Archiv des Autors: Redaktion verdichtet.at

Geräte

„Schalten Sie bitte nicht die Geräte aus, sonst sterbe ich“, sagte der Patient. „Wir haben die Geräte bereits ausgeschaltet. Sie sind schon tot“, sagte der Arzt. „Wenn wir nun die Verbindungen der Geräte zu Ihnen lösen, werden Sie zur Decke schweben.“

Der Arzt kappte die Verbindungen. Der Patient schwebte langsam hoch. Als er an der Decke angekommen war, lachte er, wie er in seinem Leben niemals gelacht hatte.


Die beleuchteten Parkplätze im Landeskrankenhaus Klagenfurt im Schnee des 21. Januar 2023

Die beleuchteten Parkplätze im Landeskrankenhaus Klagenfurt im Schnee des 21. Januar 2023

Johannes Tosin (Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: fantastiques | Inventarnummer: 26022

Die Stadt der tausend Fragen

Es ist die Stadt der tausend Fragen. Ich muss achthundertfünfzig davon richtig beantworten, damit ich eingelassen werde. Ist die Stadt das wert? Die Stadt der Lichter, die der Neonreklamen, hell leuchtend auch in der Nacht.

Danke, ich verzichte, da lebe ich lieber in einer Jurte in der Mongolei. Dort sind mir die Sterne nah.


Die Discokugel in der Szene Wien am 6. Mai 2023

Die Discokugel in der Szene Wien am 6. Mai 2023

Johannes Tosin (Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: spazierensehen | Inventarnummer: 26021

Die Katze Lady Strange im Geschäft „Fressnapf“

Die Katze Lady Strange ist mit ihrem Frauerl im Geschäft „Fressnapf“. „Da schau her, das würde ich gerne essen, Kaninchen!“, sagt die Katze Lady Strange. „Was, du kannst lesen?“, fragt ihr Frauerl. „Nein, nur Bilder ansehen“, sagt die Katze Lady Strange. „Das ist doch ein Kaninchen auf der Verpackung, nicht?“

Die Katze Lady Strange auf der grünen Tischdecke am 8. März 2024

Die Katze Lady Strange auf der grünen Tischdecke am 8. März 2024

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 26020

Bildstörung

Ist es nicht egal, ob die Realität eine echte ist oder eine virtuelle? Wenn man niemals erwacht, ist es gleichgültig, weil man der Meinung ist, in der tatsächlichen zu leben. Eine kurze Bildstörung mag allerdings schon reichen, dass man bemerkt: Da stimmt etwas nicht. Die Wirklichkeit scheint dann durch, als schwarzer Fleck oder als Blumenstrauß. Eher wird es ein schwarzer Fleck sein, weil die virtuelle Realität schöner sein wird als die echte. Wozu sollte man sonst in sie flüchten?

Rote Rosen und Hagebutten am 21. August 2024, Nahaufnahme

Rote Rosen und Hagebutten am 21. August 2024, Nahaufnahme

Johannes Tosin (Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 26019

Die Nacht deckt zu

Die Nacht deckt zu.
Du hast gelernt, in ihr klar zu sehen.
Jedes Geräusch steht alleine.
Im Winter ist es kalt in ihr,
doch das gehört dazu.
Deine Gedanken sind deutlich.
Du hast viel Zeit zu denken.
Die Nacht deckt zu.

Das nächtliche Eisenbahnleben

Das nächtliche Eisenbahnleben

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26017

Die kalte Sonne

Die Sonne scheint,
aber es ist kalt zu Beginn des Februars.
Sie ist die kalte Sonne.
Als ob sie das Eis wachsen ließe
und den Schnee konservierte.

Der Sonnenuntergang über dem gesamten Wörthersee und Lichter am Wörthersee am 1. Februar 2023

Der Sonnenuntergang über dem gesamten Wörthersee und Lichter am Wörthersee am 1. Februar 2023

Johannes Tosin
(Text und Foto)

www.verdichtet.at | Kategorie: Kleinode – nicht nur an die Freude | Inventarnummer: 26016

Was jetzt noch

Was fängt man ohne Hilfe an,
wenn man den Wind nicht ändern kann?
Oft fehl’n Erfahrung und das Wissen.
Vielleicht die Segel richtig hissen?

Alles, was man da so hört,
eine Meinung, ganz allein.
Aber was mich so empört,
das kann doch nicht die Wahrheit sein!

