D’Fiass im Gatsch

Sie gräbt ihre Füße in die kühle Erde des frisch gepflügten Feldes, der Duft der Scholle steigt ihr befreiend in die Nase. Noch tiefer taucht sie ein mit ihren Füßen in den brauen Morast, der sich sanft um ihre Gliedmaßen legt. Sie schließt ihre Augen und breitet ihre Arme aus. Sie atmet tief ein, sie atmet tief aus, sie lässt die Energie in sich kreisen und spürt die wärmenden Strahlen der Sonne auf ihrer Haut. Vor ihrem inneren Auge ziehen Bilder vorbei, Bilder von gestern, Bilder von heute, Bilder von morgen, sie werden langsamer und immer langsamer, bis sie sich auflösen und als einzelne Farbfetzen vorbeitanzen. Sie gibt sich diesem Tanz hin und wiegt ihren Körper vor und zurück, ihre zur Seite gestreckten Arme wippen leise auf und ab und bewegen sich sanft um ihren Oberkörper. Tief atmet sie alles ein, was ihr guttut, und lässt diese Energie in ihrem Inneren kreisen, um mit dem nächsten Atemzug alles abzugeben, das sie nicht mehr benötigt, immer tiefer werden ihre Atemzüge, immer länger verbleibt die positive Energie in ihrem Körper und zieht dort ihre Kreise – immer schneller, immer wilder, immer enger, bis sie sie ganz in ihrem Gespinst glitzernder goldener Perlen einhüllt. Ihre Füße graben sich dabei noch tiefer ein in die kühle fette Erde des frisch gepflügten Feldes. Und auf einmal pulsiert es in ihren Beinen, sie spürt, wie der Saft des Lebens in ihnen hochsteigt und sie mit der Kraft der Erde erfüllt. Laut stöhnt sie auf und gibt sich dem Fluss der Energie in ihrem Inneren hin.
„Du heast, Voda, do is oba no kaa Bam g’stond’n, do om Rond vom Föd, des ma vuagestan pflügt ham … oda?“
„Na Bua, do woa a gestan in da Fruah no ka Bam!“

Waltraud Zechmeister
www.waltraud-zechmeister.at

www.verdichtet.at | Kategorie: fantastiques | Inventarnummer: 19052

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