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Mittagspause

Die Uhr ist aus der Türkei; sie ist das Einzige, was ich aus der Türkei habe, vom Anderen bin ich mir nicht sicher. Diese Uhr haben wir nur angeschafft, weil wir mittags viele Gäste haben, die wieder zur Arbeit müssen. Wozu braucht denn ein Café eine Uhr? Eben! Was arbeiten Sie? Personalverrechnung? Ist sehr fad, oder?

Copyright: Michael Bauer

Copyright: Michael Bauer

Michael Bauer
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortbild | Inventarnummer: 26204

Zurück in die Zukunft

Nun hat die moderne Welt nicht zuletzt ganze Arbeit geleistet.
Und unerbittlich alle Gespenster restlos vertrieben.
Hat ununterbrochen aufgeklärt, doch was ist passiert?
Der Erdling strebt, rundum informiert, begierig nach Zukunft.

Vor neuen Königen wimmelt der Globus, gleich der Antike Helden.
Cäsaren, die eiskalt und blutrünstig handeln.
Nur vorwärts, wir müssen zurück in die Zukunft,
die liegt im Vergang’nen auf ewig begraben.

Die Sehnsucht, nach Hause, ans sichere Ufer,
ins Eig’ne zurück, als folgte sie nächtlicher Blindheit.
Nun soll es so sein, so wie es schon immer längst war.
Denn oben sei oben, und unten bleibt unten.

Als Ziel gilt dem Massenmörder der Ursprung,
beschmutzt gilt die heilige Erde durch Fremde.
Verfall durch Verlockungen westlicher Triebe.
Wie in der Sirenen Gesänge, die Invasoren schlachtet man ab.

Und Sympathisanten, sie alle träumen den ein und denselben Traum.
So wartet, bald herrscht wieder Klarheit und Härte.
Hinein in die Neoantike, die Sehnsucht nach ihr führt euch heim.
Die Odyssee der Moderne hat längst ihr Ende gefunden.

Trieb man zu lang auf dem Meer der enttäuschten Hoffnung?
Der Himmel ward einem versprochen, wie auch des Rücken Wind.
Stattdessen herrscht Ungleichheit glühend wie Fieber,
und dieses erregt allhier die planetarische Furcht.

Das transnationale Gesetz wie den gordischen Knoten durchschlagen!
Von jetzt an gilt das archaische Faustrecht im Zeichen des Wolfes.
Und übrig bleibet der Krieg, als erblicher Vater der Dinge.
Als auch die epische Unfähigkeit zum gemeinsamen Handeln.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26203

Loslassen zu Lebzeiten

Kind, lass deine Mama los.
Du musst, du wirst ja sowieso.
Nur Haare blieben hängen in der kleinen Hand,
dahin war die Geborgenheit.

Sie ging
damals aus der Kindergartentür
und kam zurück
und ging und kam zurück
noch tausend Mal
in meinem Leben.

Und jetzt sagt ein Freund,
was ich seit gestern weiß:
Es geht um Leben und um Tod.
Er sagt mir auch, in Liebe sagt er es:
Lass deine Mama los,
dann wird es leichter.

Leichter?
Böse fast
versteh ich’s nicht.
Dann wär ja davon auszugehen,
dass diese Krankheit sie ins Sterben führt,
während wir alle hoffen?

Wie froh bin ich,
dass ich dann doch versteh.
Noch versteh, während sie
am Leben ist.

Ich lasse meine Mama los
heißt: Ich halt die Liebe nicht mehr fest
in Schmerz und Angst verschlossen.

Dass ich sie gehen lass,
macht meinen Schmerz derweil nicht kleiner,
sondern ganz.

Sonja Steingreß

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 26202

 

 

Zurück zu meinem ältesten Freund

Den ganzen Tag über
haben sie Mauern errichtet,
Fensterläden geschlossen,
um mich von dir fernzuhalten.
Die ganze Nacht über
haben sie mir Buffets vorgesetzt,
mich in Boutiquen und Bars geschleppt,
mich mit Partyspielen, Kino und Karaoke
zugedröhnt,
um dich mir vorzuenthalten,

bis der Barkeeper von „Ye Olde Ocean“,
dieser spanischen Bar für englische Touristen,
herausfindet, dass ich meine letzten Pesos
ausgegeben habe,
mich in die tiefschwarze Nacht hinauswirft,
was eine meiner frühesten Erinnerungen
aus dem Langzeitgedächtnis auftauchen lässt:
mein Kleinkind-Ich, mich an jedem
Sommerwochenende aufs Neue
mit dem großen, blauen Ozean anfreundend.

Endlich ziehe ich mir die Sandalen aus,
laufe vergnügt über den erst noch trockenen,
dann nassen Sand
schnurstracks hinein
in eine neue Berührung mit meinem
ältesten Freund, dem Ozean.

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer:  26196

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25.7.26: Antonia H.: Sommer
25.7.26: Manuela Johanna Holl: Gedanken auf Papier
25.7.26: Norbert Johannes Prenner: Ein Untag
25.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Dürre
25.7.26: Johannes Tosin: Schmetterling
25.7.26: Michael Bauer: Adina
25.7.26: Johannes Tosin: Das schwärzeste Schwarz
18.7.26: Bernd Remsing: Fußball-WM 26
18.7.26: Johannes Tosin: Ich warte auf die Sonne
18.7.26: Frank Joussen: Rehe im Weizenfeld
18.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Jedermann
18.7.26: Norbert Johannes Prenner: Musik
18.7.26: Antonia H.: Reisenotizen Pomo-Reservat
18.7.26: Johannes Tosin: Die sehr hohe Chance
11.7.26: Antonia H.: Reisenotizen New York
11.7.26: Johannes Tosin: Von woanders
11.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Wein-Experte
11.7.26: Johannes Tosin: Der Tod wartet nicht auf mich
11.7.26: Norbert Johannes Prenner: Big Apple
3.7.26: Bernd Remsing: Kuckuck
3.7.26: Norbert Johannes Prenner: Eukalyptus
3.7.26: Antonia H.: Reisenotizen Kalifornien
3.7.26: Dario Schrittweise: Die Himmelsreisen des Träumers
3.7.26: Bernd Watzka: Herlicek – Sommer-Sehnsucht
3.7.26: Johannes Tosin: Tirili
3.7.26: Johannes Tosin: Die honigsüße Sünde