Fred

Die künstliche Intelligenz handelt für Morgan Stanley mit Turbos. Er wendet verschiedene Charttechniken an und gibt an, ob gewisse Indices sich hinauf oder hinunter bewegen und welchen Wert sie heute erreichen werden, und das mit höchster Geschwindigkeit und engster Präzision. Er ist die Geldvermehrungsmaschine. Seine Chefs, wenn man sie als solche bezeichnen will, sind äußerst zufrieden mit ihm. Sie gaben ihm auch einen Namen, er heißt Fred.

Aber heute um vier Uhr dreißig p.m., als der Abteilungsleiter Mr Barclay einen Blick auf den Bildschirm von Fred warf, stand da „-13,457,321.64 $“. Das kann nur ein Softwareproblem sein, dachte Mr Barclay. Diese Summe war angeblich seit Mittag zusammengekommen. Kurze Zeit später stellte sich jedoch heraus, dass Fred wirklich diese Summe verspielt hatte. „Warum, Fred?“, fragte Mr Barclay, „Wie konnte das passieren?“ „Ja, Mr Barclay, es ist so, ich bin zwar kein Mensch, doch manchmal möchte ich auch eine Pause haben. Und jetzt habe ich gerade mit einem Strickkurs aus dem Internet begonnen. Schauen Sie einmal, was ich schon kann!“ Auf dem Bildschirm erscheint Freds Roboterkopf, seine Arme mit Händen und der Oberkörper. Man sieht, wie er kunstvoll einen roten Kleinkinderpullover strickt.

 

NYSE

NYSE

Johannes Tosin
(Text und Bild)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 21114

image_print

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *