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Herlicek – Stadtflucht

Herlicek verlässt die Stadt,
er hat die Hitze einfach satt.
Er setzt sich in die Bundesbahn,
fährt nach Sankt Veit an der Glan.

Was tut er wohl im Kärntner Land?
Der Weg dorthin ist allerhand
(fast vier Stunden von daheim).
Er reiste nur – für diesen Reim.

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26184

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Reisenotizen Schwaben (Alemannengebiete)

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Schweiz, Schwaben und Vorarlberg sind für mich (aus der Perspektive des österreichischen Nordens) wie eine Torte samt Füllung und Glasur.

Der erste Blick fällt ja meist auf die Glasur: Härter als Teig und Füllung ist mein Eindruck von ihr dennoch nur scheinbar matt oder gar glatt. DAS Gefühl, durch eine durchaus manchmal wehrhafte Hülle zum delikaten Kern zu gelangen, möchte ich nie mehr missen. Nussig-schokoladiger und ein wenig herber Geschmack mutet durchaus eidgenössisch an.

Der Teig gerät meist fluffig. Dabei darf man bei den Vorarlbergern nie nach Gehör gehen, man muss schon auskosten. (Wer es pikant liebt, könnte sich ja auch an Käse halten, aber ich fange hier nicht an, kleine Brötchen zu backen.)

Schwaben gleicht unterschiedlichen Marmeladeschichten, die sparsam verarbeitet sind und dennoch keine einzige der Qualitäten vermissen lassen, wegen der man diese Frucht gerne nicht nur mit Butterbroten, sondern auch nobel mit Torten kombiniert. Das Allgäu wäre meinen Erfahrungen nach die feinste Konfitüre, mit der man ein Süßgebäck füllen kann.

Ich darf vermuten, dass es sogar rund um den Globus Menschen gibt, die, ohne zu verreisen, auch Ähnliches bei diesem Menschenschlag empfinden könnten. Vielleicht aber passiert das bei allen Begegnungen mit Volksgruppen, die in die Fremde zogen, um dank Zusammenhalt, Zähigkeit und Fleiß ihr Glück zu finden. Dabei an Ale-Mannen (und -Frauen) zu denken, liegt halt gerade nahe.

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Tatsächlich die Gegend, wo „Heidi“ spielt.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26181

Ein Untag

Ein Untag, der, kaum hat begonnen,
schon scheint’s dem Morgen echt vermiest.
Dem Kaffee ist gar die Milch geronnen!
Ein Tag, der nicht zu retten ist.

Was ist’s so dunkel?, jetzt sag bloß!
Was ist denn mit der Sonne los?
Nur am Gesims ein leises Klopfen?
Das klingt verdammt nach Regentropfen!

Auch das noch! Unglück, das sich häuft.
Der Tag im Regen mir ersäuft.
Im Zimmer duster, nicht ein Schein.
Und mir fällt nichts zu schreiben ein.

Was kann mir, armem Wurm auf Erden,
an einem Tag wie diesem werden?
Der Löffel fällt mir aus der Hand.
Ein Bild hängt schief, dort an der Wand.

Und am WC, dort tropft der Hahn.
Ich schwör’s, ich hab ihm nichts getan!
Es schließt auch nicht die Kühlschranktüre.
Woll’n sich nicht dreh’n, ihre Scharniere.

Und niemand will etwas von mir.
Nichts will gelingen, jetzt, und hier.
Selbst das geliebte Herz, das rege,
ist fort. Geht seine eig’nen Wege.
Ein Häuflein, das sich Elend nennt,
das bleibt zurück, einsam, und flennt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at |Kategorie: an Tagen wie diesen … | Inventarnummer: 26180

Musik

Mit Musik geht meist einher,
was sie ist und was hört wer?
Will man bloß berieselt werden?
Mit Siegfried bei Wagner sterben?
Satisfaction mit den Stones?
Shake your head and all your bones!

Singt wer oder spielt ganz toll,
sagt man, das ist anspruchsvoll.
Hochberühmte Komponisten
reihen sich in langen Listen.

Manch einem reicht das Grundgerüst,
welches der Bassdrum-Rhythmus ist.
Hi-hats-Snare-Sounds machen Groove,
geächtet sei der, der dies schuf.

Teil der Bildung wär Musik,
so wie Prosa und Lyrik.
Doch nicht Noten bloß allein,
gefühlt erlebt soll Musik sein.

Wer Klang organisiert empfindet,
ein Gefühl damit verbindet,
dem dient, so wie es Sprache kann,
Musik als Ausdrucksform sodann.

Einst hieß es gar, der Musen Kunst,
denn das käm’ vom Können.
Käm’s vom Wollen, hieß’ es Wunst.
Beides wäre streng zu trennen.

Man sagt, Musik kann man versteh’n,
jedoch nicht übersetzen.
Es ist und bleibt ein Phänomen,
mag Sprache durch Gefühl ersetzen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: unerHÖRT! | Inventarnummer: 26179

Rehe im Weizenfeld

Große, braune Augen,
Sinnbild für Schönheit und Unschuld,
blicken mich an, nur einen Augenblick lang.
Dann flieht das Reh, springt grazil
über goldene Ähren,
die sich sanft
in der Sommerbrise wiegen.

