Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

Was jetzt noch

Was fängt man ohne Hilfe an,
wenn man den Wind nicht ändern kann?
Oft fehl’n Erfahrung und das Wissen.
Vielleicht die Segel richtig hissen?

Alles, was man da so hört,
eine Meinung, ganz allein.
Aber was mich so empört,
das kann doch nicht die Wahrheit sein!

Alle reden von Bedrohung
und von ständiger Verrohung.
Nicht die Bösen sind die Krassen,
jene sind’s, die es zulassen.

Und man sagt, so wie du denkst,
du dein Glück dir selber lenkst.
Da fragt man sich, was denkt der Tor,
was geht denn in dem Kerl vor?

Wie ein Tropfen, scheint das Wissen,
wie ein Ozean, was wir missen.
Bange wird, was die wohl denken?
Und was für Leut’ die Welt jetzt lenken!

Wer stößt sich schon an kleinen Dingen,
wenn er die großen will bezwingen?
Auf dem Wege hin zur Macht
lässt man die kleinen außer Acht.

Doch was wäre schon das Leben,
würde es den Mut nicht geben?
So mancher mag gern was riskieren,
um andre damit zu brüskieren.

Vielen, die oft Macht bekommen,
wurde als Kind was weggenommen.
Auf dem Weg zu den ganz Großen
darf man an Kleinkram sich nicht stoßen.

Doch Macht besitzen macht oft blind,
und schnell vergisst das Menschenkind,
ist es erst wichtig, reich und satt,
dass es dasselbe Schicksal hat.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25229

Was jetzt

Fragt man sich, was ist der Sinn des Lebens, oder, gibt es einen Gott?
Was ist eigentlich die Seele? Mag ich Obst oder Kompott?
Oft stellt man sich solche Fragen, täglich an die hundert Mal.
Allzu oft müssen wir passen, bei der Antwort richt’ger Wahl.

Wichtig ist es, kritisch denken, mach dir deinen eig’nen Reim
auf des Lebens ernste Fragen, deine Meinung zählt allein.
Hier geht’s nicht nur ums Wissen, mehr um der reinen Weisheit Willen!
Obwohl ich weiß, dass ich nichts weiß, will ich den Drang nach Wahrheit stillen.

Bei der Wahrheit fängt’s schon an. Zahllos ist die Perspektive,
jeder Mensch hat seine eig’ne, individuelle, anspruchsvolle und naive
Vorstellung von dem, was ist, und es glaubt oft jedermann,
dass die eig’ne, selbst erlebte Wahrheit nur die Wahrheit seien kann.

Natürlich will ich gerne wissen, was so in der Welt los ist.
Und ich will es selbst entscheiden, ist das wichtig oder Mist?
Doch trotz aller Wissenschaft, die uns oftmals Missmut macht,
geht es immer um das eine, Mensch-Sein und Zusammenleben.
Im Mitgefühl, nicht nur im Können, liegt der Menschheit heilend Segen.

Die Frage ist, was will ich bloß? Was brauch, was soll und muss ich denn?
Meine Perspektive sagt mir, ist das wahr und was ist, wenn?
Vielleicht sollte man drüber reden, und man kommt gemeinsam drauf?
Besser, als alleine grübeln, besprechen wir der Dinge Lauf.

Wissen, sagt man, das heißt meinen, sich sicher wiegen, scheint gefährlich.
Menschenleben, die vergehen. Ich bin Mensch, so bin ich sterblich.
Bringt Sich-Regen nicht auch Segen? Wirksam heißt es, sei im Leibe!
Bewahr dir ringsum Wohlbefinden, mach der Seele eine Freude!

Wer sich nur mit Anseh’n füttert, ach, das weiß schon jedes Kind,
wer an Ehr’ und Ruhm sich freut, füttert sich doch bloß mit Wind.
Immer heißt es, der schafft an, der das Geld hat, wär ja g’lacht!
Sehr beliebt scheint diese Meinung, doch nur Wissen, das ist Macht.

