Der Versuch einer Würdigung eines Versuchs …

Diese Frau wurde in eine Zeit geboren, als die Männer noch richtige Männer waren und die Frauen noch richtige Frauen.
Die Emanzipation war (für  manch einen) beruhigend weit weg, auf dem Bauernhof im Mühlviertel, in dem Leben mit zehn Geschwistern, Tieren, Feldern, da war genug zu tun, und jede und jeder wusste, was anstand.
Gähnende Langeweile oder sinnloses Konsumieren gab es nicht.

Die Abwechslungen für die Kinder waren der Kirchenbesuch, Familienfeierlichkeiten, Hochzeiten, Taufen, Begräbnisse, leider, und der Schulbesuch.

Da ist irgendwie der Wurm drin, so gelingt die erhoffte schriftliche Annäherung nicht.
Ich kann zwar die Zeit zu verstehen versuchen, das Umfeld des Aufwachsens, die Umstände allgemein, was ich aber so nicht kann: erklären, warum diese Frau so ist wie sie jetzt ist, mit ihren etwas mehr als sechzig Jahren, mit einem Lebensweg, der nicht immer schnurgerade verlaufen ist, zu ihrem Glück?

Sie wollte nie zuviel, hat aber oft zu wenig bekommen, so sehe ich das.
Dabei hält sich ihr Bedauern in Grenzen, und mit Selbstmitleid hat sie wenig am Hut.
Eine einzige Frechheit ist ihre finanzielle Situation, wie die so vieler ihrer Generation (und auch die jüngerer Frauen mit „Betreuungspflichten“, wie es so schön heißt; ob es künftig besser wird,  bleibt abzuwarten):
Nach über vierzig Jahren, die der Arbeit und der Kindererziehung gewidmet waren, und das durchaus in erheblichen Anteilen und mit großer Herzlichkeit und Engagement, darf sie sich nun über eine minimale Pension „freuen“. Sie schafft das, wie so vieles andere zuvor auch.

Das Aufrappeln, das Aufstehen, Kämpfen und Weitermachen, das hat sie von ihrer Mutter. Die kam mit besagten elf Kindern und einem teilweise kranken Mann auf einem Bauernhof gar nicht dazu, ihr Los zu bedauern.
Und das Hadern mit dem eigenen Schicksal, mit den Vorgaben, die gemacht wurden: Wer das im und nach dem Krieg nicht getan hat, sieht auch in Friedenszeiten keinen Grund dafür.

Was für ein gewaltiges Erbe sie da angetreten hat, und wie sie es mit Bravour lebt, dieses bescheidene, kluge, freundliche Leben!
Diese Frau liest mehr als manch akademisch Gebildete und hat einen Scharfsinn, der immer wieder verblüfft. Woraus sie schöpft, hat sich vielen anderen, von Anfang an weicher Gebetteten, noch nie erschlossen.

Nicht der Eigennutz treibt sie an, niemals; die soziale Einstellung und der Gerechtigkeitssinn gehören zu ihrem Leben einfach dazu.
Ihren drei Kindern ist sie bis heute eine liebende, aufmerksame Mutter, auch wenn diese schon lange erwachsen sind.
Sie stand zu jeder Zeit und in jeder Situation hinter ihnen, so unterschiedlich die drei auch sind. Sie nahm ihre Kinder immer wichtiger als sich selbst und fand das selbstverständlich.
Vielleicht hätte sie ihnen gerne mehr geboten, das bedauert sie manchmal, und dass ihnen ein Aufwachsen in einer intakten Familie verwehrt geblieben ist.
Ihr Bemühen war es aber, das ihre Nachkommen geprägt hat, viel mehr als das „Scheitern“ in diesen einzelnen Bereichen, das sie manchmal - allzu selbstkritisch - sieht.

Das Rüstzeug, das sie ihnen mit auf den Weg gegeben hat, ist von unschätzbarem Wert.
Und so wird dieser kurze Text zu dem Versuch einer Würdigung eines Versuchs, vor allen anderen Dingen eine gute Mutter zu sein.

Alles Gute zum Muttertag, liebe Mama, Du bist die Beste!!!

Carmen Rosina

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 14046

image_print

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *