Archiv des Autors: Redaktion verdichtet.at

Auf der Welt

Solange ich eine Stimme habe, werde ich sprechen.
Solange ich eine rechte Hand habe, werde ich schreiben.
Darüber, was mir nicht passt, und was,
meiner Meinung nach, auf der Welt nicht zusammengeht.
Das wird zurzeit immer mehr.
Und ich werde dazu nicht schweigen.

Die antike Weltkarte in zwei Schnitten

Die antike Weltkarte in zwei Schnitten

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26073

Nichts Gutes

Die USA und Israel haben den Iran angegriffen und einen Großteil der Staatsspitze ausgelöscht. Der Iran schickte daraufhin Raketen auf Israel und US-Basen in der weiteren Region.

Leider nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch gegenwärtig. Niemand weiß, was dabei herauskommt. Die meisten befürchten nichts Gutes.

Ich lege die Zeitung beiseite, gehe hinunter und räume die Küche auf.

WORLD VIRUSES - SATAN - EVIL SPIRITS - DEVIL - DEMONS - SIN - DESTRUCTION – DEATH

WORLD VIRUSES – SATAN – EVIL SPIRITS – DEVIL – DEMONS – SIN – DESTRUCTION – DEATH

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26072

Herlicek – Kleine Freuden des Lebens

Strompreis, Putin und Trumps MAGA,
die ganze Welt ist derzeit gaga.
Hinzu kommt die Inflation –
das ist nichts als blanker Hohn!

Die Wirtschaft kommt nicht in die Gänge,
für uns bleiben die letzten Ränge.
Hoch ist hierzuland‘ nur die Steuer –
das Leben kommt uns immer teurer.

Doch nun aber zu den Dingen,
die Herliceks Seele zum Schwingen bringen:
Pensionsanpassung und Rabatte-Pickerl
und vor allem – das Comeback vom BRICKERL!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
Informationen zu Live-Terminen, Buchbestellungen und Videos

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26071

Archiv Februar 2026

28.2.26: Frank Joussen: Hungrige-Möwe-Haiku
28.2.26: Bernd Watzka: Herlicek – Billigere Lebensmittel
28.2.26: Johannes Tosin: Die Katze Lady Strange im Geschäft „Fressnapf“
28.2.26: Johannes Tosin: Augenblick
22.2.26: Bernd Watzka: Herlicek – Olympische Augenringe
22.2.26: Norbert Johannes Prenner: Übers Metrum
22.2.26: Johannes Tosin: Der Bauer in der Stadt
22.2.26: Johannes Tosin: Die Nacht deckt zu
15.2.26: Antonia H.: Morgendliche Selbstbefragung
15.2.26: Johannes Tosin: Quantum
15.2.26: Claudia Dvoracek-Iby: Im Rucksack
15.2.26: Frank Joussen: Yin und Yang im Jahr 2099
15.2.26: Norbert Johannes Prenner: Nicht um den Block
15.2.26: Johannes Tosin: Das Helle und das Dunkle
7.2.26: Johannes Tosin: Die kalte Sonne
7.2.26: Norbert Johannes Prenner: Da wäre noch
7.2.26: Johannes Tosin: Dunst

Herlicek – Billigere Lebensmittel

Bald enden unsre Beschwerden:
Die Grundnahrungsmittel werden
endlich billiger – was für a Freud
für die Inflations-geplagten Leut‘!

Es gilt für Milch, Butter und auch
Erdäpfel, Rüben und den Lauch.
Paradeiser sind mit dabei
sowie Paprika und Hühnerei.

Hinzu kommen Äpfel und wohl
Rüben, Sellerie und Kohl.
Die Aktion gilt für vieles mehr,
doch Herlicek schimpft: „Bitte sehr –

die drei wichtigsten Sachen
vergaß man beim Listenmachen!
Welche Lebensmittel ich mein’?
Hopfen, Malz – und Trauben für’n Wein!“

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
Informationen zu Live-Terminen, Buchbestellungen und Videos

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26069

Herlicek – Olympische Augenringe

Herlicek schaut mit Veltliner
die Winterspiele in Cortina.
Er versäumt kein einziges Rennen,
man kann ihn nicht vom Sofa trennen.

Er liebt alle Wintersportarten –
kann’s nächste Rennen kaum erwarten.
Den ganzen Tag läuft’s TV-Gerät –
ohne Pause von früh bis spät.

Er ist schon erschöpft, die Birne weich,
sein Kreuz tut weh, er ist ganz bleich.
Unter den Augen hat er komische Dinge,
seh’n aus wie – olympische Ringe!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
Informationen zu Live-Terminen, Buchbestellungen und Videos

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26062

Übers Metrum

Wenn von Poetik wer was weiß,
auf so was bin ich gar nicht heiß,
will sich mit vagem Wissen rüsten
und sich vor andr’en damit brüsten.

Erst in fremde Töpfe gucken,
hernach in deren Suppe spucken,
allen zeigen, was man kann,
das zieht mich echt nicht in den Bann.

Ob nun bei Schiller oder Goethe,
sei’s mit Triller oder Flöte,
der Jambus zeigt schon zu Beginn
als Auftakt klar, da will ich hin.

Es schlug mein Herz geschwind zu Pferde,
verschneit liegt rings die ganze Welt.
Der Mond geht auf über der Erde,
ich glaube nicht, was der erzählt.

Denn eingangs stünde der Trochäus,
meint Uwe, Jens oder Thaddäus,
wenn Freude, schöner Götterfunken,
die Norm sei, das wär glatt erstunken.

Ich find das wirklich unerhört,
doch nicht nur das ist’s, was mich stört,
ich pfeif aufs Heben und das Senken,
man muss doch an den Inhalt denken!

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 26060

Im Rucksack

Anfangs fanden wir ihn amüsant. Ehrlich gesagt lachten wir uns halbtot nach der ersten Begegnung mit ihm.

„Ich bin der Willi“, hatte er gesagt, ein zappeliger, älterer Mann, den ein riesiger, grauer Rucksack nach hinten zog. Dünn war er und klein, kleiner als Marie, die zu mir an die Tür kam, um zu sehen, wer da bei uns Sturm geläutet hatte.

„Ich bin der Willi, jaja“, zwinkerte er unruhig, „und der Willi hat die Wohnung neben euch gemietet, jaja, und da wird er ganz alleine wohnen, jaja, weil niemand mit ihm sein will – was weiß ich, warum! Aber!“, hob er den Zeigefinger, „Aber dafür besitzt der Willi viele, viele Schätze, und da drinnen“, wies der Finger Richtung Rucksack, „da sind neue Schätze. Die hat der Willi vorhin gefunden, an der Donau, jaja, und jetzt“, verbeugte er sich leicht, „muss sich der Willi verabschieden und seine Schätze auspacken!“

Einige Tage später fand ich ihn im Stiegenhaus vor, als er dabei war, seinen gigantischen Rucksack aus dem Lift zu zerren.

„Jaja!“, keuchte er, als ich anbot, ihm zu helfen.

Mit vereinten Kräften zogen wir den Rucksack, der unglaublich schwer war, vor seine Wohnungstür. „Sind da Steine drinnen?“, scherzte ich.

„Jaja!“, rief er ungeduldig, sperrte fahrig die Tür auf, rief „Komm rein, komm rein!“, öffnete flink gleich im Vorraum den Rucksack. Es waren tatsächlich Steine darin, verschieden große, gewöhnliche Steine. Er nahm einen runden, hellen in die eine, einen flachen Stein in die andere Hand und stieß mit dem Fuß die Tür zu einem großen Zimmer auf.

„Komm rein!“, rief er wieder, lief in den Raum, legte die Steine behutsam auf einen Tisch zwischen unzählige andere. Sie lagen überall, bedeckten den Boden bis auf ein paar freigelassene Pfade, stapelten sich auf zwei Bänken, in Regalen – massenhaft Steine, wohin ich auch blickte.

„Jaja, das sind meine Schätze!“, rief er in trotzigem Tonfall, während er unermüdlich Nachschub aus dem Rucksack holte und arrangierte. „Wenn kein Mensch den Willi leiden mag, ihm die Katze wegläuft, ihm die Pflanzen eingehen – was weiß ich, warum! Was bleibt da noch? Steine! Jaja!“

Und er erklärte, dass die besten Steine an der Donau lägen, er die allerbesten aber in der Donau vermute, nur könne er leider weder schwimmen noch tauchen. Dann streichelte er ehrfürchtig einen Stein nach dem anderen, beschrieb und lobte wortreich jedes Fleckchen an ihnen. Erst nach geraumer Zeit schaffte ich es, ihn zu unterbrechen und zu gehen.

„Ein Spinner! Und furchtbar anstrengend“, teilte Marie meine Meinung, die ihm wie ich eines Tages beim Rucksack-Schleppen behilflich war und seinen Steinschwärmereien ebenfalls nur mit Mühe entkommen konnte. Sie erfuhr unter anderem, dass er, der Willi, sich oft wundere, dass er anscheinend der einzige Mensch war, der erkannte, wie schön, wie einzigartig, wie seelenvoll so mancher Stein am Wegesrand war.

„Dieser Verrückte passt absolut nicht in unser Haus“, sagten auch die anderen Mieter untereinander und zum Hauseigentümer. Nach weiteren Begegnungen, bei denen unser neuer Nachbar ungefragt und detailreich von seinen neuesten Schätzen erzählte, gingen wir ihm aus dem Weg, machten auch nicht mehr auf, wenn er an unserer Tür war.

Einmal sahen wir ihn beim Spazierengehen an der Donau. Er nahm uns nicht wahr, ging an uns vorüber, seinen Blick konzentriert auf den Schotterweg gerichtet. Wir beobachteten belustigt, wie er erfreut in die Hände klatschte, sich bückte und Steine in seinen Rucksack legte. Im Scherz klatschte ich später wie er in die Hände, hob einen großen Kieselstein auf, rief, „Ein Schatz, jaja, ein Schatz!“, und schenkte ihn Marie.

Vor drei Tagen läutete er spätabends bei uns, minutenlang. Als ich schließlich ärgerlich öffnete, fuchtelte er aufgeregt mit einem Brief in der Hand, rief:

„Der Willi kommt sich verabschieden, jaja, dem Willi wurde die Wohnung gekündigt, wieder einmal, was weiß ich warum, denn der Willi hat immer die Miete bezahlt, jaja, und …“

„Dann wünsche ich dem Willi alles Gute!“, unterbrach ich ihn, wich seinem fassungslosen Blick aus und schloss die Tür.

Marie tat er leid, sie legte ihm am nächsten Tag den großen Kieselstein von mir vor die Tür.

Wir sahen ihn nicht wieder. Gestern waren zwei Polizisten bei uns, die sich erkundigten, was wir über den Mann wussten, der neben uns gewohnt hatte und den sie in der Donau gefunden hatten, tot, ertrunken, hinabgezogen von einem Rucksack voller Steine.

Seitdem beschäftigt Marie die Frage, ob auch unser Kieselstein im Rucksack gewesen ist.

Copyright: Claudia Dvoracek-Iby

Copyright: Claudia Dvoracek-Iby

Claudia Dvoracek-Iby
(Text und Zeichnung von 2015)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26061