Mancher denkt den Körper gar als getrennt von seiner Seel sich,
und er folgert sonnenklar, nun, ich denke, also bin ich.
Nie betrügt uns die Natur, wir sind’s, die wir uns selbst betrügen,
Dass der Mensch nur nützlich sei, straft ihn schließlich selber Lügen.

Drum sollt ein jeder sich bemüh’n, Gesetzen auf den Grund zu gehen,
die das Denken und das Handeln lenken, in Bezug auf das Geschehen.
Was Geschichte und Erfahrung lehren, ist meist allzu leicht vom Tisch.
Was daraus zu ziehen wäre, ist schnell weg, mit einem Wisch.

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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25225

So ein Theater

Das Licht geht aus, und es wird still, es öffnet sich der Vorhang sachte.
Ein Geist erscheint, ein kleiner dicker, das Publikum, das lachte.
Der Mann im dritten Rang rutscht unruhig hin und her.
Der Abstand ist zum Vordersitz zu eng, da wird es schwer.

Vom Studium kehrt Hamlet unbeschwert zurück nach Haus.
Des Vaters Geist enthüllt, dass Bruder Claudius ihn ermordet hätt’, oh Graus!
Der Unhold wollt’ Gertruden gar zu Frau, und seinen Thron!
Wegen der Enge schmerzt das Knie jetzt teuflisch schon.

Nun also fordert Papas Geist den Sohn auf, diesen Mord zu rächen.
Doch Hamlet selbst verbirgt sich hinter seinen Schwächen.
Konfliktbeladen zögert er, die Rache zu vollziehen.
Der Mann im Publikum kämpft zusehends mit Schmerzen in den Knien.

Irrtümlich tötet Hamlet Ophelias Vater, den Polonius.
Ophelia wird irr, nimmt sich das Leben und macht Schluss.
Der Onkel Claudius verbirgt gekonnt stets seine Schuld.
Der Mann im Publikum verliert schon die Geduld.

Jetzt woll’n sie Hamlet gar nach England schicken,
doch dieser Plan, ihn dort zu töten, soll nicht glücken.
Stattdessen trinkt Mama Gertrude gift’gen Wein.
Am miesen Sitzplatz schläft das Bein des armen Mannes schließlich ein. 

Zu allem Übel müssen Hamlet und Laertes auch noch fechten,
doch Claudius reicht Giftschwerter anstatt der echten.
Die beiden Kontrahenden sterben an den Folgen dieser Klingen.
Der Typ im dritten Rang muss sich zum Zuhör’n zwingen.

Doch ehe Hamlet stirbt, macht er noch rasch den Claudius kalt
und bittet seinen Freund, der einzige der überlebt, Horatio halt,
erzähl doch, weil’s sonst keiner glaubt, du unsere Geschichte.
Das macht die Illusion von Schmerzfreiheit im Rang zunichte.

Der König Fortinbras fasst die Gelegenheit beim Schopf
und er ergreift die Macht. Die Hauptfiguren kostet es den Kopf.
Das Reich, das fällt ihm zu, ganz leicht und ohne Kampf.
Der Mann im Publikum, der kriegt im Wadl einen Krampf.


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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau’n | Inventarnummer: 25155

Ein guter Freund

Wo sind denn bloß, eh ich beginn, alle meine Freunde hin?
Mit denen ich gescherzt, gelacht, ins Leben eingetaucht?
Jetzt merke ich, ja, immer öfter, dass ich alleine bin,
da frag ich mich, hab ich sie wirklich alle schon verbraucht?

Gute Freunde braucht ein jeder, ein guter Freund ist für dich da.
So einer, dem ich fast alles sagen und auf den ich mich verlassen kann.
Einer, den du fast immer fragen kannst, verlässt dich das Geschick. Sag ja,
ich brauch dich jetzt, was soll ich tun? Was fang ich ohne dich bloß an?

