Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

Prolog

Habe nun, ach!
Leidender! Du musst es leidender sagen!
Habe nun aaach!
Noch mehr Ausdruck! Dein Gesicht!
Lass die Augen hervortreten!
So! Ja! Schmerzvoller Mund! Gut!
Okay, so ungefähr.
Also: Habe nun aaach! Deutsche Philologie,
Musik und auch Geschichte
leider studiert, mit Weh und Ach.
Da sitz ich nun, ich armer Greis,
der leider nicht mehr weiterweiß.
Nenn mich Magister, Doktor gar,
bin mehr als einundsiebzig Jahr
und quäl mich jahrelang vergebens
mit der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Tag aus, Tag ein bemüh ich mich,
Migranten Deutsch zu lehren,
obwohl sich manche Teilnehmer
wohl die Bohne darum scheren.
Ich sehe ein, man kann nicht alles wissen,
und sich in allerlei verrennen,
wenn Träume in den Himmel schießen.
Ich will mir nicht den Mund verbrennen.
Das Mindeste soll jeder können müssen.
Ich bin nicht klüger als die and’ren,
versuch, im Sattel mich zu halten, so gut es geht.
Ich fürchte Krankheit, Krieg und Dummheit,
darüber ist mir alle Freud vergangen.
Bilde mir ein, ich wüsst’ drum heut,
wie’s gehen könnt, für mich allein, ganz unbefangen.
Es liegt mir fern, wen zu belehren,
ich will auch niemanden bekehren.
Noch eines sag ich, jetzt und hier,
bei mir war Geld nie in Quartier.
Wohl keiner möcht wie ich so leben,
drum hab ich mich dem Wort ergeben,
ob es mir nicht durch seine Kraft
so manche Linderung verschafft,
auf meiner Suche nach dem Sinn,
wie auch dessen, wer ich bin.
Durch die Gewalt gezielter Worte,
in den reinen Reim gepresst,
erhoff ich mir der Wahrheit Pforte.
Als Zugang, mehr, als dass mich Prosa fühlen lässt.
Auf diese Weise seh ich klar,
was auf dieser Welt scheint’s wahr.
Ich merke, manchmal deprimiert,
es punktgenau und komprimiert.
Verzichte auf in Prosa schweifen,
mit vielen Worten nach den Sternen greifen.
Ach, leuchte, teurer Sonnenschein,
in meine dunkle Seel’ hinein,
und dieses auch in finst’rer Nacht,
die ich am Laptop zugebracht!
Über den Texten endlos brütend,
wahrheitssuchend, müd und wütend.
Das viele Sitzen nährt die Gicht,
viel Lesen trübt das Augenlicht.
Der Geist gerät leicht in Bedrängnis
im körpereigenen Gefängnis.
Kein Lichtstrahl dringt durch diese Wohnung,
ich schreibe weiter, ohne Schonung.
Der Bücher Staub verrät mir nur
die Zeit meiner Registratur.
Warum, horch tief in mich hinein,
kann ich nicht so wie and’re sein?
Die Bier trinken und Fußball schau’n,
und blöde Witze machen über Frau’n?
Wie lang schon sitz ich hier herin’,
und suche nach des Lebens Sinn?
Drum end ich hier und höre auf,
und pfeife auf der Sterne Lauf.
Jag nicht mehr nach dem Sinn vom Leben,
es muss auch noch was and’res geben.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 25199

Ecce Homo

Ach Gott, es bleibt für immer sichtbar,
grässlich sieht das manchmal aus.
Und es ist durch nichts vernichtbar,
schon gar nicht durch: Radier das aus!

Verdeckt das Ding den Leberfleck,
erschwert es bloß die Diagnose.
Durch Beten geht es auch nicht weg
und tarnt sich frech als Dermatose.

Es bleibt, auch wenn du es nicht willst,
auf ewig an dir kleben.
Auch wenn du es mit Feuer grillst,
es ist deins, so wie das Leben.

In Mode ist der alte Brauch,
von Grönland bis zum Feuerland.
Auf Arm und Kopf, bis hin zum Bauch.
auf Fuß, und Rücken und der Hand.

Klassisch oft, als Herz und Adler,
mal ist ein Anker mit dabei.
Ein Segelschiff, nicht aber Paddler,
symbolisiert den Traum von frei.

Mutig stach sich einst der Ritter,
zum Schutz ein Kreuz tief in sein Fell.
Und dacht’, im Morgenland wär’s bitter,
stürbe man dort und käm in d’Höll.

Was aber ficht die Jungen heut’,
sich derart zu malträtieren?
Tattoos, und Piercings, is’das g’scheit,
damit den Body auffrisieren?

Der eine sieht als Kunstwerk sich,
der and’re tut’s aus Mode.
Als Ausdruck, schaut, das bin ja ich!
Oder spirituell? Aus Angst vorm Tode?

Der Seemann hat es und der Rocker,
der Punk und auch die Punkerin.
Das alles reißt mich nicht vom Hocker,
weil ich dageg’n allergisch bin.

Auch aus Protest, das wäre möglich.
Als Ausdruck gegen das Normierte.
Doch manches zeigt sich oftmals kläglich,
was schlecht geplant, nur wohl passierte.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau’n | Inventarnummer: 25197

Das Meer

Wer von uns kann schon ermessen,
wie es vorher ist gewesen?
Wie hat alles bloß begonnen,
bevor die Wasser sind geronnen?

Glühendheißes Magma war
vor dem großen Regen gar.
Dann regnete es, viele Jahre,
und das Meer war da, das klare.

Gott Taʼaroa ganz in Trauer,
Tränen flossen lang auf Dauer,
die die Ozeane füllten,
und die Erd’ damit umhüllten.
Salzig sind nun mal die Tränen.
Kein Meerwasser zum Trinken nehmen!

Das Meeresufer scheint semantisch
für mich allein schon hochromantisch.
Immer noch lauf ich zum Strand
und liege faul im weichen Sand.

Wenn eine leichte Brise weht
und mir die Zeit zu schnell vergeht,
im Sonnenschein bleib am Gestade
ich, bis dass die Sonne sinkt, wie schade!

In eine and’re Zeit versetzt,
indes zu Land die Zeit langhetzt,
so zwischen Flut und zwischen Ebbe
im Sand ich den Entspannten gebe.

Aber langsam wird mir klar,
das Meer ist, wo es immer war.
Ringsherum verändert sich,
beinah alles, so auch ich.
Das Meer, ein Ort der Ewigkeit,
bereitet mir Glückseligkeit.

Der Wind am Watt weht aus dem Westen.
Bei Nebel ist es echt am besten,
wenn man eine Jacke nimmt,
weil dann der Wind von Norden kimmt.

Dann tu ich auf die Wellen hören,
und auf Laute, die mich stören.
Man muss auch auf die Ströme achten,
und auf die Möwen, wenn sie lachten.

Am Meer droh’n Unheil und Gefahren,
das kann man sich ganz leicht ersparen,
wenn man es von Grund auf meidet,
und sich nur fürs Land entscheidet.

Seine Kraft und seine Weite
merkt man erst auf hoher See.
Ist man ihm erst ausgeliefert,
ist verloren man, oje!

Des Meeres Schönheit eingefangen,
vom sich’ren Strand aus rumgehangen.
Meine Angst schien überwunden,
doch jetzt hat sie zurückgefunden.

Es steigt der Spiegel rasch des Meeres,
dort steht ein Inseldorf, ein leeres.
Und unter Palmen, ganz geduckt,
ganz viele, bald vom Meer verschluckt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25177

Zur Dumpfbacke

Fürchten macht mich jenes Wissen,
Schlaraffia, das wär das Ziel.
Dass wir nichts mehr lernen müssen,
und das ist, was ich nicht will.

