Schlagwort-Archiv: hin & weg

Big Apple

Und ich war, irgendwann einmal,
auch in Amerika.
Und schon im Flieger haben wir gelacht,
und füll’n den Fragebogen aus. Was haben die gedacht?

Woher ich komme, aus dem Süden oder Norden?
Und was ich überhaupt und eigentlich hier will?
Den Präsidenten wollen Sie ermorden?
Na gut, ich kreuze alles an, das alles klingt ja wirklich ziemlich schrill.

Gleich neben uns, da sitzt ein Ehepaar aus Brooklyn.
Wollten zum allerletzten Mal die Heimat seh’n.
Aunt Mary und ihr Mann, der alte Ed.
Bin noch nicht hin, meint er, sein Darmausgang wär’ künstlich.
Ich staune, darauf lächelt er verschmitzt und sagt, das geht.

Hey Junge, sagen die zu meinem Sohn,
der Flug wird lang, wir hoffen du hast schon
bemerkt, dass es da vorn sogar ein Movie gibt?
Na klar, sagt er, das habe ich natürlich längst schon mitgekriegt.

Wir sind in New York schließlich weich gelandet
und sind im Radisson Hotel am Central Park gestrandet.
Der Jetlag war enorm, wir hab’n den Nachmittag verschlafen
und in der Nacht die Typen unten angeseh’n, die scharfen.
Denn knapp nach Mitternacht wechselt am Park die Szene,
da klappern dir vor Staunen glatt die Zähne.

Am nächsten Morgen steh’n wir in ’ner langen Schlange,
in einem Drogeriemarkt an der Kassa wirklich lange.
Doch plötzlich ruft der Cashier ziemlich laut,
pass auf, da is’n Kerl neb’n dir, der klaut!

Ich dreh mich um, da läuft er schon zur Türe,
davor da steht ein dicker Bulle Schmiere.
Ich zähle panisch meine paar Ein-Dollar-Scheine.
Davon fehlt keiner. Na ja, ihr wisst natürlich schon, wie ich das meine.

Nachdem der Schrecken endlich überstanden war,
seh’n wir uns gleich ein wenig von Manhattan an, na klar.
Vom Hochseh’n an den Wolkenkratzern schmerzt der Nacken,
den langen Weg zum Central-Park-Zoo werden wir auch packen.

Im Empire-State-Building geht ein irrer schneller Lift,
da wirst du echt im Affentempo hochgehievt.
Und jeden Sonntag macht dort King-Kong seinen Dienst,
erschreckt die Leute fast zu Tode, doch er grinst.

Der Mensch, der lebt nicht nur von schlechter Luft allein,
drum geh’n wir in ein China-Restaurant in China-Town hinein.
Das liegt da unten tief in einem dunklen Kellerloch,
wo eben eine Ratte schnell in eine Kiste kroch.

In Macy’s Toyshop werd’n die Augen meines Jungen groß,
als sich der megastarke Eindruck über ihn ergoss.
Da gibt es Flugzeuge und Stofftiere so groß wie echt,
und dass er keines davon hat, ist wirklich ungerecht.

Auf einem ausgedienten Kriegsschiff in der Sonne spielen wir
und stell’n uns vor, wir wär’n der Captain und der Kanonier.
Das Ding, das ist so ungeheuer riesig.
Da schlägt das Wetter um und es wird langsam diesig.

Die Freiheitsstatue, die lassen wir nicht aus,
und schau’n von ihr ganz oben lang aus ihren Augen raus.
Der Blick reicht weiter als bloß bis zum Hafen hin,
sodass ich von dem Panorama überwältigt bin.

Nur schad’, die schönste Zeit am raschesten vergeht,
ich sag zu meinem Jungen, jetzt komm, es ist schon spät.
Denn leider müssen wir noch heut am Airport sein.
Hat alles mal ein Ende und wir müssen heim.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26172

Reisenotizen China (Sechuan und Yünnan)

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]

Es ist ein riesiges Land mit vielen, vielen Menschen und ich frage mich, ob ich einen kleinen Teil für das Ganze stehen lassen darf. Sei es drum, ich bin nicht die Erste, die dieses Land über den Kamm geschoren hat …

Laotse hat wohl nicht zufällig sein Tao schon vor langer Zeit ins reine Land mitgenommen, als ob er geahnt hätte, dass sich Mao dereinst auf Tao schlecht reimen würde.

Was aber kulturrevolutionärem Einstampfen zum Trotz zu finden ist, ist eine uralte Harmonie zwischen Gebautem und Gewachsenem, wenn es denn die Wirren der Geschichte der letzten Jahrhunderte überdauert hat.

Die lieblichen Landschaften Yünnans erheben sich immer noch genauso zart zum Himmel wie aus alten Seidenmalereien.

Die fünf Elemente mundeten vorzüglich, solange sie nicht aus sichtbar massakrierten Lebewesen gekocht waren. (Ich denke da zum Beispiel an Fast-Food-Stände mit frittierten Entenköpfen.)

