Geschichten, die das Leben speit II – Der Herr Nachbar

„Komm heraus, Du Wolf! Heraus mit Dir!“ schrie der mit Anabolika bis oben hin vollgepumpte Türstehernachbar und klopfte dabei mit beiden Hammerfäusten wie rasend an die dünne Genossenschaftswohnungsaußentür der zarten rothaarigen Physiotherapeutin Dorli. Dabei pumperte er wie ein Besessener völlig irr hämmernd an die dünne Spanplattentür mit weißen Plastikfurnieren. „Heraus, Du Wolf!“ Dorli war schockiert und stand wie in Schockstarre im Gang, während der Irre draußen brüllte wie am Spieß. Plötzlich krachte es, die Türe splitterte und seine dicke gedopte Kraftsportlerfaust steckte mitten im Türblatt. Unvermittelt griff dieser abgefahrene Henker dann nach innen und öffnete dabei die Türverriegelung und verschaffte sich gewaltsam Einlaß zur 32-m²-Single-Wohnung der Kärntner Landesbediensteten, die schon so manchen Falott das Flüchten gelehrt hatte.

Dorli nach dem Geschehnis im Originalton: „Anabolika – Du wirst zum Stier und kannst Di nimmer kontrollieren!“

Als er wutschnaubend auf Dorli loszugehen drohte, faßte sich diese ein Herz und erinnerte sich an ihre Nahkampfausbildung als Hauptschullehrerin in Klagenfurt-Viktring: Sie packte den Strolch fest an den Eiern, zwickte ordentlich zusammen und sah ihm schnürlgerade in die Augen: „Laß mich in Frieden, Du Beidl, hörst Du?“ Da wurde Mr. Anabolika plötzlich munter und erwachte aus seinem Tablettendelirium, machte kehrt und sagte: „Und des ane sog i Dir: De Tür ersetz i Da!“

Elmar Mayer-Baldasseroni
https://elmarmayerbaldasseroni.wordpress.com/

www.verdichtet.at | Kategorie: schräg & abgedreht | Inventarnummer: 20047

(Auf Wunsch des Autors wurde bei diesem Text auf manche Lektoratskorrektur verzichtet und der Text großteils im Original belassen.)

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