Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

Idole

Ich weiß nicht, was das soll?
Ich habe kein Idol!
Niemand, den ich so dann und wann
bewundern und nachahmen kann.

Jemanden, der mich inspiriert!
Der mich als Vorbild motiviert!
Verdammt, eine Persönlichkeit,
die mir durch ihre Fähigkeit
die Lösungen vermittelt
und so an meinem Ego rüttelt.

Würd sie bewundern und verehren,
blind würd ich ihr vertrauen.
Ihr Tun und Lassen heiß begehren,
und ehrfurchtsvoll zu ihr aufschauen.

Ein Idol, das mich richtig anspornt.
Das, was ich sage, nicht verballhornt.
Dem ich, ganz in diesem Sinn,
mit Hingabe als Fan dann dien!

Und hab ich nicht als junger Spund
Popstars gern verehrt, na und?
Wie sie sich gaben, imitiert,
daran hab ich mich orientiert.

Auf der Suche, wer ich bin,
das machte mir damals wohl Sinn.
Habe versucht, mich zu verhalten
oftmals so wie Filmgestalten.

Jagger war’s und Peter Fonda,
auf der Harley, nicht auf Honda.
Eastwood gar und Dennis Hopper,
mit der rot-gelb-farb’nen Chopper.

Später, als ich älter war,
Martin Sheen, als Captain gar.
Wirres, der Apokalypse
vagen Selbstbewusstseins Stütze.
Doch niemals wollt’ ich Hitler sein,
Stalin, oder sonst ein Schwein!

Aber jetzt, als alter Mann,
fang ich damit nichts mehr an.
Niemand kann und will ich sein
als nur mehr ich, das ganz allein.


Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25213

Neid

Ich gebe zu, dass es so ist,
und dass der Neid mich manchmal frisst.
Wenn man and’ren was nicht gönnt,
was man selber haben könnt’.

Sei’s der Wunsch nach dem Vergnügen,
über and’re zu verfügen,
oder einfach beim Vergleich,
ich bin arm und der ist reich.

Und so kommt es, dass ich spür,
mir geht was gegen die Natür,
weil da jemand es ganz leicht,
ohne Anstrengung erreicht.

Wenn ich dann somit vergleiche,
seh ich, dass ich’s nicht erreiche.
Und ich fühl als Reaktion
ein Defizit meiner Person.

Und weil ich sowas echt nicht fass,
krieg ich oftmals einen Hass!
Sieht vielleicht wer besser aus,
oder scheint’s, der ist groß raus.

Was da wenige besitzen,
kriegt man nicht mal durch Stibitzen.
Welchen Sinn macht eine Welt,
die man doch für unfair hält?

Und ich werde zum Berserker,
denn der Neid wird immer stärker
und sich der, wie man oft sieht,
auf Gleichaltrige gern bezieht.

Das kann so den blutrünstigen
Neid oft schon begünstigen.
Dasselbe schafft auch eine fiese
unverhoffte Lebenskrise.

Das ist kein Spaß, ich krieg Beschwerden,
die durch gar nichts besser werden,
und hab Lust, auch trotz Entsetzen,
oft andere herabzusetzen.

Kluge Ratgeber, die sagen,
besser wäre, sich zu fragen,
was mag hinter’m Neid wohl stecken?
Is’ mir gleich, auch ums Verrecken!

Das Bewusstsein eig’ner Grenzen
zu erweitern und ergänzen!
Aber was, da pfeif ich drauf,
denn der Neid, der frisst mich auf!

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 25212

Platz da

Kann doch nicht so schwer sein, rechts zu gehen?
Weicht man nicht von selber aus, ist es besser, man bleibt stehen.
Leute, so ist’s heute üblich, bloß nicht Rücksicht nehmen, gilt!
Alles ist vergessen worden, was man einst für richtig hielt.

Auf dem Gehsteig tummeln sich Radler, Scooter, Kinderwagen.
Geht dazwischen wer zu Fuß, ist er Freiwild, muss man sagen.
Touristen geh’n in Viererreihen, denken nicht dran, auszuweichen.
Hier sind wir, und habt bloß Acht, wollt ihr vorbei, dann gebt ein Zeichen!

