Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

Zweifel

Ein Zweifler bin ich, keine Frage,
komm ich einmal in die Lage,
zu entscheiden ja und nein,
fällt mir nie das Rechte ein.

Da erfassen mich Bedenken,
wem soll ich was diesmal schenken?
Gleich ob Ostern oder Weihnacht,
was mein Zögern neu entfacht.

Manchmal werd ich richtig heiß,
macht mir jemand etwas weis.
Dummes Zeug glaub’n fällt mir schwer,
das nährt meine Skepsis sehr.

Und voll Zwiespalt schau ich dann,
ich prüfe und erwäge, wann
genau, noch ehe ich was tu.
Denn vorher seh ich lieber zu.

Schon seh ich mich als Skeptizist,
der geg’n jed’n und alles ist.
Vor allem geg’n das Älterwerden,
und ebenso gegen das Sterben.

Ganz besonders regt mich auf,
hab ich nichts am Konto drauf.
Wurde auf mich ganz vergessen?
Woher krieg ich sonst mein Essen?

Und wenn ich schon von Krankheit hör
und mich darüber höchst empör,
zweifle ich am Sinn des Lebens
und suche ihn, wie’s scheint, vergebens.

Manche mögen zwar lancieren,
Zweifel auszubalancieren.
Ich weiß zwar nicht, wie man das macht,
doch ich versprech, ich geb drauf Acht.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26128

Falscher Lorbeer

Den Irrtum mit der Lüge decken,
heißt, ein Loch ersetzen, bloß durch Flecken.
Nach Recht und Gleichheit sucht der Schwache,
für Starke ist’s ja doch bloß Mache.

Zufriedenheit ist dann geglückt,
bewusst, in dem, was selbst genügt.
Der Lohn des Zweifelns, der liegt in
der ganzen Wahrheit rechtem Sinn.

Die Gegenwart ist mir willkommen,
wenn was zu tun ich angenommen.
Was noch nicht ist, macht mich besinnen,
und das, was war, lässt mich erinnern.

Jedoch, wenn einer Lob dir hudelt,
ein Schmeichler, der dir unterjubelt,
mit Lorbeer’n grün dein Haupt bekränzt,
und du ihn fast nicht wiederkennst,
dir unterlegen sei, so wie er meint,
denn immer schon wär er dein Freund.
Sei auf der Hut, geh nicht drauf ein,
es könnte nicht ganz ehrlich sein.

Denn reden, sagt man, sei die Kunst,
der Glaube weckt oftmals die Gunst.
Doch, ohne Freundschaft sind nur Güter
auch kein Trost für die Gemüter.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 26127

Der Unterschied

So unterschiedlich sind die Leut’,
das gilt für gestern und für heut.
Der eine groß, der andre klein,
denn alle soll’n verschieden sein.
Einer neigt oftmals zum Groben,
ein anderer zeigt sich verschroben.

Die einen leben nur fürs Jetzt,
wahrscheinlich für den Augenblick.
Und sparen sich zu guter Letzt
den Blick nach vorn, und den zurück.

Und wieder andre leben so,
als währte alles ewig.
Sie sammeln Güter an, en gros,
denn nur Besitztum macht sie selig.

Manch einer lebt gern anonym,
der andre braucht die Bühne.
Dem einen, dem genügt ein Wort,
ein anderer will Synonyme.

Die einen lieben die Natur,
die andern lieber Whisky pur.
Und was dem einen ist sein Glück,
dem andren wär’s sein Missgeschick.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenne

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 26126

Irritierte Zungen

Hat sich Gott zurückgezogen
und hat so für sich erwogen,
für den Menschen Platz zu machen,
um die Welt neu zu erschaffen?

War er müd vom vielen Schöpfen?
Lag es an verbohrten Köpfen?
War da etwas schiefgegangen,
damit, was er angefangen?

Ein Geschenk, das war die Sprache,
eine durchaus gute Sache.
Wirklich sinnvoll und zukünftig,
gut durchdacht und sehr vernünftig.

Aber ach, oh Schreck, oh Graus,
was machen diese Menschen draus?
Globale Ordnung scheint vernichtet.
Einer, der es für sich richtet.
Als Messias will er klar,
Führer sein, des Westens gar!

Ein Imperialist, sonst inhaltsleer,
fällt über seinen Nachbarn her.
And’re glauben gar, sie müssten,
klerikale Erzfaschisten!,
Menschen köpfen, das im Namen
eines bösen Gottes! Amen!

Hätt’ Geschichte ein System,
wär es äußerst angenehm,
von diesem einfach abzulesen,
was wird sein, wie war’s gewesen?

Wider jegliche Vernunft,
Gescheh’n ist ohne Wiederkunft.
Zeigt sich meistens unauffindbar,
wandelbar und niemals klar!

Wie man es auch hier vorführe,
in der Ära der Raubtiere,
herrscht Kommunikation eiskalt,
in der Sprache der Gewalt.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26120

The poor and lonesome Cowboy

Wie wichtig war in Jonnys Leben
vor allem, nach der Freiheit streben!
Nach Tugend und Gelassenheit,
im Einklang zur Vergänglichkeit.

Mehr lag ihm an des Lebens Würze
als an des Vergnügens Kürze.
Wichtig war, was wesentlich,
egal, was unabänderlich.

Wie wertvoll macht die Endlichkeit
das Leben ohne Eitelkeit.
Einstellung bestimmt die Fügung
und nicht die äußere Bedingung.

Sein Credo, das vergaß er nie,
sein Lebensraum war die Prärie.
Nicht zeitgemäß schien ihm sein Pferd,
ein Motorrad war ihm mehr wert.

Wenn er des Nachts am Feuer schlief,
dann stand es neben ihm, ganz schief.
In seinem Stiefel ein Skorpion,
na und, sagt er, was macht das schon?

Er hätte gar nichts zu vererben,
das dachte er, würde er sterben.
Und niemand würde bei ihm sein,
er stürbe einsam und allein.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner
(Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26119

Woodplay

In diesem Fall stellt sich die Frage,
dauert etwas gar drei Tage,
ist es vom Hudson bis zur Elbe
oftmals nicht immer dasselbe.

Rockmusik ist manchen heilig,
und die Fans, die haben’s eilig,
folgen ihrer Lieblingsband
bis ans Ende dieser Welt.

Warum man ein Musikevent
der Dauer wegen bloß so nennt?
Nämlich so wie damals dieses
Woodstockfestival, so hieß es.

Welten trennten die Idee
voneinander, eh und je.
Blasmusiker klau’n den Namen
für ein Fest in diesem Rahmen.

Damals war das Ziel drei Tage,
Love and Peace, in ruhiger Lage.
Zwischen Hasch und Mescalin
hört man auf die Musik hin.

In Bethel borgte ein Milchbauer
dreihunderttausend Fans, genauer
Hippies wie auch Musikern,
sein Weidefeld dafür recht gern.

Trotz Dauerregens riss Joe Cocker
alle Teilnehmer vom Hocker.
Janis Joplin’s no more pain
folgten Tränen, love in vain.

Statt Tenorhorn bläst die Anna
vor sich Schwaden aus Marihuana.
Lässt man diese Szenen tauschen,
hörte von fern man dumpfes Rauschen,
trotz des überlauten Trubels
das Tröten des Klarinettenmugels.

Die US-Hymne spielte Hendrix
nach Santana, als Appendix.
In Hintertupfing zwischen Ästen
serviert der Wirt den werten Gästen
eine Halbe und ein Schnitz
am Baumkronenweg, kein Witz!

Und im Schlafsack, nah der Bühne,
liebt ein langhaariger Hüne
eine hübsche Hippiebraut,
nach dem Motto Twist and Shout.

In Hühnerzipfl intoniert
am Flügelhorn, hoch motiviert,
Liebe böhmisch, mit Elan,
der Seppl, weil er’s so gut kann.

Doch Pete Townshend von  The Who
gibt am Verzerrer keine Ruh.
In Tupf am Wald dort quiekt die nette
Klarinette der Anette.

Vielleicht ist ein Vergleich nicht gut
und macht bei allen böses Blut?
Könnt man Marathon nicht sagen?
Man müsste bloß die Bläser fragen.
Fragt sich, gibt’s da was zu schmollen,
bei Festen, die nicht enden wollen?

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: unerHÖRT! | Inventarnummer: 26114

Alltagshelden

Die sind Helden, die durch Mut
bewiesen haben, sie war’n gut.
Wer aus der Masse sich erhoben,
den wollen wir besonders loben.

Ein Risiko ging mancher ein,
zu helfen, um ein Mensch zu sein.
Selbstlos steht des and’ren Wohl
über dem eig’nen, wenn es soll.

Die Tat, die nennt sich vorbildhaft,
die’s über das Normale schafft.
Doch nicht bloß der Kugel wegen,
Helden werden durch den Degen
oder auch durch Muskelkraft
zu dem, was sie sind, gemacht.

Der Mensch verleiht auf dieser Welt
solchem Tod den Status Held.
Aber was ist mit den vielen,
die krepieren an Gefühlen?
Die durch Schänden, Kränken, Denunzieren,
Ehrabschneiden, Attackieren
sterben, weil sie resignieren?

Jemand, der/die mit letzter Kraft
den Kampf gegen den Tod nicht schafft?
An den Folgen schwerer Krankheit
oder Schäden aus der Kindheit
Schmerzen leidet, nachts und tags?
Helden sind sie, des Alltags!

