Alois in Ordnung?

Tiburtius hat heute Namenstag. Woher ich das weiß? Steht im Kalender. Morgen ist Waltmann fällig. Steht auch im Kalender. Namen gibt es… Etwa Dankwart oder Eustachius. Schraubt sich einem bei ersterem der Geruch von Autopolitur und Benzin in die Nase, spürt man bei Nennung des zweiten irgendwas Spitziges in den Ohren stochern. Zinelda klingt nach Tschinellentusch oder nach dem Klang von geworfenen Münzen auf einen Zinnteller und Plutonia nach der Aufforderung, umgehend die Schutzräume aufzusuchen. Petronilla wartet bestimmt Presslufthämmer in einer Firma, die sich auf Betoninstandsetzungsarbeiten spezialisiert hat, Winnie ist keine gewinnende, sondern vielmehr eine windige Type und Korbinian fristet sein armseliges Dasein wahrscheinlich als Korbflechter in Oberammergau, dem er nur anlässlich der Passionsspiele in seiner Rolle als Reservechristus alle zehn Jahre entkommt. Antwortet man einem Sixtus immer mit „ja“ oder „nein“ oder mit der Gegenfrage: „Was denn?“ Was kann man einem Tiburtius zuschreiben? Dass er mit Tuberkel eher nichts zu schaffen hat? Dass er sich stattdessen mit Burzn beschäftigt? Zunge im Mundwinkel, angestrengt Kernhäuser mit schrundigem Klingenstumpf aus Obsthälften fitzelt? Und ein Waltmann schreibt natürlich Gedichte, Schmachtlyrik, durchsetzt von Seufzern und peinlichen Geständnissen. Oder waltet als Angestellter eines aufgeblähten Verwaltungsapparates seines Amtes. Die Walpurga denkt man sich nicht auf einem Besenstiel durch Gewitterwolkenschwaden reiten, sondern im Brustharnisch hinterm Wall aus Stampflehm und Stauden eine Burg hüten. Kasimir ist, wie könnte es anders sein, eines  Katers Name. (Oder es benennt ein Arachnophiler seine handzahme Tarantel so.) Frowin muss ein unerschütterlich Frohsinniger sein, den es nach zwei Dezennien regelmäßigen Lottospielens noch immer nicht verdrießt, dass er niemals auch nur einen Cent gewonnen hat. Wolfhelm trägt die Gedächtnisfrisur, die zu ihm passt: als säße ihm, wie weiland jenem russischen Kürassier Opratschojew vor Petrowskoje eine Haube aus räudigem Pelz auf. Ein Trudpert neigt in Gesellschaft zu Impertinenz und ist nirgendwo gerngesehener Gast. Schon in der Schule galt er als Petze und bezog Dresche. Medardus macht auf Nusshändler. Das Zeug verkauft er en gros. Darunter Cashew-, Erd-, Para- und Kokosnüsse. Selber kaut er gern die Betelnuss. Davon werden ihm die Zähne gelb, aber das stört ihn nicht weiters und vor allem nicht beim Hören der disharmonischen Sinfonien von Wallingford Riegger. Bei Diethild mochten sich ihre Eltern nicht zwischen Dietlinde und Hildegund entscheiden und losten schließlich einen Kompromiss. Ihre Freundinnen, wenn sie nicht gerade „die da“ sagen, nennen sie hinter ihrem Rücken „Pummelchen“. Bernulf hat Germanistik inskribiert, in der Hoffnung, das würde ihn irgendwie inspirieren. Dabei versteht er sich eigentlich auf das Provenzalische und wähnt sich als Gemütsverwandter des Panurg aus der Rabelais-Dichtung „Gargantua und Pantagruel“. Was seine langjährige Freundin angeht, weiß er nicht, ob er sie heiraten soll oder doch lieber nicht. Weil ein Schwerhöriger einer Mutter Jostabeeren als Justabeeren verkaufte, muss ihre Tochter jetzt Justa heißen. Ihre Bekannten ziehen sie mitunter mit der einleitenden Wendung „just a …“ auf. Daraufhin pflegt sie ihre Miene wie nach dem Verzehr von Sauerkirschen zu verziehen. Eusebius wollte eigentlich professioneller Illusionist werden, also Wirtschaftsberater, wischt aber gegenwärtig im Verband einer Putzkolonne bloß Böden. Nachdem Winfriede von mehreren Seiten bescheinigt wurde, sie hätte ein gewinnendes Wesen, geht sie ins Spielcasino – und verliert. Hyazinth ist, passenderweise, Florist. Es plagt ihn allerdings eine Blütenstauballergie. Gorgonius hat zwar nicht das Antlitz der Gorgo geschaut, wirkt aber trotzdem immer ziemlich derangiert. Vielleicht sollte er den Grog, so unausgeschlafen am Morgen, doch lieber lassen. Melitta kürzt ihren Namen stets auf Mel ab, um sich Anspielungen zu ersparen, die mit Flecken am Kleid und Kaffeefilterpapier zu tun haben. Man könnte meinen, Krispin wäre ein Krispindl. Weit gefehlt, er glich bereits als Hosenmatz einem Elefantenbaby. Hermelindis ist mit einem Kürschner verbandelt, der unter anderem auch Zobel verscheuert. Die Geschäfte gehen eher flau. Da verfolgt sie die Idee, mit ausrangierten Pelzmänteln alte Stühle neu zu bespannen und sattelt um auf Polsterei. Torben, heißt es, sei gestorben. Branko wird nach ein paar Slibowitz immer andienlich-amikal und patscht einem seine Pranke auf die wenig belastbare linke Schulter, was einen einsinken lässt, aber