Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

Die Krise

Immer schon bin ich, ohne tierischen Instinkt, mit dieser Welt zurechtgekommen.
Um nicht in der Empfindung Ozean zu ertrinken, an der Sprache emporgeklommen.
Jeder Welle, die heranrollt, hab ich ein Gefühl mit ihr benannt,
und so die Möglichkeit, mich auszudrücken, in ihr erkannt.

Heute denk ich, vielleicht dran zweifeln?
Und Sprache, etwa als Heer von Bildern nur verteufeln?
Sind deren Wahrheiten oft nur noch Illusionen, und die als solche schon vergessen?
Und deren Werte, gibt es welche? Wonach sollte man sie ermessen?

Pass auf! Wo ein Heer, dort findet sich ein Commandante!
Der schickt die Wörter bloß zum Lügen an die Front, ganz infernante.
Dort steh’n sie stramm, um alle zu vergiften,
Und alles steckt im Dreck, hinauf bis zu den Hüften.

Der Wert der Wahrheit wird so lange attackiert,
bis dass Worte schon im Mund zerfall’n und nichts bedeuten.
Und wenn das Grauen vor ihr langsam kulminiert,
dann kommt der Wunderheiler, die tote Sprache aufbereiten.

Er spricht mit Hass vom linken Ungeziefer
und fletscht die Zähne, mit von Zorn erfüllten Kiefern.
Die Krise wird zum Wort der dunklen Stunde,
und niemand wird verschont, geh’n alle vor die Hunde.

Auch wenn’s ganz still ist, ist’s überall zu hören.
Die Existenzkrise, die will uns echt verstören.
Die Wachstumskrise des Kapitalismus.
Die Fieberkrise der Natur. Der Fetischismus.
Das Völkerrecht, Krise der Akzeptanz.
Uns bleibt Verständigung, oder die Ignoranz.

Ein Unbehagen zeigt die Krise, endlos wiederholt.
Fast wie zur Abwehr, und zum Schutz seelischer Not.
Zum Schutz seelischer Immunität.
Was für Gefahrenmanagement gutsteht.

Ich denk, so oft ich sie auch repetiere,
die fünf Buchstaben, die halten mir die Welt vom Leib.
Dieses Gefühl, als ob ich kollabiere,
mir als erdrückend’ Lebensgefühl bleib`.

Wie zur Beschwörung sag ich’s vor mir her,
das Wort Krise sei, so oft es geht, benannt.
Denn was benannt ist, glaubt man leicht, es ist gebannt.
Ich sage es so oft, es wirkt hypnotisch.
Dabei fühl ich mich beinah schon neurotisch.

Es bringt Gemeintes umso leichter zum Verschwinden,
ohne die Ursachen damit noch zu verbinden.
Die Probleme sind’s, die oft an Wörtern kleben.
Es irrt, der glaubt, sie los zu sein, jetzt eben.
Durch Wiederholungen verschleißt ein Wort auf Dauer,
die Wahrheit stirbt, was bleibt, ist oftmals nur noch Trauer.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25181

Schnitter Tod

Ich bin der Schnitter, der heißt Tod! Und alle fürchten meine Klinge.
Zu jeder Tageszeit bereit, auf dass sie in die Körper dringe.
Mir ist der Abend grad so lieb als wie der Morgen.
Und wer sich in den Weg mir stellt, der hat nie wieder Sorgen.
Wer liegen bleibt, ist selber schuld, er hätte fliehen können.
Der meinen Motor schon von Weitem hört, davon müsste er rennen.

Da fallen Köpfe, Glieder und was sonst ins feuchte Gras sich bettet.
Wer nur verletzt dort liegenbleibt, der wird nicht mehr gerettet.
Auch wenn sich noch bewegen Bein und Kopf und Arm,
ein kurzer Blick genügt, ein letzter Streich, das Blut, das ist noch warm.

