Kenntnisse einer Ehebrecherin Teil 3

Niemandem konnte ich mich anvertrauen, selbst die aufgeschlossensten Bekannten hätten das nicht verstanden. Ich verkehrte in Künstlerkreisen, und da war man einiges gewöhnt. Ein verheirateter Liebhaber fiel da nicht weiter ins Gewicht. Ungewöhnlicher schon, dass die Ehefrau diesen Ehebruch aktiv betrieben hatte, mich also eingeladen hatte, es mit ihrem Mann zu treiben, möglichst oft, damit ihr Eheschiff in ruhigeren Gewässern fahren oder sogar ankern konnte.
Aber diese andere Frau, die er nun zusätzlich beglückte, das hätte keiner verstanden. So hielt ich lieber gleich den Mund, ich wollte ja keine Skandalprotagonistin und damit im Mittelpunkt des Geredes sein. Keiner wusste, wie sich mein Sexualleben oder das meines Gespielen gestaltete. Letzteres war sogar mir ein Rätsel. Es war ja nicht so, dass er seine wochentäglichen Besuche bei mir reduzierte oder gar einstellte, nein, lediglich der Samstagsbesuch wurde zur Seltenheit, sonntags war ohnehin von Beginn an seine Frau an der Reihe. Ich war schon so gewöhnt an diesen Rhythmus, dass ich nichts Besonderes dabei fand, die Wochentagsfrau zu sein, während meiner Meinung nach die andere zur Samstagsfreundin geworden und seine Ehefrau die Sonntagsdame geblieben war.
Wo er die Energie hernahm, war mir schleierhaft. Die anstrengende Arbeit auf der Baustelle, die Kurzdusche, dann der Katzensprung in meine Wohnung, anschließend heim zu Frau und Kindern. Er war zufrieden, wollte es genau so und nicht anders.

Ich jedoch begann mich umzusehen, denn anscheinend kam eine Zeit des Zweifels für mich, ob ich ewig so weitermachen wollte. Die Wochenenden ausschließlich alleine zu verbringen, war kein Vergnügen mehr. Ging ich aus, sah ich Paare, die gemeinsam ihre arbeitsfreien Tage genossen. Rief ich eine Freundin an, so kam es nur in Ausnahmefällen zu einer zweisamen Unternehmung mit ihr, denn am Wochenende war Beziehungspflege mit dem jeweiligen Partner angesagt. Ja, wir kamen alle in das Alter, in dem solche Dinge wichtig wurden, und ich war es leid, offiziell als das arme Singlewesen zu gelten, das hie und da zu einer Veranstaltung mitgenommen wurde. Dem Junggesellen vorgestellt wurden, solche, die diesen Status gerne verlieren wollten, und welche, die sich recht wohl in ihrer Rolle fühlten und auf schnellen Sex aus waren. Die letzte Gruppe interessierte mich überhaupt nicht, so einen hatte ich schon. Montags bis freitags, für eine gute Stunde am frühen Abend.

Ich begann, mich zu entziehen. War während der Woche zuerst einmal nicht da, dann schaltete ich das Telefon aus. Hörte die Sprachnachricht ab, antwortete aber nicht darauf. Er hatte keine Ansprüche und das konnte er ruhig bemerken. Dieses Spiel betrieb ich zuerst an einem Tag der Woche, dann an einem zweiten, bis er schließlich Lunte roch und mich zur Rede stellte: Magst du nicht mehr?

Doch, das Eine wollte ich schon. Aber das andere, damit Verbundene eben nicht mehr. Kein Warten auf den Auftritt des Figaro. Kein Wochenende ohne Kontakte. Die nicht zielgerichtete Zärtlichkeit begann mir zu fehlen, und dass mir jemand in der Früh einen Kopfpolster wegzog. Immer alleine schlafen, niemals jemanden zum Reden haben am Abend, das wollte ich nicht mehr. Ich wollte einen Freund. Einen richtigen Partner. Es war so weit. Unsere Liaison neigte sich dem Ende zu.