Manches erscheint mir hier bizarr wie eine einzige Verzerrung von allem. Hier fand ich oft Harmonie übertrieben und Mäßigung untertrieben.

Selten habe ich Wüsten so blumenreich beschrieben gehört und ehemalige Blumenreiche so konsequent verwüstet gesehen.

Die Sehnsüchte und Begehrlichkeiten, die ich wahrgenommen habe, sind andererseits doch wie überall. Sie verströmten nur ein anderes, manchmal für mich ungewöhnlich starkes Aroma.

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26167

Reisenotizen Pomo-Reservat

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]
Amerika ohne indigenes Territorium ist wie Suppe ohne Salz. Wer kennt schon die Pomo, die im Mittelwesten ihren Platz durch Handel mit getrockneten Algen festigten, die sie im Pazifik ernteten und ins Landesinnere brachten? Sie bieten Touristen keine Shows an, sondern bemühen sich lieber Stück für Stück legal zurückzuholen, was ihnen gestohlen wurde. Eines ihrer Reservate liegt an einem von zwei natürlichen Boraxseen, die es auf dieser Welt gibt: nahe der sogenannten Klapperschlangeninsel des Clearlake, auf der die gefangenen Reptilien ausgesetzt werden, von der sie aber nur zehn Meter zurück zum Ufer zu schwimmen haben.

Die eingezäunten Gebiete der Reservatbewohner wirken bei erstem Blick wie ein geschwächter Körper, der laufend am Leben erhalten wird.

Das Wort Indianer stamme von Columbus’ Beschreibung der Leute, die er vorfand. Er habe als Italiener nicht gut spanisch gekonnt, so nannte er sie Una gente in dios. Menschen in Gott. Es sei eine perfekte und edle Bezeichnung, meinte George Carlin. Dieses Zitat ist im Büro des weiblichen Pomo-Chiefs an ihren Aktenschrank gepinnt. So sehen sie sich also selber.

Mir blutet das Herz, indigene Kulturen und Sprachen verschwinden zu sehen, obwohl die meisten Stammesgemeinschaften alles Mögliche tun, dies zu verhindern. Ich halte Traditionen und deren Überlieferung für wichtig. Nicht, um sich von anderen abzugrenzen, sondern um an der Mitgestaltung der Gesamtheit aller Lebenswelten konstruktiv teilhaben zu können.

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26166

Eukalyptus

Ein Anstieg, steil in Serpentinen,
soll dem Hotelgast dazu dienen,
nachdem er diesen hat erklommen,
in seinem Zimmer anzukommen.

Nach kurzer Zeit schon wird Routine
das Gehen auf der Serpentine.
Doch plötzlich über mir ein Ast,
der gar nicht zur Routine passt.

Ein Eukalyptus an der Biegung
verursacht die fatale Fügung.
Genau in Höhe meiner Stirn,
da hängt das Ding, vor meinem Hirn.

Den Ast, bin ganz darauf versessen,
ihn abzuschneiden. Schwer zu vergessen.
Ich denk, wenn mir nichts and’res bliebe,
dann frag ich mich, ob ich’s verschiebe?

Zunächst versuch ich es mit Bücken.
Das geht ganz schön an meinen Rücken.
Ein andermal geh seitlich dran vorbei.
Mühsam! Verdammte Schweinerei!

Meltemi heißt der Sturm, man glaubt es nicht,
er peitscht den Ast mir mitten ins Gesicht.
Und jedes Mal versuch ich auszuweichen,
mit Güte scheint’s, ist hier nichts zu erreichen.

Dem faulen Gärtner gilt mein ganzer Grant,
hab mir den Kopf schon mehrmals angerannt.
Es nervt der Eukalyptus hier auf Mykonos!
Zum Henker mit Apollon und Dionysos!

Doch irgendwann in einer dunklen Nacht,
ganz heimlich ward die üble Tat vollbracht.
Als Tatwaffe, ein scharfes Messer,
entwendet vom Buffet. Jetzt geht es besser.
Mit einem Wort, der Ast ist abgeschnitten,
nun geh ich aufrecht, direkt drunter, in der Mitten!

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26163

Reisenotizen New York

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]

„Wenn du es dort schaffst, schaffst du es überall“, wie Frank Sinatra singt, geht mir am Gluteus maximus vorbei. Mein Lieblings-New-York ist das eines Sonntagmorgens im August. Da wird es geradezu beschaulich und mystisch, weil die Luftfeuchtigkeit die Skyline gnädig in Nebel hüllt.

Ich schätze, Beton- und Glastürme sowie Wolkenkratzerschluchten zählen ebenso wenig zu meinem Biotop wie getriebene Menschenmassen zu meinem Habitat.

Der Central Park ist eine Betongusslandschaft, aber eine, die immerhin noch hübsch anzusehen ist.

Und so verbleibe ich mit dem Gedanken, dass es mir reicht, dass King Kong an der Spitze des Empire State Buildings war. Es ist ihm ja nicht gut bekommen, was hätte ich dann sonst Großes versäumt?

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26160

Reisenotizen Kalifornien

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]

Nein nicht das blonde, gewachste, niemals alternde, showmäßige, regen-lose mit einem Lächeln, bei dem dich ein makellos weißes Lattenzaungehege im Mund eventuell auch daran hindert, näher zu treten. Nein, das nördliche, ländliche Kalifornien, nördlich der Stadt San Francisco, von welcher aus Hippies dank Silikon und Informatik zu Hightech-Milliardären mutierten.

Dort liegt an einem See, der den schweizerisch-italienischen Binnengewässern an Form und Schönheit in nichts nachsteht (wohl aber mit seiner gastronomischen Infrastruktur weit abfällt) ein Städtchen, das so arm ist, dass man entlassenen Gefängnisinsassen freiwillig Bustickets bis dorthin bezahlt, damit sie nicht auf den dummen Gedanken kommen, ihr Strafregister um paar Einbrüche und Eigentumsdelikte zu erweitern.

Dank Waldbränden und Hochwasser hat es die Ortschaft sogar bis in die internationale Presse geschafft.

Typisch für Kalifornien? Nein, aber auch nicht selten. Gleich „nebenan“ befindet sich das sich mondän gebende Napa Valley.

Kalifornien gilt als ein sehr liberaler Staat. Im Land der Freiheit ist es das freieste Land. Jeder/jede darf völlig gesetzeskonform stinkreich werden, kiffen oder auch arm und staatlich weitgehend ignoriert sein Leben fristen. Es ist hier erlaubt, willkürlich mit einer Knarre herumzuballern, allerdings nicht, wenn man sich auf fahrbaren Untersätzen befindet. Dafür ist Sonnenschein sogar gesetzlich garantiert.

Ist nur mir aufgefallen, dass jegliche Art von Tektonik, sei sie sozial oder geologisch, so lange Furchen und Aufwerfungen hinterlässt, bis sogar die ganze vereinigte Nation so gespalten ist, dass es kein „Hinüber“, geschweige denn ein „Herüber“ mehr gibt? (Dieser Gedanke kam mir beim Anblick einer Erdbebenspalte, die sich innerhalb von zwei Jahren von einer Ackerfurche zu einem echten Graben von fünf Metern Tiefe und mehreren Kilometern Länge entwickelt hatte.)

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26159

Reisenotizen Amerika

[Hier kommen Sie zur Ausgangsbasis.]
… hätte ich lieber ohne die meisten Menschen, die sich vornämlich nach einem Financier von Kolumbus’ Expeditionen, Amerigo Vespucci,  benennen. Doch würden diese sich Isabellaner nach der Sponsorin Isabella von Kastilien heißen, wäre das zwar feministisch, würde aber nichts an den für die Indigenen unfreundlichen Umständen der Landnahme ändern.

USA: US AGAIN.

Irgendwie ein halbgarer Eintopf, der ständig kurz vor dem Überkochen scheint. Aberwitze scheinen aus meiner Sicht tatsächlich so amerikanisch zu sein wie Amerikanern die Illusion ihrer Unbegrenztheit und ihr Unverständnis des „Kleingeistes“ alter Welten.

Kein Wunder, dass außenpolitisch immer wieder in fremde Suppentöpfe gespuckt wird.

Wer hält schon angesichts der Schönheit eines, sogar des eigenen Landes inne, wenn man es ausbeuten kann?

In Amerika fühle ich mich meistens vorübergehend freundlich wahrgenommen (dieses bei multiplen Begegnungen sogar im Stakkato) aber trotz Kenntnissen der Sprache und Kommunikationsgepflogenheiten selten wirklich verstanden.

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26158

Reisenotizen Ausgangsbasis

Ohne Standpunkt keine Perspektive. Als Abreisende (noch eingehüllt in Wohligkeit meines Herkunftslandes Österreich) verlasse ich meine Komfortzone und kann vorübergehend lieben Gewohnheiten entsagen, die sich so nur zu Hause pflegen lassen. Wobei die Wohligkeit weniger in der unhinterfragten Akzeptanz aller heimatlicher Mentalitäten besteht. Es gibt auch welche, mit denen ich mich nicht identifiziere. Das Wohlgefühl ziehe ich daraus, wohlbehalten und weitgehend unbeschadet aufgewachsen und gealtert sein zu dürfen.

Das Wegfahren allerdings fühlt sich wie ein Kaugummi an, den ich von den Schuhsohlen entfernen muss, weil mein Gemüt an der Gemütlichkeit des Verweilens haftet. „Angekommen“ erlöst mich von den Unwägbarkeiten des Unterwegsseins.