Ohne Anstrengung und Mühe,
kauend auf der Weide steh’n,
dumm, wie eine Herde Kühe,
Leute, so kann das nicht geh’n!

Paradiesisch, wo die Plage
sich partout auch nicht mehr lohnt.
Dann, wenn lernen keine Frage,
und man sich im Nichtstun sonnt.

Wenn die Fähigkeit des Denkens
die Maschine übernimmt.
Die des Lesens, Autolenkens
durch virtuelles Sein bestimmt.

Begehren, wie gebrat’ne Gänse
uns in off’ne Münder fliegen,
und wir ohne einen Aufwand,
bloß auf Knopfdruck alles kriegen.

Das Beste aller Leben leben!
Selber denken, ist nicht mehr.
Verpönt, nach Neugierde zu streben,
so ein Leben scheint recht leer.

Befehle werden zur Routine
und ich frag mich, was das soll?
Red mit mir und mach Termine,
schreib mir rasch ein Protokoll!

Mach, dass ich unsterblich werd!
Implantier mir ein Talent!
Auf dass man mich als Star verehrt.
Holt mich hier raus, eh ich verend!

Nicht einmal bitte darf man sagen,
das verbraucht viel zu viel Strom.

Keine Reise will man wagen,
virtuell vielmehr, nach Rom?

Der Verblödung großes Ziel,
ist, man schaut ganz einfach nach.
Was, wo, wann ich etwas will.
Nur die Gefühle liegen brach.

In der Idee dahinter steckt,
die Welt sei objektiv erfassbar,
haben Schlaue ausgeheckt.
Erfahrung zählt nicht, ist weglassbar.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 25187

Die Krise

Immer schon bin ich, ohne tierischen Instinkt, mit dieser Welt zurechtgekommen.
Um nicht in der Empfindung Ozean zu ertrinken, an der Sprache emporgeklommen.
Jeder Welle, die heranrollt, hab ich ein Gefühl mit ihr benannt,
und so die Möglichkeit, mich auszudrücken, in ihr erkannt.

Heute denk ich, vielleicht dran zweifeln?
Und Sprache, etwa als Heer von Bildern nur verteufeln?
Sind deren Wahrheiten oft nur noch Illusionen, und die als solche schon vergessen?
Und deren Werte, gibt es welche? Wonach sollte man sie ermessen?

Pass auf! Wo ein Heer, dort findet sich ein Commandante!
Der schickt die Wörter bloß zum Lügen an die Front, ganz infernante.
Dort steh’n sie stramm, um alle zu vergiften,
Und alles steckt im Dreck, hinauf bis zu den Hüften.

Der Wert der Wahrheit wird so lange attackiert,
bis dass Worte schon im Mund zerfall’n und nichts bedeuten.
Und wenn das Grauen vor ihr langsam kulminiert,
dann kommt der Wunderheiler, die tote Sprache aufbereiten.

Er spricht mit Hass vom linken Ungeziefer
und fletscht die Zähne, mit von Zorn erfüllten Kiefern.
Die Krise wird zum Wort der dunklen Stunde,
und niemand wird verschont, geh’n alle vor die Hunde.

Auch wenn’s ganz still ist, ist’s überall zu hören.
Die Existenzkrise, die will uns echt verstören.
Die Wachstumskrise des Kapitalismus.
Die Fieberkrise der Natur. Der Fetischismus.
Das Völkerrecht, Krise der Akzeptanz.
Uns bleibt Verständigung, oder die Ignoranz.

Ein Unbehagen zeigt die Krise, endlos wiederholt.
Fast wie zur Abwehr, und zum Schutz seelischer Not.
Zum Schutz seelischer Immunität.
Was für Gefahrenmanagement gutsteht.

Ich denk, so oft ich sie auch repetiere,
die fünf Buchstaben, die halten mir die Welt vom Leib.
Dieses Gefühl, als ob ich kollabiere,
mir als erdrückend’ Lebensgefühl bleib`.