ihn damit auch nicht sympathischer macht. Malwida könnte mal wieder nach Riga reisen, sagt sie sich, vermag sich aber nicht einmal dazu aufraffen, Stollberg zu verlassen, um ihre Tante in Berlinchen zu besuchen. Ulfried könnte auch anders heißen. Zum Beispiel Wignand. Irmtrud gilt als Trotzkopf. Wilma mit der was unternehmen, sollte man sich vorher überlegen was. Seifried erklärt sich namensetymologisch wohl als Friedbert, der auf der Seife steht. Kistenwart möchte man auch nicht heißen. Stanislaus musste ja Kammerjäger werden, zum Kammersänger fehlt ihm die Stimme. Ein Theobald hat es nicht eilig, der ist von eher eingebremstem Phlegma. Was Wunder, dass kein Theobald jemals irgendeine Rekordzeit gelaufen ist, und sei es unter Schnecken, die man auf Isomatten nagelt, und es auch in Zukunft nicht fertigbringen wird. Kilian gibt mit seinen guten Beziehungen an, gilt aber allen als Schnösel, der wenig anderes drauf hat als Larmoyanz, wenn man ihn auf seinem Gebiet der Unfähigkeit überführt. Bringfriede versteht ihren Namen durchaus als Auftrag, so kurz nachdem sie sich von Kunibert und dessen fixen Faxen trennte und stellt sich als Mediatorin beruflich neu auf. Also Tatausgleich und andere Verfahrensweisen zur einvernehmlichen Sedierung chronisch Streitsüchtiger und ihrer Opfer. Anselm arbeitet hauptsächlich über Amseln. Er ist in seiner Familie der erste Ornithologe, der einen Artikel in der britischen Fachzeitschrift Bird Study unterbringen kann. Darin verbreitet er sich über das Einemsen. Almuth nimmt im Schwimmbad allen Mut zusammen und hüpft von der höchsten Plattform des Sprungturms in das Becken. Sigismund entstellt nicht nur eine Zahnspange, die irgendwie dem Beißkorb eines American Football-Spielers ähnelt. Er erwägt auch, seine Hakennase chirurgisch zu korrigieren, erkennt aber anhand der Gesichter von Bernward und Britney Spears, dass das auch schiefgehen kann. Damian ist gar nicht der Dummian, für den ihn viele halten. Den Einfältigen zu markieren ist nur Pose, andere sagen: Chose. Es gelingt ihm recht überzeugend, seine Belastbarkeit hinter einer Fassade aus Faulheit und Widersetzlichkeit zu verbergen. Cordelio kann sich seinen Vornamen auch nicht erklären und tippt auf „Schreibfehler“. Seine Stiefmutter vermutet, er rühre von seiner echten Mutter Vorliebe für eine bestimmte italienische Eissorte. Eulalia könnte der euphemistische Name für eine Geschützbatterie sein und natürlich möchte man mit der keinen Streit anzetteln. Wer lässt sich schon gern, erst halb aus dem Bett, wenngleich auch nur verbal, auf nüchternem Magen niederkartätschen? Herr Zacharias heißt der Oberkellner im Café an der Esplanade und der ist voll auf Zack, bringt dir dein Pils an den Tisch, noch bevor du dich überhaupt gesetzt und es bestellt hast. (Was zwangsläufig darauf hindeutet, dass er dich verwechselt.) Gangolf war früher Unruhfabrikant, also als Zulieferbetrieb eines jurassischen Uhrenherstellers selbständig, ist aber jetzt nur noch mit der Verbesserung seines Handicaps beschäftigt. Nein, Engelmar sieht keine schwebenden Leintuchgestalten vor seinen Augen wandeln, nach dem Aufschrauben des einen Fläschchens „Goldwasser“ zu viel. Aber er rudert dann beim „Ritt der Walküren“ mit schwungvollen Armbewegungen das Dirigat jenes verblichenen Maestros in seinem Diwan mit, der einst eine bestimmte Frage, seine Vergangenheit betreffend, mit einer motzigen Gedächtnislücke beantwortete. Gunilla hat eine Vorliebe für alles, was sich in die Länge zieht und man trotzdem kauen kann. Zum Beispiel Schnüre aus Lakritze. Solange Solange nur so dasteht, als könnte sie kein Wässerchen trüben, macht sie das nicht verdächtig. Aber der Schattenwurf ihres Profils verrät sie, findet ein als Sachverständiger beigezogener Scherenschnittkünstler, der ihre Pausbacken als das Depot der entwendeten Diamanten deutet. Der Rest ist für Eilhard, den Kommissar, reine Routine, also Papierkram und Kaffee aufsetzen. Richilde hat es mit dem Fliegenfischen. Zwar hat sie keinen Riecher dafür, sprich: für die Fische – was diese an ihr zu schätzen wüssten, reflektierten sie außersinnlich – aber sie schätzt die Bewegung in der freien Natur. Dolf gilt so manchem als Dolm. Intelligent tun, kann jeder, verantwortet er sich, es nicht sein, das verlangt Mut! Er saß für Jahre als Abgeordneter im Parlament. Romilda spielt am liebsten Rommee, verliert aber nicht gern. Was sie in ihren Kreisen nicht sonderlich beliebt macht. Nur zu Urte fehlen dir die Wurte.

Bernhard Hatmanstorfer

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 15047

image_print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert