Schlagwort-Archiv: hin & weg

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Astronaut

Ich habe mich ausgeklinkt
und treibe durch das schwarze All
mit konstanter Geschwindigkeit.
Ich habe noch Luft für zwei Stunden
und Strom für fünf.

Der Astronaut und die radförmige Raumstation

Der Astronaut und die radförmige Raumstation

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 21062

Die Trödelverkäuferin

Jeden ersten Samstag im Monat sah ich auf der Unteren Brücke die Trödelverkäuferin, wenn ich von meiner Wohnung in die Stadt ging. Ich nahm mir vor, mit ihr ins Gespräch zu kommen, traute mich aber nicht. Als ich mich doch einmal überwand, lud ich sie zu einem Spaziergang ein und sie sagte zu.

Ich hatte eigentlich vor, ihr meine Stammkneipe zu zeigen, doch dummerweise war auf dem Weg dorthin eine Baustelle, sodass wir einen Umweg nehmen mussten.

Wir kamen in eine dunkle Unterführung, in der man nicht bis zum anderen Ende sehen konnte. „Da müssen wir jetzt durch“, sagte sie, „aber keine Angst, ich kenne mich aus, es sind nur einige hundert Meter. Und ein Zug kommt auch nicht, da die Strecke vor einiger Zeit stillgelegt worden ist.“ Ich überwand meine Angst und ging mit ihr. „Lass uns über etwas quatschen, das ist gut gegen die Angst“, empfahl sie.

Also fiel mir ein, dass ich vor sehr langer Zeit, an meinem ersten Schultag, einen Film gesehen hatte, der in der New Yorker U-Bahn spielt. „Das ist ein sehr gutes Thema. Und es passt ja ausgezeichnet zu unserer jetzigen Situation.“ „Als ich diese U-Bahn-Station sah, es war ein Film, glaube ich, aus den späten 1960er oder frühen 1970er Jahren, diese alte, schäbige Haltestelle, zertretene Dosen und alte Zeitungsreste wehte der Windstoß der einfahrenden Züge umher. Menschen stiegen ein, stiegen aus. Fast niemand schien mit dem anderen zu sprechen, geschweige denn, jemandem in die Augen zu sehen. In dieser Situation dachte ich, wie wohl mein letzter Schultag aussehen wird.“ „Und an was dachtest du?“, fragte sie. „Ich konnte mir die Situation schlicht nicht vorstellen, aber es muss etwas Schönes, Befreiendes gewesen sein.“ „Ich konnte ja damals unmöglich so weit in die Zukunft denken.“

„Und heute denkst du an die alte Zeit zurück und kannst dich beim besten Willen nicht mehr zurückversetzen.“ „Genau. Es waren das die Jahre, in denen ich immer nachts vor dem Fernseher hing. Nicht, dass mir einige Filme besonders in Erinnerung geblieben wären. Was würde ich dafür geben, die alte Zeit noch einmal zu erleben. Und sei es nur, um das Fernsehprogramm zu sehen.“ „Und was hast du in der Zwischenzeit erlebt?“ „Das ist mehr oder weniger auf ein paar Gedanken zusammengeschrumpft, also nichts Weltbewegendes.“ „Denk doch mal scharf nach.“

„Ich wollte immer einmal nach Amerika. Am besten in das Amerika der 1960er, 1970er Jahre. Aber das war nur so eine Idee, gemacht habe ich das nie. Ich könnte mich auch nicht erinnern, ob ich einmal irgendein Souvenir oder irgendetwas spezifisch Amerikanisches gekauft habe, wie beispielsweise eine dieser Campbell’s Suppendosen ...  Ach ja, meine Tante fuhr in dieser Zeit für ein, zwei Jahre einen roten Chevrolet Corsica. Das war vielleicht das Amerikanischste, was ich mir damals hätte vorstellen können.“