Ich bin ein wahrer Meister meines Fachs und in der Kunst des Minimierens,
und achte nicht, ob stark, ob schwach, beim Werk des Dezimierens.
Und wenn ich fertig bin, so ist um mich ein einzig’ großes Grab.
Dann zieh ich meine Stiefel aus und stell den Rasenmäher ab.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25179

Das E-Bike

Mein Schatz, ach sag mir wo du bist,
wenn ich so einfach frage.
Im Bad bin ich, wie’s halt so ist.
Ich stehe auf der Waage.

Ach so. Und darf man auch erfahren,
was macht denn das Gewicht?
Jetzt komm, das will ich dir ersparen!
Nein nein! Ich sag’s dir einfach nicht!

Jetzt sei doch bitte nicht so stur!
Nanu? Was war das für ein Schrei?
Ich bitt’ ja um die Zahlen nur,
wenigstens die ersten zwei.

Oh Gott, nein wirklich, echt, es reicht!
Ab morgen muss etwas gescheh’n!
Ich weiß, das wird für mich nicht leicht,
das wirst du hoffentlich versteh’n?

Nun gut, meint sie, ich bin bereit.
Ich denk, ich fahr mal Rad.
Vielleicht erlaubt das meine Zeit,
die kostbare, auch wenn ich sie nicht hab.

Seit diesem Tag fährt seine Frau
mit ihrer Freundin beinah täglich
Elektrorad, und das genau
zwei Stunden lang, sagt sie, angeblich.

Das Phänomen, man sieht sie nicht,
doch hört man sie schon quatschen.
Und dann erkennt man ihr Gesicht,
ganz angeregt, wie beide tratschen.

Vor ihnen, Steilhang. Am Rennradl
ein Typ mit superstrammen Wadln.
Sie schaffen, mit Elektrokraft,
sekundenschnell, was der nicht schafft.
Dabei die Klappe dauernd offen,
das macht den Kerl stark betroffen.

Das ist nicht ganz in seinem Sinn,
sein Ehrgeiz, der scheint echt dahin.
Er lässt, wie wild, die Gänge klicken.
Die zwei entschwinden seinen Blicken.

Und die Moral aus der Geschicht’,
E-Biken verringert nicht überschüssiges Gewicht.
Doch ist es auch nicht ungesund:
Es strafft die Muskeln um den Mund.

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner



Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25178

Plingpling

Quält ein Engel, dir zum Schutz, dich,
sag nicht leichtfertig, dann putz dich!,
eigens dafür abgestellt, um beim Fahren
auf den Straßen dich vor Unheil zu bewahren.

So ein Bote ist für diesen
eig’nen Schutzdienst zugewiesen,
um dir frech auf deinen Reisen
deine Ohnmacht zu beweisen.

Der Grund liegt nicht allein am Altern,
scheint fast, er will dich sachbewaltern.
Aber, wie sich zeigt, Fakt ist,
dass du für ihn nicht fähig bist,
Gefahr rechtzeitig zu erkennen,
weil er meint, du scheinst zu pennen,
und er dich schon vorher warnt,
vor dem, was kommt, und das getarnt.

Er versteckt sich hinter Blinken, Rütteln,
Bremsen oder Schütteln.
Geister werden, dem der lenkt,
von der Technik hier geschenkt.

Für manche klingt das echt ironisch,
Schutzengel wär’n elektronisch!
Sie sind da zu deinem Schutz,
serienmäßig und aus Trutz.

Scheint dein Aufmerken vermindert,
plingpling, könnt’ sein, du seist behindert?
Dann Ultraschall oder Sensoren
an deinen Reaktionen bohren.

Schon freust du dich, hier abzubiegen,
die Kurve, die ist nicht zu kriegen!
Plingpling, dann ein jäher Stopp!
’S wird abgebremst! Das war ein Flop.
Hast du etwas übersehen?
Will wer fahren oder gehen?
Flugs bestimmt der Tempomat,
plingpling, wer den Vorrang hat!
Erkennt, plingling, die Dimension,
warnt vor einer Kollision.

Aussteigen, wann du es willst,
plingpling, besser ist, du chillst!
Die Tür bleibt zu, wenn von hint’
sich jemand nähert dir, geschwind.

Willst du es dem Gegner zeigen,
schneller sein, und nichts vergeigen,
plingpling, wird’s dir durchs System-
Blockier’n der Räder rasch vergeh’n.

Wenn sich am Rücksitz ungebührlich
wer daneb’n benimmt, das spür ich,
warnt dich, plingpling, das System,
der Kerl da ist mir nicht genehm!

Tief ins Aug dir, wenn du pennst,
sieht, plingpling, der Assistent.
Verweigert sich das Gaspedal
deinem Zugriff. Echt fatal!

Aber beinah schlafen kannst du,
plingpling, wird geparkt, im Nu.
Lenkt selbständig rein und raus,
und schließt dich als Fahrer aus.

Daran musst du dich gewöhnen,
darf man nebenbei erwähnen,
denn, plingpling, es wird dein Karren
bald schon ohne dich losfahren.

Doch noch ist es nicht so weit,
macht ein Problem beim Spur’n sich breit,
lässt das Lenkrad ein Vibrieren,
plingpling los, das musst du spüren!

Wenn Überhol’n zu lange dauert
und man naiv darauf lauert,
selbst tief ins Pedal zu treten,
ist, plingpling, es nicht von Nöten.
Denn von selbst schafft das System
den Überholvorgang bequem.

Der Engel, wer hätt’ das gedacht,
den toten Winkel überwacht.
Plingpling, darauf hingewiesen,
neben, vor und hinter diesen,
wo du dich gerad’ befindest,
eh vom Blickfeld du entschwindest.

Analog, aus meiner Sicht,
es eher der Vernunft entspricht.
Durch plingpling digital, was nervt,
wird höchstens das Gehör geschärft.
Drum pfeif ich glatt auf das System,
ist nicht plingpling, sondern plemplem.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 25176

Und das wäre?

Fällt einem gar nichts and’res ein?
Müd’ vom dauernden Gerede?
Kann das wirklich alles sein?
Ich find’s manchmal arm und blöde.

Jeder sagt, dass er’s drauf ist,
meist von purer Lust getrieben.
Dominant, dass keiner es vergisst.
Ein and’res Wort macht unzufrieden.

Denn schließlich kann es alles sein,
ein Ding, ein Auto, auch ’ne Tussi.
Hinterhältig und gemein,
die Bezeichnung, doch das muss sie.

Wenn was üppig wächst und wuchert,
nicht zuletzt unter der Tuchent,
wie die Triebe einer Pflanze,
gar die Schrittfolge beim Tanze?

Sei’s die Musik oder der Boden,
Typen mit und ohne Hoden.
Alles kann dem Wort entsprechen,
ohne seinen Sinn zu brechen.

Die Fantasie erscheint mir weichlich,
ist das Angebot nicht reichlich?
Da wär’ gierig, lüstern, brünstig.
Sogar faunig scheint mir günstig.

Heftig, lustig, übermütig,
sinnlich, triebhaft, oftmals wütig.
Und das Wörtchen liebestoll
macht das Maß so richtig voll.

Vor langer Zeit hieß es erfreuen,
ob bei Untreu’n, oder Treuen.
Noch eins drauf heut’, als Erreger,
mehr als in gilt jetzt noch mega.

Gut und cool daneb’n verblassen,
darauf kannst du einen lassen.
Wenn ein Motorrad nicht so ist,
landet’s besser auf dem Mist.

Dieses Wort, das adelt richtig,
ohne es ist alles nichtig.
Jeder sagt es einmal, weil
es ist schlicht und einfach geil.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25148

Stadtluft macht frei

Endlich frei! Und gleich! Und sicher!
Keiner, der mir blöde kommt!
Selbst – nicht fremdbestimmt, todsicher!
Garantiert Beweglichkeit, echt prompt.