Ich musste es ihm sagen, und seiner Frau ebenfalls. Die andere war mir egal. Vielleicht würde sie mit Freuden die freiwerdenden Tage übernehmen. Sie wirkte nicht so, als wäre sie eine Kostverächterin.
Ich vertraute auf die Schläue seiner Frau, die ich schon früher bewundert hatte. Vielleicht würde sie es mir sogar abnehmen, dieses schwierige Gespräch mit ihm zu führen. Also los.
Diesmal wollte ich sie vorwarnen und nicht einfach vor ihrer Haustüre stehen. Beim letzten und einzigen Mal, als es dazu gekommen war, hatte sie mir vor dem Gehen noch ihre neue Handynummer gegeben, man könne ja nie wissen, hatte sie gemeint. Auch damit hatte sie recht.

Ich schrieb ihr ein SMS des Inhalts, dass wir uns treffen sollten, am liebsten recht bald, zu einem Spaziergang vielleicht. Sie rief zwanzig Minuten später zurück und meinte, die Kinder jetzt zu einer Freundin gebracht und daher Zeit für unser Gespräch zu haben.

Sie kam mir auf dem Kiesweg entgegen und sah besser aus, als ich sie in Erinnerung hatte. Frischer, ausgeruhter und irgendwie munterer. Vermutlich waren ihre Kinder aus dem anstrengendsten Nicht-Schlaf-Alter heraußen. Ich kannte mich bei so etwas ja nicht so gut aus, aber das musste eine Plage sein, das Munterbleiben in der Nacht, mit einem kleinen Schreihals auf dem Arm.
Sie war wie bei unseren vorangegangenen Gesprächen direkt und keineswegs verlegen, nicht so ich.
Es gebe wohl Gesprächsbedarf, meinte sie, und ich bejahte. Gut, dass ich gekommen sei, sagte sie gleich. Sie hätte ohnehin wieder einmal mit mir reden wollen.

Nichts solle verkompliziert werden, war ihre Meinung, und sie war dafür, die Dinge gleich beim Namen zu nennen. Ich sagte, für mich sei es Zeit zu gehen, diese Viererkonstellation zu verlassen. Sie schien irritiert. Ihr Mann habe recht zufrieden und ausgeglichen gewirkt, als er morgens aus dem Haus gegangen sei, ob er schon davon wisse? Ich verneinte.
Daraufhin bat sie mich, noch ein wenig zu warten, bis es einen geeigneteren Zeitpunkt für diese Eröffnung gab. Oder ob ich bereits jemand anderen im Auge hätte, weswegen ich diesen Schritt andachte, und es deswegen eilig hätte?

Nein, keineswegs, versicherte ich ihr, und ich wollte sicher keine Schwierigkeiten machen, der Sex sei auch immer noch ausgezeichnet, aber ich hätte gerne eine Beziehung in meinem Leben, mir käme das alles zunehmend hohl und substanzlos vor, doch besondere Eile hätte ich nicht. Ich wollte sie nur darauf vorbereiten, dass sich vermutlich etwas ändern werde.
Sie seufzte irgendwie beruhigt, dann hatte sie einen nachdenklichen Gesichtsausdruck.

„Unser Nachbar, Liebes, der sucht eine Freundin. Ein sehr attraktiver Mann. Hat mir anvertraut, dass er es satt hat, jeden Abend alleine zu sein. Am Wochenende fällt ihm die Decke auf den Kopf. Am liebsten würde er durcharbeiten, damit er nicht merkt, wie einsam er ist. Der ist eine gute Partie. Ich würde ihn dir gerne vorstellen. Oder du versuchst ihn wie zufällig in der Nähe seiner Arbeit kennenzulernen, er arbeitet immer lange, bis nach 20 Uhr, danach könntest du ihm über den Weg laufen. Sein Büro liegt gleich neben einer kleinen Bar.“

So verließ ich die Frau mit einem Zettel in der Tasche und recht verwirrt. Hatte ich nun etwas erreicht oder nicht? War das jetzt so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte?

Kaum war ich in der Straßenbahn, erreichte mich ein SMS von ihr: Schätzchen, damit wir uns richtig verstehen: Ich meine natürlich zusätzlich, nicht stattdessen. Herzliche Grüße, Isabella.

Tina Fanta

www.verdichtet.at | Kategorie: ü18 | Inventarnummer: 15114

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