„Vor einiger Zeit habe ich zwei alte Postkarten aus New York verkauft, aber mir ist Amerika ziemlich egal. Ehrlich gesagt, habe ich an meinem ersten Schultag nicht so weit in die Zukunft gedacht, aber so genau weiß ich das heute nicht mehr. Ich dachte, in vierzehn Jahren sind wir doch schon auf dem Mars oder haben Kontakt aufgenommen, was weiß ich.“  Weiter entgegnete sie: „Mein Interesse für die Raumfahrt begann, und ich habe alles aufgesogen. Star Trek. Star Wars. Aber das verging wieder. Und die Zukunft ist ja dann doch eine andere geworden, nicht wahr?“

Es war jetzt völlig dunkel. Weder konnte ich nach vorne blicken noch nach hinten oder zur Seite. Da die Trödelverkäuferin immer wieder verstummte, kam es mir vor, dass ich die ganze Zeit mit Monologen beschäftigt war und ich mich so vergewisserte, noch nicht tot zu sein. Jede Pause in meinen Worten kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich fragte sie mehrmals, ob sie diese Situation nicht gruselig fände, doch sie antwortete nicht. Auch der Tunnel schien sich verlängert zu haben, denn innerlich schien die Zeit, die wir drinnen verbrachten, auf mehrere Stunden angewachsen zu sein.

„Warum verkaufst du eigentlich alte Spielsachen und Ansichtskarten. Waren es deine eigenen?“
„Ein zwei Stücke sind von mir, den Rest verkaufe ich nur so. Welches die beiden Sachen von mir sind, verrate ich nicht.“

Mit einem Schlag wurde es wieder hell. Zuerst fühlte ich mich vom gleißenden Licht geblendet. Wir hatten das Ende des Tunnels erreicht, und ich fand es fast schon etwas bedauerlich, dass die gruselige Atmosphäre im Dunkeln vorbei war. Dennoch empfand ich Erleichterung. Meiner Gesprächspartnerin war nichts anzumerken. Kein Grusel, kein Gefühl der Befremdung. Und doch fiel mir nach genauerem Hinsehen etwas auf: Die Trödelverkäuferin hatte nun plötzlich ein anderes T-Shirt in Batikoptik an, dessen Saum sie in ihre Hose gesteckt hatte, und am Ausgang des Tunnels stand das Schild „New York Central Park“.

Michael Bauer

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 21055

Der stille Herr

Der Herr hatte stets wenig gesprochen.
Aber jetzt wurde er immer stiller,
bis er schließlich verstummte.

Er und der Sessel, auf dem er saß,
bewegten sich stetig weiter nach hinten
und verschwanden dann aus dem Blick.

Enten, Möwen und ein Blässhuhn im Jänner 2021 auf dem Wörthersee und Möwen über dem Wörthersee

Enten, Möwen und ein Blässhuhn im Jänner 2021 auf dem Wörthersee und Möwen über dem Wörthersee

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 21042

Fährten

Den Blick hielt er nach unten gerichtet. Schneefall von schräg vorne machte dies notwendig. Mütze und Kapuze tief ins Gesicht gezogen, der Schal doppelt gewunden, um dicht abzuschließen gegen die nachmittäglichen Unbilden der Witterung. Beim steilen Anstieg in den Wald versuchte er, die Spuren der Tiere zu erkennen, die den Weg kreuzten, in rechtem oder spitzem Winkel, oder derjenigen, die den stark begangenen Weg der Dorfbewohner zu ihrem eigenen Pfad machten und ihre Tritte parallel zu ihnen setzten, zeitversetzt, versteht sich.
Die Parallelität lässt sich natürlich bei Hunden erklären, deren kräftige Krallen gut sichtbar. Im Umkreis der Gehöfte Katzentatzen ohne sichtbare Krallen.
Die Fährten erzählen kleine Geschichten.
Das Fehlen von Fuchsspuren leider auch.

Und natürlich die Spuren, die die Menschen hinterlassen, ihre Schuh- und Stiefelabdrücke, tiefe Stollen in den Gummisohlen mit Mustern, mit Kreuzen, Rauten, Streifen, Punkten, Sternen, Pfeilen, Dreiecken, Quadraten. Eindrücke von Schneeschuhen, die vieles unter sich lassen, Schnee und die Zeichen der Vorgänger.
Womit sonst sollte man sich befassen, wenn der Blick gesenkt ist?
Er musste lächeln, als er glaubte, in einem der Abdrücke den von Paula erkennen zu können, mit der er gemeinsam am Vortag auch hier entlanggegangen war, ein kleiner Kreis, der einen größeren schneidet und eine Schnittmenge Schnee bildet oder Matsch, je nach Beschaffenheit des Untergrundes.

