Archiv des Autors: Redaktion verdichtet.at

Übers Warum und Wie

Was soll man dazu sagen, außer ach?
Es ist doch so, dass der, der strebt, meist irrt.
Und deshalb ist die Menschheit viel zu schwach,
sie denkt in einem fort, und doch ist sie verwirrt.

Fast alles ist geschrieben und gesagt.
Warum, muss man sich ernsthaft fragen?
Was es bloß ist, das da so tierisch an uns nagt?
Soll man denn überhaupt noch etwas sagen?

Und einzig und allein, dass ich nichts weiß,
trotz langer Reden scheinbar’ Sinn.
Was ich nicht weiß, das macht mich auch nicht heiß,
und dazu kommt, dass ich auch da nicht sicher bin.

Weiß Gott!, es gibt ja mannigfach’ Probleme.
Und ein Problem hat jeder einmal dann und wann.
Doch wenn man es nicht löst, dann gibt es Häme.
Darum beweist man einfach, dass es gar kein’s seien kann.

Nur Mut, so stürz dich ruhig ins Leben!
Was wär das Leben denn schon ohne Risiko?
Spring nur hinein und lebe es mal eben,
auch wenn du’s nicht lebst, stirbst du eines Tages sowieso.

Der lebt sich leicht, der ein Warum zum Leben hat.
Hat man kein Wie, dann wagen wir es nicht.
Weil wir’s nicht wagen, wirkt alles ziemlich matt,
und seh’n am End’ des Ganges auch kein Licht.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26226

 

Klarheit ist kein netter Wunsch

Klarheit ist kein netter Wunsch
kein Gedankenspiel
kein Rätselraten

Klarheit ist das, was greifbar ist
ein Ja
ein Nein

Klarheit braucht keine Masken
kein Gewand
ist kein Labyrinth

Klarheit ist kein Suchen zwischen den Zeilen
ungefiltert
auch wenn sie nicht gefällt

Klarheit als Zustand
als Wert
direkt

Klarheit ist ein ruhiger Blick
einfach da
unverstellt

Klarheit ist wie ein Aufatmen
ein Geschenk
und oft leise

Manuela Johanna Holl

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26225

Archiv August 2026

29.8.26: Antonia H.: Reisenotizen Berlin-Brandenburg
29.8.26: Bernd Watzka: Herlicek – Petri Heil Im Stadtpark
29.8.26: Johannes Tosin: Meine Blume
29.8.26: Johannes Tosin: Der nullte Tag
23.8.26: Frank Joussen: Menetekel im Sommer 2026
23.8.26: Norbert Johannes Prenner: Moral
23.8.26: Bernd Watzka: Herlicek – Klima-Anpassung
23.8.26: Johannes Tosin: „Brot ist nie hart“
23.8.26: Antonia H.: Reisenotizen Hamburg
23.8.26: Johannes Tosin: Im braun-orangen Traum
16.8.26: Frank Joussen: Das Meer
16.8.26: Antonia H.: Reisenotizen Dänemark
16.8.26: Bernd Watzka: Herlicek – Sommerregen
16.8.26: Norbert Johannes Prenner: Das mit dem Altwerden
16.8.26: Robert Müller: Erben gesucht
16.8.26: Johannes Tosin: Der Vater sitzt da
16.8.26: Johannes Tosin: Zurück in der Steinzeit
9.8.26: Sonja Steingreß: Loslassen zu Lebzeiten
9.8.26: Frank Joussen: Zurück zu meinem ältesten Freund
9.8.26: Norbert Johannes Prenner: Zurück in die Zukunft
9.8.26: Michael Bauer: Mittagspause
9.8.26: Antonia H.: Reisenotizen Schwaben (Alemannengebiete)
9.8.26: Bernd Watzka: Herlicek – Stadtflucht
9.8.26: Johannes Tosin: Chamäleon
9.8.26: Johannes Tosin: Niemals logisch
1.8.26: Bernd Watzka: Herlicek – Kühlung
1.8.26: Johannes Tosin: Kleine Schätze
1.8.26: Norbert Johannes Prenner: neologisch
1.8.26: Antonia H.: Reisenotizen China (Sechuan und Yünnan)
1.8.26: Johannes Tosin: Der Sünder

„Brot ist nie hart“

Mit Dank für die Erzählung an meine Gattin Irmgard

„Brot ist nie hart“, sagte der Vater immer, wenn sich seine Kinder beschwerten, dass das Brot ungenießbar sei. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren karge Zeiten. Essen wurde nicht weggeworfen, auch hartes Brot wurde stets vertilgt.

Die Kinder kannten die Geschichte, von der dieser Satz rührte. Eines seiner Enkelkinder schrieb sie dann auf.

Sie geht folgendermaßen:
Im Zweiten Weltkrieg war der Vater aufgrund seines Glaubens als Zeuge Jehovas in einem Konzentrationslager interniert. Er bekam eine schwere Lungenentzündung. Sein Aufseher ließ nicht zu, dass ein Arzt seinen Zustand begutachtete. „Du wirst sowieso sterben“, sagte er zu ihm. Jedoch wärmten ihn seine Mitgefangenen. Abwechselnd legten sie sich zu ihm, so lange, bis sein Fieber nachließ, mehrere Wochen lang. Das war seine einzige Behandlung. Sie rettete ihn vor dem sonst sicheren Tod.

Jahrzehnte später traf der Vater, nun auch ein Großvater, in Graz zufälligerweise auf seinen ehemaligen Aufseher, der nun, so wie er, ein alter Mann war. Der Vater erkannte ihn innerhalb weniger Sekunden.

Sein ganzer Schrecken war ihm abhandengekommen, er war schwach geworden, doch in des Vaters Augen gänzlich nicht bemitleidenswert. Wahrscheinlich erkannte auch der ehemalige Aufseher den Vater, doch er ließ sich nichts anmerken.

Der Vater trat vor ihn, sah ihn gerade an. Er sagte ihm, wer er war, sonst nicht viel, aber dieser eine Satz war dabei. „Und doch habe ich überlebt!“

Das ist wahre Härte.

Brot und Salz für die Toten

Brot und Salz für die Toten

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26219

Moral

Fragt man, wie die Leute handeln,
derweil sie hier auf Erden wandeln?
Was ist davon zu erwarten?
Ein Spiel, mit meist verdeckten Karten.

Der Mensch ist ein soziales Wesen,
so steht es überall zu lesen.
Er lebt gesellig in Gemeinschaft,
und hält auf Liebe und auf Freundschaft.

Kriegt man das alles anerzogen?
Wie wird der Umgang denn gepflogen?
Hält man sich streng an die Gebote,
und wenn nicht, gibt es dann Tote?

Zum Vergleich, wie soll man leben?
Gutes stets zur Pflicht erheben?
Was man tut und auch was nicht,
ist letztendlich Bürgerpflicht.

Schließlich geht es um Moral,
jetzt, wie anno dazumal.
Dem Kollektiv es zu erleichtern,
heißt, Werte für die Nachfahr’n speichern.

Sich Gesetzen unterwerfen
und für den Alltag gute Nerven
haben, ehrlich über alles sprechen,
möglichst keine Regeln brechen.
Rücksichtsvoll, wär eine Freud’,
fair und kompromissbereit.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26220

Menetekel im Sommer 2026

Verbranntes Gras, wohin das Auge schaut.
Vertrocknete Feldfrüchte vielerorts.
Ein verblasstes „Schwere Schäden am Radweg“-Schild;
keinen kümmert’s,
außer einen verschwitzten Radfahrer.

Zur Auswahl stehen: Waldbrände oder Überflutungen,
Hungersnöte oder Flüchtlingsströme.
Die großen Menetekel nicht nur dieses Sommers
erscheinen immer pünktlich um 20 Uhr
wie von Geisterhand erzeugt vor uns.
Kaum ein Politiker kümmert sich darum.
„Gewählt wird hier ja erst im Herbst“, sagt der Experte.

Verbranntes Kind scheut das Feuer?
Mitnichten!
Belsazar hatte kaum eine Chance,
das Menetekel zu verstehen und
entsprechend zu handeln.
Direkt danach kam seine letzte Nacht.
Wir haben viele Chancen
– gehabt!
Ein paar bleiben uns noch,
bevor bei uns die Lichter ausgehen.