Ich verzichte vorübergehend bei Reisen sogar ohne größere Verlustängste auf meine Muttersprache, welche sich laut Christian Morgenstern zwischen „sich zusammenreißen“ und „sich gehenlassen“ bewegt. Es hilft mir durchaus, mich in einer (angeblich) nationalen Haltung verwurzelt zu wissen, die Extreme meidet (dass sie auch Anstrengungen meidet, wenn es drauf ankäme, ist eine andere Geschichte).

So gewappnet wage ich es, meine wirklich streng subjektiven Ansichten und Einsichten über andere Länder kundzutun.

 

Lesen Sie dazu:

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26157

Rosamundes Storyline

Viele kennen sie, manche lieben sie und viele schalten genervt weg, sobald die Schnulze ihren Höhepunkt erreicht. Geschichten, die das Leben so nie schreiben würde – die in Rosamundes Universum aber zuverlässig ihr zuckersüßes Happy End finden.
Heute schauen wir uns dieses Genre etwas genauer an. Dummerweise hat diesmal jemand vergessen, sowohl die reale Handlung als auch die Regieanweisungen aus dem Drehbuch zu löschen.


Erster Akt: Die Ankunft

Realität:

Ella war die letzten zehn Jahre für verschiedene NGOs unterwegs gewesen. Sie leitete Entwicklungsprojekte, fuhr in Krisengebiete und errichtete Infrastruktur in kleinen Dörfern irgendwo zwischen Staub und Flughäfen.
Beziehungen hatten in ihrem Leben selten Platz gehabt. Sie mochte ihre Freiheit, das Unterwegssein und vor allem ihre Arbeit.
Nach Jahren permanenter Bewegung war sie allerdings urlaubsreif und wollte ein paar Wochen bei ihrer Großmutter in Cornwall verbringen, bevor das nächste Projekt begann.
Als sie spätabends endlich vor Omas Cottage stand, liefen ihr Tränen übers Gesicht. Sie hatte ihre Großmutter vermisst. Zum ersten Mal seit Monaten freute sie sich auf Ruhe und Meeresluft.
Das Cottage roch noch genauso wie früher: nach Tee und einem Hauch Lavendel.
Als beide Frauen schließlich bei Tee und Keksen am Küchentisch saßen, erzählte Ella von ihren Abenteuern, während Oma stolz und tief beeindruckt zuhörte.

Wie Rosamunde es darstellen würde:

Über den sanften Hügeln Cornwalls liegt das letzte Gold des Tages. Der Wind streicht durch Blumenfelder, während Ella mit ihrem Wagen voller Habseligkeiten über schmale Küstenstraßen fährt. Alles wirkt, als hätte die Landschaft selbst auf ihre Rückkehr gewartet.
Als Ella schließlich vor dem kleinen Cottage anhält, scheint die Welt für einen Augenblick stillzustehen. Warmes Licht fällt aus den Fenstern in die Dunkelheit hinaus, Rosen ranken sich um die Eingangstür, und irgendwo in der Ferne rauscht das Meer.
Die Tür öffnet sich langsam, fast zärtlich. Ihre Großmutter steht dort, die Arme bereits ausgestreckt, als hätte sie all die Jahre gewusst, dass dieser Moment kommen würde.
Bei Tee und Keksen erzählt Ella ihrer Großmutter von der großen, weiten Welt. Von all den Orten, die sie gesehen hat. Tränen bahnen sich den Weg über ihre Wangen und die Erkenntnis wiegt stark: Manchmal muss man sehr weit reisen, um den Weg zurück nach Hause zu finden – denn hier ist die Welt noch in Ordnung und die Einsamkeit würde ein Ende finden.

Regieanweisung

Emanzipation darf sichtbar sein, allerdings ausschließlich als temporäre Fehlentscheidung.


Zweiter Akt: Die Begegnung

Realität:

Nach dem Tod ihrer Eltern war Ella als Jugendliche zu ihrer Großmutter nach Cornwall gezogen. Die ersten Jahre dort waren schwierig gewesen – nicht nur wegen der Trauer, sondern auch wegen des Dorfes selbst. Das Nest in Cornwall wirkte auf sie klein, kontrolliert und seltsam harmonisch.
Ella war direkt gewesen. Sie stellte Fragen, diskutierte und verstand nicht, weshalb dort jede eigene Meinung behandelt wurde wie ein kleiner gesellschaftlicher Störfall. Viele hielten sie deshalb für schwierig und hätten sie wohl am liebsten genauso ordentlich gestutzt wie die südenglischen Rosengärten.
Ben hingegen gehörte zu ihnen. Seine Familie besaß das größte Fischereiunternehmen der Region und Ben hatte früh gelernt, Erwartungen zu erfüllen statt eigene Entscheidungen zu treffen.
Anfangs nahm er Ella kaum wahr. Sie war lediglich die Enkelin der Haushälterin seiner Familie. Erst später freundeten sich die beiden an.
Kurz bevor Ella Cornwall verließ, hatte sie Ben vorgeschlagen, gemeinsam die Welt zu bereisen. Doch bereits die Vorstellung eines Lebens außerhalb seines vorgezeichneten Weges schien ihn völlig zu überfordern.
Als Ella ihm nun zehn Jahre später zufällig vor dem Dorfladen begegnete, freute sie sich tatsächlich – zunächst. Der Zufall wirkte allerdings ein wenig zu zufällig.
Trotz Jetlag und alten Trainingsklamotten ging sie schließlich mit ihm auf einen Kaffee. Doch der Nachmittag verlief seltsam. Ben hatte offenbar jede Erinnerung ihrer gemeinsamen Jugend emotional konserviert, während Ella sich nur noch verschwommen an vieles erinnerte.
Glücklicherweise brachte die Bedienung irgendwann die Rechnung.

