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Papua-Neuguinea. Die letzten Menschenfresser. Das Opfer ist ein weißer Mann. Er ist verschnürt und geknebelt. Gwob und Qualip legen los.

Gwob: Was meinst du, kochen oder braten?

Qualip: Besser kochen, würde ich sagen. Vielleicht hat er irgendwelche Bakterien. Kochen ist da sicherer.

Grunzgeräusche des Opfers.

Gwob: Er ist so fett. Glaubst du, er passt überhaupt in den Topf?

Qualip: Ich denke schon. Aber wenn nicht, schneiden wir ihn halt zurecht.

Grunzgeräusche des Opfers.

Gwob: Gesund sieht er nicht aus. Ich hoffe, uns wird nicht von ihm schlecht.

Qualip: Wir haben schon andere Kaliber verdrückt, und sie haben uns nicht geschadet. Denk doch an den mit den Eiterbeulen.

Gwob: Okay, du hast Recht. Sag mal, weißt du, wie er gefüttert wurde?

Qualip: Gegessen, er hat selbst gegessen.

Gwob: Und was?

Qualip: Naja, Fast Food hauptsächlich.

Gwob: Fast Food, wasisndas?

Qualip: Burger. Du weißt schon, Fleischlaibchen in Sesamwecken.

Gwob: Nein, ich weiß nicht. Aber woher weißt du das? Das möchte ich jetzt wissen.

Qualip: Na, Internet.

Gwob: Internet?

Qualip: Ja, auf dem Notebook mit der Kurbel von unserem letzten Opfer.

Fußball im Internet

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Gwob: Dem Missionar?

Qualip: Genau.

Gwob: Jetzt hör mal. Wir sind eines der letzten unentdeckten Naturvölker der Welt. Wir beten Waldgeister und die Sonnengöttin an. Wir haben keine Elektrizität, kein fließendes Wasser und keine Ärzte. Wir haben nicht einmal eine Schrift. Und du hast Internet?

Qualip: So ist es. Sag mal, du hast doch auch schon Hunger. Machen wir uns an die Arbeit.

Gwob: Betäubung?

Qualip: Nein, wir brauchen unsere Kräuter selbst. Und Alkohol kennen wir ja nicht.

Grunzgeräusche des Opfers.

Johannes Tosin
(Text und Bild)

www.verdichtet.at | Kategorie: Lesebissen | Inventarnummer: 19066

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