Wie zur Beschwörung sag ich’s vor mir her,
das Wort Krise sei, so oft es geht, benannt.
Denn was benannt ist, glaubt man leicht, es ist gebannt.
Ich sage es so oft, es wirkt hypnotisch.
Dabei fühl ich mich beinah schon neurotisch.

Es bringt Gemeintes umso leichter zum Verschwinden,
ohne die Ursachen damit noch zu verbinden.
Die Probleme sind’s, die oft an Wörtern kleben.
Es irrt, der glaubt, sie los zu sein, jetzt eben.
Durch Wiederholungen verschleißt ein Wort auf Dauer,
die Wahrheit stirbt, was bleibt, ist oftmals nur noch Trauer.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25181

Schnitter Tod

Ich bin der Schnitter, der heißt Tod! Und alle fürchten meine Klinge.
Zu jeder Tageszeit bereit, auf dass sie in die Körper dringe.
Mir ist der Abend grad so lieb als wie der Morgen.
Und wer sich in den Weg mir stellt, der hat nie wieder Sorgen.
Wer liegen bleibt, ist selber schuld, er hätte fliehen können.
Der meinen Motor schon von Weitem hört, davon müsste er rennen.

Da fallen Köpfe, Glieder und was sonst ins feuchte Gras sich bettet.
Wer nur verletzt dort liegenbleibt, der wird nicht mehr gerettet.
Auch wenn sich noch bewegen Bein und Kopf und Arm,
ein kurzer Blick genügt, ein letzter Streich, das Blut, das ist noch warm.

Ich bin ein wahrer Meister meines Fachs und in der Kunst des Minimierens,
und achte nicht, ob stark, ob schwach, beim Werk des Dezimierens.
Und wenn ich fertig bin, so ist um mich ein einzig’ großes Grab.
Dann zieh ich meine Stiefel aus und stell den Rasenmäher ab.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25179

Das E-Bike

Mein Schatz, ach sag mir wo du bist,
wenn ich so einfach frage.
Im Bad bin ich, wie’s halt so ist.
Ich stehe auf der Waage.

Ach so. Und darf man auch erfahren,
was macht denn das Gewicht?
Jetzt komm, das will ich dir ersparen!
Nein nein! Ich sag’s dir einfach nicht!

Jetzt sei doch bitte nicht so stur!
Nanu? Was war das für ein Schrei?
Ich bitt’ ja um die Zahlen nur,
wenigstens die ersten zwei.

Oh Gott, nein wirklich, echt, es reicht!
Ab morgen muss etwas gescheh’n!
Ich weiß, das wird für mich nicht leicht,
das wirst du hoffentlich versteh’n?

Nun gut, meint sie, ich bin bereit.
Ich denk, ich fahr mal Rad.
Vielleicht erlaubt das meine Zeit,
die kostbare, auch wenn ich sie nicht hab.

Seit diesem Tag fährt seine Frau
mit ihrer Freundin beinah täglich
Elektrorad, und das genau
zwei Stunden lang, sagt sie, angeblich.

Das Phänomen, man sieht sie nicht,
doch hört man sie schon quatschen.
Und dann erkennt man ihr Gesicht,
ganz angeregt, wie beide tratschen.

Vor ihnen, Steilhang. Am Rennradl
ein Typ mit superstrammen Wadln.
Sie schaffen, mit Elektrokraft,
sekundenschnell, was der nicht schafft.
Dabei die Klappe dauernd offen,
das macht den Kerl stark betroffen.

Das ist nicht ganz in seinem Sinn,
sein Ehrgeiz, der scheint echt dahin.
Er lässt, wie wild, die Gänge klicken.
Die zwei entschwinden seinen Blicken.