Musst du auf die Straße treten, weil der Gehsteig ist besetzt,
kommen flugs von allen Seiten Biker her, man ist entsetzt!
Hallo, bleibt auf eurer Seite, schreist du hilflos, aber barsch,
keiner schert sich wirklich um dich, fahr’n dir beinah über’n Arsch.

Einbahnstraßen, liebe Leute, wie ihr seht, die gibt’s nicht mehr.
Fahrzeuge aus jeder Richtung fall’n gnadenlos über dich her.
Jeder darf, scheiß auf die Route, Hauptsach’ ist, es geht sich aus,
alle, die da rüber müssen, jetzt und gleich, es ist ein Graus!

Schick ist, Ampel ignorieren, wurscht ob gelb oder schon rot.
Am Radl kann mir nichts passieren, denn ich bin schneller, oder tot.
Echt, da greift man sich aufs Hirn, das Verkehrskonzept scheint grün.
Wer fragt schon, sinnvoll oder nicht, durchgesetzt, Hauptsache „in“.

Vorsicht auf dem Weg der Räder, nämlich, was Sie wissen müssten,
pfeilschnell schneiden fliegend’ Mütter Kurven kühn mit ihren Kisten.
Stromgetrieben, heikle Ware, drei, vier Kids, im besten Fall,
überhol’n dich blitzeschnelle und hab’n Vorfahrt überall.
Aus dem Inner’n des Behälters frohlockt die verwöhnte Brut.
Man schert sich wenig um die andern, Hauptsach’ ist, uns geht es gut!

In den Öffis steht auch keiner wegen ein paar Alten auf.
Junge starren in ihr Handy, stundenlang und blöde drauf.
Glücklich die, die gar nicht merken, mag die Welt zugrunde geh’n!
Wichtig ist, mein Platz ist sicher, und die and’ren dürfen steh’n.

Kann das sein, was ich da wahrnehm’, ist das immer so gewesen?
Träum ich, wach ich, oder spinn ich oder werd ich einfach alt?
Hab’n die Zeiten sich gewandelt, steh ich kurz schon vorm Verwesen?
Besser scheint ein guter Rat, der wäre, dran gewöhn dich halt!

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: drah di ned um …| Inventarnummer: 25205

Vocal-Bashing

Wir Vokale fragen uns, das A, das E und I , O, U:
Muss das sein, und echt, wozu?
Auch Zwielaute, au, eu, und ei,
fragen sich, was das denn sei?

Was haben wir bloß angestellt,
dass man uns so deformiert?
In Teilen uns’rer kleinen Welt
verbogen, dass man sich geniert!

Ötan hört man, war’n mal Eltern,
und nicht zum Arzt, man geht zum Oatzt.
Sogar das L wird auch schon selten,
dass wir glaub’n, man wird vahoatzt.

Da gibt es etwas, das uns stört,
darauf hab’n wir keinen Bock!
Wenn man plötzlich Wückö hört!
Im schlimmsten Falle, Wückörock!

Und nach einer langen Reise
freut man sich, ist man daheim.
Mit dahoam, auf diese Weise,
schafft man keinen reinen Reim!

Schickst du wen in deinen Garten,
etwas Grünzeug wär das Ziel!
Du musst kochen, kannst nicht warten,
wird’s ja doch bloß Pedasül.

Auch die Umlaute beschwer’n sich,
was vom Ü noch übrig bleibt,
heißen sollt’s, ich grüße dich,
nur noch griaß di!, wie sich zeigt.

Im Bratl ist das L ja wieder
so ganz plötzlich aufgetaucht!
Auch wenn’s so nicht vorgesehen,
immerhin, es wird gebraucht.

Noch einen Kilo Öpfö bitte!
Ach, ich kann Sie nicht versteh’n!
Äpfel, wenn ich richtig tippe?
Verzeih’n Sie, war wohl ein Verseh’n?