Aber, wer weiß schon, ob ein guter Freund immer das Beste für dich will?
Doch immerhin, der meckert nicht an dir herum und nimmt dich, wie du bist.
Und wenn du etwas von ihm brauchst, gibt er dir das Gefühl,
dass er es mit dir ehrlich meint und ihm weg’n dir nichts wirklich lästig ist.

Ein guter Freund, der hört dir zu und gibt dir einen Rat, wenn er es kann.
Vielleicht verzeiht er dir, wenn einmal etwas nicht in Ordnung war.
Und wenn man später drüber spricht, war’s nicht korrekt, was da begann,
dann lacht er drüber und er sagt, mach dir nichts draus, ist alles wieder klar.

So manche Freundschaft braucht’s , das Sich-oft-auf-die-Probe-Stellen,
denn schließlich darf ein jeder eine and’re Meinung haben.
Wenn sie das aushält, ist es auch hart in manchen Fällen,
und sie besteht, dann halt sie fest, dann gibt es keinen Grund mehr, zu verzagen.

Hält eine Freundschaft dir, genauso stark wie diese, musst du sie pflegen, so gut es eben geht.
Ohne dein Zutun wächst beinahe nichts nur so von ganz allein.
Denn sie gedeiht und blüht von eurer Ehrlichkeit und nicht zuletzt eurer Loyalität.
Begleitet sie dich, durch gute und durch schwere Zeiten, halte sie fest, dann ist sie dein.


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www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25219

Idole

Ich weiß nicht, was das soll?
Ich habe kein Idol!
Niemand, den ich so dann und wann
bewundern und nachahmen kann.

Jemanden, der mich inspiriert!
Der mich als Vorbild motiviert!
Verdammt, eine Persönlichkeit,
die mir durch ihre Fähigkeit
die Lösungen vermittelt
und so an meinem Ego rüttelt.

Würd sie bewundern und verehren,
blind würd ich ihr vertrauen.
Ihr Tun und Lassen heiß begehren,
und ehrfurchtsvoll zu ihr aufschauen.

Ein Idol, das mich richtig anspornt.
Das, was ich sage, nicht verballhornt.
Dem ich, ganz in diesem Sinn,
mit Hingabe als Fan dann dien!

Und hab ich nicht als junger Spund
Popstars gern verehrt, na und?
Wie sie sich gaben, imitiert,
daran hab ich mich orientiert.

Auf der Suche, wer ich bin,
das machte mir damals wohl Sinn.
Habe versucht, mich zu verhalten
oftmals so wie Filmgestalten.

Jagger war’s und Peter Fonda,
auf der Harley, nicht auf Honda.
Eastwood gar und Dennis Hopper,
mit der rot-gelb-farb’nen Chopper.

Später, als ich älter war,
Martin Sheen, als Captain gar.
Wirres, der Apokalypse
vagen Selbstbewusstseins Stütze.
Doch niemals wollt’ ich Hitler sein,
Stalin, oder sonst ein Schwein!

Aber jetzt, als alter Mann,
fang ich damit nichts mehr an.
Niemand kann und will ich sein
als nur mehr ich, das ganz allein.


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www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25213

Neid

Ich gebe zu, dass es so ist,
und dass der Neid mich manchmal frisst.
Wenn man and’ren was nicht gönnt,
was man selber haben könnt’.

Sei’s der Wunsch nach dem Vergnügen,
über and’re zu verfügen,
oder einfach beim Vergleich,
ich bin arm und der ist reich.

Und so kommt es, dass ich spür,
mir geht was gegen die Natür,
weil da jemand es ganz leicht,
ohne Anstrengung erreicht.

Wenn ich dann somit vergleiche,
seh ich, dass ich’s nicht erreiche.
Und ich fühl als Reaktion
ein Defizit meiner Person.

Und weil ich sowas echt nicht fass,
krieg ich oftmals einen Hass!
Sieht vielleicht wer besser aus,
oder scheint’s, der ist groß raus.

Was da wenige besitzen,
kriegt man nicht mal durch Stibitzen.
Welchen Sinn macht eine Welt,
die man doch für unfair hält?

