Von der Last der Farbe befreit

Und manchmal stört es einen, von der Überfülle der nackten Blickeswahrnehmung vor einem überfallen zu werden - gesegnet die Kurzsichtigen, die mit Abnahme der Brille die Welt in eine Verschwommenheit zu tauchen vermögen, um sie klarer, umfassender, einnehmender aufnehmen zu können.

Und ähnlich verhält es sich mit der Farbe, manchmal vermeint man sie aus dem Blickfeld vor einem mit einem Putzlappen wegwischen zu müssen, um im kalten Schwarzweiß an das Dahinter des Gesehenen zu gelangen, an die wahren Formen, Strukturen, an ihr wahres Skelett; und dabei sie herauszuschneiden aus jeglichem Zusammenhang, aus erlebter Zeit und aufgefundenem Ort, aus dem wahrgenommenen Ich.

Auf dass diese Bilder ihren eigenen Bann entfalten, ihren eigenen Ausdruck entfesseln, sich nackt der Betrachtung, der Einwirksamkeit stellen, auf dass in uns Geschichten, Märchen und Erinnerungen sich erzählen zu beginnen - und uns entführen in die Zeitlosigkeit des Augenblicks …

Harald Schoder
derewigreisende.net

www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau’n | Inventarnummer: 17166

 

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