Archiv der Kategorie: Antonia H.

Reisenotizen Schwaben (Alemannengebiete)

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Schweiz, Schwaben und Vorarlberg sind für mich (aus der Perspektive des österreichischen Nordens) wie eine Torte samt Füllung und Glasur.

Der erste Blick fällt ja meist auf die Glasur: Härter als Teig und Füllung ist mein Eindruck von ihr dennoch nur scheinbar matt oder gar glatt. DAS Gefühl, durch eine durchaus manchmal wehrhafte Hülle zum delikaten Kern zu gelangen, möchte ich nie mehr missen. Nussig-schokoladiger und ein wenig herber Geschmack mutet durchaus eidgenössisch an.

Der Teig gerät meist fluffig. Dabei darf man bei den Vorarlbergern nie nach Gehör gehen, man muss schon auskosten. (Wer es pikant liebt, könnte sich ja auch an Käse halten, aber ich fange hier nicht an, kleine Brötchen zu backen.)

Schwaben gleicht unterschiedlichen Marmeladeschichten, die sparsam verarbeitet sind und dennoch keine einzige der Qualitäten vermissen lassen, wegen der man diese Frucht gerne nicht nur mit Butterbroten, sondern auch nobel mit Torten kombiniert. Das Allgäu wäre meinen Erfahrungen nach die feinste Konfitüre, mit der man ein Süßgebäck füllen kann.

Ich darf vermuten, dass es sogar rund um den Globus Menschen gibt, die, ohne zu verreisen, auch Ähnliches bei diesem Menschenschlag empfinden könnten. Vielleicht aber passiert das bei allen Begegnungen mit Volksgruppen, die in die Fremde zogen, um dank Zusammenhalt, Zähigkeit und Fleiß ihr Glück zu finden. Dabei an Ale-Mannen (und -Frauen) zu denken, liegt halt gerade nahe.

Copyright: Antonia H.

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Tatsächlich die Gegend, wo „Heidi“ spielt.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26181

Reisenotizen Bayern

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Gleich neben meinem heimatlichen Bundesland gelegen, wirkt es manchmal wie der Rohstoff, aus dem mir nahe-liegende Gegenden geschnitzt sind. Da waren so viele Bildhauer am Werk, dass man beim besten Willen keine einzelne Hand identifizieren kann.

Nürnberg finde ich die anmutigste, München die stämmigste aller BajuwarInnen und Passau ist die Schwester, die sich nur knapp für jenseits der Grenze entschieden hat und dafür uns drei vereinte Flüsse überlässt. (So leicht geht Einheit.)

Viele Orte auf -ing haben zwar kein technisches Diplom, sind aber umso gemütlicher. Solche Verwandte besuche ich gerne, auch wenn ich manchmal Zeit brauche, mich an ihre Herzhaftigkeit zu gewöhnen. Wie den „Obazdan“, ein unkonventionelles und nahrhaftes Rezept für einen Brotaufstrich, stelle ich mir auch die Mischung vor, mit der hier der menschliche Umgang gepflegt wird.

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Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26170

Reisenotizen Deutschland

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Die gleiche Sprache verleitet vielleicht dazu, sich der BRD pauschaliert zu widmen. Doch Schwaben ist nicht Bayern, Hamburg völlig anders als Berlin oder Stuttgart. In Deutschland sehe ich den vermögenderen Nachbarn, von dem ich mir aber Begegnungen auf Augenhöhe erwarte. Was er sich von Österreich erwartet, darüber habe ich vorläufig widersprüchliche Informationen, rechne aber nicht mit einer endgültigen Aufklärung.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26169

Reisenotizen Dänemark

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Kopenhagen von Norddeutschland aus über viele Inseln zu erreichen, erweist sich als hübschere Reisestrecke als zuvor die kargen Heideflächen. Besser kann der südlichste Vertreter Skandinaviens nicht seinen properen, gefälligen Lebensstandard ankündigen, der ihm nicht nur von den eigenen Leuten zuerkannt wird.

Auf der Westseite des Öresunds ist man überzeugt, dass die Schweden diese Meerenge passieren, um endlich mal lachen zu können. (Diese kleine Gehässigkeit führe ich darauf zurück, dass die Dänen Schonen den Schweden zurückgeben mussten.)

Kopenhagen hat was Mediterranes, Heiteres unbeschadet dessen, dass das ursprüngliche Essen sich geschmacklich dazu verhält wie monochrom zu bunt und Smørrebrød zu Pizza.

Die kleine Meerjungfrau im Hafenbecken könnte die Melancholie, die nach leiblicher Stärkung auftreten kann, verlängern. Hans Christian Andersen hat seine Märchen sicherlich nicht wegen körperlicher, sondern seelischer Unpässlichkeit mit einem Hauch Traurigkeit getönt.

Helsingörs Schloss ließ darauf schließen, dass Hamlet‘sches Bollwerk keine blutigen Familienskandale verhindert.

Hingegen war ein FKK-Familien-Picknick auf einer Kirchenwiese daneben in den 1970er Jahren allenfalls vom Risiko behaftet, einer Marienkäferinvasion zum Opfer zu fallen.

