Im Salzburgerischen

Wie, fragte mich Riemer einst im Salzburgerischen, ich etwas schreiben könne, ohne dabei etwas von mir preiszugeben. Wie, fuhr er fort, damals am Fuße des Salzburger Möchsbergs spazierend, mir einfallen könne, das von mir Geschriebene habe auch nur den geringsten Wert. Was, und er wurde dabei laut, mir eigentlich einfalle, mich eigentlich auf den Gedanken, den primitiven Gedanken, wie er brüllte, bringen könne, meine Literatur habe überhaupt einen Wert, schloss er in Rage, als wir gerade die Salzach querten.

Nichts könne ich, sagte ich schließlich, den Kapuzinerberg vor Augen, schreiben, ohne dass es von mir komme. Alles andere sei erlogen, meinte ich, noch in der Linzer Gasse gehend, hinter dem könne ich nicht stehen. Dass es keinen Wert habe, sagte ich, nachdem wir im Fidelen Affen Platz genommen hatten, sei mir ohnedies klar – wie alles in specie mortis, und bestellte das große Gulasch nach Art des Hauses. Außerdem wisse ich nichts, gab ich später noch zu, ich kenne bloß meine Gefühle und das seien die eines Menschen. Sie seien wie die eines jeden Menschen, es seien primitive Gedanken primitiver Menschen, sagte ich und sah aus dem Fenster, immer noch auf mein Gulasch wartend.

Magnus Liendlbauer

www.verdichtet.at | Kategorie: an Tagen wie diesen ... | Inventarnummer: 14019

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