Die Himmelslaterne

Mehl, Hefe, Wasser, Salz, Olivenöl auf einem Tisch am Fenster.
Ein heißer Sommertag mit leichter Brise, die Mehl und Salz streichelt. Das Mehl ist weich, ich würde mich gerne darauf hinlegen und träumen, wie auf einer Wolke. Salz ist roher, kratzt, reizt die Haut, aber gleichzeitig heilt es. Es glitzert wie eine Handvoll Kristalle, ein verborgener Schatz. Er kommt aus der Meerestiefe, wurde von den Piraten begehrt und war der Schmuck einer kecken Meerjungfrau. Jetzt ist es auf einem Küchentisch gelandet und glänzt. Ein Glücksbringer für Genießer.

Eine Fliege summt und hält sich auf einem Würfel Hefe: „Aha, ein Wolkenkratzer!”, denkt sie sich, aber merkt, dass es keine Fenster gibt und keine menschlichen Stimmen darin zu hören sind. Komisch. „Ist es vielleicht ein Spielwürfel? Könnte sein … jedenfalls hat es was Geheimnisvolles, Magisches.” Die Fliege ist neugierig und versucht ein Stückchen abzubeißen: „Das kann man doch essen, was für ein eigenartiger Geschmack!” Sie spürt plötzlich heiße Luft in ihrem Körperchen und fliegt aus dem Fenster. Sie wird größer und größer, leichter und runder. Die Fliege kreist im Himmel und wird von den Vögeln bestaunt. Sie kann die Flugrichtung nicht mehr bestimmen und lässt sich treiben.

Annamaria Bortoletto
https://laltraidea.wordpress.com

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 20056

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