Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

Alltagshelden

Die sind Helden, die durch Mut
bewiesen haben, sie war’n gut.
Wer aus der Masse sich erhoben,
den wollen wir besonders loben.

Ein Risiko ging mancher ein,
zu helfen, um ein Mensch zu sein.
Selbstlos steht des and’ren Wohl
über dem eig’nen, wenn es soll.

Die Tat, die nennt sich vorbildhaft,
die’s über das Normale schafft.
Doch nicht bloß der Kugel wegen,
Helden werden durch den Degen
oder auch durch Muskelkraft
zu dem, was sie sind, gemacht.

Der Mensch verleiht auf dieser Welt
solchem Tod den Status Held.
Aber was ist mit den vielen,
die krepieren an Gefühlen?
Die durch Schänden, Kränken, Denunzieren,
Ehrabschneiden, Attackieren
sterben, weil sie resignieren?

Jemand, der/die mit letzter Kraft
den Kampf gegen den Tod nicht schafft?
An den Folgen schwerer Krankheit
oder Schäden aus der Kindheit
Schmerzen leidet, nachts und tags?
Helden sind sie, des Alltags!

Man würdigt Alltagshelden nicht,
auf Sockeln nicht, nicht im Gedicht.
Und niemals wird ein Platz benannt
nach wem, dem/der das Herz verbrannt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26093

 

Die wahre Hölle

Ihr Herrschaften, so tretet ein,
lasst all die Hoffnung fahren.
Wir laden heut’ zum Festspiel ein,
zum Festival des Wahren.

Verloren irr’n, zwischen den Reihen,
Zuseher hinauf zur Galerie.
Da steh’n der Billetteure dreien,
in des Infernos Szenerie.

Und eh die Leute sich’s versehen,
rufen die drei aus einem Munde:
„Kehrt um, für dies Vergehen
büßt ihr, so will’s die Kunde!“

Vor Lachen biegen sich Betrug,
die Wollust und die Bosheit.
Und im Duett auch Hass und Lug.
Der Hölle Schlund klafft dreigeteilt.

Hier im Inferno stechen Wespen,
genauso wie Hornissen.
Es zittern Sünder wie die Espen,
wenn deren Blut und Eiter fließen.

Dort drüben geht es ebenso,
mit Würmern und mit Maden.
Das nennt sich Purgatorio,
zum Mahle ward geladen.

Schon tönet der gemischte Chor.
Der Bläser hell’ Geschmetter,
erreicht das vielgeplagte Ohr.
Wenn’s leiser wär’, wär’s netter.

Durch alle Kreise dieser Hölle
ist Böses kaum zu überbieten,
durchreist man, einfach auf die Schnelle,
der Hölle Qual’n und ihrer Riten.

Links davon drohen Dämonen,
dahinter jammern die Verdammten.
Die Wahrsager eilig betonen,
dass sie die Zukunft glatt verkannten.

Drei Köpfe der Verräter trägt er,
der einst gefall’ne Engel,
auf seinen Schultern, Luzifer,
erfreut an deren Mängeln.

Erst jaulend, schwefeliges Blech.
Dann Stille, komponiert das Schweigen.
Der Schmerz, vernichtend, höllisch, ja gar frech,
begleitet wird von sanftem Geigen.

Die Qual, die durch die Nerven jagt,
wenn Wespen und Hornissen summen.
Die wahre Hölle, wird gesagt, ist,
wo wir voreinand’ verstummen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26092

 

Das mit der Zeit

Oft denk ich dran, wie’s früher war,
und sag mir, lang ist’s her.
Dass nichts so bleibt, wie’s einmal war?
Das so zu glauben, fällt mir schwer.

Wieso bloß die Vergangenheit
mir mehr bedeutet als das Jetzt?
Mir scheint, als wäre alles Schlechte seit
damals wohl total ausgesetzt.

Verantwortung ein Fremdwort war,
was soll’s? Man war doch Kind.
Die Sorgen und das Drumherum
viel später erst gekommen sind.

Nie wieder Krieg, wurde gepredigt,
der Wohlstand hat gesiegt.
Das Thema schien vorerst erledigt.
Die Zeit der Änderung erliegt!

Wie hieß es damals, besser Schulden,
als arbeitslos, so durft’ es sein.
Die Schulden blieben, jetzt herrscht Krieg,
und – ist das nicht gemein?

Es war die Zeit des Widerspruchs,
es war alles im Wandel.
Kunst und Kultur, im wilden Wuchs,
in Kleidung, Art und Handel.

Die Hippies da, dort RAF.
Das Ziel war nonkonform.
Und knallig bunt, und Disco-Lärm.
Der war meistens enorm.

