Archiv des Autors: Redaktion verdichtet.at

Der Railjetsimulator

Wenn ich nicht mehr Bahn fahr’n muss,
kann ich nicht mehr schreiben.
Nur in der Bahn, niemals im Bus!
Das muss in Zukunft auch so bleiben!

Sobald ich erst im Abteil saß,
die Landschaft rasch vorüberzog,
schrieb ich, bis ich die Welt vergaß.
Gedanke um Gedanke flog.

Jetzt bin ich frei, obschon,
wo soll und kann ich nunmehr schreiben?
Mehr oder wen’ger in Pension,
wie soll ich mir die Zeit vertreiben?

Vom Schreibtisch aus, vor der Terrasse,
hab ich’s versucht, allein,
trotz Tabakspfeife, Tee in Tasse,
fiel mir beim besten Will’n nichts ein.

Wenn ich, aus Mangel an Ideen,
gelangweilt aus dem Abteil blickte,
vorbei an Städten, Dörfern, Seen,
mir oftmals ein Gedanke glückte.

Jetzt wird mir klar, so geht das nicht,
drum werd ich selbst zum Initiator.
Dem Horizont, dem fehlt das Licht,
ich bau den Railjetsimulator!

Ich weiß mir was in uns’rer Diele,
seit Jahren steht das Ding so da,
der großen Mutter alte Miele.
Sieh an, das Gute liegt so nah!

Ein Klacks, das Ding zu kombinieren
mit einer Plattform, die da rüttelt,
dann Film und Beamer noch justieren,
was mich beim Schreiben heftig schüttelt.

Ein Landschaftsfilm soll mir fingieren,
nun so zu tun, als dass ich ahn,
um mir beim Schreiben vorzuführen,
ich säß tatsächlich in der Bahn.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25215

Der Junge will doch was essen

Ich erinnere mich noch an das Jahr 2004. Dies war ein Jahr, in dem ich kurz vor dem Abitur stand, innerlich aber sehr frustriert war.

Natürlich hätte es nur wenig gebraucht, um diesen Frust überwinden zu können, aber das habe ich zu dieser Zeit noch nicht gewusst. Zu dieser Zeit war ich auch relativ isoliert, was an und für sich nichts Schlechtes gewesen wäre, denn das Gehabe meiner Schulfreunde war ohnehin kindisch und nicht auf meinem Niveau.

Andererseits war gerade dass, was mich frustrierte, genau das eine große Thema, welches alle Jugendlichen – manche mehr, manche weniger – betrifft. Ich denke, dass es überflüssig ist, es zu erwähnen.

Meine Familie ging immer sehr nüchtern damit um: „Das braucht man nicht.“, „Das kommt noch früh genug.“ Die Reaktion meiner Großeltern war immer, als ich mich unwohl fühlte: „Der Junge will doch was essen.“ Und dieser Satz kam auch, wenn ich eigentlich ganz andere Wünsche hatte.

In diesem bereits erwähnten Jahr 2004 fuhren wir zu einem Outlet-Center für Schuhe. Während mein Bruder die Turnschuhe heraussuchte, die in seiner Klasse als die coolsten galten, schlenderte ich einen Gang entlang, auf dem mir ganz plötzlich eine junge Frau um die 30 entgegenkam, die mir sehr gefiel. Ich weiß noch, dass sie eine sehr schöne gestreifte Hose und eine elegante Nickelbrille trug. Es gelang mir aber nicht, ob meiner Schüchternheit, sie anzusprechen.

Als ich wieder bei meiner Familie war und ich sagte, dass ich mich langweilte, bekam ich Geld, um im Selbstbedienungsrestaurant etwas zu essen. Während ich mir einen Teller mit Nudeln nahm, bezahlte und zu meinem Tisch trug, sah ich teilnahmslos das Essen an und dachte noch einmal über die Begegnung nach. Es erschien mir chancenlos, mit Menschen, die mir gefielen, in Kontakt zu kommen, und die Einstellung meiner Familie zu diesem Thema war mir nicht gerade hilfreich.

In diesem Moment ging ich noch einmal tief in mich, dabei bemerkte ich, dass ich für längere Zeit überhaupt nichts dachte und mein Atem sich beruhigte.

Ich verstaute mein Tablett im dafür vorgesehenen Wagen und als ich zurückkam, konnte ich meinen Augen nicht trauen:

Die Frau, der ich vorhin begegnet war, saß an einem anderen Tisch und trank eine Tasse Tee.

Nun wusste ich, dass ich eine zweite Chance bekommen hatte, fühlte mich aber immer noch zu verlegen, um sie anzusprechen.
Aber was hätte ich in dieser Situation tun sollen?

Natürlich wusste ich, dass mein Bruder bei der Auswahl seiner Turnschuhe sehr wählerisch war und ich mich deshalb nicht beeilen musste. Es ging mir eher darum, dass ich etwas sagen wollte, mir aber die Kehle zugeschnürt war.

Daraufhin kam mir der Gedanke, dass ich mich jetzt entscheiden müsse: entweder zu meiner Familie zurückkehren in den ganzen langweiligen, verklemmten Trott oder mir etwas Nettes überlegen, was ich dieser Frau sagen könnte.

Während ich nachdachte, merkte ich, dass ich sie die ganze Zeit angeblickt hatte, und sie begann, meinen Blick zu erwidern.

In diesem Moment nahm ich all meinen Mut zusammen, ging zu ihr und sagte: „Ich weiß, dass ich eigentlich noch zu jung bin, aber ich wollte nur sagen, dass Sie mir sehr gefallen. In meiner Familie heißt es immer, wenn ich eine Gänsehaut bekomme, ‚Der Junge will doch was essen‘. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

Sie antwortete nicht, aber begann zu lächeln. Diese Reaktion hat einen anderen Menschen aus mir gemacht.

Michael Bauer

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 25216

Herbstgedicht

Den Kragen hoch, das Tal erstickt im Nebel.
Im Auto stirbt die Batterie.
Still und starr ragt hier ein Hebel.
Der Starter streikt. Das tat er bisher nie.

Am Akku zeigt sich die Vergänglichkeit.
Ihr Opfer fordert gnadenlos die Kälte.
Am Ende seiner Leistungsfähigkeit
spendet er Dunkel, anstatt dass er erhellte.

Vom Fahrtwind träumt der Fahrer kühn,
zieh’n Wälder und auch Wiesen rasch vorbei.
Entgegen aller Plagen und auch Müh’n
das Miststück springt nicht an. Verdammte Schweinerei!

Doch nicht nur dies, das dicke Öl gilt schwer zu pumpen,
was nicht zuletzt den Anlassvorgang hemmt.
In diesem Fall lässt sich der Pannendienst nicht lumpen.
Es kann der Motor nicht, nachdem ihn etwas hemmt.

Was gestern galt, so flink gleich einem Wiesel,
scheint heut verflockt, der Filter ist verstopft.
Ein derber Fluch belastet diesen Diesel.
Nur zähe rinnt, was früher freudig hat getropft.

Solche Momente lassen sich nicht loben!
Denn nichts kann so verdrießlich sein,
wenn’s kalt ist und die Winde toben.
Die Karre streikt. Kein Sonnenschein.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at |Kategorie: an Tagen wie diesen … | Inventarnummer: 25240

Die vernünftige Tat

Ein mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteter Roboter ist nicht böse, sondern funktioniert eventuell nur schlecht. Wahrscheinlich auch das nicht, sondern es ist sogar gegenteilig: Ist er nicht eindeutig ein Sklave des Menschen, sondern der Erde unterstellt, würde er die Menschheit ausrotten. Und die Erde würde aufatmen. Das wäre eine vernünftige Tat.

Der Ausblick aus einem runden Fenster auf das Nachbargrundstück mit Bäumen

Der Ausblick aus einem runden Fenster auf das Nachbargrundstück mit Bäumen

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 26028

Die stillste Zeit im Jahr

Das ist die stillste Zeit im Jahr,
immer wenn es Weihnacht wird.
Da fallen Bomben, glühend heiß,
die Welt, die wächst im Hass, nichts schmilzt das Eis,
immer wenn es Weihnacht wird.

Es dunkelt schnell am Angriffstag,
immer wenn es Weihnacht wird.
Der Feind nahm uns das Kämmerlein,
wir rücken zusammen im Granatenschein,
immer wenn es Weihnacht wird.

Hörst du den heftigen Gegenschlag,
immer wenn es Weihnacht wird?
Da machen uns die Angst und der Winter ganz bang!
Im Herzen hallt wider der Raketen Klang,
immer wenn es Weihnacht wird.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25239

Narbenherz

Ich würd gern mal –
fern aller Realitäten
und von einem späten
Selbsterneuerungsdrang getrieben,
in den ich bei Windstärke sieben
nach einem hohen Wellengang,
den mir das Leben beschied,
sang- und klanglos geriet –
mein Herz entleeren.

Es auf links drehen,
um das Innere nach außen zu kehren,
bis in verborgene Winkel spähen,
es dann an seiner Spitze packen,
kräftig rütteln und schütteln,
sodass alle Sorgen und Macken,
die am äußeren Rand Spalier stehen
und es sinnlos beschweren,
auch alle unbeantworteten Fragen,
die tief am Grund gären,
vom Wind getragen
als Herzstaub zum Himmel wehen.

Der würde sich dort
durch Gravitation
zusammenballen,
mehr als eine Million
Jahre glüh’n und als Leuchtherzspirale
durchs Sternenzelt zieh’n,
in fernen Herzgalaxien erstrahlen,
um dann irgendwann,
grunderneuert, leicht und rein
auf die Erde zu fallen.

Dann würd ich’s mir schnell greifen,
dann könnte es mit hellem Schein
in mir reifen.

Fortan dürft’ es kein Kummer trüben,
keine menschlichen Lügen
und Herzensverbrecherintrigen
könnten es brechen oder biegen.
Denn ich würd es gut schützen
und bis in alle Ritzen
mit rotem Samt auslegen,
kleine Wunden und Narben
sofort verpflegen,
es in seidene Tücher hüllen,
seine Haut stabilisieren,
es nur noch mit Kostbarkeiten füllen
und den Sondermüll
von Anfang an aussortieren.

So könnt ich,
von Sorgen befreit und in Sicherheit,
in seinem warmen Pulsieren
noch jahrelang weiterexistieren.
Bis ans Ende der Zeit.

Claudia Lüer
Informationen zu Veröffentlichungen und Buchbestellungen

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 25238

Ich war einmal 

Ich erinnere mich gut: Vor sehr langer Zeit besaß ich ein prächtiges Gefieder, ein stolzes Gemüt und ein ebensolches Gehabe. Ich war ein Hahn. Ein schöner, stattlicher Hahn wohlgemerkt. Ich lebte auf einem großen Bauernhof, bekam reichlich Futter, reichlich Hennen, und kam auch recht gut mit den anderen Tieren des Hofes aus. Jeder Hahn an meiner Stelle wäre mehr als einverstanden mit diesem Leben gewesen. Nicht ich.

Es waren unerwünschte Gefühle, die regelmäßig in mir aufstiegen und die ein zufriedenes Dasein verhinderten. Ja, ich war damals ein Hahn mit Gefühlen, war wohl die Möwe Jonathan unter dem Geflügel – zugegeben, nicht so feinsinnig, nicht so spirituell wie diese, denn ich wurde von eher niedrigen Regungen beherrscht. Mich plagten die Eifersucht und die Sehnsucht.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich war eifersüchtig auf den Hofhund und sehnte mich nach der Aufmerksamkeit des Bauern.

Mich quälte die Tatsache, dass der Hund von ihm gestreichelt wurde und ich nicht. Der Bauer beachtete mich nicht, er warf mir zwar jeden Morgen meine Körner hin, ging aber dann uninteressiert an mir vorüber. Obwohl ich Tag für Tag zuverlässig meine Arbeit verrichtete, ihn jeden Morgen pünktlich mit meinem Hahnenschrei weckte – nie wurde ich gelobt, nie getätschelt wie der faule Hund, der nichts dergleichen tat.

Eines Tages war mein Frust so groß, dass ich mich beim Hund über diese Ungerechtigkeit beklagte und ihm meine Eifersucht gestand. Der Hund nagte an einem Knochen und meinte schließlich: „Mache es doch einfach wie ich! Belle freudig und wedle mit dem Schwanz, sobald du den Bauern erblickst. Damit zeigst du ihm deine Zuneigung. Du wirst sehen, er wird darauf reagieren.“

Meine Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung war inzwischen dermaßen gewachsen, dass ich den Ratschlag des Hundes annahm. So streifte ich den letzten Rest meines Stolzes ab und übte den ganzen Tag, zum Hund zu werden. Mit Erfolg.