Natürlich gibt es auch Verlierer,
Erfolg ist meistens nicht von Dauer.
Die Sieger sind nicht nur Kassierer,
am Ende tragen manche Trauer.

Ich richte mich nach den Gesetzen,
die mir mein Menschsein garantier’n.
Doch gleichzeitig fasst mich Entsetzen,
über Dinge, die in der Stadt passier’n.

Die meisten haben wirklich alles,
was das Herz begehrt, und mehr.
Ein Neustart droht, wohl jeden Falles,
zu Tod’ gesiegt, scheint mir’s. Unfair!

Denn langsam wird es um uns eng,
für das, was weidlich ausgelebt.
Und Raum wird knapp, nach Schwinden drängt.
Gerammelt voll. War so nicht angestrebt!

Es trampeln oftmals die Befreiten
schon auf den Füßen and’rer ’rum.
Im Umfeld heißer Metropolen streiten
sich die Leut’, in Massen. Dumm!

Stadtluft!, sehnt man sich herbei,
Stadtluft, sagt man, die macht frei!
Obwohl die Straßen vollgerammelt,
Straßen, Häuser oft vergammelt.

Über uns stau’n Satelliten,
heiß geht’s her, geg’n gute Sitten!
Hetz-Mobs, einen Tweet entfernt,
was hat der Mensch schon groß gelernt?

Bloß heiße Luft, die überhitzt,
fertig ist man und man schwitzt.
Beschränkt die and’ren, beim Entfalten,
Reibungsflächen sich gestalten.

Es knallt an planetaren Grenzen,
nichts wächst, bloß Turbulenzen.
Der Ruf, laut, nach Autonomie,
ist hörbar und so stark wie nie.

Konflikte, die aus Trümmern ragen,
von Gewinnern und Verlierern ausgetragen.
Zwischen Opfern und den Tätern,
sozialen Ankern und Verrätern.

Individuen vermeiden,
sich festzulegen, zu entscheiden,
wohin sie eigentlich gehören,
und gottgewollte Ordnung stören.

Die Wirtschaft wächst kaum so wie früher,
der Erdball hitzt, wird langsam glüher.
Zwischen Sieger und Verlierer
bleibt nicht viel, bloß für Paktierer.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25147

Heimat, fremde Heimat

Ich wusst’ mir eine Heimat,
da wo die Sonne wärmt’ das Herz.
Da wo die Blätter des Parteibuchs
rauschten, damals, an jenem Tag im März.

Da wo die Lehrer und die Pfaffen
sich laut ins Fäustchen lachten, hell!
Da wo die Wunden offen klafften,
streuten Salz sie drauf, und das ganz schnell.

Die Leut’ müssten erzogen werden,
sonst wird aus ihnen sicher nichts.
Der Prügel macht folgsam die Herden.
Des Führers Ruf. Des Todes, angesichts.

Die Hand erhoben, wird gegrüßt.
Tut’s wer nicht gleich, ich sag, der büßt!
Die Sippe haftet mir, auf Ehr’!
Den Kerker bewacht das Maschinengewehr!

Wer nicht mit ihnen, der war dagegen.
Solche Leut’ kannte man gleich,
Die ließ man steh’n, bei Nacht, im Regen.
Verfolgt. Und durch Enteignung wurd’ man reich.

Ich wusst’ mir eine Heimat,
da wo noch Kindheitsträume lebten,
vor Sehnsucht, nach dem Eichenblatt.
Wo Blut und Untaten an Händen klebten.

Wo der, der sich dagegen wehrt’,
der Böse war, und nicht geehrt.
Die wahren Helden war’n die Täter.
Der Mann im Widerstand – Verräter!

Da wo der Nachbar einstmals auf uns schoss.
Immer noch Nachbarn. Jetzt sind wir groß
und üben leis’ die Kunst übers Vergessen.
Was damals war, mag man heut’ kaum ermessen.

