Archiv des Autors: Redaktion verdichtet.at

Der gemeine Streuner

Ich bin auf der Flucht auf allen Vieren,
Tierschützer wollen mich kastrieren.
Sie wollen unser Leid beenden,
indem sie schwächen uns’re Lenden.

Dabei sind Streuner stark und robust,
Straßenhunde mit stolzer Brust.
Wir sind klug und sehr geschwind –
trotzen dem stärksten Gegenwind.

Wir halten durch bei Wind und Wetter
und sind zu Kindern auch viel netter.
Also Kastrierer, ich sag euch was:
Nehmt doch lieber – Chihuahuas.

Bernd Watzka
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www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 25152

Die Asiatische Tigermücke

Ich bin die Asiatische Tigermücke
Ihr spürt, dass ich euch zu Leibe rücke
Zwanzig Viren hab ich im Angebot
fast alle bringen euch den Tod

Es gellen der Gestochenen Schreie
Nützt nichts, wir sind an der Reihe!
Wir werden eure Städte leeren
Die Tiere können euch entbehren

Ihr sprüht wie verrückt Pyrethrine
und tötet damit Katz und Biene
Wir hingegen sind bald resistent
und ihr seid mit eurem Latein am End

Bernd Watzka
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www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 25151

Uhu

Menschenvolk, hört mir zu, huhu –
ich bin der neunmalkluge Uhu!

Ich weiß vieles, nur eins weiß ich nicht,
bin also darauf sehr erpicht:
Warum habt ihr euch so verrannt,
einen Klebstoff nach mir benannt?

Warum nahm der UHU-Betreiber
als Namensgeber nicht den Kleiber?
Oder die klebrige Schnecke
(Ein tolles Tier für Logo-Zwecke!)

Wie bitte? Es war damals Trend
in Bürobedarfs-Segment,
dass Firmen wie Federvieh hießen
Pelikan, Adler – zum Schießen

Die Namensgebung, ungelogen
ist an den Federn herbeigezogen
Wie soll nun enden dies Gedicht
über diese Klebstoff-G’schicht?

Wie wär’s mit einer Entschädigung
für die erlittene Demütigung?
Aber keine tote Maus, die bläht
Gebt mir ein UHU-Aktienpaket!

Bernd Watzka
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www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 25150

Und das wäre?

Fällt einem gar nichts and’res ein?
Müd’ vom dauernden Gerede?
Kann das wirklich alles sein?
Ich find’s manchmal arm und blöde.

Jeder sagt, dass er’s drauf ist,
meist von purer Lust getrieben.
Dominant, dass keiner es vergisst.
Ein and’res Wort macht unzufrieden.

Denn schließlich kann es alles sein,
ein Ding, ein Auto, auch ’ne Tussi.
Hinterhältig und gemein,
die Bezeichnung, doch das muss sie.

Wenn was üppig wächst und wuchert,
nicht zuletzt unter der Tuchent,
wie die Triebe einer Pflanze,
gar die Schrittfolge beim Tanze?

Sei’s die Musik oder der Boden,
Typen mit und ohne Hoden.
Alles kann dem Wort entsprechen,
ohne seinen Sinn zu brechen.

Die Fantasie erscheint mir weichlich,
ist das Angebot nicht reichlich?
Da wär’ gierig, lüstern, brünstig.
Sogar faunig scheint mir günstig.

Heftig, lustig, übermütig,
sinnlich, triebhaft, oftmals wütig.
Und das Wörtchen liebestoll
macht das Maß so richtig voll.

Vor langer Zeit hieß es erfreuen,
ob bei Untreu’n, oder Treuen.
Noch eins drauf heut’, als Erreger,
mehr als in gilt jetzt noch mega.

Gut und cool daneb’n verblassen,
darauf kannst du einen lassen.
Wenn ein Motorrad nicht so ist,
landet’s besser auf dem Mist.

Dieses Wort, das adelt richtig,
ohne es ist alles nichtig.
Jeder sagt es einmal, weil
es ist schlicht und einfach geil.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25148

Ein Strauß namens Johann (zum Strauß-Jahr 2025)

 

Ich bin ein stinknormaler Strauß,  
Gräser sind mein Lieblingsschmaus 
Zur Not ess ich auch Notenblätter –  
doch dann gibt’s ein Donnerwetter 

Mein Bauch ist groß, ’s Köpfchen klein, 
ich könnt ein Österreicher sein 
Keinen Arsch breit kann ich fliegen, 
doch würd bei jedem Wettlauf siegen 

So weit, so gut – hier mein Problem 
(weswegen ich mich auch sehr gräm); 
mein Schöpfer gab mir einen Namen:     
Johann … – / vergelt’s Gott und amen
 
Der Johann macht mir’s Leben schwer; 
ein jeder denkt, ich sei wie – ER 
„Komponier den Kongowalzer!“ 
Doch mir entfleucht nur ein Schnalzer  

Kopf in den Sand, ich will nicht klagen,   
aber eines muss ich ganz klar sagen: 
Das Strauß-Jahr, das bringt zwar Bares; 
mir wär lieber: Strauß – Vogel des Jahres! 

Bernd Watzka
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www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 25149

 

 

Stadtluft macht frei

Endlich frei! Und gleich! Und sicher!
Keiner, der mir blöde kommt!
Selbst – nicht fremdbestimmt, todsicher!
Garantiert Beweglichkeit, echt prompt.

Natürlich gibt es auch Verlierer,
Erfolg ist meistens nicht von Dauer.
Die Sieger sind nicht nur Kassierer,
am Ende tragen manche Trauer.