Schon am nächsten Morgen schaffte ich es, hundeähnliche Laute von mir zu geben und mit meinen herrlichen, bunten Schwanzfedern zu wedeln. Und tatsächlich, der Bauer blieb stehen, statt wie sonst an mir vorüberzugehen, und betrachtete mich verwundert.

„Hast du gesehen, wie fasziniert er von mir war? So interessiert hat er dich noch nie angesehen! Ich bin sicher, morgen schon wird er mich streicheln“, prahlte ich vor dem Hund.

Am darauffolgenden Tag begrüßte ich den Bauern mit einem freudigen Winseln, wackelte mit meinem gefiederten Hinterteil, warf meinen Kopf in den Nacken und jaulte herzzerreißend. Lange, lange beobachtete er mich kopfschüttelnd. Ach, wie sehr ich sein Interesse genoss!

„Er kann es nicht fassen, mich so lange übersehen zu haben“, erklärte ich mit stolzgeschwellter Brust dem Hund. „Er beachtet mich nun mehr als dich! Bestimmt wird er mich morgen schon streicheln.“

„Kikeriwau, Kikeriwau-wau!“, schrie ich meinem Herrn durchdringend am nächsten Tag entgegen, spreizte sämtliche Federn, drehte mich hechelnd vor ihm im Kreis und warf mich ihm schließlich zu Füßen, ihm meinen Kopf entgegenstreckend, damit er ihn endlich berühre.

Da ergriff mich der Bauer. Er hob mich hoch und schloss mich in seine kräftigen Arme. Überglücklich legte ich meinen Kopf in seine Armbeuge.

‚Jetzt, endlich, jetzt streichelt er mich‘, dachte ich voll Freude.

Und dann dachte ich nichts mehr, denn der Bauer drehte mir den Kragen um.

 (Erstveröffentlichung: Anthologie Zwischendurchgeschichten, 2020)

 

Claudia Dvoracek-Iby

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 25237

Der Fortschritt ins ewige Leben

Eine bäuerliche Tragödie in drei Akten

 Da war ein Bauer im Wechselgebiet – wo, weiß ich nicht mehr, ich habe die Geschichte in einem Wirtshaus am Nebentisch erzählen gehört.

Dieser Bauer hatte auf einem steilen Feld Roggen gemäht, die Garben den Hang hinunter geschleift und auf den von schweren Ochsen gezogenen Leiterwagen – es war Ende der 40er-Jahre – aufgeladen. Der Wagen muss dabei austariert gleichmäßig beladen sein, um auf den rumpeligen Wegen nicht umzukippen.

An Ende des Feldweges – vor der breiteren Fahrbahn – war eine Mulde, die man vorsichtig durchqueren musste. Der Bauer dachte sich nichts dabei, er war da schon jahrelang durchgefahren, und Ochsen haben ein gemächliches Tempo. Vielleicht hatte es auch drei Tage vorher geregnet, jedenfalls war die Mulde aufgeweicht, der schwer beladene Wagen kippte auf die Seite, die Ochsen ebenfalls, und der Bauer wurde vom Wagen geworfen.

Was war passiert? Den Ochsen nichts (gelobt sei deren Langsamkeit), der hölzerne Leiterwagen war auch ganz, der Bauer trug lediglich eine Schulterprellung davon, und das Getreide musste neu aufgeladen werden. Soweit alles gut.

Drei Jahre später wurden die Ochsen gegen junge Pferde getauscht – die waren einfach schneller. Erneut wurde am Hang hinter dem Hof das Heu geerntet, der Pferdewagen unten mit Sorgfalt beladen, die Ladung mit Seilen gesichert und die Pferde zogen an. Genau in der Mulde am Ende des Feldweges neigte sich der Leiterwagen und kippte langsam um. Die Pferde waren unverletzt (nur verschreckt) und wurden nach dem Ausspannen an einen Baum gebunden. Am Leiterwagen war lediglich die Deichsel gebrochen, und der Bauer hatte einen gefährlich aussehenden blutenden Schnitt über der Schläfe. Aber die ärztliche Untersuchung ergab keinen ernsteren Schaden. Die Deichsel wurde nächsten Morgen getauscht und der Wagen ein paar Meter weiter neu beladen.

