Fallstricke 1 - Wider die Emanzen

Diese verkrampften Kampf-Emanzen, / nach deren Pfeife alle tanzen!
Es ist genug, es ist zu viel, / wir spiel'n jetzt unser eig'nes Spiel!
Wir wollen Männer, tough und stark, / und dominant und ganz autark!
Wir lassen uns recht gern beschützen / – zurückgelehnt, statt selber schwitzen.
DIE soll'n das Geld nach Hause tragen, / und dafür dürfen sie uns sagen,
wo's langgeht. Uns ist das egal, / denn wer die Wahl hat, hat die Qual!

Er muss früh raus, wir bleib'n im Bett, / dann ins Caféhaus – das ist nett!
Bis wir dann heimgeh'n kann inzwischen / die Putzfrau alles sauberwischen.
Kommt er nach Haus, wird er verwöhnt, / und wieder mit der Welt versöhnt,
weil er ja, wenn auch widerwillig, / brav zahlt – das ist nur recht und billig.
Will er dann Kinder, uns ist's recht. / – Ein Kindermädchen wär nicht schlecht!

Er sagt, das geht sich nicht mehr aus. / Er sagt, du bleibst jetzt schön zu Haus.
Und wegen der horrenden Kosten, / streicht er auch gleich den Putzfrauposten.
Nun Tag und Nacht Kindergeschrei, / ihm ist das völlig einerlei.
Denn was das heißt, kann er nicht seh'n. / – Der Mann muss ja zur Arbeit gehn.
Wir machen Frühstück, kochen, putzen, / was uns're Kinderlein verschmutzen.
Und abends nach des Tages Plagen / hör'n wir ihn immer öfter sagen,
wir seien in letzter Zeit ein wenig / abgenützt und unansehnlich.

Jetzt haben wir den Schwarzen Peter! / Nach Hause kommt er immer später,
und auch mit Geld kommt er nicht mehr, / wenn wir nicht betteln – danke sehr!
Das Selbstbewusstsein ist schon platt, / weil er jetzt eine Freundin hat.
Ganz skrupellos und ungeniert / hat er sie auch noch ausgeführt.
DIE kann sich's leisten, kann sich's richten! / Kein Haushalt, keine Kinderpflichten,
nur ihre tolle Karriere – / doch viel zu spät kommt diese Lehre!
Weil wir – wie möchten wir uns hassen – / uns hab'n so gern beschützen lassen,
vor dieser rauen harten Welt! / Jetzt steh'n wir da, ganz ohne Geld!
Kein Job und keine Zukunftschancen. / Müssen nach seiner Pfeife tanzen,
und müssen uns zufrieden geben, / mit was er gibt von seinem Leben!

Alternativ gäb's noch die Scheidung, / doch dann hängt's ab von der Entscheidung
eines Gerichtes dergestalt, / was rechtens ist an Unterhalt.
Sobald die Kinder außer Haus / sieht's insgesamt recht traurig aus.
Auch in Bezug auf neue Liebe / ist reichlich Sand in dem Getriebe.
Zum einen punkto Partnerwahl, / denn jung und knackig war'n wir mal.
Zum anderen sei angemerkt, / dass uns den Rücken auch nicht stärkt,
wenn – sollten wir doch jemand finden / und überlegen, uns zu binden –
sobald man sich zusammentut, / der Unterhaltsanspruch dann ruht.
Jedoch nicht erst ab neuer Ehe, / durch die Versorgung neu entstehe,
sondern bereits ab dem Moment, / in dem der Ex zum Richter rennt,
weil er glaubhaft machen kann, / dass uns mit einem and'ren Mann
ein – wenn auch zartes – Band verbindet, / und sich aus der Verpflichtung windet.

Er seinerseits ist gänzlich frei / für jede Art der Liebelei.
Seine Arbeit gegen Lohn / verschafft ihm diese Position.
Und keiner mehr denkt jetzt daran, / dass der Mann nur leisten kann
mit voller Kraft am Arbeitsmarkt, /weil wir bis nahe dem Infarkt
gerackert in den hinteren Reihen, / ihn, Haus und Kinder zu betreuen.
Nach all den Jahren wie zum Hohn / gibt's nicht mal Anspruch auf Pension,
wenn wir des Unterhalts verlustig, / weil uns die Einsamkeit zu frustig.
Wenn also keiner mehr bereit, / für uns'ren Rest an Lebenszeit
versorgungsmäßig aufzukommen, / indem er uns zur Frau genommen,
bezahl'n wir bis an uns're Bahre / den Hochmut uns'rer jungen Jahre:
Auf uns'ren selbst gewählten Wegen / lacht Altersarmut uns entgegen!

Michaela Harrer-Schütt

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 14068

 

 

 

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