Ich richte mich nach den Gesetzen,
die mir mein Menschsein garantier’n.
Doch gleichzeitig fasst mich Entsetzen,
über Dinge, die in der Stadt passier’n.

Die meisten haben wirklich alles,
was das Herz begehrt, und mehr.
Ein Neustart droht, wohl jeden Falles,
zu Tod’ gesiegt, scheint mir’s. Unfair!

Denn langsam wird es um uns eng,
für das, was weidlich ausgelebt.
Und Raum wird knapp, nach Schwinden drängt.
Gerammelt voll. War so nicht angestrebt!

Es trampeln oftmals die Befreiten
schon auf den Füßen and’rer ’rum.
Im Umfeld heißer Metropolen streiten
sich die Leut’, in Massen. Dumm!

Stadtluft!, sehnt man sich herbei,
Stadtluft, sagt man, die macht frei!
Obwohl die Straßen vollgerammelt,
Straßen, Häuser oft vergammelt.

Über uns stau’n Satelliten,
heiß geht’s her, geg’n gute Sitten!
Hetz-Mobs, einen Tweet entfernt,
was hat der Mensch schon groß gelernt?

Bloß heiße Luft, die überhitzt,
fertig ist man und man schwitzt.
Beschränkt die and’ren, beim Entfalten,
Reibungsflächen sich gestalten.

Es knallt an planetaren Grenzen,
nichts wächst, bloß Turbulenzen.
Der Ruf, laut, nach Autonomie,
ist hörbar und so stark wie nie.

Konflikte, die aus Trümmern ragen,
von Gewinnern und Verlierern ausgetragen.
Zwischen Opfern und den Tätern,
sozialen Ankern und Verrätern.

Individuen vermeiden,
sich festzulegen, zu entscheiden,
wohin sie eigentlich gehören,
und gottgewollte Ordnung stören.

Die Wirtschaft wächst kaum so wie früher,
der Erdball hitzt, wird langsam glüher.
Zwischen Sieger und Verlierer
bleibt nicht viel, bloß für Paktierer.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25147

Heimat, fremde Heimat

Ich wusst’ mir eine Heimat,
da wo die Sonne wärmt’ das Herz.
Da wo die Blätter des Parteibuchs
rauschten, damals, an jenem Tag im März.

Da wo die Lehrer und die Pfaffen
sich laut ins Fäustchen lachten, hell!
Da wo die Wunden offen klafften,
streuten Salz sie drauf, und das ganz schnell.

Die Leut’ müssten erzogen werden,
sonst wird aus ihnen sicher nichts.
Der Prügel macht folgsam die Herden.
Des Führers Ruf. Des Todes, angesichts.

Die Hand erhoben, wird gegrüßt.
Tut’s wer nicht gleich, ich sag, der büßt!
Die Sippe haftet mir, auf Ehr’!
Den Kerker bewacht das Maschinengewehr!

Wer nicht mit ihnen, der war dagegen.
Solche Leut’ kannte man gleich,
Die ließ man steh’n, bei Nacht, im Regen.
Verfolgt. Und durch Enteignung wurd’ man reich.

Ich wusst’ mir eine Heimat,
da wo noch Kindheitsträume lebten,
vor Sehnsucht, nach dem Eichenblatt.
Wo Blut und Untaten an Händen klebten.

Wo der, der sich dagegen wehrt’,
der Böse war, und nicht geehrt.
Die wahren Helden war’n die Täter.
Der Mann im Widerstand – Verräter!

Da wo der Nachbar einstmals auf uns schoss.
Immer noch Nachbarn. Jetzt sind wir groß
und üben leis’ die Kunst übers Vergessen.
Was damals war, mag man heut’ kaum ermessen.

Da wo die Hoffnung nie vergeht,
weiß ich mir eine Heimat.
Auch wenn das Wort für etwas steht,
das damit nichts gemein hat.
Ist manchmal nah und manchmal weit entfernt.
In meinem Herzen trag ich sie.
So hab ich es gelernt.

 (Im Gedenken an meinen Vater)

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25146

Zeit

„Wie wird es sein, wenn wir durch die Jahre gehen, meine Liebe?“, fragte er.   
„Wer kann das sagen?“, erwiderte sie.
„Aber eins weiß ich bestimmt,
wenn wir dann auch nicht mehr unsere Liebe teilen, so doch die Zeit.“

Rutschzeit in Sek. 12,51
Rutschzeit in Sek. 12,51

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 25144

Transit

Ich bin am Anfang vom Ende,
am Ende des Anfangs.
Immer im Transit.
Verkabelt, angeschlossen.
Wenig Mensch, viel Patient.
Aber meine Seele glimmt noch blau.
Nur ich selbst erinnere mich an mich.

Der weiß-beige-braune Durchgang auf blauen Pflastersteinen in Villach
Der weiß-beige-braune Durchgang auf blauen Pflastersteinen in Villach

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hardly secret diary | Inventarnummer: 25141

Schöne Träume

Die Nacht kommt.
„Bist du bereit für mich?“, fragt sie.
„Wenn du schöne Träume für mich hast“, sagt die Frau.
„Aber sicherlich“, sagt die Nacht.

Der Blick nach Maria Loretto mit gelben und weißen Lichtern zur beginnenden Nacht des 20. Januar 2024
Der Blick nach Maria Loretto mit gelben und weißen Lichtern zur beginnenden Nacht des 20. Januar 2024

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25143