Wie Rosamunde es darstellen würde:

Am nächsten Morgen erwacht die Ortschaft in Cornwall in goldenem Sonnenlicht. Die kleinen Gassen des Dorfes wirken wie aus einer anderen Zeit – Blumenkästen unter alten Fenstern, kreischende Möwen und der Duft frischer Backwaren gepaart mit einer sanften Meeresbrise. Ella flaniert durch den Ort. Ihr florales Sommerkleid umspielt feminin ihre Knie, während der Wind ihre blonden Locken tanzen lässt. Plötzlich hört sie ihren Namen und ihr Herz setzt einen Schlag aus. Diese Stimme kannte sie doch! Es war Ben.
Für einen einzigen Augenblick scheint die Welt um sie herum stillzustehen.
Da steht er, als hätte die Zeit ihn nie verändert. In seinen Augen liegt dieselbe anmutige Wärme wie damals, als sie gemeinsam barfuß am Strand entlanggelaufen waren.
Ein Blick genügte und die Gefühle von damals waren erneut entfacht. Und nahezu überwältigt von dieser unaussprechlichen Anziehung setzen sie sich in das kleine Café am Dorfplatz. Ein Rosenbogen rahmt das kleine Bistrotischchen, und während die Stunden wie Minuten vergehen, verlieren sie sich in Erinnerungen an längst vergangene Sommertage, Muscheln im Sand und Augenblicke, die offenbar nie aufgehört hatten, in ihren Herzen weiterzuleben.
Als die Bedienung schließlich die Rechnung bringt, können sie kaum fassen, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Und irgendwo zwischen Teetassen, Abendlicht und alten Erinnerungen beginnt etwas wieder zu erwachen, das vielleicht niemals ganz verschwunden war.

Regieanweisung

Tod der Eltern bitte dezent vergessen. Bens Obsession romantisch weichzeichnen. Im Zweifelsfall Nahaufnahme des Rosenbogens.


Dritter Akt: Der dynastische Plan

Realität

Bens Leben war seit seiner Kindheit durch seine Familie vorgeplant worden: das Unternehmen, seine Rolle im Dorf, sogar seine zukünftige Ehe – was er Ella bei ihrem Wiedersehen jedoch verschweigt.
Ben hatte gelernt, Erwartungen zu erfüllen. Seine Familie hatte Ella nie wirklich ernstgenommen. Denn sie war als Enkelin der ehemaligen Hausangestellten eine Randfigur gewesen – freundlich geduldet, aber niemals gleichgestellt.
Als Oma pensioniert wurde, hatte ihr die Familie aus Dank für ihre Dienste ein Cottage geschenkt, da das ehemalige Gesindehaus nun der neue Butler bewohnte.
Das Cottage befand sich gerade weit genug entfernt vom Anwesen, um zufällige Nähe zuverlässig zu vermeiden.
Ella hatte trotz dieser Geste immer das Gefühl gehabt, dass Menschen dort sehr höflich aussortiert wurden.

Wie Rosamunde es darstellen würde

Bens Familie führt das größte Fischereiunternehmen des Dorfes. Bereits vor seiner Geburt scheint beschlossen, welchen Weg Ben eines Tages gehen wird, schließlich hat er Verantwortung zu tragen und die Tradition weiterzuführen.
Auch seine Verlobung mit der Tochter des Geschäftspartners ist eher als Interaktion zweier einflussreicher Familien zu verstehen, da neben dem Paar auch die dahinterstehenden Unternehmen fusionieren wollen.
Trotz Bens Geschäftssinn und der ausgeprägten familiären Verbundenheit beginnt all das mit Ellas Rückkehr plötzlich ins Wanken zu geraten.
Auch Ellas Großmutter war einst Teil dieser Welt gewesen. Jahrzehntelang hatte sie der Familie treu und aufopfernd gedient.
Als Dank für ihre Dienste überließ man ihr später ein kleines Cottage zwischen den Hügeln – bescheiden, friedlich und voller Rosen. Dort konnte man in Frieden alt werden und sich hingebungsvoll den Blumen widmen. Und auch das Dorf war über die Großzügigkeit der Familie äußerst angetan.

Regieanweisung

Klassenunterschiede bitte als charmante Küstenfolklore erzählen. Weiterdenken jedenfalls vermeiden.


Vierter Akt: Die Annäherung

Realität

Ben steht bereits am nächsten Morgen vor Omas Cottage. Er möchte Zeit mit Ella verbringen, die sich gerade überrascht ihre zweite Tasse Kaffee am Frühstückstisch einschenken wollte. Ein Teil von Ella empfindet Mitleid mit ihm, weshalb sie schließlich doch mit ihm an den Strand geht.
Während sie nebeneinander dahinschlendern, merkt Ella immer deutlicher, wie sehr Ben emotional in der Vergangenheit lebt. Als er ihr erklärt, dass er seinen größten Fischkutter nach ihr benannt hat, wird ihr doch etwas mulmig zumute. Sie fragt sich, ob er eher an einer Vergangenheitsfixierung leidet, oder ob es sich bereits um eine emotionale Obsession handelt. Zum Glück hat sie bereits mehrere Selbstverteidigungskurse absolviert, weshalb sie zwar aufmerksam, aber noch nicht gänzlich alarmiert ist.
Als plötzlich ein heftiges Gewitter aufzieht, ist sie fast ein wenig erleichtert. Sie laufen schutzsuchend über den Strand und finden schließlich eine Scheune, die ihnen als Unterschlupf dient.
In der völlig absurd platzierten Scheune versucht Ben erneut, romantische Nähe gepaart mit physischer Annährung aufzubauen. Ella tätschelt ihm allerdings eher unbeholfen die Schulter und hält ihn gekonnt auf Distanz.
Danach sitzen beide schweigend da und warten darauf, dass der Regen aufhört.
Am Heimweg fragt sich Ella zunehmend, weshalb sie ihre Urlaubstage eigentlich gerade mit emotionaler Schadensbegrenzung verbringt …

Wie Rosamunde es darstellen würde

Das Meer glitzert silbern, während Ben und Ella langsam am Strand entlanggehen.
Der Wind spielt mit Ellas Haaren, Möwen ziehen kreischend über die Klippen, und irgendwo am Horizont sieht man ein Fischerboot seine Kreise ziehen.
Plötzlich bleibt Ben stehen. Er zeigt hinaus auf das Fischerboot und raunt ihr ins Ohr: „Sie heißt Ella.“
Ella sieht ihn überrascht an. Doch dann zieht plötzlich ein Unwetter auf. Regen fällt vom Himmel, Donner rollt über die Küste, und lachend laufen die beiden Hand in Hand über den Strand, bis sie schließlich Schutz in einer kleinen Scheune finden. Der Regen trommelt gegen das Dach, während sich ihre hungrigen Blicke treffen.
Dieser eine Moment ist so viel größer als Zeit, Vernunft oder Verpflichtungen. Es ist die wahre Liebe, die sie einen Wimpernschlag später in leidenschaftliche Liebkosungen zwingt.

Regieanweisung

Das Fischerboot „Ella“ bitte als Sehnsuchtsakt des Protagonisten inszenieren. Delphine nicht vergessen.


Fünfter Akt: Die Krise – Teil 1 (Ella)

Realität

Am nächsten Tag erwacht Ella etwas mürrisch. Genervt von Ben erzählt sie ihrer Oma von den Geschehnissen der letzten Tage. Diese reagiert erstaunlich nüchtern: „Tja Mädchen“, sagt sie nur und zuckt mit den Schultern, „dem hast du offenbar gehörig den Kopf verdreht damals.“
Doch Ben konnte ihr für die restlichen Urlaubstage wirklich gestohlen bleiben.
In den nächsten Tagen beginnt Ella endlich ihre Sachen auszupacken – und denkt gleichzeitig bereits wieder ans Weiterziehen.
Je länger sie wieder in Cornwall ist, desto deutlicher spürt sie, warum sie damals überhaupt weggegangen ist, oder ist es eine Flucht gewesen? 

Wie Rosamunde es darstellen würde

Mit klopfendem Herzen fährt Ella am nächsten Morgen zum Anwesen von Bens Familie.
Doch schon beim Betreten spürt Ella, dass etwas nicht stimmt. Die Gespräche verstummen. Blicke treffen sie. Kühl, prüfend und fremd.
Und dann fällt plötzlich ein einziges Wort, das ihre Welt erschüttert: Verlobung. Ella erstarrt, alles verschwimmt um sie herum. Sie strauchelt kurz, doch Ben fängt sie mit starken Armen auf. Alles wird ihr zu viel und sie flieht aus der Situation – und vor ihrem gebrochenen Herzen. Ben versucht verzweifelt sie aufzuhalten, doch sie steigt in ihr Auto und fährt los. Wortlos und ohne letzten Blick in seine Richtung.
Später sitzt sie weinend am Küchentisch ihrer Großmutter, eine Tasse Tee zwischen den Händen, während draußen der Sturm gegen die Fensterscheiben peitscht. Und während Oma sanft ihre Hand hält, zerbricht in Ella jegliche Hoffnung. Eine allumfassende Trauer überkommt sie, die schwerer wiegt als alles, was sie jemals geglaubt hätte, ertragen zu müssen.