Wieder einige Jahre später waren die Pferde von einem Steyr-15-Traktor ersetzt, der von der Tochter des nunmehrigen Altbauern gefahren wurde. Gerade zur Erntezeit war ein Kind unterwegs und so fuhr der 70-jährige Bauer selbst die Fechsung ein, auch von der oben erwähnten steilen „Leiten“. Zur Sicherheit belud man den Anhänger nur halbhoch, und der Bauer lenkte den Traktor eine Handbreit neben die Mulde. Das war ein Fehler, denn die Tochter hatte dieses gefährliche Wegstück schon mit Feldsteinen gefestigt, und der Ackerboden war weich. Also sank der Traktor mit dem linken Vorderrad ein und kippte mitsamt dem Anhänger um. Und diesmal blieb der Bauer unter dem Traktor liegen.

Ja, seinem Schicksal entkommt man nicht so leicht!

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25236

 

Archiv November 2025

29.11.25: Norbert Johannes Prenner: Der Bittsteller
29.11.25: Bernd Watzka: Der vegane Waran
29.11.25: Michael Bauer: Die Zeit vor der Zeit
29.11.25: Johannes Tosin: Gespenster
22.11.25: Norbert Johannes Prenner: Was jetzt noch
22.11.25: Bernd Watzka: Die einfühlsame Maus und die Schlange
22.11.25: Dario Schrittweise: Im Bann des Windes
22.11.25: Johannes Tosin: Das No-Cloning-Theorem
15.11.25: Norbert Johannes Prenner: Was jetzt
15.1125: Bernd Watzka: Die herzlose Qualle
15.11.25: Johannes Tosin: Maschinenliebe
9.11.25: Bernd Remsing: Post Punk
9.11.25: Claudia Dvoracek-Iby: Bilder
9.11.25: Antonia H.: Rallye mit Marcello
9.11.25: Bernd Watzka: Traum eines Chamäleons
9.11.25: Anna Helene Claus: Im Silberlicht der Angst
9.11.25: Norbert Johannes Prenner: So ein Theater
9.11.25: Johannes Tosin: Vergangene Nacht
1.11.25: Norbert Johannes Prenner: Ein guter Freund
1.11.25: Bernd Watzka: Spider Man’s Spinne
1.11.25: Wilfried Ledolter: November
1.11.25: Johannes Tosin: Der neue Tag / Der letzte Tag

Das Wunder im Verborgenen

Das Holz stark verwittert,
zwei Äste vom Dach herunterhängend,
und fast, Gott sei Dank nicht ganz,
die zwei stehenden Figuren berührend.
Ich weiß, wer ihr seid.
Ich weiß, wer da in eurer Mitte liegt –
in einer grob gezimmerten, vom Unkraut
beinah überwucherten Krippe;
auch wenn die anderen Radfahrer, Fußgänger,
E-Scooter-Sauser achtlos an euch vorübereilen.

In einem Monat werden sie vielleicht,
in neue Mäntel gehüllt,
in frisch geputzten Autos
zu Krippenausstellungen fahren,
draußen mit wenig begeisterten Enkelkindern
durch die viel zu warme Winterluft stapfen,
drinnen zu feierlichen Weihnachtsklängen
die Kunstfertigkeit armer afrikanischer Holzschnitzer,
die exotischen Gewänder aus aller Welt,
die fremdartigen Gesichter asiatischer Figuren bewundern.

Dann, in einem festlich geschmückten Café,
werden sie vielleicht zu den Enkelkindern sagen:
„Jetzt haben wir Weihnachten!“
Warum auch nicht?

Für mich braucht es das alles nicht.
Für mich ist Weihnachten immer dann,
wenn wir Gottes Wirken erkennen
in der Unschuld eines Kindes,
in der Fürsorge seiner Eltern,
in einem noch so bescheidenen
Abbild des wahren Wunders
im Stall zu Bethlehem.

Copyright: Frank Joussen

Copyright: Frank Joussen

Frank Joussen

www.verdichtet.at | Kategorie: fest feiern | Inventarnummer: 25234