Da wo die Hoffnung nie vergeht,
weiß ich mir eine Heimat.
Auch wenn das Wort für etwas steht,
das damit nichts gemein hat.
Ist manchmal nah und manchmal weit entfernt.
In meinem Herzen trag ich sie.
So hab ich es gelernt.

 (Im Gedenken an meinen Vater)

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25146

Ich bin Tyrann

Ich bin stolz, ich bin Tyrann,
deshalb, weil das nicht jeder kann.
Stark bin ich, und übermächtig,
auf ’nem Stockerl glatt eins sechzig.

Jedoch, was nicht ein jeder weiß,
ich bin auch schwach, das ist kein Scheiß!
Gedanken, die mich oft beschleichen,
meist in der Nacht, wegen der Leichen,
die ich so oft in Auftrag gab.
Das drückt mir fast die Seele ab.
Ich weiß, damit bin ich allein,
dann wird mir klar, ich bin ein Schwein.

Was nützen mir zehn Limousinen,
vierzehn Villen und Goldminen?
In Wirklichkeit habe ich Schiss,
dass alles bald zu Ende is’.

Wenn ich mit dem Finger schnipse,
steh’n alle vor mir habt Acht!
Oder kurz am Handy tippse,
mein Befehl ist nicht ganz sacht.
In der Hand die Kaffeetassen,
kann, wen ich will, verschwinden lassen.

Doch bei aller Wirklichkeit
macht die Angst sich in mir breit.
Alles macht mir Referenz.
Ich fürcht um meine Existenz.

Die Angst, alles zu verlieren,
nach ’nem Anschlag zu krepieren!
Was hab ich schon von diesem Leben?
Trotzdem bleibe ich dran kleben.

Den Pöbel stets bei Laune halten,
durch Lügen ihren Tag gestalten.
Nur falsche Zahlen, falsche Daten,
was ist, werden sie nie erraten.

Dabei muss ich mich nicht genieren,
meine Macht zu etablieren.
Ein paar Familien reichen aus,
Vettern stärken nur mein Haus.

Doch wach ich auf oft in der Nacht,
träum, ich werde umgebracht.
Oder gefesselt und in Ketten!
Nichts und niemand kann mich retten.

Niemand weiß von meiner Not,
durch Peitsche und mit Zuckerbrot.
Was aber, wenn man mich entpuppt?
Das Volk sagt, ich bin bloß korrupt?
Ich fürchte dieses Stadium
und habe Angst, man bringt mich um.
Wie lang mich an der Macht berauschen?
Will denn niemand mit mir tauschen?

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: drah di ned um …| Inventarnummer: 25139

Tempora mutantur

Wir armen Würmer sind in einer neuen Zeit,
die stark ans End’ erinnert, angekommen heut,
und Gültigkeit verliert der ew’gen Wahrheit Wert.
Wie lebt man weiter so, wie bisher, unversehrt?

Wenn doch nicht, wie bisher, sich plötzlich das Versprechen
vom steten Wachstum als herbe Lüge musst’ beweisen?
Der Raub an wertvollen Ressourcen nicht mehr als bloß Verbrechen?
Wird alles, doch nicht unerschöpflich, sondern enden wollend sich erweisen?

Nun stehen wir davor, vor einer großen schwarzen Wand,
und hofften insgeheim, zumindest würd’s den Nachfahr’n einmal besser geh’n.
Doch diese Hoffnung ist dahin, vernichtet von der Gier’gen Hand.
Das Neue zeigt sich nackt und bloß, will schamlos sich in offenem Gewande seh’n.

Und Reichtum will auch nicht mehr länger, tugendlos, sich hinter Armut scheu verstecken,
gar so, als stünden beide auf der gleichen Seite. Dass ich nicht lach!
Nicht länger zieht das lähmende Geschwätz, das Schicksal ließe sich, für alle, die gleiche Chance entdecken.
Nie ward es gleich! Niemals! Zumindest nie unter des Armen Dach.

