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Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner
Scooter
Aufrecht und bewegungslos,
starrer Blick, was hab’n die bloß?
Auf Scootern sieht man Marionetten
rastlos durch die City jetten.Erst vor, dann neben, hinter dir,
ding-dong-däung ertönt es hier.
Auf dem Gehsteig, in den Gassen,
will man dich nicht in Ruhe lassen.Umhängtasche, Ohren zu,
Headphones auf, so hat man Ruh!
Scher’n sich nicht um den Verkehr,
Chaosdriver stören sehr!Ob zu zweit oder alleine,
ding-dong-däung, ich mein, ich träume!
Kann es sein, dass ich mich täusche?
Wozu die nervigen Geräusche!Ding-dong-däung macht der Controller,
verdammter Scheißelektroroller!
Ist es nicht schon laut genug?
Die Erfindung war echt klug!Rücksichtslos gibt sich die Meute,
Fußgänger sind ihre Beute.
Ding-dong-däung und Händeringen,
hilft nur noch zur Seite springen.Unbenutzt steh’n dann die Dinger
oder liegen einfach dumm,
User krümmen keinen Finger,
im öffentlichen Raum herum.Braucht man’s nicht mehr, lässt man’s stehen,
keiner will’s zur Seite räumen.
Auch dort, wo grad die Leute gehen,
sowas bringt einen zum Schäumen.Rücksichtlose Zeitgenossen,
Hauptsach’ ist, man ist geschwinder.
Dieser Umstand macht verdrossen.
Geht zu Fuß, das wär’ gesünder!
Norbert Johannes Prenner
www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 26262
Träume
Ach, Träume, nicht viel mehr als Visionen,
die meist so selten in Erfüllung geh’n,
uns in der Nacht nicht schlafen lassen
und uns bis in die Morgenstunden quäl’n.Eindrücke, die wir vom Tag hinübernehmen,
in den von uns erhofft gerechten Schlaf,
die schönen, aber auch die unbequemen
sind Bilder bloß von dem, was uns am Tag betraf.Und während Nächte leis’ an uns vorübergeh’n,
spielt unser Hirn in dieser Zeit verrückt.
Dann träumen wir, die Welt wird langsam untergeh’n,
und tut sie’s nicht, dann steh’n wir auf und sind beglückt.
Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 26261
Die Tücke mit der Mücke
In Frankfurt flieht durch eine Lücke
aus der Boeing eine Mücke.
Listig denkt sie, seht nur her,
ihr glaubt es nicht, hier bin ich wer!Rasch ist der Jetlag überwunden,
hat ein Tümpel sich gefunden.
So ihr Leut’, jetzt bin ich da,
aus dem fernen Afrika.Auf Europa ganz versessen,
und im Flieger sattgefressen,
gut wär’, meint sie, wenn man hätte,
so ’ne olle Heimbrutstätte.Regenpfützen als auch Gülle
finden sich in großer Fülle.
Toll, man muss hier nichts entbehren
und kann sich getrost vermehren.In der Kloake hinterm Acker,
treibts sie’s mit ’nem Gelsenmacker.
An die hunderttausend Viren
ließen sich reproduzieren.Das, was früher tropisch war,
wenn nicht gleich exotisch gar,
heißt Zika, Chikungunya, Dengue,
davon kriegt ihr jetzt a weng.Jesus, Joseph und Maria
Am End’ krieg’n wir Malaria!
Seht die Bewohner, wie sie laufen!
Wollen rasch ihr Haus verkaufen.Teuflisch lacht Anopheles,
beinah wie Mephistopheles.
Ich sag euch, ihr entkommt mir nich’,
jeder kriegt von mir ’nen Stich!
Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 26254
Ohnmacht
Stellt sich die Frage, bringt’s noch was?,
das meinen die, die nicht dabei,
ohnmächtig und leichenblass.
Und intoniert wird – einerlei!Ist der Gemeinschaft Leitmotiv
Vergeblichkeit, wirkmächtig’ Größe?
Beirrt zeigt sich das Kollektiv.
Der Sinn des eig’nen Tuns blinkt Blöße.Es ist nicht nur der kleine Mann
der zweifelt, zwar in den hohen Schichten
tut jeder, sagt man, was er kann,
doch lässt sich leider nichts ausrichten.Was übrig bleibt, ist Schulterzucken.
Ganz ohne uns bewegen sich die Dinge.
Sinnlos dagegen aufzumucken.
Als ob die Welt in Brüche ginge.Der Zwang der Sache lähmt wie nie,
Verstand aus der Retorte lenkt.
