Die Motte

Ich bin eine fröhliche Motte
und trag den schönen Namen Lotte.
Ich tanz für euch so gern im Licht,
doch darauf seid ihr nicht erpicht.

Im Gegenteil: Ich bin leicht, sogar sehr,
doch ihr macht mir das Leben schwer.
Seht ihr mich, tut ihr die Fäuste ballen
und jagt mich, stellt gemeine Fallen.

Sagt mir, was genau kann ich dafür,
dass ich herumflieg als Mottentier?
Wir haben dieselben Interessen,
vor allem wenn es geht ums Essen.

Ich lieb, wir ihr, Müsli, Nüsse, Mehl,
doch tauch ich auf, schaut ihr nur scheel.
Dabei ist genug für alle da,
für mich und meine Kinderschar.

Habt Dank nun fürs andächtige Lauschen,
meine Schwestern haben, während wir plauschten,
in Ruhe verschmaust euren Proviant.
Was sagt ihr jetzt? Ist doch allerhand!

Bernd Watzka
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aus: Wenn Wale weinen, Post-anthropozentrische Tiergedichte, 2022

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 22126

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