Die Jungen rebellierten krass
gegen die Bügelfalte.
Heut’ zittern wir um Öl und Gas,
die Grundangst blieb, die alte.

Ich wünscht’, es würde was geschehen,
vielleicht die Zeit zurückzudrehen?
Den Krieg abschaffen vielleicht gar,
und alles machen, wie es war.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 26086

Übers Metrum

Wenn von Poetik wer was weiß,
auf so was bin ich gar nicht heiß,
will sich mit vagem Wissen rüsten
und sich vor andr’en damit brüsten.

Erst in fremde Töpfe gucken,
hernach in deren Suppe spucken,
allen zeigen, was man kann,
das zieht mich echt nicht in den Bann.

Ob nun bei Schiller oder Goethe,
sei’s mit Triller oder Flöte,
der Jambus zeigt schon zu Beginn
als Auftakt klar, da will ich hin.

Es schlug mein Herz geschwind zu Pferde,
verschneit liegt rings die ganze Welt.
Der Mond geht auf über der Erde,
ich glaube nicht, was der erzählt.

Denn eingangs stünde der Trochäus,
meint Uwe, Jens oder Thaddäus,
wenn Freude, schöner Götterfunken,
die Norm sei, das wär glatt erstunken.

Ich find das wirklich unerhört,
doch nicht nur das ist’s, was mich stört,
ich pfeif aufs Heben und das Senken,
man muss doch an den Inhalt denken!

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 26060

Nicht um den Block

Wenn sie dich sehen, die Behörden,
wie du da aufsteigst, sagt mein Herzblatt streng,
sie dich herunterholen werden,
und dann wird’s für dich echt eng.

Heiße Greise, die beim Geh’n schon wanken,
fahr’n mit ihrer Harley um den Block.
Bloß ein wenig, um zu tanken?
Ne, darauf hab’n die keinen Bock.

Einmal laut durch enge Gassen,
man gibt am Gashahn kräftig Saft.
Raus auf die belebten Straßen,
ein letztes Mal, mit voller Kraft.

So steht sie da, im hellen Schein,
chromblitzend, blank und feuerrot.
Metallic funkelnd muss sie sein,
und vollgetankt, eh Stillstand droht.

Vorbei an einer Herde Kühe,
die steh’n am Gatter stumm und schau’n.
Absteigen geht zwar mit Mühe,
doch die sind schwarz, gefleckt und braun.

Derweil der heiße Ofen knattert,
nimmt man eine Nase voll,
während dein rotes Halstuch flattert,
vom Geruch, von Kuh und Erde. Toll!

Dann aufgestiegen, Erste rein,
und weiter geht die wilde Fahrt.
Hügel, Wiesen, die sind dein,
für kurze Zeit, im Sonnenschein.

Der Auspuff! Klappen in den Kamin geknallt!
Raus aus dem Ort, wo dich nichts stört.
Die Dämpfer weg, auf dass es schallt!
Dann bist du wer, wenn man dich hört.

Wer nie ein solches Pferd geritten
und nie in diesem Sattel saß,
dem sag ich, es ist unumstritten,
es gibt keinen größ’ren Spaß!

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26057

Paradox

Ich will, wie’s ist, dass alles bleibt,
hab keine Lust auf Neues,
das Schabernack mit mir bloß treibt.
Ertrag mein Schicksal gern, mein treues.

Auf der Suche nach dem Sinn
ist mir ein Widersinn gekeimt,
am Sinnlosen der Welt, und bin
mir klar, ’s ist ungereimt.

Ich kann dem Leid nichts abgewinnen,
denn unerklärbar ist sein Stand.
Wie kann ein liebend Gott ersinnen,
solch Widerspruch in Einklang bringen?
Der Mensch, im Elend, ist verbannt.

Der Aberwitz, der springt dich an,
an jeder Ecke, trostlos, nackt.
Toll fährt er mit uns Achterbahn,
so wie er uns tagtäglich packt.

Dabei muss man noch dankbar sein,
schlafen, arbeiten und essen.
Nichts Neues von der Front, ich mein,
scheint alles schon mal dagewesen.

Ich denk, vergeblich ist mein Streben
nach dem Sinn in einer Welt,
in der vergänglich ist das Leben
und nur die Hoffnung sie erhellt.

Sinnlos, sich dagegen aufzulehnen,
was durch den Tod besiegelt ist.
Es hilft kein Wünschen und kein Sehnen.
Schicksalhaft ist seine Frist.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26056

Die Freiheit, die wer meint?

Wer klopfet an, so unvermut’?
Es ist die Freiheit, höchstes Gut!
Dann lasst sie herein,
sie soll uns Leitsatz uns’rer Zukunft sein.

Verpflichtet uns zum Schutz der Heimat,
zu unserer Identität.
Befolgen wir der Zeiten Rat,
frei sein, ehe die Welt noch untergeht.

Der Rechtsstaat bürgt für Sicherheit,
wir teilen Ziel und Wert gemeinsam,
bis hin in alle Ewigkeit.
Drum steht zusammen, bleibt nicht einsam!

Familie heißt Frau und Mann,
als Stütze der Gesellschaft.
Und ihre Kinder führ’n voran
das Land, durch deren Jugend Kraft.

Auf Leistung, da wird stets geachtet,
wem was gehört, das wird geschützt.
Als unentbehrlich wird betrachtet,
alles, was der Gemeinschaft nützt.

Ist jemand krank, wird er versorgt
und schnell wieder gesund gemacht.
Unsere Geduld wir nicht verborgt,
auch wenn es rundum kracht.

Und auch die Wissenschaft ist frei,
unsere Kultur und Kunst begehrt.
Wer Anteil nimmt, ist mit dabei,
der Zugang niemandem verwehrt.

Selbstbewusst die Interessen,
in die Welt hinausgetragen.
Verantwortungsvoll unterdessen,
niemals diese hinterfragen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26055

 

 

 

 

Frutti di mare

Ach, meine teure Auguste,
mein Arzt sagt mir neulich,
und das fand ich gräulich,
ich kriegte wohl eine Languste.
Doch Shrimps wär’n mir lieber,
von mir aus auch Fieber,
jetzt weiß ich nicht, ob der das wusste?

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26041

Gegenwehr

Weihnachtliche Zielgerade
macht so müde, ist echt schade,
auf der Flucht in einen Traum
unterm Weihnachtstannenbaum.

Andere sind ganz erschöpft,
in ihren Energien geschröpft.
Vornehmlich durch miese Nachricht,
die niederprasselt, ohne Nachsicht.

Rückzug in den Familienkreis,
lockt die Jugend und den Greis.
Kokon häuslicher Behaglichkeit.
Wir haben uns. Sonst Einsamkeit.

Wenn’s noch so schlimm geht in der Welt,
Gemeinsamkeit uns wohl erhält.
Alles ringsherum verroht.
Fühlen uns dadurch bedroht.

Krisenszenario furchterregend,
Lichtblick rar, in jeder Gegend.
Das geht jetzt schon seit Jahren so.
Durch Frohbotschaft wird niemand froh.

Vergangenes kaum auszublenden,
denn das Schlechte will nicht enden.
Sind von Krisen stark geschüttelt,
vom Krieg, was an den Nerven rüttelt.

Man kommt uns neovisionistisch,
heimtückisch und imperialistisch.
Aus der Gosse aufgestiegen,
möchte man gern die Welt besiegen.

Scheint gefährlicher als das,
was hinter uns lag, wie nur was.
Mehr als damals jetzt bedrückt
nämlich das, was vor uns liegt.

Ein andrer Irrer will, verblendet,
dass sogar der Westen endet.
Und in endlos langen Listen
scharen sich Rechtspopulisten.

Den Leugnern wird der Klimawandel
zum Deal mit üblem Umwelthandel.
Umtriebige Pamphletiker!
Verschwörungstheoretiker!

Nichts kann man tun, na sowieso.
Für alle Zeit kein Weiter-so!
Den Typen mal das Handwerk legen
und sich heftig wehr’n dagegen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26037

 

 

Au Backe

Wenn sich die Zunge fühlend schlängelt
vorsichtig entlang der Zähne Reihen
und sie dabei nichts bemängelt,
liegt kein Grund vor, sich zu kasteien.

Dann gönn dir ein Steak, am besten medium,
und beiß hinein, nach Herzenslust.
Tu so, als wärst du im Elysium,
und nimm dir auch ein Bier zur Brust.

Ach Leut, ich wollt, ich könnte das,
doch schwärm ich nur davon.
Ich kann es nicht, das ist kein Spaß,
zu hart für mich ist ein Bonbon.

Da kau ich ahnungslos an einer Dattel,
neulich, so süß, das Blut wollt mir gerinnen.
Sie zog die Plombe jäh aus ihrem Sattel,
und übrig blieb ein Torso, ähnlich den drei Zinnen.

Naturgemäß geschieht das im Advent,
der stillen Zeit, ansonsten nie.
Für so was hab ich ein Talent,
jetzt führt der Zahnarzt dort Regie.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Lesebissen | Inventarnummer: 26036