Das Rote Meer

An jenem Samstagnachmittag
Oder war‘s Abend, es leuchtete sehr
Die Sonne auf unsren Uferplatz
Da stießt du mich mit einem Satz
Direkt ins Rote Meer
Und das gibt, wen es hat, nicht mehr her

Da wäre noch ein anderer
Und du dächtest nicht, dich zu teilen
Das war dein Satz und dann stand‘st du da
Und begannst dich sehr zu beeilen

Auch ich hatt‘ es plötzlich eilig
Denn mein Spiel, dass ich jener andre sei
Das war mir ja immer noch heilig
Und darum wollt‘ ich vor dir nicht weinen
Und so ganz nebenbei
Fürchtete ich, dass mit den Beinen
Etwas nicht in Ordnung sei

Doch, sie folgten die Beine
Waren es die, die ich kannte?
Ich rannte bis zum nächsten Licht
Doch egal, wie lang ich rannte
Meine Beine schmerzten mich nicht

Und lief und rannte bis heute
Etwas gefühlt hab ich seither nie
Ich grüßte und verabschiedete Leute
Dann und wann gab es auch eine Sie
Traurig war‘s, als Großmutter starb
Und schlimm steht‘s um die Welt
Doch ist seither bei mir irgendetwas abgestellt

Es fehlt die Selbstverständlichkeit zu leben
Die Gedankenlosigkeit
Die räumliche Verlässlichkeit
Zwar lebe ich, doch ist bei mir – alles etwas daneben
Wie ohne Brille in einem Film in 3D
Das ist nicht so schlimm
Es tut einfach nichts weh

So ist das mit dem Roten Meer
Das gibt, wen es hat, nicht mehr her.

Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/

www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 15135

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