Weiters jede Menge Pferdehufspuren, der Reiterhof lag in der Nähe. Und Pferdeäpfel. Waren es jene der viel zitierten zehn Pferde, die Paula heute nicht zum Mitgehen bewegen hatten können? Das Wetter zu widrig, Schneefall, Schneesturm, ein Wetterumschwung auf wärmere Temperaturen, das merke man beim Gehen, der Schnee ein wenig wässriger als gestern noch. Wahrlich kein Pulverschnee, der ihm nun beinahe waagrecht entgegenkam, sondern Eiskristalle, scharfe Eiskörnchen, die seinem Gesicht eine unverdiente Abreibung verpassten.
Kein Wunder, dass Paula heute ihr Zuhause vorgezogen hatte.

Er besah sich eine Mäusespur, die wie in einem Nähschnittmuster in Bögen und Zickzack von einer Seite des Waldes in die andere übersetzte. Gehäuft zu sehen waren die Doppelhufe der Rehe, vereinzelt die markanten Hasenspuren, manchmal mit charakteristischem Richtungswechsel. Der Schneesturm würde alle Spuren bald verwehen. Und hier – er musste blinzeln und sich hinunterbücken, um seinen Eindruck zu verifizieren – war ein kleiner hellroter Blutfleck im Schnee, frisches Blut!?
Er sollte sich sputen, die Dämmerung setzte bereits ein, aber die Blutflecken wiederholten sich in regelmäßigen Abständen, er glaubte, sie inmitten von Pferdehufabdrücken orten zu können, war sich da aber nicht ganz sicher. Die Sicht wurde immer schlechter. Vermutlich hatte ein Pferd eine Verletzung, auf die er aufmerksam machen sollte, damit sie nicht unentdeckt blieb. Es war wohl anzunehmen, dass der Ritt den Reiterhof zum Ziel hatte und der lag ohnedies auf seinem Weg. Also folgte er der Spur, obwohl der Schneesturm an Vehemenz zugenommen hatte und ihm inzwischen beinahe die Sicht nahm.

Auch das Atmen fiel schwer, der Wind drückte ihm die Luft ab. Noch war er nach seiner Erkrankung nicht in bester körperlicher Verfassung. Aber er fühlte sich kraftvoll genug und die Leistungsfähigkeit wollte schließlich trainiert werden, rüstig sein, so nannte man das bei Menschen seines Alters, nichts anderes wollte er von sich erwarten. Damals hatte er erst unter Atemnot und hustend zu seinem Arzt und dann zu den vermummten Sanitätern gesagt, dass ihn nichts und niemand …, doch als seine Frau ihn leise bat, gab er klein bei und sich in die Hände der Mediziner. Schon nach eineinhalb Wochen konnte er das Spital wieder verlassen und galt als gesund, mehr oder minder. Wie viel Glück kann man haben?! Und dann noch viel mehr davon: Die Krankheit war bei Paula nur mit leichten Symptomen verlaufen!

Dem Tag ging die Kraft aus, nicht so dem Sturm. Die Dunkelheit sickerte rasch in den Wald, füllte, was das Flockengeschwader übrig ließ, verdichtete jegliche Zwischenräume, undurchdringlich und fremd schien ihm der Wald. Einzig der Schnee am Boden erlaubte es, den Weg zu erahnen. Behäbig und schwerfällig fühlte er sich, sein Puls ging schneller. Er kam nur langsam voran, längst war nicht mehr daran zu denken, die Blutspur ausmachen zu können, nicht einmal die Hufabdrücke waren sichtbar. War er überhaupt noch auf dem Waldweg, ebendieser vermeintliche wand sich im Zickzack zwischen den Bäumen durch, ein Hasensteig eher. Da kam er auch noch zu Fall und kurz wurde ihm schwarz vor Augen, doch war er unverletzt. Paula hatte immer gemahnt, viele Stiegen zu steigen würde jene Muskeln trainieren, die man brauchte, um nach einem Sturz ohne Hilfe wieder aufstehen zu können, und so gelang es ihm mit Mühe und unter Zuhilfenahme seiner Wanderstöcke, sich wieder aufzurichten und weiterzugehen, Stapfen auf klägliche Weise.