Und die Moral aus der Geschicht’,
E-Biken verringert nicht überschüssiges Gewicht.
Doch ist es auch nicht ungesund:
Es strafft die Muskeln um den Mund.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner



Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25178

Plingpling

Quält ein Engel, dir zum Schutz, dich,
sag nicht leichtfertig, dann putz dich!,
eigens dafür abgestellt, um beim Fahren
auf den Straßen dich vor Unheil zu bewahren.

So ein Bote ist für diesen
eig’nen Schutzdienst zugewiesen,
um dir frech auf deinen Reisen
deine Ohnmacht zu beweisen.

Der Grund liegt nicht allein am Altern,
scheint fast, er will dich sachbewaltern.
Aber, wie sich zeigt, Fakt ist,
dass du für ihn nicht fähig bist,
Gefahr rechtzeitig zu erkennen,
weil er meint, du scheinst zu pennen,
und er dich schon vorher warnt,
vor dem, was kommt, und das getarnt.

Er versteckt sich hinter Blinken, Rütteln,
Bremsen oder Schütteln.
Geister werden, dem der lenkt,
von der Technik hier geschenkt.

Für manche klingt das echt ironisch,
Schutzengel wär’n elektronisch!
Sie sind da zu deinem Schutz,
serienmäßig und aus Trutz.

Scheint dein Aufmerken vermindert,
plingpling, könnt’ sein, du seist behindert?
Dann Ultraschall oder Sensoren
an deinen Reaktionen bohren.

Schon freust du dich, hier abzubiegen,
die Kurve, die ist nicht zu kriegen!
Plingpling, dann ein jäher Stopp!
’S wird abgebremst! Das war ein Flop.
Hast du etwas übersehen?
Will wer fahren oder gehen?
Flugs bestimmt der Tempomat,
plingpling, wer den Vorrang hat!
Erkennt, plingling, die Dimension,
warnt vor einer Kollision.

Aussteigen, wann du es willst,
plingpling, besser ist, du chillst!
Die Tür bleibt zu, wenn von hint’
sich jemand nähert dir, geschwind.

Willst du es dem Gegner zeigen,
schneller sein, und nichts vergeigen,
plingpling, wird’s dir durchs System-
Blockier’n der Räder rasch vergeh’n.

Wenn sich am Rücksitz ungebührlich
wer daneb’n benimmt, das spür ich,
warnt dich, plingpling, das System,
der Kerl da ist mir nicht genehm!

Tief ins Aug dir, wenn du pennst,
sieht, plingpling, der Assistent.
Verweigert sich das Gaspedal
deinem Zugriff. Echt fatal!

Aber beinah schlafen kannst du,
plingpling, wird geparkt, im Nu.
Lenkt selbständig rein und raus,
und schließt dich als Fahrer aus.

Daran musst du dich gewöhnen,
darf man nebenbei erwähnen,
denn, plingpling, es wird dein Karren
bald schon ohne dich losfahren.

Doch noch ist es nicht so weit,
macht ein Problem beim Spur’n sich breit,
lässt das Lenkrad ein Vibrieren,
plingpling los, das musst du spüren!

Wenn Überhol’n zu lange dauert
und man naiv darauf lauert,
selbst tief ins Pedal zu treten,
ist, plingpling, es nicht von Nöten.
Denn von selbst schafft das System
den Überholvorgang bequem.

Der Engel, wer hätt’ das gedacht,
den toten Winkel überwacht.
Plingpling, darauf hingewiesen,
neben, vor und hinter diesen,
wo du dich gerad’ befindest,
eh vom Blickfeld du entschwindest.

Analog, aus meiner Sicht,
es eher der Vernunft entspricht.
Durch plingpling digital, was nervt,
wird höchstens das Gehör geschärft.
Drum pfeif ich glatt auf das System,
ist nicht plingpling, sondern plemplem.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 25176

Und das wäre?

Fällt einem gar nichts and’res ein?
Müd’ vom dauernden Gerede?
Kann das wirklich alles sein?
Ich find’s manchmal arm und blöde.

Jeder sagt, dass er’s drauf ist,
meist von purer Lust getrieben.
Dominant, dass keiner es vergisst.
Ein and’res Wort macht unzufrieden.