Und ich werde zum Berserker,
denn der Neid wird immer stärker
und sich der, wie man oft sieht,
auf Gleichaltrige gern bezieht.

Das kann so den blutrünstigen
Neid oft schon begünstigen.
Dasselbe schafft auch eine fiese
unverhoffte Lebenskrise.

Das ist kein Spaß, ich krieg Beschwerden,
die durch gar nichts besser werden,
und hab Lust, auch trotz Entsetzen,
oft andere herabzusetzen.

Kluge Ratgeber, die sagen,
besser wäre, sich zu fragen,
was mag hinter’m Neid wohl stecken?
Is’ mir gleich, auch ums Verrecken!

Das Bewusstsein eig’ner Grenzen
zu erweitern und ergänzen!
Aber was, da pfeif ich drauf,
denn der Neid, der frisst mich auf!

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 25212

Platz da

Kann doch nicht so schwer sein, rechts zu gehen?
Weicht man nicht von selber aus, ist es besser, man bleibt stehen.
Leute, so ist’s heute üblich, bloß nicht Rücksicht nehmen, gilt!
Alles ist vergessen worden, was man einst für richtig hielt.

Auf dem Gehsteig tummeln sich Radler, Scooter, Kinderwagen.
Geht dazwischen wer zu Fuß, ist er Freiwild, muss man sagen.
Touristen geh’n in Viererreihen, denken nicht dran, auszuweichen.
Hier sind wir, und habt bloß Acht, wollt ihr vorbei, dann gebt ein Zeichen!

Musst du auf die Straße treten, weil der Gehsteig ist besetzt,
kommen flugs von allen Seiten Biker her, man ist entsetzt!
Hallo, bleibt auf eurer Seite, schreist du hilflos, aber barsch,
keiner schert sich wirklich um dich, fahr’n dir beinah über’n Arsch.

Einbahnstraßen, liebe Leute, wie ihr seht, die gibt’s nicht mehr.
Fahrzeuge aus jeder Richtung fall’n gnadenlos über dich her.
Jeder darf, scheiß auf die Route, Hauptsach’ ist, es geht sich aus,
alle, die da rüber müssen, jetzt und gleich, es ist ein Graus!

Schick ist, Ampel ignorieren, wurscht ob gelb oder schon rot.
Am Radl kann mir nichts passieren, denn ich bin schneller, oder tot.
Echt, da greift man sich aufs Hirn, das Verkehrskonzept scheint grün.
Wer fragt schon, sinnvoll oder nicht, durchgesetzt, Hauptsache „in“.

Vorsicht auf dem Weg der Räder, nämlich, was Sie wissen müssten,
pfeilschnell schneiden fliegend’ Mütter Kurven kühn mit ihren Kisten.
Stromgetrieben, heikle Ware, drei, vier Kids, im besten Fall,
überhol’n dich blitzeschnelle und hab’n Vorfahrt überall.
Aus dem Inner’n des Behälters frohlockt die verwöhnte Brut.
Man schert sich wenig um die andern, Hauptsach’ ist, uns geht es gut!

In den Öffis steht auch keiner wegen ein paar Alten auf.
Junge starren in ihr Handy, stundenlang und blöde drauf.
Glücklich die, die gar nicht merken, mag die Welt zugrunde geh’n!
Wichtig ist, mein Platz ist sicher, und die and’ren dürfen steh’n.

Kann das sein, was ich da wahrnehm’, ist das immer so gewesen?
Träum ich, wach ich, oder spinn ich oder werd ich einfach alt?
Hab’n die Zeiten sich gewandelt, steh ich kurz schon vorm Verwesen?
Besser scheint ein guter Rat, der wäre, dran gewöhn dich halt!

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: drah di ned um …| Inventarnummer: 25205

Vocal-Bashing

Wir Vokale fragen uns, das A, das E und I , O, U:
Muss das sein, und echt, wozu?
Auch Zwielaute, au, eu, und ei,
fragen sich, was das denn sei?