Alle reden von Bedrohung
und von ständiger Verrohung.
Nicht die Bösen sind die Krassen,
jene sind’s, die es zulassen.

Und man sagt, so wie du denkst,
du dein Glück dir selber lenkst.
Da fragt man sich, was denkt der Tor,
was geht denn in dem Kerl vor?

Wie ein Tropfen, scheint das Wissen,
wie ein Ozean, was wir missen.
Bange wird, was die wohl denken?
Und was für Leut’ die Welt jetzt lenken!

Wer stößt sich schon an kleinen Dingen,
wenn er die großen will bezwingen?
Auf dem Wege hin zur Macht
lässt man die kleinen außer Acht.

Doch was wäre schon das Leben,
würde es den Mut nicht geben?
So mancher mag gern was riskieren,
um andre damit zu brüskieren.

Vielen, die oft Macht bekommen,
wurde als Kind was weggenommen.
Auf dem Weg zu den ganz Großen
darf man an Kleinkram sich nicht stoßen.

Doch Macht besitzen macht oft blind,
und schnell vergisst das Menschenkind,
ist es erst wichtig, reich und satt,
dass es dasselbe Schicksal hat.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25229

Was jetzt

Fragt man sich, was ist der Sinn des Lebens, oder, gibt es einen Gott?
Was ist eigentlich die Seele? Mag ich Obst oder Kompott?
Oft stellt man sich solche Fragen, täglich an die hundert Mal.
Allzu oft müssen wir passen, bei der Antwort richt’ger Wahl.

Wichtig ist es, kritisch denken, mach dir deinen eig’nen Reim
auf des Lebens ernste Fragen, deine Meinung zählt allein.
Hier geht’s nicht nur ums Wissen, mehr um der reinen Weisheit Willen!
Obwohl ich weiß, dass ich nichts weiß, will ich den Drang nach Wahrheit stillen.

Bei der Wahrheit fängt’s schon an. Zahllos ist die Perspektive,
jeder Mensch hat seine eig’ne, individuelle, anspruchsvolle und naive
Vorstellung von dem, was ist, und es glaubt oft jedermann,
dass die eig’ne, selbst erlebte Wahrheit nur die Wahrheit seien kann.

Natürlich will ich gerne wissen, was so in der Welt los ist.
Und ich will es selbst entscheiden, ist das wichtig oder Mist?
Doch trotz aller Wissenschaft, die uns oftmals Missmut macht,
geht es immer um das eine, Mensch-Sein und Zusammenleben.
Im Mitgefühl, nicht nur im Können, liegt der Menschheit heilend Segen.

Die Frage ist, was will ich bloß? Was brauch, was soll und muss ich denn?
Meine Perspektive sagt mir, ist das wahr und was ist, wenn?
Vielleicht sollte man drüber reden, und man kommt gemeinsam drauf?
Besser, als alleine grübeln, besprechen wir der Dinge Lauf.

Wissen, sagt man, das heißt meinen, sich sicher wiegen, scheint gefährlich.
Menschenleben, die vergehen. Ich bin Mensch, so bin ich sterblich.
Bringt Sich-Regen nicht auch Segen? Wirksam heißt es, sei im Leibe!
Bewahr dir ringsum Wohlbefinden, mach der Seele eine Freude!

Wer sich nur mit Anseh’n füttert, ach, das weiß schon jedes Kind,
wer an Ehr’ und Ruhm sich freut, füttert sich doch bloß mit Wind.
Immer heißt es, der schafft an, der das Geld hat, wär ja g’lacht!
Sehr beliebt scheint diese Meinung, doch nur Wissen, das ist Macht.

Mancher denkt den Körper gar als getrennt von seiner Seel sich,
und er folgert sonnenklar, nun, ich denke, also bin ich.
Nie betrügt uns die Natur, wir sind’s, die wir uns selbst betrügen,
Dass der Mensch nur nützlich sei, straft ihn schließlich selber Lügen.

Drum sollt ein jeder sich bemüh’n, Gesetzen auf den Grund zu gehen,
die das Denken und das Handeln lenken, in Bezug auf das Geschehen.
Was Geschichte und Erfahrung lehren, ist meist allzu leicht vom Tisch.
Was daraus zu ziehen wäre, ist schnell weg, mit einem Wisch.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25225