Man würdigt Alltagshelden nicht,
auf Sockeln nicht, nicht im Gedicht.
Und niemals wird ein Platz benannt
nach wem, dem/der das Herz verbrannt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26093

 

Die wahre Hölle

Ihr Herrschaften, so tretet ein,
lasst all die Hoffnung fahren.
Wir laden heut’ zum Festspiel ein,
zum Festival des Wahren.

Verloren irr’n, zwischen den Reihen,
Zuseher hinauf zur Galerie.
Da steh’n der Billetteure dreien,
in des Infernos Szenerie.

Und eh die Leute sich’s versehen,
rufen die drei aus einem Munde:
„Kehrt um, für dies Vergehen
büßt ihr, so will’s die Kunde!“

Vor Lachen biegen sich Betrug,
die Wollust und die Bosheit.
Und im Duett auch Hass und Lug.
Der Hölle Schlund klafft dreigeteilt.

Hier im Inferno stechen Wespen,
genauso wie Hornissen.
Es zittern Sünder wie die Espen,
wenn deren Blut und Eiter fließen.

Dort drüben geht es ebenso,
mit Würmern und mit Maden.
Das nennt sich Purgatorio,
zum Mahle ward geladen.

Schon tönet der gemischte Chor.
Der Bläser hell’ Geschmetter,
erreicht das vielgeplagte Ohr.
Wenn’s leiser wär’, wär’s netter.

Durch alle Kreise dieser Hölle
ist Böses kaum zu überbieten,
durchreist man, einfach auf die Schnelle,
der Hölle Qual’n und ihrer Riten.

Links davon drohen Dämonen,
dahinter jammern die Verdammten.
Die Wahrsager eilig betonen,
dass sie die Zukunft glatt verkannten.

Drei Köpfe der Verräter trägt er,
der einst gefall’ne Engel,
auf seinen Schultern, Luzifer,
erfreut an deren Mängeln.

Erst jaulend, schwefeliges Blech.
Dann Stille, komponiert das Schweigen.
Der Schmerz, vernichtend, höllisch, ja gar frech,
begleitet wird von sanftem Geigen.

Die Qual, die durch die Nerven jagt,
wenn Wespen und Hornissen summen.
Die wahre Hölle, wird gesagt, ist,
wo wir voreinand’ verstummen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26092

 

Das mit der Zeit

Oft denk ich dran, wie’s früher war,
und sag mir, lang ist’s her.
Dass nichts so bleibt, wie’s einmal war?
Das so zu glauben, fällt mir schwer.

Wieso bloß die Vergangenheit
mir mehr bedeutet als das Jetzt?
Mir scheint, als wäre alles Schlechte seit
damals wohl total ausgesetzt.

Verantwortung ein Fremdwort war,
was soll’s? Man war doch Kind.
Die Sorgen und das Drumherum
viel später erst gekommen sind.

Nie wieder Krieg, wurde gepredigt,
der Wohlstand hat gesiegt.
Das Thema schien vorerst erledigt.
Die Zeit der Änderung erliegt!

Wie hieß es damals, besser Schulden,
als arbeitslos, so durft’ es sein.
Die Schulden blieben, jetzt herrscht Krieg,
und – ist das nicht gemein?

Es war die Zeit des Widerspruchs,
es war alles im Wandel.
Kunst und Kultur, im wilden Wuchs,
in Kleidung, Art und Handel.

Die Hippies da, dort RAF.
Das Ziel war nonkonform.
Und knallig bunt, und Disco-Lärm.
Der war meistens enorm.

Die Jungen rebellierten krass
gegen die Bügelfalte.
Heut’ zittern wir um Öl und Gas,
die Grundangst blieb, die alte.

Ich wünscht’, es würde was geschehen,
vielleicht die Zeit zurückzudrehen?
Den Krieg abschaffen vielleicht gar,
und alles machen, wie es war.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ¿Qué será, será? | Inventarnummer: 26086

Übers Metrum

Wenn von Poetik wer was weiß,
auf so was bin ich gar nicht heiß,
will sich mit vagem Wissen rüsten
und sich vor andr’en damit brüsten.

Erst in fremde Töpfe gucken,
hernach in deren Suppe spucken,
allen zeigen, was man kann,
das zieht mich echt nicht in den Bann.

Ob nun bei Schiller oder Goethe,
sei’s mit Triller oder Flöte,
der Jambus zeigt schon zu Beginn
als Auftakt klar, da will ich hin.

Es schlug mein Herz geschwind zu Pferde,
verschneit liegt rings die ganze Welt.
Der Mond geht auf über der Erde,
ich glaube nicht, was der erzählt.

Denn eingangs stünde der Trochäus,
meint Uwe, Jens oder Thaddäus,
wenn Freude, schöner Götterfunken,
die Norm sei, das wär glatt erstunken.

Ich find das wirklich unerhört,
doch nicht nur das ist’s, was mich stört,
ich pfeif aufs Heben und das Senken,
man muss doch an den Inhalt denken!

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Wortglauberei | Inventarnummer: 26060