Glück

Ein flatternder Vogel ist das Glück, getragen von unsichtbarer Hand.
Im Schwarm zieht er vorbei, die Sonne verdunkelnd.
Hoch oben lässt er sich nieder.
Sonnenstrahlen schlüpfen in sein Gefieder
und machen ihn trällern und tirilieren.

Schreckhaft ist das Vögelchen, immer auf dem Sprung,
zirpend und auf der Hut.
Kaum habe ich deine Stimme vernommen,
kaum haben meine Augen dich ausgemacht,
kaum habe ich angefangen, mich an deinem Anblick zu erfreuen,
da bist du schon wieder auf und davon.
Meine Augen können dir nicht folgen.
Du entschwindest dem Blick.
Ach, bleib doch, bleib,
mein kleines Vögelchen, Zippora!

Fangen möchte ich dich.
Sei mein, ja, für immer und darüber hinaus.
Vögelchen, bleib doch, sieh, hier bei mir hast du’s gut!
Sorgen will ich für dich, dich kosen.
Gut sollst du’s haben, gut wirst du’s haben!
Mein sollst du sein, mein ganz allein.

Scheu ist das Vögelchen, scheu.
Kurz nur verweilt es an einem Ort.
Vorsichtig ist das Vögelchen, vorsichtig.
Schnell hebt es sich auf und flattert davon,
getragen von unsichtbarer Hand.
Einen Lidschlag lang vernehme ich deine Stimme,
deinen betörenden Gesang.
Für einen Augenblick erhasche ich deine grazile Gestalt.
Fliegen musst du, von hier nach dort.

Das Glück ist ein Vogel, es folgt dem Ewigen.
Mal legt es sich mir auf die Haut,
mal eilt es mir voraus, mal ist es mir auf den Fersen.
Ich will nach ihm greifen, ich will es bergen.
Ehe ich mich versehe, ist es entschwunden,
weitergezogen, davongeflogen,
immer in Eile.

Claudia Kellnhofer

www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 18032

 

 

 

 

 

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