Je höher, dort, wo Berge waren,
ist selten jemand raufgeklommen.
Länger braucht’s, drum rumzufahren,
so ist wohl kaum wer hingekommen.

Wo der Schnee lang liegen bleibt,
bleibt auch Sprache lang erhalten.
Drum kommt’s, dass sich niemand dran reibt,
wenn man spricht so wie die Alten.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25204

Helden

Es heißt, die in den Bloodlands sterben,
sie Gott gerufen hätt’.
Und mit Barmherzigkeit würde der werben,
um den, der sich dem Tod hingeb’n tät’.

Die Friedhöf’ wachsen schnell, so wie die Bäume.
Die Freiwilligen geh’n scheint’s nicht aus
Verkrüppelt oder tot, und ohne Träume,
es kommen alle nach der Schlacht nach Haus.

Den Söldnern ist das Leben wenig wert.
Der Tod, sagt man, der soll dort gar nichts gelten.
Der, der sein Leben hingibt, wird geehrt.
Am Ende sterben alle, eben wie die Helden.

Denn wer sich opfert, der reinigt sich von Sünden,
lügen die Priester, in scheinheil’ger Moral!
Für Freund und Vaterland zu sterben, finden
dieselben, wär Pflicht, und allemal normal.

Der nichts besitzt, wie leicht geht der!
Daheim schimmeln die Wände.
Der Ofen kalt, der Kühlschrank leer,
der Weg zur Front, das ist das Ende.

Am Bahnhof eine letzte Zigarette.
Die Antwort auf warum, ist schroff.
Auch wenn man was zu sagen hätte,
besser man schweigt, sonst gibt es Zoff.

Hier bleiben, das heißt nichts verdienen,
doch dafür trinkt man umso mehr.
Denn unterzeichnen bringt Zechinen,
und sein Säckel bleibt nicht leer.

Man kriegt fürs Morden jeden Monat Lohn.
Und hast du Schulden, oder du bist kriminell,
dann gibt’s ’ne Prämie. Dem Tod zum Hohn.
Sie zwingen dich zu gehen, und das ganz schnell.

Es tröstet die Mama den Jungen,
für diese Tat stirbst du als Mann.
Zur Witwe eines Helden
wird deine Gattin dann.

Und die Daheimgebliebenen sind stolz
auf die, die für sie anstelle sterben.
Und jeder sagt, ach Gott, ich wollt’s,
bloß keine Zeit, mich zu bewerben.

Wir haben keine Angst vorm Tod,
der Tod ist unausweichlich.
Noch ehe ihnen Elend droht,
nicht nur durch Schnaps, den gibt es reichlich.

Und, danke schön für eure Söhne,
der Kriegsherr winkt und zynisch lächelt.
Kein Wort von Schmerz, höchstens Gestöhne.
Man schweigt aus Tradition. Ein andrer röchelt.

Nur in der Hauptstadt wird das Sterben leicht verdrängt.
Der Propagandist, der feiert, wie der Profiteur.
Sie alle trinken auf das Leben,
Krimsekt, und es genießt der Connaisseur.

Hier tut der Tod nicht weh, wie an der Front.
In der Provinz endet das Leben oft mit dreißig.
Am Schlachtfeld klappt es meistens prompt.
Wertlos, verheizt, so endet es vorzeitig.

Man liegt im Sarg, so aufgebahrt, vor Langeweile,
zur Probe, quasi nur für kurze Zeit.
Und eine Grabsteinkollektion von einer Meile,
die inspiziert man gern, entspannt, im Cocktailkleid.

Doch hier, da macht man Selfies, in mit Velours geschmückten Särgen,
Chopin liefert den Trauermarsch dazu.
Tam, tam ta tam, ta ti, ta ta, ta ta, ta tamm!
Davor der Muskelprotz posiert, derweil die andren sterben,
mit Teufelshorn und Engelsflügel, als gäb es kein Tabu.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25203

Pop-up

Fernweh ist es, das mich plagt,
lässt im Netz mich krampfhaft suchen.
Bloß wohin?, was an mir nagt,
denn ich will ’ne Reise buchen.