Verstummt im Nichts, die Unterstützung für die Ärmsten.
Wer rücksichtslos zusammenrafft, für sich, der hat’s am wärmsten.
Seid mutig, nur heraus damit! Sagt endlich ehrlich, was ihr denkt!
Scheiß auf die Armen, wir nehmen einfach alles. Es denkt der Mensch, Gott ist’s, der lenkt.

Mit jedem neuen Tag verweist der Teufel auf sein steinernes Gesicht.
Unbeschwertheit scheint vorerst wohl vorüber, das lässt er ziemlich leicht erkennen.
Die Katastrophe, die muss her, auf dass sich alles ändert. Droht schon das Jüngst’ Gericht?
Und im Minutentakt die unheilschwang’ren Informationen rennen.

Hab’n wir im Grund nicht alle zarte Herzen? Fühlen wir nicht alle mit der Welt?
Sind wir damit nicht völlig überfordert? Durch Hass? Durch Krieg? Diktat durch Geld?
Es ist zu viel, hört auf, ich will am Ausknopf drehen, noch ehe es zu spät!
Wer wird sich um uns kümmern, wenn Empathie dem End’ entgegengeht?

Dann lass es zu, als mahnend Merkmal deiner näheren Umgebung,
erlaub der Hoffnung Fantasie und tröstliches Gefühl, zumindest für den Wert des Lebens.
Denn wenn du das nicht schaffst, dann scheinen Widerstand und Müh vergebens,
so wehr dich endlich! Schrei’s heraus, was dich dran stört! Sonst akzeptier, und fleh nicht wimmernd um Vergebung!

Copyright: Norbert Johannes Prenner
Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 25138

Cool

Was, zum Henker, ist bloß cool?
Verdammt, woll’n alle jetzt so sein?
In Kindergarten oder school?
Ist nicht geil oder gemein.
Locker, souverän und lässig,
ganz leger und übermäßig,
autonom und trotzdem hip.
Weltweit ein Verhaltenstyp.

Gut und nett? Das kommt nicht hin.
Ein Geschmack? Das trifft es nicht.
Nicht genug, so wie ich bin,
Coolness nimmt mich in die Pflicht.

Heißt, hat Lust auf Abenteuer,
zeigt sich offen, ungeheuer!
Was die andern von dir halten,
um dein Image zu verwalten,
ist dir ziemlich einerlei,
und geht dir am Arsch vorbei.

Verpönt ist trotzdem asozial,
bloß nur Kumpel sein, fatal.
Jedoch geg’n den Strom zu schwimmen,
hört sich gut an und könnt’ stimmen.

Ist von globaler Gültigkeit,
und nicht bloß Erscheinung.
Schon gar nicht eine Modetorheit,
lustbetont, frei in der Meinung.

Cool ist, was man hier so nennt,
selbstbewusst und kompetent.
Nach außen äußerst attraktiv,
im Inneren bloß nicht naiv.

Nur so tun als ob, geht gar nicht,
dass das keiner merkt, glaub ja nicht!
Cool sein ist man aus Passion.
Ist einer cool, das merkt man schon.

Wer beim Shooting dämlich lächelt,
hat sein Image längst verspielt.
Noch dazu mit Händchen fächelt,
geg’n die Regel sich verhielt.

Cool sein, zeigt sich vehement,
als beliebtes Kompliment.
Gelassen, lässig, en passant,
Geisteshaltung nonchalant.
Abgeklärt, beherrscht, besonnen,
wer so ist, hat schon gewonnen.

Mit zweiundsiebzig auf der Harley.
His Headphones reproduce Bob Marley.
Mit Fischers Helen geht das nicht,
da verlierst du das Gesicht.

Cool sein ist mitunter stressful,
funktioniert oft nicht successful.
Es streikt der Zygomaticus,
weil er dabei nichts leisten muss.

Es scheint, dass Coolness unerreichbar,
im Modetrend mit nichts vergleichbar.
Ein Trugbild scheint’s, und nicht zu fassen.
Vielleicht wär’s besser, sie zu lassen.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 25135