Summa summarum bilanziere ich für Dänemark, dass Tüchtigkeit eine durchaus positive Eigenschaft sein kann und als Basis für Selbstvertrauen taugt, solange sie nicht in Wettbewerb, schon gar nicht in der eigenen Sippe, ausartet.

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Das sind Briefe aus Schweden, die ich mit etwa 14 Jahren verfasste. In der Mitte stehe ich mit meinem Cousin in Dänemark, dahinter Helsingborg.

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26168

Reisenotizen China (Sechuan und Yünnan)

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Es ist ein riesiges Land mit vielen, vielen Menschen und ich frage mich, ob ich einen kleinen Teil für das Ganze stehen lassen darf. Sei es drum, ich bin nicht die Erste, die dieses Land über den Kamm geschoren hat …

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Laotse hat wohl nicht zufällig sein Tao schon vor langer Zeit ins reine Land mitgenommen, als ob er geahnt hätte, dass sich Mao dereinst auf Tao schlecht reimen würde.

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Was aber kulturrevolutionärem Einstampfen zum Trotz zu finden ist, ist eine uralte Harmonie zwischen Gebautem und Gewachsenem, wenn es denn die Wirren der Geschichte der letzten Jahrhunderte überdauert hat.

Die lieblichen Landschaften Yünnans erheben sich immer noch genauso zart zum Himmel wie aus alten Seidenmalereien.

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Die fünf Elemente mundeten vorzüglich, solange sie nicht aus sichtbar massakrierten Lebewesen gekocht waren. (Ich denke da zum Beispiel an Fast-Food-Stände mit frittierten Entenköpfen.)

Manches erscheint mir hier bizarr wie eine einzige Verzerrung von allem. Hier fand ich oft Harmonie übertrieben und Mäßigung untertrieben.

Selten habe ich Wüsten so blumenreich beschrieben gehört und ehemalige Blumenreiche so konsequent verwüstet gesehen.

Die Sehnsüchte und Begehrlichkeiten, die ich wahrgenommen habe, sind andererseits doch wie überall. Sie verströmten nur ein anderes, manchmal für mich ungewöhnlich starkes Aroma.

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Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26167

Reisenotizen Pomo-Reservat

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Amerika ohne indigenes Territorium ist wie Suppe ohne Salz. Wer kennt schon die Pomo, die im Mittelwesten ihren Platz durch Handel mit getrockneten Algen festigten, die sie im Pazifik ernteten und ins Landesinnere brachten? Sie bieten Touristen keine Shows an, sondern bemühen sich lieber Stück für Stück legal zurückzuholen, was ihnen gestohlen wurde. Eines ihrer Reservate liegt an einem von zwei natürlichen Boraxseen, die es auf dieser Welt gibt: nahe der sogenannten Klapperschlangeninsel des Clearlake, auf der die gefangenen Reptilien ausgesetzt werden, von der sie aber nur zehn Meter zurück zum Ufer zu schwimmen haben.

Die eingezäunten Gebiete der Reservatbewohner wirken bei erstem Blick wie ein geschwächter Körper, der laufend am Leben erhalten wird.

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Das Wort Indianer stamme von Columbus’ Beschreibung der Leute, die er vorfand. Er habe als Italiener nicht gut spanisch gekonnt, so nannte er sie Una gente in dios. Menschen in Gott. Es sei eine perfekte und edle Bezeichnung, meinte George Carlin. Dieses Zitat ist im Büro des weiblichen Pomo-Chiefs an ihren Aktenschrank gepinnt. So sehen sie sich also selber.

Mir blutet das Herz, indigene Kulturen und Sprachen verschwinden zu sehen, obwohl die meisten Stammesgemeinschaften alles Mögliche tun, dies zu verhindern. Ich halte Traditionen und deren Überlieferung für wichtig. Nicht, um sich von anderen abzugrenzen, sondern um an der Mitgestaltung der Gesamtheit aller Lebenswelten konstruktiv teilhaben zu können.

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Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26166

Reisenotizen New York

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„Wenn du es dort schaffst, schaffst du es überall“, wie Frank Sinatra singt, geht mir am Gluteus maximus vorbei. Mein Lieblings-New-York ist das eines Sonntagmorgens im August. Da wird es geradezu beschaulich und mystisch, weil die Luftfeuchtigkeit die Skyline gnädig in Nebel hüllt.

Ich schätze, Beton- und Glastürme sowie Wolkenkratzerschluchten zählen ebenso wenig zu meinem Biotop wie getriebene Menschenmassen zu meinem Habitat.

Der Central Park ist eine Betongusslandschaft, aber eine, die immerhin noch hübsch anzusehen ist.

Und so verbleibe ich mit dem Gedanken, dass es mir reicht, dass King Kong an der Spitze des Empire State Buildings war. Es ist ihm ja nicht gut bekommen, was hätte ich dann sonst Großes versäumt?