Eins zwei drei, nun zeig schon her!
Klick, und ab in die Karibik!
Palmenstrand am blauen Meer!
Kuba oder Martinique?

Schnell mal sehen, was das kostet,
zack, da poppt ’ne Werbung auf!
Unverschämt, wer da was postet,
grad auf meine Website drauf!

Zack! Gleich wieder, kurz darauf!
Verflucht noch eins, was soll denn das?
Hört der Scheißmist gar nicht auf?
Herrschaften, das ist kein Spaß!

Miese kleine Browserfenster,
wer hat euch und überhaupt,
beinah Internetgespenster,
zu erscheinen hier erlaubt?

Als am Wasser war das Surfen,
fand ich mich ja noch zurecht.
Heute geht’s mir auf die Nerven,
Digital, da wird mir schlecht!

Hab mitnichten euch gerufen,
aufdringliches Werbepack!
Die das blöde Zeug da schufen,
geh’n mir ziemlich auf den Sack!

Was ist das, Advertisement?
Wo ich doch verreisen will.
Jetzt sag bloß noch, für ein Hemd?
Out und over, klick auf kill!

Zack, man will mir mit Gewalt
wohl ein Auto andreh’n, was?
Weg damit, ich schrei laut Halt!
Doch Moment, was war denn das?

Schmerzt Ihr Knie oder die Hüfte?
Seid ihr noch zu retten, Mann?
Zack, gleich geh ich in die Lüfte!
Billig fliegen! Wenn man kann!

So, das ist es jetzt gewesen!
Zack! Ich glaub, ich werd verrückt!
Bitte vorerst weiterlesen!
Cookies haben mich erdrückt!

Gib nicht auf, jetzt wirst du fündig,
Billigflüge, fast geschenkt!
Das Angebot scheint hintergründig,
hast’ ein Abo? Seid gehenkt!

Für den Zugriff fünfzig Cent.
Der verkauft eine Banane?
Alles das erscheint mir fremd.
Internet, eine Schikane!

Schließlich muss ein End’ hergeh’n,
der Preis ist wirklich ungeheuer!
Ein Flug, der ist mit Handgepäck,
gleich noch einmal so teuer.

Fliegen will ich! Fertigteil?
Da schau her, ich kauf ein Haus!
Neiiin, ich wollte doch verreisen!
Und jetzt reicht’s, ich steige aus!