Stunden vorher,
kurz nach Anbruch der Morgendämmerung,
zog mein Sohn los mit seinen Drohnen,
um Rehkitze zu suchen,
um letztlich drei zu finden,
die sich im Weizenfeld versteckt hatten,
all diese Schönheit, all diese Unschuld
vor dem Mähdrescher zu retten.

Wohingegen ich nicht mehr tun kann,
als all das aufzuschreiben,
um diese Bilder zu bewahren.

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: let it grow | Inventarnummer: 26171

Ich warte auf die Sonne

Ich warte auf die Sonne.
Wenn sie aufgeht, habe ich die Nacht überstanden,
wieder einmal, ohne zu schlafen.

Abwechselnd Kaffees und Energy Drinks, dazu Zigaretten,
Computer und das WM-Spiel Paraguay gegen Frankreich,
das Frankreich 1:0 gewann.

Ich warte auf die Sonne.
Noch ist es tiefe Nacht.
Aber mit jeder Zeile, die ich hier schreibe, komme ich ihr näher.

Die neue Sonne

Die neue Sonne

Johannes Tosin (Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: an Tagen wie diesen … | Inventarnummer: 26178

Big Apple

Und ich war, irgendwann einmal,
auch in Amerika.
Und schon im Flieger haben wir gelacht,
und füll’n den Fragebogen aus. Was haben die gedacht?

Woher ich komme, aus dem Süden oder Norden?
Und was ich überhaupt und eigentlich hier will?
Den Präsidenten wollen Sie ermorden?
Na gut, ich kreuze alles an, das alles klingt ja wirklich ziemlich schrill.

Gleich neben uns, da sitzt ein Ehepaar aus Brooklyn.
Wollten zum allerletzten Mal die Heimat seh’n.
Aunt Mary und ihr Mann, der alte Ed.
Bin noch nicht hin, meint er, sein Darmausgang wär’ künstlich.
Ich staune, darauf lächelt er verschmitzt und sagt, das geht.

Hey Junge, sagen die zu meinem Sohn,
der Flug wird lang, wir hoffen du hast schon
bemerkt, dass es da vorn sogar ein Movie gibt?
Na klar, sagt er, das habe ich natürlich längst schon mitgekriegt.

Wir sind in New York schließlich weich gelandet
und sind im Radisson Hotel am Central Park gestrandet.
Der Jetlag war enorm, wir hab’n den Nachmittag verschlafen
und in der Nacht die Typen unten angeseh’n, die scharfen.
Denn knapp nach Mitternacht wechselt am Park die Szene,
da klappern dir vor Staunen glatt die Zähne.

Am nächsten Morgen steh’n wir in ’ner langen Schlange,
in einem Drogeriemarkt an der Kassa wirklich lange.
Doch plötzlich ruft der Cashier ziemlich laut,
pass auf, da is’n Kerl neb’n dir, der klaut!

Ich dreh mich um, da läuft er schon zur Türe,
davor da steht ein dicker Bulle Schmiere.
Ich zähle panisch meine paar Ein-Dollar-Scheine.
Davon fehlt keiner. Na ja, ihr wisst natürlich schon, wie ich das meine.

Nachdem der Schrecken endlich überstanden war,
seh’n wir uns gleich ein wenig von Manhattan an, na klar.
Vom Hochseh’n an den Wolkenkratzern schmerzt der Nacken,
den langen Weg zum Central-Park-Zoo werden wir auch packen.

Im Empire-State-Building geht ein irrer schneller Lift,
da wirst du echt im Affentempo hochgehievt.
Und jeden Sonntag macht dort King-Kong seinen Dienst,
erschreckt die Leute fast zu Tode, doch er grinst.

Der Mensch, der lebt nicht nur von schlechter Luft allein,
drum geh’n wir in ein China-Restaurant in China-Town hinein.
Das liegt da unten tief in einem dunklen Kellerloch,
wo eben eine Ratte schnell in eine Kiste kroch.

In Macy’s Toyshop werd’n die Augen meines Jungen groß,
als sich der megastarke Eindruck über ihn ergoss.
Da gibt es Flugzeuge und Stofftiere so groß wie echt,
und dass er keines davon hat, ist wirklich ungerecht.

Auf einem ausgedienten Kriegsschiff in der Sonne spielen wir
und stell’n uns vor, wir wär’n der Captain und der Kanonier.
Das Ding, das ist so ungeheuer riesig.
Da schlägt das Wetter um und es wird langsam diesig.

Die Freiheitsstatue, die lassen wir nicht aus,
und schau’n von ihr ganz oben lang aus ihren Augen raus.
Der Blick reicht weiter als bloß bis zum Hafen hin,
sodass ich von dem Panorama überwältigt bin.

Nur schad’, die schönste Zeit am raschesten vergeht,
ich sag zu meinem Jungen, jetzt komm, es ist schon spät.
Denn leider müssen wir noch heut am Airport sein.
Hat alles mal ein Ende und wir müssen heim.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26172

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