Der unverstandene Mann

Provokante Einsichten

 

Beispiel für den geschlechtsspezifischen Zeitbegriff

Sonntagmittags: An schönen warmen Tagen wie heute fährt die Familie gerne in den Garten am Stadtrand. Das Kind hat sich nach dem Essen in sein Zimmer zurückgezogen, der Mann hilft den Tisch abräumen und fragt zwischendurch die Gattin: „Wann fahren wir raus?“ Darauf die Hausfrau gereizt: „Was glaubst denn? Ich muss noch die Küche saubermachen, das Geschirr einräumen und dann muss ich mir noch die Haare machen und ein paar Minuten ausrasten! Du wirst es erwarten, hetz mich nicht dauernd!“

Worauf der Mann – tief ausatmend – die Arena verlässt, missverstanden wie immer. Er wollte doch nur eine Zeitangabe. Bei „In einer Viertelstunde“ hätte er schon einige Sachen ins Auto getragen, bei „In einer halben Stunde“ wäre er noch zum Tanken gefahren und hätte das Auto waschen lassen, und bei „In einer Stunde“ wäre sich sogar noch ein Mittagsschlaferl ausgegangen.

 

Sachliche Sichtweise

Ein Mann hat ein schmerzendes Hühnerauge auf der kleinen Zehe des rechten Fußes. Nach etlichen Wochen des Salben-Schmierens und diverser abendlicher Fußbäder geht er heute zum Arzt, um den Quälgeist operativ entfernen zu lassen. Der Mann tut, was in solchen Angelegenheiten zu tun ist, er setzt sich in Unterkleidung an den Rand der Badewanne und wäscht sich mit Seife und Bürste gründlich den rechten Fuß. Bis hier ist (für einen Mann) alles klar und richtig! Weshalb er den zurechtweisenden Ton der hinzukommenden Gattin: „Na, dass d’ halt net z’viel Wasser auf d’ Haut kriegst. Also wirklich, man geht doch wenigstens Duschen, vor man zu an Dokter geht!“ als sowohl unnötig wie auch komplett unverständlich empfindet. Der rechte Fuß wird operiert und daher vorher gründlich gereinigt – was ist da falsch daran?

 

Arbeit

Ein Mann arbeitet am liebsten (bzw. seiner Natur nach) blockweise und mit Termin und Ziel: Das und jenes ist dann und dann von bis zu tun (oder bis es halt fertig ist). Das ist seit Urzeiten so: Es wird mit Mut, Geschicklichkeit, Ausdauer und Kraft, oft auch unter Gefahr, eine Leistung vollbracht, das Mammut oder die Wildsau erlegt und ins Lager geschafft; aber dann will sich der Mann am Feuer ausstrecken und bald was zu essen bekommen!!! Das ist seine Natur, das liegt in seinen Genen, und das ist gut so!

Eine Frau wischt und kratzt und zupft den ganzen Tag herum, sie arbeitet immer dann, wenn sie meint, dass dies und jenes noch getan werden muss, aber immer punktuell, und dann ist noch das zu tun und da wäre es ganz hübsch, wenn dies oder jenes auch gleich passierte und … und … und. Der nach seiner Schwerarbeit ruhende Mann wird dabei immer öfter durch strafende Seitenblicke gestört, weil er so faul herumsitzt und nicht daran denkt, unaufgefordert mitzuarbeiten, wo doch die Frau den ganzen Tag immer zu tun hat und … und … und!

Es hat da in den Siebzigerjahren einen Film „Der Babutz“ gegeben, wo in einer Wohngemeinschaft Männer und Frauen die Rollen getauscht haben: Die vier Frauen gingen arbeiten, die Männer machten den Haushalt und rationalisierten mit männlicher Logik diese „Frauenarbeit“ dermaßen, dass nur eine einzige Stunde Arbeit pro Tag der drei Männer ausreichte, um einen perfekten Ablauf zu garantieren. Zum Beispiel: Die guten drei Meter Balkonblumen zu gießen beschäftigt eine Frau gerne eine halbe Stunde. Die Männer dachten nach, befestigten einen Klosettspülkasten an der Außenmauer und eine gelochte Dachrinne genau über den Blumen. Täglich um 16 Uhr zog der zuständige Mann am Griff, das Wasser aus der Spülung floss in die Dachrinne und die Blumen waren in 10 Sekunden gewässert. Erst der neu dazugekommene Schwiegersohn machte Schwierigkeiten, weil er auch arbeiten ging und der berufstätigen Frau nach altem Muster den Haushalt überließ. Das ging nicht gut und brachte so lange Sand ins Getriebe der Hausgemeinschaft, bis er sich letzten Endes in die neue Rolle fügte und alles wieder wie geschmiert lief!

 

Essen

Was haben die meisten Männer am liebsten? Einfaches, kräftiges Essen wie zum Beispiel Rindsuppe mit Leberknödel, Kalbsgulasch mit Nockerl, Braten vom Rind oder Schwein mit Semmelknödel, Faschiertes mit Erdäpfelsalat, Selchfleisch mit Erdäpfelpüree, deftige Bohnensuppe mit Speck; zum Gabelfrühstück auch Käsekrainer, Waldviertler mit Senf oder eine Leberkäsesemmel. Fallweise mittags einmal ein Kaiserschmarrn mit Kompott, und an kirchlichen Fasttagen der gebackene Fisch mit gemischtem Salat. Der wird dann – so wie die übrige Nahrung auch – mit kühlem Bier oder G’spritzten hinuntergespült, denn ein Fisch muss schwimmen!