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 25202

Prolog

Habe nun, ach!
Leidender! Du musst es leidender sagen!
Habe nun aaach!
Noch mehr Ausdruck! Dein Gesicht!
Lass die Augen hervortreten!
So! Ja! Schmerzvoller Mund! Gut!
Okay, so ungefähr.
Also: Habe nun aaach! Deutsche Philologie,
Musik und auch Geschichte
leider studiert, mit Weh und Ach.
Da sitz ich nun, ich armer Greis,
der leider nicht mehr weiterweiß.
Nenn mich Magister, Doktor gar,
bin mehr als einundsiebzig Jahr
und quäl mich jahrelang vergebens
mit der Suche nach dem Sinn des Lebens.
Tag aus, Tag ein bemüh ich mich,
Migranten Deutsch zu lehren,
obwohl sich manche Teilnehmer
wohl die Bohne darum scheren.
Ich sehe ein, man kann nicht alles wissen,
und sich in allerlei verrennen,
wenn Träume in den Himmel schießen.
Ich will mir nicht den Mund verbrennen.
Das Mindeste soll jeder können müssen.
Ich bin nicht klüger als die and’ren,
versuch, im Sattel mich zu halten, so gut es geht.
Ich fürchte Krankheit, Krieg und Dummheit,
darüber ist mir alle Freud vergangen.
Bilde mir ein, ich wüsst’ drum heut,
wie’s gehen könnt, für mich allein, ganz unbefangen.
Es liegt mir fern, wen zu belehren,
ich will auch niemanden bekehren.
Noch eines sag ich, jetzt und hier,
bei mir war Geld nie in Quartier.
Wohl keiner möcht wie ich so leben,
drum hab ich mich dem Wort ergeben,
ob es mir nicht durch seine Kraft
so manche Linderung verschafft,
auf meiner Suche nach dem Sinn,
wie auch dessen, wer ich bin.
Durch die Gewalt gezielter Worte,
in den reinen Reim gepresst,
erhoff ich mir der Wahrheit Pforte.
Als Zugang, mehr, als dass mich Prosa fühlen lässt.
Auf diese Weise seh ich klar,
was auf dieser Welt scheint’s wahr.
Ich merke, manchmal deprimiert,
es punktgenau und komprimiert.
Verzichte auf in Prosa schweifen,
mit vielen Worten nach den Sternen greifen.
Ach, leuchte, teurer Sonnenschein,
in meine dunkle Seel’ hinein,
und dieses auch in finst’rer Nacht,
die ich am Laptop zugebracht!
Über den Texten endlos brütend,
wahrheitssuchend, müd und wütend.
Das viele Sitzen nährt die Gicht,
viel Lesen trübt das Augenlicht.
Der Geist gerät leicht in Bedrängnis
im körpereigenen Gefängnis.
Kein Lichtstrahl dringt durch diese Wohnung,
ich schreibe weiter, ohne Schonung.
Der Bücher Staub verrät mir nur
die Zeit meiner Registratur.
Warum, horch tief in mich hinein,
kann ich nicht so wie and’re sein?
Die Bier trinken und Fußball schau’n,
und blöde Witze machen über Frau’n?
Wie lang schon sitz ich hier herin’,
und suche nach des Lebens Sinn?
Drum end ich hier und höre auf,
und pfeife auf der Sterne Lauf.
Jag nicht mehr nach dem Sinn vom Leben,
es muss auch noch was and’res geben.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 25199

Ecce Homo

Ach Gott, es bleibt für immer sichtbar,
grässlich sieht das manchmal aus.
Und es ist durch nichts vernichtbar,
schon gar nicht durch: Radier das aus!

Verdeckt das Ding den Leberfleck,
erschwert es bloß die Diagnose.
Durch Beten geht es auch nicht weg
und tarnt sich frech als Dermatose.

Es bleibt, auch wenn du es nicht willst,
auf ewig an dir kleben.
Auch wenn du es mit Feuer grillst,
es ist deins, so wie das Leben.

In Mode ist der alte Brauch,
von Grönland bis zum Feuerland.
Auf Arm und Kopf, bis hin zum Bauch.
auf Fuß, und Rücken und der Hand.

Klassisch oft, als Herz und Adler,
mal ist ein Anker mit dabei.
Ein Segelschiff, nicht aber Paddler,
symbolisiert den Traum von frei.

Mutig stach sich einst der Ritter,
zum Schutz ein Kreuz tief in sein Fell.
Und dacht’, im Morgenland wär’s bitter,
stürbe man dort und käm in d’Höll.

Was aber ficht die Jungen heut’,
sich derart zu malträtieren?
Tattoos, und Piercings, is’das g’scheit,
damit den Body auffrisieren?

Der eine sieht als Kunstwerk sich,
der and’re tut’s aus Mode.
Als Ausdruck, schaut, das bin ja ich!
Oder spirituell? Aus Angst vorm Tode?

Der Seemann hat es und der Rocker,
der Punk und auch die Punkerin.
Das alles reißt mich nicht vom Hocker,
weil ich dageg’n allergisch bin.

Auch aus Protest, das wäre möglich.
Als Ausdruck gegen das Normierte.
Doch manches zeigt sich oftmals kläglich,
was schlecht geplant, nur wohl passierte.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: kunst amoi schau’n | Inventarnummer: 25197

Das Meer

Wer von uns kann schon ermessen,
wie es vorher ist gewesen?
Wie hat alles bloß begonnen,
bevor die Wasser sind geronnen?