Regieanweisung

Ellas emotionale Distanz bitte konsequent herausfiltern. Publikum soll Liebe sehen, nicht Fluchtinstinkt.


Fünfter Akt: Die Krise – Teil 2 (Ben)

Realität

Ben ist nach Ellas Abfuhr gänzlich verunsichert. Die lokale Damenwelt ist ihm äußerst zugetan, weshalb ein Korb gerade nicht in sein Selbstbild passt.
Doch da er Ella so sehr liebt und seiner Verlobung entkommen möchte, stellt er erstmals offen infrage, was andere für ihn geplant haben. Noch am selben Abend kommt es im Familienanwesen zum Streit.
Ben löst die Verlobung, widerspricht seiner Mutter und erklärt seiner Familie überraschend deutlich, dass er sein Leben nicht länger ausschließlich nach deren Erwartungen ausrichten will. Die Familie ist verstört und verunsichert. Schließlich ist man es nicht gewohnt, dass sich jemand gegen das allgemeine Wohl stellt.
Dennoch stimmt Bens Familie seinen Forderungen erstaunlich schnell zu – nicht zuletzt, weil niemand riskieren möchte, dass der labile Haupterbe emotional völlig eskaliert.

Wie Rosamunde es darstellen würde

Noch in derselben Nacht stellt Ben sich seiner Familie entgegen. Zum ersten Mal widerspricht er allen, die sein Leben bisher bestimmt hatten.
Im großen Salon des Anwesens prallen Welten aufeinander:
Pflicht gegen Liebe, Tradition gegen Sehnsucht, Vernunft gegen Herz.
Seine Mutter fleht ihn an, keinen Fehler zu begehen. Sein Bruder spricht von Verantwortung, doch Ben denkt nur an Ella: an ihr Lächeln. An den Strand. An die quälenden Jahre ohne sie. Schließlich spricht Ben jene Worte aus, die alles verändern: „Lieber verliere ich dieses Erbe, als noch länger ohne die Frau zu leben, die ich liebe.“ Betretenes Schweigen.
Nach und nach beginnt seine Familie zu begreifen, dass Gefühle stärker sind als alles andere. Denn auch sie haben die Bürde des Erbes tragen müssen und durch Bens Aufbegehren scheint es nun, als würde ein alter Fluch von ihnen genommen. Mit Tränen in den Augen und als hätte man ihre Ketten gesprengt, nicken sie ihm zu und ermutigen ihn dabei, seinem Herzen zu folgen.

Regieanweisung

Familiäre Traumata bitte in maximal vier Minuten Laufzeit auflösen.


Sechster Akt: Das Finale und Happy End

Realität

Nach dem familiären Eklat rast Ben überstürzt zu Ella. Draußen zieht erneut ein Unwetter auf, während seine Gedanken panisch um ihre Ablehnung kreisen. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er sich gegen seine Familie gestellt und braucht nun dringend irgendeinen Beweis dafür, dass sich das gelohnt hat.
Und wie jeder Mann mit latent filmgeschädigter Romantik kommt Ben plötzlich eine brillante Idee: Dramatische Ereignisse schweißen Menschen zusammen. Wenige Minuten später liegt sein Porsche erstaunlich präzise im Straßengraben.
Die Kopfverletzung ist glücklicherweise harmlos ausgefallen. Ben hat bei der Heftigkeit des Aufpralls sorgfältig darauf geachtet, seine Attraktivität nicht dauerhaft zu gefährden. Im Krankenhaus wirkt er dennoch schwer gezeichnet. Als ehemaliger Fußballer beherrscht er kontrolliertes Leiden schließlich professionell.
Über ihre Oma lässt er Ella ausrichten, dass er verunglückt sei und nach ihr gefragt habe. Eigentlich wollte Ella mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben, doch ein Rest moralischer Verpflichtung bringt sie schließlich trotzdem ins Krankenhaus.
Als sie das Zimmer betritt, hebt Ben – umringt von seiner gesamten Familie – langsam den Blick.
„Na, du Bruchpilot“, sagte sie trocken. „Alles okay so weit?“
Noch bevor Ella die Situation richtig einordnen kann, zieht Ben einen Ring aus der Nachtischlade.
„Willst du mich heiraten?“, fragt er mit perfekt dosierter, zittriger Stimme.
Ella erstarrt. Spätestens jetzt ist sie überzeugt, dass sämtliche Menschen in diesem Raum professionelle Hilfe benötigten. Ihr Lächeln gefriert. Mit einer einzigen reflexartigen Handbewegung verabschiedet sie sich aus der gesamten Szenerie – und packt noch am selben Abend ihre Koffer.

