In diesem intellektuell eher bescheidenen Film ist so viel Wahrheit enthalten, dass es unglaublich ist, warum das nicht jemand vorher entdeckt hat. Aber so ist es bestens getarnt: Keiner nimmt ernst, was offensichtlich wahr ist.

Für diejenigen, die immer noch auf der Leitung stehen (und das meine ich jetzt nicht wörtlich, liebe Videochatgruppe …), nochmal ganz langsam: Die Katze ist der Boss.

Und zwar ist nicht nur eine bestimmte Katze ein Boss, sondern alle Katzen sind Bosse. Sie lenken die Menschen, Menschen tun alles für sie. Cui bono, vom Anfang meiner Ausführungen, ihr erinnert euch?

Wem hilft der Lockdown, um mit dem Naheliegendsten zu beginnen? Wer profitiert wirklich davon, uneingeschränkt, ohne sich dabei einen einzigen Nachteil einzufangen?

Die Antwort lautet: Katzen.

Sie freuen sich als Einzige ungetrübt über Homeoffice, Homeschooling, und wenn möglichst viele Menschen ihnen daheim zu Diensten sind. Sie liegen auf Tastaturen, auf dem Schoß des armen zu Hause arbeitenden „Katzenbesitzers“ (das glaubt er auch noch, der arme Tropf …), am liebsten den ganzen Tag. Mit gelegentlichem Lockdown bleibt mensch fast nur noch zu Hause, also zur Verfügung.

Und was ist mit: „Folge der Spur des Geldes“? Googelt mal, wie viel jährlich global für Katzen ausgegeben wird. Und wie es mit den Zahlen seit Beginn der Pandemie aussieht.
Wenn ihr schon dabei seid: Macht auch gleich eine Suche, wie es in den Tierheimen zugeht: Wollen nicht alle Menschen, die davor noch keine hatten, genau jetzt eine Katze, als Trost, zum Kuscheln, als Gesellschaft fürs Cocooning?

Der Boden war schon davor gut bereitet. Die PR-Maschinerie lief bestens. Eines der erfolgreichsten Musicals weltweit? Cats. So wurde eine „Story“ mit Gefühlen aufgeladen, die alte Katze singt herzzerreißend … Und Menschen weltweit schmolzen dahin.

Vergessen war, dass die Vorfahren allesamt Raubkatzen waren (und es noch sind!).

Grobe Verharmlosungen taten das ihre, zum Beispiel Fritz the Cat. Auch zu googeln, später. Aber werden wir wieder ernst. Denn es ist nicht lustig.

Wisst ihr, wer Bill Cats ist? Er versucht zu verbergen, wer er wirklich ist. Aber er ist derjenige, der die Menschen auf die Idee gebracht hat, ihre Haustiere zu „chippen“. (Haustiere deswegen, damit es nicht so auffällt, dass es nur um die Katzen geht; die Hunde sind egal, eine Kollateralerscheinung, sie profitieren aber teilweise von den Katzenplänen.)
Bill Cats also haben wir die Chips zu verdanken, von denen die uninformierten Menschen denken, dass sie zum Wiederauffinden ihres Kätzchens dienen. Haltet euch fest: Das Gegenteil ist der Fall!

Die Katze trägt den Chip, der mit einer App des menschlichen Wohnungsgenossen verbunden ist. Und weil die Menschen ihre Handys immer mit sich herumtragen, weiß die Katze stets, wo der Mensch ist, und ist so vor Überraschungen gefeit.

Ah, Entschuldigung, blöde Angewohnheit: Es gibt keine Überraschungen, soll das heißen. Und stets ist eigentlich dasselbe wie immer.

Also, gibt es dazu noch Fragen?

(Der Bildschirm mit mehreren Teilnehmern flimmert. Der Moderator des Chats, selbst unsichtbar, wiederholt daher die an ihn gestellten Fragen.)

Also, ich wiederhole, für alle, Frage 1, von Teilnehmer Andy: Wie kommunizieren die Katzen miteinander, wenn sie schon die Weltherrschaft haben, wie machen sie das?

Die Chips, die die meisten Stadtkatzen implantiert haben, wurden natürlich so programmiert, dass die Katzen auch miteinander kommunizieren können. Außerdem tragen viele Halsbänder, die ebenso zur Kommunikation genutzt werden. Telepathie beherrschen Katzen ohnehin seit Anbeginn. Und in ländlichen Gegenden, wo das Chippen und elektronische Halsbänder noch nicht so verbreitet sind, greifen sie auf die guten alten Methoden zurück: Sie verbreiten Fäke-News, kurz für Fäkalien-Neuigkeiten. Soll heißen, sie hinterlassen ihre … wie soll ich es sagen … Scheiße,  ja, so ist es nun mal, überall dort, wo ein anderes Katzentier sie finden kann. Mittels Beschaffenheit und Merkmalen wie Duft usw. werden Botschaften übermittelt. Drum finden sich auch sehr oft Hinterlassenschaften von Katzen in Nachbargärten: Sie geben damit eine Information an die dort wohnhafte Katze, die sie wiederum anderswohin weitergibt usw. Hat das deine Frage beantwortet? Aja, die Menschen entfernen die Fäke-News immer wieder mal, klar. Aber das ist aussichtslos. Die Katzen sitzen am längeren Ast, wie immer.

Alles klar so weit, schön, dann Frage 2 von Teilnehmerin Suzy: Wollen die Katzen uns Menschen was tun?

Nein, sie wollen nur die Kontrolle. Sie wollen bestes Futter, einen warmen Platz, unzählige Streicheleinheiten, bedingungslose Aufmerksamkeit. Sie wollen die Mäuse der Menschen und dass all ihre Artgenossen aus den Tierheimen befreit werden. Aber sie werden den Menschen nichts antun, denn sie sind schlau: Der Parasit lässt den Wirt leben, alles andere wäre Unfug. Ja, blöd halt. Das hab ich damit gemeint.
Sicher, es gibt schon ein paar gemeine Exemplare, Billy the Kitten beispielsweise, er war gefürchtet, aufbrausend, rachsüchtig, und das schon in ganz jungen Jahren. Aber all das weiß die Katzencommunity zu vertuschen. Sie überschwemmt das Internet mit lieblichen, drolligen Katzenvideos, die nur einem Zweck dienen: die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Und zu verbergen, dass längst die Kontrolle übers Netz, über die Welt, jemand anderer übernommen hat.

(Bei einer Teilnehmerin ist das Bild ausgefallen. Der Moderator wird nervös.)

Hallo, Teilnehmerin Betty, hörst du mich noch?

Bettys leise Stimme ist zu vernehmen, bevor sie ganz verlischt: „Ich muss mich jetzt ausklinken. Meine Katze will hinaus.“

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Für Martina, mit großem Dank für ein wahrhaft erhellendes Gespräch 

Carmen Rosina

www.verdichtet.at |  Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 20124

Spinnenfrau

Ich bin die Biene, kreise um dein Netz.
Es riecht so betörend schön nach dem Nektar der raffiniertesten Blume.
Du siehst mich an und wartest.
Du weißt, irgendwann werde ich in dein Netz fliegen und kleben bleiben.
Dann wirst du kommen und mich auflösen, um mich trinken zu können.

Die braun-gelb-weiße Spinne an ihrem Faden

Die braun-gelb-weiße Spinne an ihrem Faden

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 20110

Mäuserich Franz

Katze, Tatze, leerer Bauch, Hunger auch
Mäuseloch, hört ihn doch, riecht ihn auch

Mäuserich, merkt er’s nicht?
Merkt er doch, bleibt im Loch

Katze fegt mit dem Schwanz
Katze schlägt nach dem Franz

Franz hat Glück, weicht zurück
Katz gekränkt und sie fängt

Wieder an, wo’s begann
Katze, Tatze, leerer Bauch, Hunger auch …

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 20096

Linda und der Obdachlose im Einkaufszentrum

In einem kleinen Einkaufszentrum war Linda gerade auf dem Weg in eine Tierhandlung, als ihr vor dem Geschäft ein junger Mann auffiel, der mit einem Hund auf dem Boden saß, ihn streichelte und liebevoll auf ihn einredete. Oje, ein Sandler, dachte sie. Normalerweise waren Obdachlose in Einkaufszentren gar nicht gerne gesehen, und wahrscheinlich würden sie ihn bald samt Hund hinauswerfen.
Etwas gedankenverloren erledigte Linda ihren Einkauf und als sie das Geschäft verließ, saß er noch immer da. Im Vorbeigehen betrachtete sie ihn aus den Augenwinkeln. Er war etwa Mitte zwanzig, dunkel gekleidet, äußerst rundlich und trug kurzes dunkelbraunes Haar mit Vollbart.
Sie war schon an ihm vorbei, als seine Stimme etwas lauter wurde und sie zu verstehen glaubte:  „Das passt schon, du brauchst mir nichts zu geben.“

Betroffen blieb Linda stehen. Schon wieder war sie einfach vorbeigegangen und hatte nicht geholfen. Allzu viel Geld hatte sie zwar nicht, aber ein paar Cent für einen armen Menschen könnte sie wohl entbehren. Sie kramte in ihrer Jackentasche und fand tatsächlich einige Münzen.
Während das schlechte Gewissen noch weiter auf sie einhämmerte, machte sie auf dem Absatz kehrt und ging zu ihm zurück.
Er hatte keinen Becher für Münzen vor sich stehen und so hielt sie ihm das Geld hin.
Als er aufsah, wandelte sich sein Blick von Überraschung zu Entsetzen.
„Äh, danke“, stotterte er. „Aber ich bin gar kein … Sandler … “
Oh. Oh Mann, dachte Linda. Andere Leute steigen ins Fettnäpfchen, ich nehme gleich ein Vollbad darin. Schwerstens peinlich berührt überlegte sie, wie sie dem Mann erklären konnte, dass er nicht wie ein Obdachloser aussah, obwohl sie ihm gerade genau das unterstellt hatte.
„Nein, natürlich, du siehst ja auch nicht so aus ...“, gab sie stammelnd zurück. „Ich dachte nur, wegen dem Hund … “

Da schien der junge Mann die Parallelen zu bemerken und stand verlegen auf.
„Na klar, wenn da wer mit einem Hund sitzt … Das ist übrigens nicht einmal meiner.“
Und so erzählte er, dass seine Freundin shoppen gegangen wäre und er auf dem Weg ins Café einen herrenlosen Hund ohne Halsband gefunden hätte. „Und jetzt“, schloss er „sitze ich halt bei einem Hund statt bei einem Kaffee.“
Um von ihrem peinlichen Kennenlernen abzulenken, überlegten sie zusammen, wen sie jetzt anrufen sollten. Polizei? Feuerwehr? Natürlich, das Tierheim.

Während Linda auf ihrem Handy die Suchmaschine um die Telefonnummer des örtlichen Tierheimes bemühte, streichelte der junge Mann den Hund, was ihm ob seiner Leibesfülle im Stehen schwerfiel. Na klar, durchfuhr es sie, deswegen war er neben dem Hund gesessen.
Da kam eine junge Dame aus dem Geschäft gegenüber und rief den Hund, welcher sofort begeistert auf sie zustürzte.
„Was, der Hund gehört Ihnen?“, fragte der junge Mann überrascht.
„Ja klar“, lächelte sie und wandte sich zum Gehen. „Der wartet immer draußen, wenn ich einkaufen bin. Man sieht doch, dass er gepflegt ist.“
„Aber … “, stammelte er fassungslos „Er hat doch nicht einmal ein Halsband!“
„Braucht er auch nicht“, rief die junge Dame noch über die Schulter zurück und ließ die beiden wieder allein.

Da standen sie nun, und rangen in dieser absurden Situation um Worte.
„Okay“, sagte Linda schließlich. „Also das hat sich jetzt erledigt. Bitte entschuldige, du schaust wirklich nicht aus wie … “
„Nein, das passt schon“, unterbrach er sie. „Aber danke. Danke, dass du Geld hergegeben hättest und mir geholfen hast. Ich geh jetzt meinen Kaffee trinken.“
So verabschiedeten sie sich und als Linda beim Gehen über die Schulter zurücksah, warf er ihr ebenfalls noch einen verstohlenen Blick zu.
Während sie zum Auto ging, überlegte sie, was er wohl seiner Freundin sagen würde, wenn sie zurückkäme.
Freundin (überrascht): „Na, du hast ja deinen Kaffee noch nicht getrunken?“
Er (verlegen): „Ich habe vor dem Geschäft einen herrenlosen Hund ohne Halsband gefunden und mich zu ihm gesetzt. Da hat eine geglaubt, dass ich ein Sandler bin und wollte mir Geld geben. Also habe ich ihr erzählt, dass der Hund niemandem gehört, und wir wollten das Tierheim anrufen. Aber bevor wir die Telefonnummer gefunden hatten, ist die Besitzerin gekommen und hat den Hund mitgenommen.“
Freundin (schüttelt den Kopf): „Dich kann man auch keine zehn Minuten alleine lassen ...“

Lydia Kellner

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 20079

Termiten

Helomil:    Weißt du, mein rechtschaffener Sebodin, wie wir die Burg unseres Konkurrenzritters Waworun plattmachen können?

Sebodin:   Ich befürchte, das funktioniert nicht so leicht, mein lieber Helomil.

Helomil:    Doch, tut es. Ich sage nur: Termiten.

Sedodin:   Termiten?

Helomil:    Genau, Termiten. Termiten fressen Holz. Und woraus besteht die Burg unseres verachteten Konkurrenzritters Waworun?

Sebodin:   Aus Holz. Das ist sehr gut überlegt, mein geistesgegenwärtiger Helomil.

Helomil:    Wir brauchen natürlich sehr viel von diesen Termiten. Sie aufzutreiben wird deine Aufgabe sein, mein ergebener Sebodin.

Sebodin:   Und sie dürfen nicht auskommen, wenn wir sie haben, denn …

Helomil:    … meine Burg besteht auch aus Holz.

Schloss Drasing am 22. April 2020

Schloss Drasing am 22. April 2020

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 20078