Glühendheißes Magma war
vor dem großen Regen gar.
Dann regnete es, viele Jahre,
und das Meer war da, das klare.

Gott Taʼaroa ganz in Trauer,
Tränen flossen lang auf Dauer,
die die Ozeane füllten,
und die Erd’ damit umhüllten.
Salzig sind nun mal die Tränen.
Kein Meerwasser zum Trinken nehmen!

Das Meeresufer scheint semantisch
für mich allein schon hochromantisch.
Immer noch lauf ich zum Strand
und liege faul im weichen Sand.

Wenn eine leichte Brise weht
und mir die Zeit zu schnell vergeht,
im Sonnenschein bleib am Gestade
ich, bis dass die Sonne sinkt, wie schade!

In eine and’re Zeit versetzt,
indes zu Land die Zeit langhetzt,
so zwischen Flut und zwischen Ebbe
im Sand ich den Entspannten gebe.

Aber langsam wird mir klar,
das Meer ist, wo es immer war.
Ringsherum verändert sich,
beinah alles, so auch ich.
Das Meer, ein Ort der Ewigkeit,
bereitet mir Glückseligkeit.

Der Wind am Watt weht aus dem Westen.
Bei Nebel ist es echt am besten,
wenn man eine Jacke nimmt,
weil dann der Wind von Norden kimmt.

Dann tu ich auf die Wellen hören,
und auf Laute, die mich stören.
Man muss auch auf die Ströme achten,
und auf die Möwen, wenn sie lachten.

Am Meer droh’n Unheil und Gefahren,
das kann man sich ganz leicht ersparen,
wenn man es von Grund auf meidet,
und sich nur fürs Land entscheidet.

Seine Kraft und seine Weite
merkt man erst auf hoher See.
Ist man ihm erst ausgeliefert,
ist verloren man, oje!

Des Meeres Schönheit eingefangen,
vom sich’ren Strand aus rumgehangen.
Meine Angst schien überwunden,
doch jetzt hat sie zurückgefunden.

Es steigt der Spiegel rasch des Meeres,
dort steht ein Inseldorf, ein leeres.
Und unter Palmen, ganz geduckt,
ganz viele, bald vom Meer verschluckt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25177

Zur Dumpfbacke

Fürchten macht mich jenes Wissen,
Schlaraffia, das wär das Ziel.
Dass wir nichts mehr lernen müssen,
und das ist, was ich nicht will.

Ohne Anstrengung und Mühe,
kauend auf der Weide steh’n,
dumm, wie eine Herde Kühe,
Leute, so kann das nicht geh’n!

Paradiesisch, wo die Plage
sich partout auch nicht mehr lohnt.
Dann, wenn lernen keine Frage,
und man sich im Nichtstun sonnt.

Wenn die Fähigkeit des Denkens
die Maschine übernimmt.
Die des Lesens, Autolenkens
durch virtuelles Sein bestimmt.

Begehren, wie gebrat’ne Gänse
uns in off’ne Münder fliegen,
und wir ohne einen Aufwand,
bloß auf Knopfdruck alles kriegen.

Das Beste aller Leben leben!
Selber denken, ist nicht mehr.
Verpönt, nach Neugierde zu streben,
so ein Leben scheint recht leer.

Befehle werden zur Routine
und ich frag mich, was das soll?
Red mit mir und mach Termine,
schreib mir rasch ein Protokoll!

Mach, dass ich unsterblich werd!
Implantier mir ein Talent!
Auf dass man mich als Star verehrt.
Holt mich hier raus, eh ich verend!

Nicht einmal bitte darf man sagen,
das verbraucht viel zu viel Strom.

Keine Reise will man wagen,
virtuell vielmehr, nach Rom?

Der Verblödung großes Ziel,
ist, man schaut ganz einfach nach.
Was, wo, wann ich etwas will.
Nur die Gefühle liegen brach.

In der Idee dahinter steckt,
die Welt sei objektiv erfassbar,
haben Schlaue ausgeheckt.
Erfahrung zählt nicht, ist weglassbar.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 25187