Etwas Fell

Als ich des Nachts erwachte
Da lag ein Wesen neben mir
Ich hörte, wie es lachte
Das war so zwischen drei und vier

Es wirkt’ im Fell gepfleget
Und kicherte so vor sich hin
Die Löffel angeleget
Eindeutig, dacht’ ich, ein Kanin!

War’s eins, das ritt’ und schatzte?
Voll Frieden lag’s an meiner Seit’
Manchmal, dass es sich kratzte
So lag auch ich – die längste Zeit

Besah’s und da erfasste
Mich ein Gefühl der Dankbarkeit
Dies wusst’ nicht, wie man hasste
Kanin, doch nicht gewaltbereit

Ich staunte ganz gewaltig:
Vor mir entbrannte Feuer
Die Lohe menschgestaltig
Zwar Frau, doch nicht geheuer

Und Schreck durchfuhr die Glieder
Die Frau da, sie erwachte!
Sie öffnete die Lider
Gleich drauf, dass sie hell lachte

„Du lachst?“, hört’ ich mich raunen
Sie lächelt’ darauf ganz entspannt:
„Zum Lachen ist dein Staunen!
Hast du mich denn nicht erkannt?“

Sie kraulte meinen Barte
Ich zitterte vor Rührung
Da übernahm sie zarte
In der Erkenntnis Führung

„Du bist’s!“, rief ich beglücket
In des Begreifens Höhe
„Ich glaubt’, ich sei verrücket
– Du kennst ja meine Flöhe!“

„Mich wundert dein Gesichte
Mein allerliebster Tor!
Die Nacht hat wenig Lichte
Da kommt sowas schon mal vor!“

Ich schlief drauf ohne Sorgen
Die Nacht, wie sie doch Streiche spielt
Wie hätt sie sich verborgen
Die ich doch grad in Armen hielt

Später, sie war gegangen
Es war schon Tag und auch ganz hell
Das Bett hing über Stangen
Ich hielt in Händen – etwas Fell!

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

Für jene, die sich vielleicht gefragt haben, was ein Kanin ist ... Das Kanin hier zum Nachlesen.

www.verdichtet.at | Kategorie: fantastiques | Inventarnummer: 20087

 

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