Ein Stapfen ins Ungewisse, denn der Wind kam längst aus einer anderen Richtung. Er bekam es mit der Angst zu tun, hätte er doch längst den Pferdehof erreicht haben müssen. Im Sog der dichten Schneeflocken verließ ihn langsam die Zuversicht. Als sich endlich nach banger Zeit der Wald öffnete und er auf eine Lichtung gelangte, die ihrer Bezeichnung in dieser Finsternis nicht gerecht wurde, atmete er auf und wusste, dass er sich zwar verirrt hatte, sein Leichtsinn aber ohne Folgen bleiben würde. Die Straße war in der Ferne sichtbar, er würde ihr nur folgen müssen, um heim zu Paula zu kommen.

Michaela Swoboda

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 21031

 

 

Materie

Materie geht nicht verloren, sie wandelt sich nur um.
Am Ende ist das Rauschen.
Ich bin ein flackender Bildpunkt.
Ich verlasse das Dunkel und gehe ins Licht.

Heiligenfiguren an der Wand der Pfarrkirche Maria im Dorn zu Beginn der Allerseelennacht 2020 in Feldkirchen

Heiligenfiguren an der Wand der Pfarrkirche Maria im Dorn zu Beginn der Allerseelennacht 2020 in Feldkirchen

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 21008

Deine Exfirma

Du bist arbeitslos geworden. Hast deine persönlichen Sachen aus dem Büro entfernen und den Schlüssel abgeben müssen. Dein Vorgesetzter hat sogar die Rezeptionistin angewiesen, ihn sofort zu benachrichtigen, solltest du die Firma betreten. Und die Kollegen haben dir hämisch nachgegrinst.

Brutal, nicht? Wieso? Das ist Marktwirtschaft. Du hast gut verdient, und hast du nicht noch mehr verdient, war es dein Fehler, dann hast du dich zu schlecht verkauft. Du hast dich bewusst dazu entschlossen, einen Schleudersitzjob auszuüben. Es ist halt immer auch eine Wette: Bist du gut im Job, wozu natürlich auch Glück gehört, kannst du hoch steigen. Scheiterst du, wirst du mit Schimpf und Schande aus der Firma gejagt.

Und jetzt, wo dies geschehen ist, verfluche am besten die ganze Belegschaft deiner nun Exfirma: „Typhus, die Pest und Hämorrhoiden sollen über euch kommen! Ich wünsche euch alles Schlechte! Satanas wird die Hölle verlassen und euch aufsuchen. Lacht nur, bevor das Weinen und Schreien kein Ende nehmen wird!“

Man muss seinem Ärger schließlich auch Luft machen, nicht?

Die kugelförmige orange Tischlampe und das lilafarbene NO W! in der Nacht

Die kugelförmige orange Tischlampe und das lilafarbene NO W! in der Nacht

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 21006

(Meine) Sonne

Sie bemerkte heute, dass der Wind manchmal sehr wie das Meer klingt.
Das Wetter war willkürlich gewesen in letzter Zeit. Samstags noch war sie bis zur Hüfte in der Donau gestanden und hatte befürchtet, dass sie sich wohl einen Sonnenbrand zuziehen würde. Heute waren beinahe den ganzen Tag lang sämtliche Lichter in der Wohnung aufgedreht. Der Himmel war vollständig von schweren, dunklen Wolken bedeckt gewesen. Es schien ihr, als hätte der Himmel am Tag zuvor seine ganze Energie verbraucht. Als sei der Himmel so müde wie sie. Wolle wie sie bloß schlafen, schreien und loslassen. Und wie der Himmel schrie.

Ihr fiel auf, wie dunkel es war. Sie sah aus dem Fenster hinaus und fragte sich, ob es zu regnen beginnen würde. Im nächsten Moment antwortete der Himmel. Donnerte die Antwort laut und nass gegen die Fensterscheibe.
Die Sonne war nie hinter den Wolken hervorgekommen, doch kam sie zu ihr nach Hause. Zuerst mit Brille, durch die sie braune Augen anlächelten, frischem Haarschnitt und Jeansjacke. Dann mit elfengleich blondem Haar, einem hellblauen Blazer und allen Möbeln, die noch nicht nach Wien gezogen waren.
Sie sah zu, wie die Wohnung, die sie ihr Zuhause nennt, aufwachte und zu leben begann. Sie horchte und roch. Jeder Raum fand seinen Nutzen.

Ihr Fenster stand offen. Warme, feuchte Luft strömte in ihr Zimmer. Es roch süßlich. Ein Nachklang der Zigarette, die sie Stunden zuvor geraucht hatte. Sie trat ein, ignorierte gekonnt die Unordnung, die sich darin breitgemacht hatte. Ohne Sonne war es ihr schwergefallen, Licht auf sich selbst und ihre Umwelt fallen zu lassen. So hatte sie ihr Zimmer, solange es nur ein Raum, solange die Wohnung nur das, aber kein Zuhause war, und das Chaos darin weit möglichst gemieden. Sie betrat es nur, um ihr Feuerzeug zu holen. Als sie es verließ, hielt sie jedoch im Türrahmen inne.
Ihre Sonne kam auf sie zu. Sie sah zu ihr hin, sagte ihr, dass sie bei ihr stehen und ihre Augen schließen solle.

„Hörst du den Wind? Er klingt wie das Meer.“ Sie legte ihre Hand auf den Kopf ihrer Sonne, spürte die Wärme, die endlich durch ihren Körper floss.
Sie hörte das Meer vor ihrem Zimmer, sah den großen Baum vor ihrem inneren Auge. Wie er sich den Wogen der Luft hingab und seine Blätter tanzten. Als sie ihre Augen öffnete, wurde sie angestrahlt. Nicht von einem sterbenden Stern, sondern dem Leben selbst.
Sie holte eine Zigarette und folgte ihrer Sonne in die Nacht.

Emma Kreska

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 20125

Die Welle

Die Welle kommt.
Sie bäumt sich auf,
hundert Meter hoch,
und sie wird noch höher werden,
da das Meer seicht ist vor dem Strand.

Also: Lauf!
Lass alles liegen und stehen
und lauf, so schnell du kannst!
Nimm nur deine Kinder mit
und deine Frau, wenn du mit ihr glücklich bist.

Der Traum vom Meer

Der Traum vom Meer

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 21003

Vanikoro

Die Seiten zeigen eine Insel.
Dabei ist eine Karte.
Vanikoro.
Fünfundzwanzig Namen für Wind gibt es hier
und vermutlich ebenso viele für die Strömungen im Meer.
Wo die Sicht zu Ende ist, ist es auch die Welt.

Das bunte Windrad auf dem Holzgebäude im Wind

Das bunte Windrad auf dem Holzgebäude im Wind

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 20102

Online

Hier kenne ich keinen
auf der Straße auch nicht
das hier ist ein anonymes Online-Portal
Leben
Byte für Byte
ein Tollhaus an Gedanken
Schrift fließt über den Bildschirm
Viele suchen nach Liebe
mehr Fehlschläge
als Glückstreffer,
Trolle lachen vor ihren Geräten
während sie weiter Öl ins Feuer gießen
dazu bekommen sie Gesellschaft von Spammern,
Selbsthilfegruppen
Hobbypsychologen
retten Leute aus brennenden Häusern,
Was so manch einer nie ausspricht
findet man hier
Roh
Kein Schnitt
Brutal
In primitiver Form ohne Hemmung
so beschreibt er, was sein Reptiliengehirn spricht

Herunterfahren
meine Augen sind verstrahlt,
Zurück zur Straße
nur Bewegungen
eine ruhige Welt
Der Spielplatz ist verschwunden

Florian Pfeffer

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 20075