Der Hund und sein Herr

Ein Wummern an der Tür, es waren der Hund und sein Herr, und sie wusste schon beim Öffnen, dieser Besuch würde ihr Sehnen stillen.
Eine unbestimmte, nicht zielgerichtete Sehnsucht, die immer mehr gewachsen war in den letzten vier Jahren, seit ihr Mann weg war.
Zwar waren alle paar Monate Handwerksburschen vorbeigekommen, auf gute Arbeitsbedingungen hoffend, weil sie als alleinstehende Frau dafür bekannt war, aber die waren müde von der Walz, ausgehungert und ausgezehrt von der Mühsal der Wanderung, und nicht nur ein Mal hatte sie das Gefühl, das weiche Bett war ihnen wichtiger als ihre Gesellschaft.
Sie vermisste die Kunstfertigkeit des Verwöhnens und die erotische Finesse, und so hatten diese Kurzbesuche höchstens die Lust auf mehr geweckt.

Wie anders war dieser Mann! Ein wacher Blick, der sie sofort abschätzte und ihr gedanklich die Kleider vom Leib brannte. Und es schien ihm zu gefallen, was er da vor seinem geistigen Auge sah, denn er lächelte kurz, bevor er ihr sagte, er sei der Abgesandte und sie habe ihn wohl schon erwartet.

Erwartet war zu viel gesagt, eine Nachbarin hatte gemeint, es würden Kundschafter die Häuser inspizieren, die Vorhut der Truppen, und beurteilen, wie viele Soldaten dort beherbergt werden könnten.
Das war nun also scheinbar dieser Herr. Er meinte noch, eine abendliche Mahlzeit wäre gut, dann hätte er noch zu tun. Sie solle ihm den Schlüssel aushändigen und ruhig zu Bett gehen, er finde sich dann schon zurecht.
Weniger die Worte, sondern die Art, wie er sie sagte, gaben ihr Gewissheit: Er wollte das selbe wie sie, und das schon in dieser Nacht.

Der Hund hatte die ganze Zeit unverwandt seinen Herrn angesehen, mit einem hungrigen und ewig bettelnden Ausdruck in den Augen, sein struppiges Haar war nass und überhaupt fragte sie sich, was es denn mit diesem eigenartigen Gespann auf sich habe, der Herr, der ein so souveränes Auftreten hatte und von (den Umständen entsprechend) gepflegtem Äußerem war, und dieses abgerissene Tier.
Vielleicht hatte der Herr ihn aufgelesen, einen Streuner, den keiner haben wollte, ihn in irgendeiner Form gerettet, und das erklärte die Hingabe, mit der der Hund auf jedes Wort, jede Geste seines Herrn achtete. Er zeigte sich auch ihr gegenüber keineswegs aggressiv, wie es von diesem verwahrlosten Wesen vielleicht zu befürchten gewesen wäre, sondern eher unterwürfig und hatte sie sofort als ihm übergeordnet akzeptiert.

Sie bereitete das Essen, das hastig verschlungen wurde.
Geredet wurde wenig, sie fragte  ihn nicht, wo er noch hin wollte, so spät am Abend, und er fragte nicht nach ihrem Mann, oder ob es da jemanden gäbe.
Der Krieg verschluckte die Männer und spie sie anderswo wieder aus, und wenn sie besonderes Glück hatten, körperlich unversehrt. Wozu sich für so kurze Zeit im Gespräch vertiefen? Höchstwahrscheinlich würden sie sich niemals wiedersehen.

Nach der Mahlzeit verschwanden Herr und Hund und sie ging zu Bett, nicht ohne ihr schönstes Nachthemd angezogen zu haben und eine brennende Kerze neben dem Kopfhaupt zu platzieren, damit der Herr bei halb offener Kammertüre dann auch seinen Weg zu ihr fände, denn wenn dieser eine auch ziemlich hell schien, so waren manche Männer doch recht schwer von Begriff.

Sie dürfte kurz eingeschlummert sein, als ein leises Geräusch sie weckte.
Im schwachen Kerzenschein erkannte sie nicht gleich, wer sich da ihrem Bett näherte.
Mit einer Behändigkeit, die sie ihm nie zugetraut hatte, war der Hund auf ihre Liegestatt gesprungen, ein mächtiger Satz, und er war bei ihr. Zog die Bettdecke mit den Zähnen weg und kroch zwischen ihre Beine. Nun bereute sie fast, dass sie vorsorglich an freien Zugang gedacht hatte und so der Hund sofort an der Stelle war, die er offensichtlich anvisierte.

Sie war so überrascht, dass sie ganz vergaß, sich zu fürchten, vor Bissen oder anderen Verletzungen, und rasch stellte sie fest, dass das auch gänzlich überflüssig gewesen wäre.
Das männliche Tier zwischen ihren Beinen nämlich stellte sich überaus behutsam an und das Raue der Zunge und der viele Speichel erregten sie sofort. Der Hund leckte so hingebungsvoll, dass sie ernsthaft daran dachte, ob er durstig wäre und ihm heute schon jemand Wasser gegeben hatte. Vielleicht mochte er auch den leicht salzigen Geschmack, von dem er jetzt schon einiges abbekommen hatte.
Denn bei ihr brachen nun alle Dämme, sie war hingerissen von der sich riesig anfühlenden Zunge und der kräftigen Beständigkeit, mit der sie sich bewegte. Als ob er das schon öfter gemacht hätte, dachte sie noch, und dann überließ sie sich ganz ungeniert den sich steigernden Wonnen.
Kurz bevor sie gar nicht mehr recht bei Sinnen war, hörte sie Schritte vor ihrer Tür.

Der Herr stürmte in das Zimmer. „Jetzt sofort weg da!“ schrie er den Hund an. Dieser zog sich auf der Stelle zurück, im Rückwärtsgang, und blickte den Herrn mit geducktem Kopf an, scheinbar abwartend, ob er aus dem Zimmer gejagt würde.
Jener war aber schon mit ganz anderen Dingen beschäftigt, nämlich damit, sich den Gürtel zu öffnen und der Hose zu entledigen.
Kurz bevor sie sich seinem ihr heftig entgegendrängenden Körper ganz überließ, erhaschte sie noch einen Blick Richtung Tür, wo der Hund stand.
Der wandte sich zum Gehen, und im Halbdunkel sah sie die Umrisse seiner Rute, steil aufgerichtet in seiner viel zu weiten Hose.

Die Hasardeurin

www.verdichtet.at | Kategorie: ü18 | Inventarnummer: 13008

 

 

 

 

 

 

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