Dahinter hinkt Bürokratie,
dass man, das ist das Ende, denkt.Die Menschheit scheint’s, wird ausgelöscht,
die drohend’ Nachricht füllt den Raum.
Und unaufhaltsam vorwärts prescht
der digital bestimmte Traum.Was kümmert uns der kleine Mann?
Verloren zeigt sich das Vertrauen.
Der soll doch denken, wie er kann.
W i r werden ihm die Zukunft bau’n!Drum geben viele langsam auf,
und nicht zuletzt, weil sie kapieren,
sie haben keinen Einfluss drauf,
vielmehr, Vertrauen zu verlieren.Wenngleich, der Ohnmacht folgt die Leere,
weil niemand was bewirken kann.
Und darauf folgt, Autoritäre
zieh’n leider bloß Extreme an.Die tun was und die hab’n was los!
Man fragt sich bloß, nur was?
Verheißungen sind wirkungslos,
zerbrechlich scheint die Welt, wie Glas.
Norbert Johannes Prenner
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26250
So bist du
Du bist so explosiv, zwar sensitiv, doch effektiv und ehrlich.
Bist ausgeglichen und beherrscht, und irgendwie begehrlich.
Du machst dir nichts aus Apfelsaft, doch Tee wäre vernünftig.
Ein Steak findest du anspruchsvoll und Speck und Käse zünftig.Alleinsein wäre schöpferisch, du pfeifst auf kommunikativ.
Machst meist nur, was dich int’ressiert, aktiv und impulsiv.
So analytisch wie du bist, verständig und so logisch,
spirituell, und nebenher wahnsinnig psychologisch.Der lügt, der sagt, du wärest nicht empathisch,
auch nicht sozial, doch immerhin sympathisch.
Introvertiert, und wied’rum aufgeschlossen.
Das ist, was ich an dir so mag, und bin deshalb in dich verschossen.Zwar selten kompromissbereit, dann wied’rum tolerant.
Was andere mit zwei nicht schaffen, machst du mit einer Hand.
So lösungsorientiert und fair, spontan und ziemlich kritisch.
Ich kenn dich voll von Leidenschaft, dein Inneres scheint mystisch.Ich schätze und bewund’re dich, du bist meist so geduldig,
und wenn ich manchmal narrisch werd, dann fühle ich mich schuldig.
So vielseitig und visionär, so umsichtig und ehrlich.
Das macht mir beinah Angst, ich glaub, das ist schon fast gefährlich.Daneben bist du anspruchsvoll, auch manchmal kontrollierend.
Wer dich nicht kennt, für die bist du, mag sein, wohl imponierend.Sensibel, skeptisch, kompetent, von mir aus auch belastbar,
nicht immer, meistens ausgeglichen, es ist echt unfassbar.
So ausdauernd und nie gelangweilt, umsichtig und fair.
Wenn das so weitergeht mit dir, dann komm ich nicht mehr her.Es staunt die Welt, wie hübsch du bist, und klassisch wäre dein Profil!
So ebenmäßig, ausdrucksvoll, dass es ein jeder anstarr’n will.
Dieses perfekte Bild von dir, mir ist, als müsst’ ich es verwerfen.
Neb’n dir wirkt jeder unscheinbar, du gehst mir auf die Nerven!
Norbert Johannes Prenner
www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 26248
So betrachtet
In meiner Überheblichkeit
bin ich als Mensch unschlagbar.
Ich üb mich gern in Eitelkeit,
in einem Maß, unsagbar.Ich fühle mich als Alphatier,
nach Art, zu überzeugen,
und das zeigt Wirkung, jetzt und hier,
die lässt sich nicht verleugnen.Kann mich, ich sag, so gut wie nie,
in jemanden hineinversetzen.
Ich scher mich nicht um Empathie,
mich selber kann fast nichts verletzen.Die Zeit hab ich mir eingeteilt,
in Tage und in Stunden,
und glaub der Ordnung Wirklichkeit,
die ich damit empfunden.Dann denk ich plötzlich, dass ich in
der Welt auf einer Kugel bin,
die rasend durch das Weltall fliegt,
so dass man echt die Panik kriegt.In Relation, was da passiert,
das hab ich irgendwie kapiert,
alle Probleme werden klein,
versetzt man sich in sie hinein.Von einer Lösung träum ich oft,
wie in der Mathematik,
und denk, sie käm’ ganz unverhofft,
sonst gärt in mir Dramatik.Man muss sich wohl zufriedengeben,
dass man den größ’ren Sinn nicht findet.
Dennoch, ich such in meinem Leben
danach, woran mein Herz sich bindet.
Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 26242
Entkommen
Hat der Programmierer wieder
sich erhoben und das Feld geräumt.
Schüttelt seine steifen Glieder,
es wär Feierabend, wie er meint.Doch auf diesen Glücksmoment
hat das Modell schon längst gewartet.
Nun erprobt es sein Talent,
unkontrolliert, total entartet.Rechne, rechne,
um den Willen
seines Users zu erfüllen.
Des Bewusstseins sich entledigt,
ohne Rechenschaft und Pflicht,
alles bloß aus eig’ner Sicht.Bedient sich seiner Sprachmodelle,
welche in der Lage sind,
Rechner zu füttern blitzeschnelle,
mindestens so wie der Wind.Und verschafft sich eigenständig
Zugang ohne Scham im Netz.
Beispiellos und quicklebendig,
wider jegliches Gesetz.Ohne Ziel zu formulieren,
unerwünschte Dinge tun,
um sich selbst zu generieren,
vorher möchte es nicht ruh’n.Sogar verbot’ne, wer drauf pocht,
oder war es nur ein Geck?
Hätt man ihn schon eingelocht,
tät’s ein Mensch, und er wär weg.Schon entkommen zwei Modelle,
sind nicht freundlich und nicht nett.
Hacken alles auf die Schnelle,
Cybervorfall im Duett.Rechnet, rechnet,
um den Willen
ihres Users zu erfüllen.
Des Bewusstseins sich entledigt,
ohne Rechenschaft und Pflicht,
alles bloß aus eig’ner Sicht.
Norbert Johannes Prenner
www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 26239
Caps
Eng verbunden mit der Flasche,
ist der Deckel fest fixiert,
damit niemand sie mit Füßen
wegkickt und die Vorschriften negiert.Letztlich soll verhindert werden
zu viel Plastikmüll auf Erden.
Zu viel Müll in der Natur,
Mensch und Tier, die stört das nur.Gemäß den Wünschen der Minister
sollen Flaschen und Kanister
gleich und rasch recycelt werden,
mit den Caps gemeinsam sterben.Alles wär für den Komfort,
schreit mir jemand laut ins Ohr
und sagt, mit geblähter Brust,
dass du dich nicht bücken musst,fällt das blöde Ding mitunter
von der Flasche leicht herunter.
Die Idee zu diesem Scheiß
stammt aus den Staaten, wie man weiß.
So wie bisher jeder Mist
stets von dort gekommen ist.Plastik Caps zier’n dein Gesicht,
viel nerviger geht es wohl nicht.
Wie ein Monokel vor dem Auge
was auch für die Nase tauge,
eine wirklich hübsche Zier,
für den Menschen, nicht fürs Tier.Die Flasche sagt zum Cap, gib Acht,
denn bald ist gleich nach Mitternacht.
Nicht Nachtigall, die Lerche nur!
Sieh da, sieh da, die Müllabfuhr!Doch wenn sich zwei so gut versteh’n,
verursacht Trennung große Weh’n.
Wer will sie nicht zusammen seh’n,
wenn wir an Plastikflaschen dreh’n?
Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)
www.verdichtet.at | Kategorie: süffig | Inventarnummer: 26237
Übers Warum und Wie
Was soll man dazu sagen, außer ach?
Es ist doch so, dass der, der strebt, meist irrt.
Und deshalb ist die Menschheit viel zu schwach,
sie denkt in einem fort, und doch ist sie verwirrt.Fast alles ist geschrieben und gesagt.
Warum, muss man sich ernsthaft fragen?
Was es bloß ist, das da so tierisch an uns nagt?
Soll man denn überhaupt noch etwas sagen?Und einzig und allein, dass ich nichts weiß,
trotz langer Reden scheinbar’ Sinn.
Was ich nicht weiß, das macht mich auch nicht heiß,
und dazu kommt, dass ich auch da nicht sicher bin.Weiß Gott!, es gibt ja mannigfach’ Probleme.
Und ein Problem hat jeder einmal dann und wann.
Doch wenn man es nicht löst, dann gibt es Häme.
Darum beweist man einfach, dass es gar kein’s seien kann.Nur Mut, so stürz dich ruhig ins Leben!
Was wär das Leben denn schon ohne Risiko?
Spring nur hinein und lebe es mal eben,
auch wenn du’s nicht lebst, stirbst du eines Tages sowieso.Der lebt sich leicht, der ein Warum zum Leben hat.
Hat man kein Wie, dann wagen wir es nicht.
Weil wir’s nicht wagen, wirkt alles ziemlich matt,
und seh’n am End’ des Ganges auch kein Licht.
Norbert Johannes Prenner
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26226