Was haben wir bloß angestellt,
dass man uns so deformiert?
In Teilen uns’rer kleinen Welt
verbogen, dass man sich geniert!

Ötan hört man, war’n mal Eltern,
und nicht zum Arzt, man geht zum Oatzt.
Sogar das L wird auch schon selten,
dass wir glaub’n, man wird vahoatzt.

Da gibt es etwas, das uns stört,
darauf hab’n wir keinen Bock!
Wenn man plötzlich Wückö hört!
Im schlimmsten Falle, Wückörock!

Und nach einer langen Reise
freut man sich, ist man daheim.
Mit dahoam, auf diese Weise,
schafft man keinen reinen Reim!

Schickst du wen in deinen Garten,
etwas Grünzeug wär das Ziel!
Du musst kochen, kannst nicht warten,
wird’s ja doch bloß Pedasül.

Auch die Umlaute beschwer’n sich,
was vom Ü noch übrig bleibt,
heißen sollt’s, ich grüße dich,
nur noch griaß di!, wie sich zeigt.

Im Bratl ist das L ja wieder
so ganz plötzlich aufgetaucht!
Auch wenn’s so nicht vorgesehen,
immerhin, es wird gebraucht.

Noch einen Kilo Öpfö bitte!
Ach, ich kann Sie nicht versteh’n!
Äpfel, wenn ich richtig tippe?
Verzeih’n Sie, war wohl ein Verseh’n?

Je höher, dort, wo Berge waren,
ist selten jemand raufgeklommen.
Länger braucht’s, drum rumzufahren,
so ist wohl kaum wer hingekommen.

Wo der Schnee lang liegen bleibt,
bleibt auch Sprache lang erhalten.
Drum kommt’s, dass sich niemand dran reibt,
wenn man spricht so wie die Alten.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25204

Helden

Es heißt, die in den Bloodlands sterben,
sie Gott gerufen hätt’.
Und mit Barmherzigkeit würde der werben,
um den, der sich dem Tod hingeb’n tät’.

Die Friedhöf’ wachsen schnell, so wie die Bäume.
Die Freiwilligen geh’n scheint’s nicht aus
Verkrüppelt oder tot, und ohne Träume,
es kommen alle nach der Schlacht nach Haus.

Den Söldnern ist das Leben wenig wert.
Der Tod, sagt man, der soll dort gar nichts gelten.
Der, der sein Leben hingibt, wird geehrt.
Am Ende sterben alle, eben wie die Helden.

Denn wer sich opfert, der reinigt sich von Sünden,
lügen die Priester, in scheinheil’ger Moral!
Für Freund und Vaterland zu sterben, finden
dieselben, wär Pflicht, und allemal normal.

Der nichts besitzt, wie leicht geht der!
Daheim schimmeln die Wände.
Der Ofen kalt, der Kühlschrank leer,
der Weg zur Front, das ist das Ende.

Am Bahnhof eine letzte Zigarette.
Die Antwort auf warum, ist schroff.
Auch wenn man was zu sagen hätte,
besser man schweigt, sonst gibt es Zoff.

Hier bleiben, das heißt nichts verdienen,
doch dafür trinkt man umso mehr.
Denn unterzeichnen bringt Zechinen,
und sein Säckel bleibt nicht leer.

Man kriegt fürs Morden jeden Monat Lohn.
Und hast du Schulden, oder du bist kriminell,
dann gibt’s ’ne Prämie. Dem Tod zum Hohn.
Sie zwingen dich zu gehen, und das ganz schnell.

Es tröstet die Mama den Jungen,
für diese Tat stirbst du als Mann.
Zur Witwe eines Helden
wird deine Gattin dann.

Und die Daheimgebliebenen sind stolz
auf die, die für sie anstelle sterben.
Und jeder sagt, ach Gott, ich wollt’s,
bloß keine Zeit, mich zu bewerben.