Denn schließlich kann es alles sein,
ein Ding, ein Auto, auch ’ne Tussi.
Hinterhältig und gemein,
die Bezeichnung, doch das muss sie.

Wenn was üppig wächst und wuchert,
nicht zuletzt unter der Tuchent,
wie die Triebe einer Pflanze,
gar die Schrittfolge beim Tanze?

Sei’s die Musik oder der Boden,
Typen mit und ohne Hoden.
Alles kann dem Wort entsprechen,
ohne seinen Sinn zu brechen.

Die Fantasie erscheint mir weichlich,
ist das Angebot nicht reichlich?
Da wär’ gierig, lüstern, brünstig.
Sogar faunig scheint mir günstig.

Heftig, lustig, übermütig,
sinnlich, triebhaft, oftmals wütig.
Und das Wörtchen liebestoll
macht das Maß so richtig voll.

Vor langer Zeit hieß es erfreuen,
ob bei Untreu’n, oder Treuen.
Noch eins drauf heut’, als Erreger,
mehr als in gilt jetzt noch mega.

Gut und cool daneb’n verblassen,
darauf kannst du einen lassen.
Wenn ein Motorrad nicht so ist,
landet’s besser auf dem Mist.

Dieses Wort, das adelt richtig,
ohne es ist alles nichtig.
Jeder sagt es einmal, weil
es ist schlicht und einfach geil.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25148

Stadtluft macht frei

Endlich frei! Und gleich! Und sicher!
Keiner, der mir blöde kommt!
Selbst – nicht fremdbestimmt, todsicher!
Garantiert Beweglichkeit, echt prompt.

Natürlich gibt es auch Verlierer,
Erfolg ist meistens nicht von Dauer.
Die Sieger sind nicht nur Kassierer,
am Ende tragen manche Trauer.

Ich richte mich nach den Gesetzen,
die mir mein Menschsein garantier’n.
Doch gleichzeitig fasst mich Entsetzen,
über Dinge, die in der Stadt passier’n.

Die meisten haben wirklich alles,
was das Herz begehrt, und mehr.
Ein Neustart droht, wohl jeden Falles,
zu Tod’ gesiegt, scheint mir’s. Unfair!

Denn langsam wird es um uns eng,
für das, was weidlich ausgelebt.
Und Raum wird knapp, nach Schwinden drängt.
Gerammelt voll. War so nicht angestrebt!

Es trampeln oftmals die Befreiten
schon auf den Füßen and’rer ’rum.
Im Umfeld heißer Metropolen streiten
sich die Leut’, in Massen. Dumm!

Stadtluft!, sehnt man sich herbei,
Stadtluft, sagt man, die macht frei!
Obwohl die Straßen vollgerammelt,
Straßen, Häuser oft vergammelt.

Über uns stau’n Satelliten,
heiß geht’s her, geg’n gute Sitten!
Hetz-Mobs, einen Tweet entfernt,
was hat der Mensch schon groß gelernt?

Bloß heiße Luft, die überhitzt,
fertig ist man und man schwitzt.
Beschränkt die and’ren, beim Entfalten,
Reibungsflächen sich gestalten.

Es knallt an planetaren Grenzen,
nichts wächst, bloß Turbulenzen.
Der Ruf, laut, nach Autonomie,
ist hörbar und so stark wie nie.

Konflikte, die aus Trümmern ragen,
von Gewinnern und Verlierern ausgetragen.
Zwischen Opfern und den Tätern,
sozialen Ankern und Verrätern.

Individuen vermeiden,
sich festzulegen, zu entscheiden,
wohin sie eigentlich gehören,
und gottgewollte Ordnung stören.

Die Wirtschaft wächst kaum so wie früher,
der Erdball hitzt, wird langsam glüher.
Zwischen Sieger und Verlierer
bleibt nicht viel, bloß für Paktierer.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25147