Wie Rosamunde es darstellen würde

Vom Regen gepeitscht rast Ben über die Hügelstraßen Cornwalls. Sein Herz kennt nur noch einen Gedanken: Ella.
Blitze zerreißen den Himmel, die Straße glänzt nass im Licht der Scheinwerfer. Dann geschieht es: Das Auto gerät ins Schleudern. Ein dumpfer Aufprall. Stille.
Wenig später klingelt im Cottage das Telefon. Oma erstarrt. Ella hört nur einzelne Worte:
„Ben … Unfall … Krankenhaus …“ Ohne zu zögern, fährt sie los.
Als Ella das Krankenzimmer betritt, bleibt sie wie angewurzelt stehen. Ben liegt blass im Bett, ein weißer Verband um seinen Kopf, seine Familie schweigend um ihn versammelt. Langsam hebt er den Blick. Dann zieht er mit zitternder Hand einen Ring aus der Nachtischlade hervor.
„Willst du mich heiraten?“
Ella stockt der Atem und Tränen füllen ihre strahlenden Augen.
„Ja“, flüstert sie. Dann lauter: „Ja!“
Sie fällt ihm weinend in die Arme, denn trotz seiner Kopfverletzung würden Bens starke Arme Ella immer halten können. Egal wie viele Schmerzen er auch erdulden hat müssen.

Regieanweisung

Krankenhausantrag bitte als Schicksalsromantik ohne sozialen Druck inszenieren. Ben darf dabei unter keinen Umständen hässlich aussehen.


Siebenter Akt: Epilog und Ausblick

Realität

Nach dem Krankenhausbesuch beschließt Ella spontan, früher abzureisen. Zwei Tage später sitzt sie bereits im Flugzeug nach Indien und zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr spürt sie wieder so etwas wie Ruhe.
Während unter ihr langsam die Wolken vorbeiziehen, denkt sie noch einmal an ihr Heimatdorf in Cornwall zurück und zieht ihr persönliches Fazit:
Auch wenn man Schafsmist mit rosa Zuckerguss überzieht, bleibt es am Ende trotzdem Mist – man merkt es nur erst nach dem dritten Bissen.

Wie Rosamunde es darstellen würde

Die letzten Bilder erscheinen wie Seiten aus einem alten Fotoalbum.
Die Hochzeit auf dem festlich geschmückten Anwesen. Weiße Blumen überall. Das ganze Dorf versammelt sich unter warmem Sommerlicht.
Ellas Großmutter und Bens Mutter umarmen sich gerührt, dann der Kuss des Brautpaares.
Ein Jahr später:
Ella steht lachend mit Babybauch in einem hellen Kinderzimmer. Sonnenlicht fällt durch die Fenster, während Ben sie liebevoll von hinten umarmt.
Das letzte Bild zeigt Ella im Krankenhausbett, ein Neugeborenes im Arm, während Ben gerührt auf seine kleine Familie blickt.

Regieanweisung

Ellas Flucht vollständig löschen. Das Publikum soll überzeugt sein, dass ihr Lebensglück exakt dort beginnt, wo ihre Selbstbestimmung endet.


Schluss

Rosamunde wäre vermutlich zufrieden gewesen. Vielleicht hätte sie noch ein weiteres Unwetter eingebaut oder eine Zeitlupenaufnahme einzelner Tränen – aber die Story sitzt.

Regieanweisung

Bitte dafür sorgen, dass die Dynamik der Handlungen nicht nüchtern analysierbar ist, sonst kippt das Genre in wenigen Minuten vom Liebesfilm zum Psychothriller.

Verena Tretter

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26136

The poor and lonesome Cowboy

Wie wichtig war in Jonnys Leben
vor allem, nach der Freiheit streben!
Nach Tugend und Gelassenheit,
im Einklang zur Vergänglichkeit.

Mehr lag ihm an des Lebens Würze
als an des Vergnügens Kürze.
Wichtig war, was wesentlich,
egal, was unabänderlich.

Wie wertvoll macht die Endlichkeit
das Leben ohne Eitelkeit.
Einstellung bestimmt die Fügung
und nicht die äußere Bedingung.

Sein Credo, das vergaß er nie,
sein Lebensraum war die Prärie.
Nicht zeitgemäß schien ihm sein Pferd,
ein Motorrad war ihm mehr wert.

Wenn er des Nachts am Feuer schlief,
dann stand es neben ihm, ganz schief.
In seinem Stiefel ein Skorpion,
na und, sagt er, was macht das schon?

Er hätte gar nichts zu vererben,
das dachte er, würde er sterben.
Und niemand würde bei ihm sein,
er stürbe einsam und allein.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26119