Wir haben keine Angst vorm Tod,
der Tod ist unausweichlich.
Noch ehe ihnen Elend droht,
nicht nur durch Schnaps, den gibt es reichlich.

Und, danke schön für eure Söhne,
der Kriegsherr winkt und zynisch lächelt.
Kein Wort von Schmerz, höchstens Gestöhne.
Man schweigt aus Tradition. Ein andrer röchelt.

Nur in der Hauptstadt wird das Sterben leicht verdrängt.
Der Propagandist, der feiert, wie der Profiteur.
Sie alle trinken auf das Leben,
Krimsekt, und es genießt der Connaisseur.

Hier tut der Tod nicht weh, wie an der Front.
In der Provinz endet das Leben oft mit dreißig.
Am Schlachtfeld klappt es meistens prompt.
Wertlos, verheizt, so endet es vorzeitig.

Man liegt im Sarg, so aufgebahrt, vor Langeweile,
zur Probe, quasi nur für kurze Zeit.
Und eine Grabsteinkollektion von einer Meile,
die inspiziert man gern, entspannt, im Cocktailkleid.

Doch hier, da macht man Selfies, in mit Velours geschmückten Särgen,
Chopin liefert den Trauermarsch dazu.
Tam, tam ta tam, ta ti, ta ta, ta ta, ta tamm!
Davor der Muskelprotz posiert, derweil die andren sterben,
mit Teufelshorn und Engelsflügel, als gäb es kein Tabu.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25203

Pop-up

Fernweh ist es, das mich plagt,
lässt im Netz mich krampfhaft suchen.
Bloß wohin?, was an mir nagt,
denn ich will ’ne Reise buchen.

Eins zwei drei, nun zeig schon her!
Klick, und ab in die Karibik!
Palmenstrand am blauen Meer!
Kuba oder Martinique?

Schnell mal sehen, was das kostet,
zack, da poppt ’ne Werbung auf!
Unverschämt, wer da was postet,
grad auf meine Website drauf!

Zack! Gleich wieder, kurz darauf!
Verflucht noch eins, was soll denn das?
Hört der Scheißmist gar nicht auf?
Herrschaften, das ist kein Spaß!

Miese kleine Browserfenster,
wer hat euch und überhaupt,
beinah Internetgespenster,
zu erscheinen hier erlaubt?

Als am Wasser war das Surfen,
fand ich mich ja noch zurecht.
Heute geht’s mir auf die Nerven,
Digital, da wird mir schlecht!

Hab mitnichten euch gerufen,
aufdringliches Werbepack!
Die das blöde Zeug da schufen,
geh’n mir ziemlich auf den Sack!

Was ist das, Advertisement?
Wo ich doch verreisen will.
Jetzt sag bloß noch, für ein Hemd?
Out und over, klick auf kill!

Zack, man will mir mit Gewalt
wohl ein Auto andreh’n, was?
Weg damit, ich schrei laut Halt!
Doch Moment, was war denn das?

Schmerzt Ihr Knie oder die Hüfte?
Seid ihr noch zu retten, Mann?
Zack, gleich geh ich in die Lüfte!
Billig fliegen! Wenn man kann!

So, das ist es jetzt gewesen!
Zack! Ich glaub, ich werd verrückt!
Bitte vorerst weiterlesen!
Cookies haben mich erdrückt!

Gib nicht auf, jetzt wirst du fündig,
Billigflüge, fast geschenkt!
Das Angebot scheint hintergründig,
hast’ ein Abo? Seid gehenkt!

Für den Zugriff fünfzig Cent.
Der verkauft eine Banane?
Alles das erscheint mir fremd.
Internet, eine Schikane!

Schließlich muss ein End’ hergeh’n,
der Preis ist wirklich ungeheuer!
Ein Flug, der ist mit Handgepäck,
gleich noch einmal so teuer.

Fliegen will ich! Fertigteil?
Da schau her, ich kauf ein Haus!
Neiiin, ich wollte doch verreisen!
Und jetzt reicht’s, ich steige aus!

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 25202