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 26217

Bisher auf verdichtet.at zu finden:

Erben gesucht

Wenn heutzutage ein deutlich älterer Mensch stirbt, womöglich noch der letzte seiner Generation in der Familie, dann hat er/sie keine Erben. Auch wenn Kinder da sind, Enkelkinder, und Cousins oder Nichten/Neffen und deren Nachkommen. Denn keiner, wirklich niemand will seinen Kram, der sicher zwei, drei große Container ausmacht, aussortieren und womöglich das eine oder andere Stück behalten oder weitergeben an jemanden, der das noch brauchen kann.

Nein, nein, wir reden hier nicht von Leibwäsche, getragenen Schuhen und Kleidern und Alltagsgeschirr, oder Kleinkram und abgenützten Möbeln. Das ist sowieso Container-Futter. Desgleichen Bettwäsche, Radio, TV-Apparat, Fotoalben etc.

Obschon das eine oder andere hinterlassene Stück noch auf Jahre hinaus gute Dienste tun könnte: der kaum getragene „Schladminger Überrock“ aus grauem Loden, die neuwertigen Waldviertler Schuhe, der heute nicht mehr erhältliche grüne Hubertusmantel, der stabile Regenschirm und die seinerzeit teure Omega-Seamaster-Armbanduhr? Der gut erhaltene türkische Teppich, die drei „schönen“ Bilder mit Goldrahmen? Der Laptop und das Handy? Die beiden Pendeluhren und der kleine Kristallluster?

Problematischer wird es bereits bei hinterlassenen Büchern: Die „Donauland-Qualität“ kommt sowieso ins Altpapier, aber was tun mit „höherwertigen“ Werken? Nicht einmal die Caritas nimmt mehr Bücher an, der Mitarbeiter vor Ort kann oft kaum Deutsch. Wohin mit den Klassikern, den deutschen Romantikern, den Waggerls und Rilkes, den Nobelpreisträgern der Moderne, den guten Sachbüchern und zeitgeschichtlichen Romanen der letzten zwei Jahrhunderte? Als der Autor letzthin die Bibliothek einer großen Volksschule fragte, ob Platz für gut erhaltene Märchen- und Kinderbücher wäre, war die „zurechtweisende“ Antwort: „Aber nur nach der neuen Rechtschreibung!“ Da rotieren Wilhelm Busch und die Gebrüder Grimm wohl noch heute im Grab!

Und geradezu traurig schaut es beim Werkzeug aus. Wer will heute noch die vielen eisernen „Gehilfen“ wie Zangen, Hämmer, Stecknussgarnituren, Maurer-, Schmiede- und Tischlerwerkzeug und all das, was „man“ seit ewig für Garten und Haus in Verwendung hatte? Der heutige Laptop-Athlet kann wohl nicht einmal den schweren dreiteiligen Werkzeugkasten auch nur hochheben! Die Axt im Haus erspart den Zimmermann, hieß es früher, die jungen Leute von heute wissen wohl nicht einmal, was eine Axt ist. Wer braucht heute noch eine Wasserwaage, ein gewaltiges Schraubensortiment? Und selbst „Holz machen“ und damit einen Ofen heizen – oh Gott, wer tut das noch – wir haben doch eine Wärmepumpe!

Nein, es ist schlimm genug – wenn man zurückdenkt, wie schön und kreativ man „damals“ gearbeitet, ein Werk mit eigenen Händen geschaffen hat – Handwerk eben. Und nun rosten Schaufel, Mörtelschöpfer, Maurerpfandln, Lot, Kellen und Streichbretter, Schiebetruhe, Schotterrechen, die elektrische Mischmaschine, Spannzwingen, Schiebelehre und Tischlerwinkel, etliche Schleif- und Bohrmaschinen und sowie Fliesenleger- und Bodenleger-werkzeug vor sich hin. Da warten Kilometer an Stromkabeln für 220 und 380 Volt in Bündeln oder Rollen, Zimmermannsbleistifte, Maßbänder und Gliedermaßstäbe (somit eine unüberschaubare Woge an Trainingsgeräten für Körper und Geist, möchte man sagen) vergeblich auf ihren Einsatz! Um „entsorgt“ zu werden! Da graust einem schon bei diesem Wort!!! Gutes, brauchbares Werkzeug entsorgen, verbrennen, vernichten, im besten Fall einschmelzen!! Einen Mann der Kriegs- oder Nachkriegsgeneration schüttelt es bei diesem Gedanken!