Ist Ihnen aufgefallen, dass ein richtiger Mann jahrelang fast gänzlich ohne Vitamine leben kann? Weshalb er den „gesunden“ Nahrungsmitteln mit gesundem Misstrauen begegnet. Eine Vitaminvergiftung, hervorgerufen durch viel Grünzeug und Salate, ist eine ernste Sache und schädigt insbesondere die Psyche. Immer diese kalten, nassen, sauren Sachen wie Salate! Es ist aber nicht so, dass diese Zuspeise generell abgelehnt würde, nein, da sind Kompromisse möglich: Über Rindfleischsalat, Gurkensalat mit Rahm, Erdäpfelsalat zum Grillkotelett, Käferbohnensalat mit Kernöl und sommerlichen Wurstsalat kann man durchaus reden!

Auch dass Männer kein Gemüse mögen, ist glatter Unsinn. Eine Rindsuppe ohne Karotte ist unvollständig, desgleichen eine Leberkäsesemmel ohne Gurkerl; das eine Roulade umhüllende Kraut wird gerne gegessen, und gefüllte Paprika mit milder Paradeissoße sind ein Höhepunkt der Sommerküche. Während hingegen ausschließlich grün gefüllte Teller ein grober Verstoß gegen den Tierschutz sind. Den armen Ziegen frisst kein Mann das Futter weg! Nein, das sicher nicht!

 

Umwelt

Wäre diese Erde nur von Männern bewohnt, wir hätten – umweltmäßig – ein fast unberührtes Paradies auf Erden. Weil: Ein Mann will und braucht nur sehr wenig! Vor allem kleidungsmäßig stellt der Mann bescheidene Ansprüche. Er weiß, dass sein Wintermantel mit jedem Jahr angenehmer tragbar ist und dessen Ablaufdatum erst in 10 bis 20 Jahren sein wird. Der grüne Hubertus-Kurzmantel mit schrägen Taschen zum Beispiel ist fürs Auto sehr bequem, man kann in den vier großen Taschen leicht den halben Wocheneinkauf unterbringen, die Innentasche nimmt noch die Tageszeitung auf. Eine fünf, sechs Jahre getragene Hose passt jetzt erst richtig und könnte, wenn sie nicht so oft meuchlings gewaschen würde, noch weitere sieben Jahre halten. Einen Mann erkennt man auf der Straße oder bei der Arbeit schon von weitem an seiner gewohnten Kleidung, die bereits Teil seiner Persönlichkeit geworden ist.

Die männliche Beziehung zu Wasser und sogenannten Körperpflegemitteln kann man getrost als hochgeschätzt und vorsichtig bezeichnen. Nein, das ist kein Gegensatz, im Gegenteil. Männer lieben die warme Dusche. Insbesondere dann, wenn es sich „auszahlt“, wenn der männliche Körper ausreichend verstaubt, eingedreckt und/oder genügend verschwitzt ist. Geradezu mit behaglicher Freude wird dann der männliche Urzustand wieder hergestellt. Wozu Wasser und Seife genügen; gelegentlich – bei starkem Oberflächenbelag – wird auch eine Bürste ins Rennen geschickt. In Gottes Namen und weil man schon im Bad ist, wird auch eine Rasur angehängt. Der nunmehr schmutz- und duftlose Körper kehrt zufrieden in die Wohnräume zurück, wenngleich an hohen Feiertagen oder am Hochzeitstag auch ein verschämter Hauch von Rasierwasser dem Helden voranweht. Oder beim Zubettgehen am Samstagabend.

Aber geradezu als verschwenderisch und verweichlichend wird eine Dusche beim Wegfall der „Notwendigkeit“ empfunden. Diese rituelle Reinigung, wie früher „das Bad am Sonnabend“ bezeichnet und zelebriert wurde, nunmehr täglich inflationär zu entweihen, ist wider die männliche Natur, welche achtsam jede Verschwendung und Umweltschädigung vermeidet. Weshalb diese aufdringlich nach Chemie stinkenden sogenannten „Duschgels“ und Deodorants und sonstigen „Pflegemittel“ weder dem Mann noch der Umwelt zugemutet werden dürfen. Ja natürlich, das Händewaschen vor dem Essen ist genauso Pflicht wie das Zähneputzen am Abend, aber das war’s dann auch schon.

 

Scheißerlzeug

Eine gebräuchliche Redewendung sagt: „Der Mann baut das Haus und die Frau gestaltet es aus!“ Das heißt in der Praxis, sie stopft es gnadenlos bis zum letzten Winkel mit allen möglichen „lieben, hübschen, farbigen, … Sachen (die männliche Bezeichnung dafür ist „Scheißerlzeug“) voll, egal was das kostet und wofür das gut sein soll. Ob und wozu das nötig ist, darf ein Mann ja nicht fragen!!!!!!! Aber Mann braucht das nicht – und die Frau kann ohne das nicht leben! Der männliche Hinweis, dass größere leere Flächen viel einfacher, übersichtlicher und schneller zu entstauben sind, während ein Zimmer mit mehreren Teppichen, Hockern, Bodenvasen, Stehleuchten, Tischchen und ähnlichem den Raum verstellenden Gerät (männlich auch „Graffelwerk“ genannt) kein rationelles Staubsaugen ermöglicht, und dass da immer was umfällt und im Weg ist, wird mit der weiblichen Zurechtweisung „na da passt man halt auf“ ungnädig-unsachlich abgewürgt.

 

Conclusio

Mit einem Mann ist sehr gut auszukommen, wenn man ihn
a: ausreichend und artgerecht füttert
b: ausreichend in Ruhe lässt
c: oft genug um seine Meinung frägt
und d: diese Ratschläge auch großteils befolgt.

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt| Inventarnummer: 21047

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