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www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26160

Reisenotizen Kalifornien

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Nein nicht das blonde, gewachste, niemals alternde, showmäßige, regen-lose mit einem Lächeln, bei dem dich ein makellos weißes Lattenzaungehege im Mund eventuell auch daran hindert, näher zu treten. Nein, das nördliche, ländliche Kalifornien, nördlich der Stadt San Francisco, von welcher aus Hippies dank Silikon und Informatik zu Hightech-Milliardären mutierten.

Dort liegt an einem See, der den schweizerisch-italienischen Binnengewässern an Form und Schönheit in nichts nachsteht (wohl aber mit seiner gastronomischen Infrastruktur weit abfällt) ein Städtchen, das so arm ist, dass man entlassenen Gefängnisinsassen freiwillig Bustickets bis dorthin bezahlt, damit sie nicht auf den dummen Gedanken kommen, ihr Strafregister um paar Einbrüche und Eigentumsdelikte zu erweitern.

Dank Waldbränden und Hochwasser hat es die Ortschaft sogar bis in die internationale Presse geschafft.

Typisch für Kalifornien? Nein, aber auch nicht selten. Gleich „nebenan“ befindet sich das sich mondän gebende Napa Valley.

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Kalifornien gilt als ein sehr liberaler Staat. Im Land der Freiheit ist es das freieste Land. Jeder/jede darf völlig gesetzeskonform stinkreich werden, kiffen oder auch arm und staatlich weitgehend ignoriert sein Leben fristen. Es ist hier erlaubt, willkürlich mit einer Knarre herumzuballern, allerdings nicht, wenn man sich auf fahrbaren Untersätzen befindet. Dafür ist Sonnenschein sogar gesetzlich garantiert.

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Ist nur mir aufgefallen, dass jegliche Art von Tektonik, sei sie sozial oder geologisch, so lange Furchen und Aufwerfungen hinterlässt, bis sogar die ganze vereinigte Nation so gespalten ist, dass es kein „Hinüber“, geschweige denn ein „Herüber“ mehr gibt? (Dieser Gedanke kam mir beim Anblick einer Erdbebenspalte, die sich innerhalb von zwei Jahren von einer Ackerfurche zu einem echten Graben von fünf Metern Tiefe und mehreren Kilometern Länge entwickelt hatte.)

Antonia H.

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Reisenotizen Amerika

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… hätte ich lieber ohne die meisten Menschen, die sich vornämlich nach einem Financier von Kolumbus’ Expeditionen, Amerigo Vespucci,  benennen. Doch würden diese sich Isabellaner nach der Sponsorin Isabella von Kastilien heißen, wäre das zwar feministisch, würde aber nichts an den für die Indigenen unfreundlichen Umständen der Landnahme ändern.

USA: US AGAIN.

Irgendwie ein halbgarer Eintopf, der ständig kurz vor dem Überkochen scheint. Aberwitze scheinen aus meiner Sicht tatsächlich so amerikanisch zu sein wie Amerikanern die Illusion ihrer Unbegrenztheit und ihr Unverständnis des „Kleingeistes“ alter Welten.

Kein Wunder, dass außenpolitisch immer wieder in fremde Suppentöpfe gespuckt wird.

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Wer hält schon angesichts der Schönheit eines, sogar des eigenen Landes inne, wenn man es ausbeuten kann?

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In Amerika fühle ich mich meistens vorübergehend freundlich wahrgenommen (dieses bei multiplen Begegnungen sogar im Stakkato) aber trotz Kenntnissen der Sprache und Kommunikationsgepflogenheiten selten wirklich verstanden.

Copyright: Antonia H.

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Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26158

Reisenotizen Ausgangsbasis

Ohne Standpunkt keine Perspektive. Als Abreisende (noch eingehüllt in Wohligkeit meines Herkunftslandes Österreich) verlasse ich meine Komfortzone und kann vorübergehend lieben Gewohnheiten entsagen, die sich so nur zu Hause pflegen lassen. Wobei die Wohligkeit weniger in der unhinterfragten Akzeptanz aller heimatlicher Mentalitäten besteht. Es gibt auch welche, mit denen ich mich nicht identifiziere. Das Wohlgefühl ziehe ich daraus, wohlbehalten und weitgehend unbeschadet aufgewachsen und gealtert sein zu dürfen.

Das Wegfahren allerdings fühlt sich wie ein Kaugummi an, den ich von den Schuhsohlen entfernen muss, weil mein Gemüt an der Gemütlichkeit des Verweilens haftet. „Angekommen“ erlöst mich von den Unwägbarkeiten des Unterwegsseins.

Ich verzichte vorübergehend bei Reisen sogar ohne größere Verlustängste auf meine Muttersprache, welche sich laut Christian Morgenstern zwischen „sich zusammenreißen“ und „sich gehenlassen“ bewegt. Es hilft mir durchaus, mich in einer (angeblich) nationalen Haltung verwurzelt zu wissen, die Extreme meidet (dass sie auch Anstrengungen meidet, wenn es drauf ankäme, ist eine andere Geschichte).

So gewappnet wage ich es, meine wirklich streng subjektiven Ansichten und Einsichten über andere Länder kundzutun.

 

Lesen Sie dazu:

Antonia H.

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