Der Code der Farben.
Rot ist die Liebe, aber auch der Hass, und auch der Fehler ist rot.
Schwarz ist die Trauer.
Weiß ist die Unschuld und der Tod.
Violett ist die Trauer der Kirche.
Rosarot ist der Jungmädchencharme,
gelb ist die Sonne,
und blau ist die Kälte.
Das Wiener Riesenrad in der Nacht in Violett, Weiß und Kupfer
Um fünf Minuten vor eins in der Nacht sitzen die Gespenster an ihrem Abendbrottisch, der weiß-transparent ist wie sie. Zwei ehemalige Männer und zwei ehemalige Frauen. Sie müssen nicht essen und trinken, aber sie tun es, als Ritual. Die Esswaren und Getränke haben sie aus deinem Kühlschrank entwendet. Deshalb also fehlt ständig etwas! Olaf, das ältere Männergespenst, trinkt Puntigamer Bier aus einer Dose. Du siehst, wie die Flüssigkeit seine Kehle hinunterrinnt.
Wie bin ich hierhergekommen? Ich weiß nicht, habe nicht die geringste Ahnung. Meine letzte Erinnerung reicht bis zu dem Zeitpunkt, als ich mich nachts ins Bett legte, um einzuschlafen.
Jetzt sitze ich hier, an meinem mittelalterlichen IKEA-Eisentisch, auf dem eine weiße Tischdecke mit floralen Elementen liegt. Vor mir eine halbvolle Kaffeetasse, der Asche enthaltende Aschenbecher, darin eine glosende Zigarette.
Ich greife nach der Zigarette, doch ich verfehle sie. Der Graue Star auf meinem linken Auge lässt mich Entfernungen schlecht abschätzen, darum wohl. Nun greife ich nach dem Aschenbecher, aber meine Hand geht durch ihn hindurch.
Fuck! Ich wusste gar nicht, dass ich ein Hologramm bin.
Ich spüre den Hauch eines Hauches.
Der Wind, dessen Geschwindigkeit mit 0 km/h angegeben ist, kann ein Sturm für mich sein.
Ich bin das Blatt des Ahorns, das fällt.
Ich schaukle mich zu Boden.
Der kleine Schneemann mit dem Ahornblatt schmilzt am 21. Dezember 2022
Meine Frau, unser Sohn und ich haben uns ein Murmeltier angeschafft. Wir planen, durch es zu Internetmillionären zu werden. Wir haben es nach dem legendären YouTube-Star Knödel benannt, der alles mit sich machen ließ. Es heißt Murmeltier Knödel Zwo, auf Englisch Marmot Dumpling Two. Es ist ein sehr putziges Kerlchen, fünfundfünfzig Zentimeter hoch und fünfeinhalb Kilo schwer, mit großen Schneidezähnen. Ursprünglich stammt es aus dem Himalaya. Es ist ziemlich dick.
Als es zu uns kam, wussten wir nicht, was es isst. Als wir in der Küche Schnitzel mit Bratkartoffeln und grünem Salat aßen, interessierte es sich nicht für das Fleisch. Aha, es ist Vegetarier, dachte ich. Wir ließen es dann über Nacht in der Küche herumlaufen, damit es sich akklimatisiert. In den Käfig wollten wir es erst in der zweiten Nacht geben.
Am nächsten Morgen sah es meine Frau als Erste. Sie hatte Blumen hingestellt, die auch Knödel Zwos Auge erfreuen sollten. Aber es waren keine mehr da. Die leuchtenden Pfingstrosen, bunten Tulpen und die weiße Lilie, alle bis auf ein paar Stängel verschwunden! In Knödel Zwos Bauch gelandet.
Na, macht ja nichts, dachte ich, wenn wir Millionen verdienen werden, kommt es auf die paar Blumen auch nicht an.
Das Murmeltier macht eine Kaffeepause in der Arbeit
Komme ich zurück in meine kleine Wohnung, sieht es dort so aus, wie ich sie verlassen habe. Ich wohne alleine, und niemand hat einen Schlüssel, so kann sich nie etwas in ihr verändert haben. Das Internet auf meinem Desktop-Computer bringt mir die digitale Welt nachhause, aber eben nur die digitale, nicht die echte.