Tja, was gibt es sonst, was den vorigen Generationen begehrenswert, nützlich und wertvoll war, was die neuen Generationen aber ganz einfach als unnötig empfinden, eher als störend, nur Arbeit erfordernd und nicht mehr „zeitgemäß“:  Da wären die handwerklich solide gearbeiteten Sitz- und Liegemöbel, mit Massivholzgestell und aufwendiger Meistertapezierung, die Hartholzschränke mit fein poliertem Innenleben, die Kredenz aus Großmutters Zeiten, in Fichte Vollholz, mit verglastem Oberteil und Porzellanknöpfen. Auch der schwere Esstisch und die Stühle aus Eiche finden nur selten einen „Abnehmer“, während der mit grünem Leder bespannte große Ohrenfauteuil und die Bodenstanduhr mit Schlagwerk, diese beiden Glanzstücke gutbürgerlicher Wohnkultur, zumeist als langjähriges Inventar von Altwarenhändlern auf den Holzwurmtod warten.

Tja, und dann sind noch die „Erbstücke“ der Frauen zu betrachten:
Da wären die mühsam ersparte Kenwood-Küchenmaschine, der Miele-Herd mit etlichen Finessen, die erst achtjährige Waschmaschine mit Trockner, das „gute“ Porzellan, die teuren AMC-Töpfe für alle Herdarten, der starke Dyson-Staubsauger, um nur mal den Haushalt zu nennen. Dazu die beiden Pelzmäntel, an die 36 Paar kaum getragene Schuhe und Handtaschen und etwa sechs Laufmeter Kleidung.
Und letztendlich der Inhalt der Schmuckkassette, in Gold, Silber und Mode. Nun, das Edelmetall lässt sich wenigstens leicht verteilen oder verkaufen.

Ob wohl mancher diese Welt verlassende Mensch leichter Abschied nehmen würde, wenn er keine Berge an „Restmüll“ zu hinterlassen hätte? Ein großzügiger Haus-Flohmarkt zum 70er wäre da sicher keine schlechte Idee.

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt| Inventarnummer: 26214

Das mit dem Altwerden

Wie schnell uns doch die Zeit vergeht,
als möchte sie uns überholen.
Im Tempo liegt, was sie verrät,
kostbar wär sie, nicht gestohlen.

Nicht bloß die Jahre zähl’n im Leben.
Das Jungsein, eine Gnade der Natur!
Doch in den Jahren zählt das Leben,
und alt werden, als ihre Laune nur.

Die Jugend weiß meist, was sie will.
Wenn auch das Stürmische verraucht,
was zuvor laut, und bunt und schrill,
es weiß das Alter, was es braucht.

Scheint es auch trüb und ohne Freuden,
was mit dem Alter jähe endet.
Die neuen Freunde heißen Leiden,
und Hoffnung gilt schon als verschwendet.

Alt werden, zunächst ein Glück,
für den, der noch gesund und frei.
Das Schicksal lenkt unser Geschick.
Die Hauptsach’ ist, man blieb sich treu.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26215

Georg Müller

Georg Müller – das ist ein fiktiver Name, damit er mich nicht verklagen kann, obwohl ich befürchte, dass es etliche Georg Müllers gibt, aber belassen wir es dabei –, Georg Müller also bezeichnet sich im YouTube-Clip als führender Experte des Off-Stock-Exchange-Marktes.

Was bedeutet Off-Stock-Exchange-Markt?, fragst du dich nun bestimmt. Das ist ganz einfach erklärt: Das Geld, das du auf dein „Brokerkonto“ überweist, wird nicht einmal in etwas nicht Existentes investiert. Es wird gar nicht investiert, in Sekundenschnelle beiseitegeräumt von Georg Müllers automatischem Programm.

Die Straßenbahn der Linie 71 - Börse - nähert sich am Abend des 18. Februar 2023

Die Straßenbahn der Linie 71 – Börse – nähert sich am Abend des 18. Februar 2023

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: drah di ned um … | Inventarnummer: 26206