Archiv der Kategorie: Bernd Watzka

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Aktuelle Bücher: „Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners“ (2026) und „Traum eines Chamäleons: Post-anthropozentrische Tiergedichte“ (2023)
(Bestellungen: wienpoesie@chello.at)

Herlicek – Weltuntergang

Herlicek sitzt im Park, allein –
Gedanken schwer wie alter Wein.
Der Vormittag wird langsam heller,
doch seine Stimmung ist im Keller.

Zwar kitzelt ihn das Tageslicht,
doch auf Sonne ist er nicht erpicht.
„Irgendwann hast uns nicht mehr gern!“,
schreit er hinauf zum Himmelsstern.

„In fünf Milliarden Jahren
wirst mit uns zur Hölle fahren.
Du mutierst zum Roten Riesen,
wirst uns den jüngsten Tag vermiesen.

Alles wirst du hier verbrennen,
da nützt kein Schreien und kein Flennen.
Was du erschaffen, wirst du zerstören –
das Lied vom Tod werden wir hören.

Als Weißer Zwerg wirst du einst enden;
niemand kann das Schicksal wenden“,
reimt Herlicek und ist entsetzt
von dem, was er so sprach zuletzt.

Da geschieht das große Wunder
und Herlicek wird zum Bekunder:
Gewölk verhüllt die böse Sonne –
und alles ist wieder eitel Wonne.

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26260

Herlicek – Nebelspalter

Nebel hängt in der Wiener Luft,
ein Flair wie in der Kaisergruft.
Keine drei Meter sieht man g’scheit –
das geht dem Herlicek zu weit!

Er läuft heim, geht in den Keller,
seine Miene wird rasch heller –
denn dort liegt ein Nebelspalter,
gut in Schuss trotz hohem Alter.

Draußen drückt er auf den Hebel,
fräst sich Gänge durch den Nebel.
Zügig kommt unser Held voran,
dennoch ist ein Haken dran:

Die Sicht ist frei, der Himmel hell,
dafür platzt Herliceks Trommelfell!
Denn der Nebelspalter – ach –
macht an fürchterlichen Krach!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26259

Herlicek – Gedankenhilfe

Herlicek im Helenental,
doch das Wandern ist a Qual.
Zwar fließt und schäumt die Schwechat,
doch kein Tropfen Bier – a Frechheit!

Da stoppt unser Held (wie ferngelenkt);
vor ihm steht – oder besser hängt –
eine seltsame Konstruktion,
komplett aus Holz: eine Attraktion!

Wie heißt das Ding? Ihm fällt’s nicht ein,
es geht ihm nicht ins Köpfchen rein.
Er bräucht eine Gedankenstütze,
die ihm hülfe, folglich nütze –

damit er’n Namen nicht vergisst
(selbst wenn er beim Heurigen ist).
Plötzlich schließt sich im Kopf die Lücke:
Das Ding da, es heißt – Eselsbrücke!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26247

Herlicek – Opfergabe

Herlicek schaut zum Fenster raus –
was er sieht, das ist ein Graus.
Es stürmt und donnert, so ein Wetter!
Da ist’s zu Hause gleich viel netter.

Der Sturm mutiert nun zum Orkan,
Starkregen hämmert wie im Wahn.
Draußen geht die Erde unter,
drüber geht es und auch drunter.

Herlicek denkt sich: „Sapperlott,
was ist los mit dem Wettergott?
Wie besänftigt man den Knaben?“
Da helfen wohl nur – Opfergaben.

Er holt seinen besten Wein,
schenkt dem Gott ein Glaserl ein.
Dabei vergisst er nicht auf sich,
allein zu trinken, g’hört sich nicht.

So erträgt er des Himmels Furor
zechend mit Petrus, Zeus und Thor.
In der Früh hat der Sturm die Arbeit getan.
Nur in Herliceks Kopf – tobt ein Orkan.

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26246

Herlicek – Fliegender Hut

Herlicek sitzt in einem Garten
mit einem Hut (es ist sein Wille),
als plötzlich, nie war’s zu erwarten,
sein Hut enteilt, trotz Windes Stille –

und tänzelt in den Himmel rein.
Herlicek schaut auf, erstaunt:
„Ein Hut, der fliegt, das kann nicht sein“,
der Enthütete leise raunt.

Der Hut hat seine eignen Launen,
flattert zurück, dann wieder fort.
Herlicek kann nur noch staunen
und folgt dem Hut von Ort zu Ort.

Bald ist der Hut nicht mehr zu sehn.
„Ich hoff, im Himmel geht’s ihm gut“,
sagt er, ohne sich umzudrehn.
Wenn Hüte fliegen – sei auf der Hut!

 

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26245

Herlicek – Gelsenfalle

Die Nacht bricht an, Herlicek geht brav
zu Bett, doch er findet keinen Schlaf.
Zwei lästige Gelsen sind der Grund;
die Nachtruhe läuft bei Gott nicht rund.

Irgendwas muss Herlicek tun,
sonst kann er heute nicht mehr ruhn.
Es müssen diese quälenden Geister
endlich finden ihren Meister.

Doch er schafft’s nicht, sie zu erschlagen
(da kann er sich noch so plagen).
Ihm kommt vor Zorn hoch die Galle –
was er braucht, ist eine Falle:

Vors Bett platziert er ein Glas Wein,
doch keine Gelse fällt darauf rein.
Also stellt er die ganze Flasche
aufs Nachtkastl (seine neue Masche!).

In der Früh wacht er auf, ihm ist nicht gut.
Er fühlt sich zerstört, hat eine Wut.
Schaut sich an, hat drei Dippel mehr
und an Kater – die Flasche Wein ist leer!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26229

Herlicek – Ende des Sommers

Die Sommersonne endlos schien,
viel zu heiß war es in Wien.
Hitzewellen ohne Ende;
die Statistik, die spricht Bände.

Jetzt ist die Höllenglut vorbei,
jeder freut sich, fühlt sich frei.
Außer Herlicek, der sagt: „Halt!
In drei Monat’ ist’s in Wien – saukalt!“

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26228

Herlicek – Baustelle

Herliceks Ruhe ist dahin:
lauter Baustellen in ganz Wien.
Die stören ihn beim Spazieren,
weil sie die Optik ruinieren.

Ist die Gasse auch noch so klein –
ein Bagger, der passt immer rein.
In den Himmel ragen Kräne,
am Boden schuftet ein Rumäne.

Sogar direkt vor seinem Haus
wollen’s jetzt bauen, so ein Graus.
Die ersten Hackler sind schon da,
mit Absperrgitter – jössas na!

Stoppen will Herlicek den Wahn.
Kurz nachgedacht, hier ist der Plan:
Mit einem Sack reist unser Held
am nächsten Tag ins Tullnerfeld.

Dort legt er sich auf die Lauer
(Herlicek ist schon ein Schlauer!);
fängt drei Ziesel, packt sie ein,
wirft sie nachts in die Baustelle rein.

Dann ruft er an beim Tierschutzverein:
„Geschützte Tiere zogen ein!“
Tags darauf ist die Baustelle weg
und Herlicek, der lächelt keck.

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26227

Herlicek – Klima-Anpassung

Klimaschützer schlagen Alarm,
auch bei uns ist’s viel zu warm.
Wir leiden unter Hitzewellen,
die den Sommer uns vergällen.

Bald gibt’s Palmen, heißen Sand,
wie im fernen Karibik-Land.
40 Grad – das wird die Regel
für Vater, Mutter, Kind und Kegel.

Was soll man tun? Untätigkeit
würd’ verschlimmern unser Leid.
Man muss handeln, und zwar sofort.
Taten zähl’n mehr als jedes Wort!

Herlicek, der Unbeugsame,
ergreift eine Sofortmaßnahme:
„Ich pass mich ans Klima an,
hab schon einen Hitze-Plan.

Ich wechsle im Café Pepito
von Zirbenschnaps auf Mojito
und dann im Café Lambada
von Spritzer auf Pina Colada!“

 

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26201