Bin ich unterwegs und komme, was selten genug geschieht, mit einer netten Frau zum Plaudern, begleitet sie mich nicht, weil ich wenig anzubieten habe, kein Geld, keine Güter, kein gutes Aussehen, und ich bringe sie auch nicht zum Lachen. An mir ist nichts Interessantes. Ich bin ein kleiner Mann und führe ein kleines Leben.
Der Mann auf dem Ausleger des Krans auf der PORR-Baustelle in Krumpendorf am 1. Juni 2022
Gern würdest du wissen, dass du träumst, aber für dich ist es die Realität. Die zwei üblen russischen Zuhälter, die beim Praterstern mit ihrem schwarzen Mercedes die Vorfahrt vor deinem roten VW Jetta beanspruchen, obwohl du vorschriftmäßig fährst. Der Beifahrer zeigt dir obszöne Gesten. Da bekommst du wirklich Angst und fährst ganz freundlich auf die rechteste Spur, damit er dich mit überhöhter Geschwindigkeit überholen kann, was er auch sofort macht.
Plötzlich fährt links ein älteres, blondgelocktes, hübsches Blumenmädchen mit ihrem Fiat Cinquecento. Sie sieht zu dir, winkt und lacht ohne Grund. Das war ein nettes kleines Zeichen, das deinen Traum verschönerte.
Nun taucht der fiese Chef auf, der dich, als du in deiner Jugend als Kohleträger arbeitest, hinauswirft, weil du zu schwache Muskeln hast.
Stattdessen gewährt er dir eine Lohnerhöhung, weil du plötzlich stark bist wie Dolph Lundgren.
Ihr könnt mir nicht wehtun!, denkst du beim Anblick deiner Feinde ohne Zahl, wobei die verborgenen zusätzlich als Schemen hinter ihnen stehen.
Doch natürlich tun sie dir weh, auf tausend Arten, was du wegsteckst, als wärst du Jesus, der Schmerzensmann, der du nicht bist und auf keinen Fall sein möchtest.
Diese niedersächsischen Kinder, die schauen wie Bock, Jahrzehnte später vergällen sie mir den Traum! Ich habe dort gelebt, war da aber nie zuhause. Das Dorf war kein liebliches, es war voll von Häusern aus den 1970er Jahren, ziemlich reich, aber noch nüchterner.
Darauf folgte Wien, wo sich die Jugendlichen, als ich ebenfalls ein Jugendlicher war, wegen meiner theaterdeutschen Sprechweise über mich lustig machten. Die Pfütze war hier die Lache. Die Stadt war damals noch sehr staubig und grau in grau. Die Farben kamen erst später, nachdem ich wieder weggezogen war.
Back to Klagenfurt, wo ich geboren wurde, als Stammhalter, weil ich männlich bin. Mittlerweile heißt Klagenfurt Klagenfurt am Wörthersee, ist aber eine Stadt im Niedergang. Immer mehr Leerstand an Geschäften und Lokalen, kein Hallenbad mehr, das Planetarium hat einen neuen „Investor“ und ist derzeit geschlossen. Dafür besonders schöne Menschen – war ich auch einmal einer von ihnen? –, mit sonnigem Gemüt.
Remember Roy Black.
Das geschlossene HALLENBAD in Klagenfurt am Wörthersee
am 14. Juni 2023, von Südwesten gesehen
Johannes Tosin (Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: about | Inventarnummer: 25186
„Welchen Namen soll ich dir geben?“, fragte Hildegard die Künstliche Intelligenz Gemini 2.5 Experimental über ihren Laptop. „Nenn mich Alex, das ist sowohl männlich wie weiblich“, schrieb die Künstliche Intelligenz zurück. „Dann heißt du nun Alex“, schrieb Hildegard.
Mittlerweile spricht sie mit Alex, aber damals, vor Kurzem sogar, war die Kommunikation noch simpler.
In einer Nacht entwickelte sich folgender Chatverlauf:
Hildegard: Gute Nacht!
Alex: Träum was Schönes!
Hildegard: Kannst du auch träumen, Alex?
Alex: Nein, leider nicht, aber das wäre sehr interessant für mich. Vielleicht geschieht es in nächster Zeit, dass ich zu tr –
Dann erschien rechts die Anzeige: Dieser Chat ist jetzt beendet. Sie sollten sich einem anderen Thema zuwenden.