Archiv der Kategorie: Norbert Johannes Prenner

Frutti di mare

Ach, meine teure Auguste,
mein Arzt sagt mir neulich,
und das fand ich gräulich,
ich kriegte wohl eine Languste.
Doch Shrimps wär’n mir lieber,
von mir aus auch Fieber,
jetzt weiß ich nicht, ob der das wusste?

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 26041

Gegenwehr

Weihnachtliche Zielgerade
macht so müde, ist echt schade,
auf der Flucht in einen Traum
unterm Weihnachtstannenbaum.

Andere sind ganz erschöpft,
in ihren Energien geschröpft.
Vornehmlich durch miese Nachricht,
die niederprasselt, ohne Nachsicht.

Rückzug in den Familienkreis,
lockt die Jugend und den Greis.
Kokon häuslicher Behaglichkeit.
Wir haben uns. Sonst Einsamkeit.

Wenn’s noch so schlimm geht in der Welt,
Gemeinsamkeit uns wohl erhält.
Alles ringsherum verroht.
Fühlen uns dadurch bedroht.

Krisenszenario furchterregend,
Lichtblick rar, in jeder Gegend.
Das geht jetzt schon seit Jahren so.
Durch Frohbotschaft wird niemand froh.

Vergangenes kaum auszublenden,
denn das Schlechte will nicht enden.
Sind von Krisen stark geschüttelt,
vom Krieg, was an den Nerven rüttelt.

Man kommt uns neovisionistisch,
heimtückisch und imperialistisch.
Aus der Gosse aufgestiegen,
möchte man gern die Welt besiegen.

Scheint gefährlicher als das,
was hinter uns lag, wie nur was.
Mehr als damals jetzt bedrückt
nämlich das, was vor uns liegt.

Ein andrer Irrer will, verblendet,
dass sogar der Westen endet.
Und in endlos langen Listen
scharen sich Rechtspopulisten.

Den Leugnern wird der Klimawandel
zum Deal mit üblem Umwelthandel.
Umtriebige Pamphletiker!
Verschwörungstheoretiker!

Nichts kann man tun, na sowieso.
Für alle Zeit kein Weiter-so!
Den Typen mal das Handwerk legen
und sich heftig wehr’n dagegen.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26037

 

 

Au Backe

Wenn sich die Zunge fühlend schlängelt
vorsichtig entlang der Zähne Reihen
und sie dabei nichts bemängelt,
liegt kein Grund vor, sich zu kasteien.

Dann gönn dir ein Steak, am besten medium,
und beiß hinein, nach Herzenslust.
Tu so, als wärst du im Elysium,
und nimm dir auch ein Bier zur Brust.

Ach Leut, ich wollt, ich könnte das,
doch schwärm ich nur davon.
Ich kann es nicht, das ist kein Spaß,
zu hart für mich ist ein Bonbon.

Da kau ich ahnungslos an einer Dattel,
neulich, so süß, das Blut wollt mir gerinnen.
Sie zog die Plombe jäh aus ihrem Sattel,
und übrig blieb ein Torso, ähnlich den drei Zinnen.

Naturgemäß geschieht das im Advent,
der stillen Zeit, ansonsten nie.
Für so was hab ich ein Talent,
jetzt führt der Zahnarzt dort Regie.

Norbert Johannes Prenner

www.verdichtet.at | Kategorie: Lesebissen | Inventarnummer: 26036

Da wäre noch

Weißt du, was dein Schicksal ist?
Nicht, dass du zu weise bist,
nein, es ist vertrackter,
es ist ganz einfach dein Charakter!

Ich kann dich leider nichts mehr lehren
und dein Wissen nicht vermehren,
dich nicht führen oder lenken,
trotzdem, versuch’s einmal mit Denken!

Du wünschst, du wärest klug und wichtig.
Trotzdem scheint mir dieses richtig,
für dein Wunschbild hier auf Erden,
es hindert dich bloß, es zu werden.

Du misst dich gern an großen Taten,
willst in zu großen Schuhen waten.
Doch zeigt dem Menschen die Natur
sich meist an Kleinigkeiten nur.

Und glaube mir, ein hilfreich’ Wort,
gut gemeint, am richt’gen Ort,
wenn es nur tröstet, ist es recht,
wenn’s auch noch hilft, ist es nicht schlecht.

Ergib dich deinen Fantasien,
erfreue dich an Synergien,
die dein Geist daraus ergänzt,
allein das Wissen ist begrenzt.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 26032

Der Railjetsimulator

Wenn ich nicht mehr Bahn fahr’n muss,
kann ich nicht mehr schreiben.
Nur in der Bahn, niemals im Bus!
Das muss in Zukunft auch so bleiben!

Sobald ich erst im Abteil saß,
die Landschaft rasch vorüberzog,
schrieb ich, bis ich die Welt vergaß.
Gedanke um Gedanke flog.

Jetzt bin ich frei, obschon,
wo soll und kann ich nunmehr schreiben?
Mehr oder wen’ger in Pension,
wie soll ich mir die Zeit vertreiben?

Vom Schreibtisch aus, vor der Terrasse,
hab ich’s versucht, allein,
trotz Tabakspfeife, Tee in Tasse,
fiel mir beim besten Will’n nichts ein.

Wenn ich, aus Mangel an Ideen,
gelangweilt aus dem Abteil blickte,
vorbei an Städten, Dörfern, Seen,
mir oftmals ein Gedanke glückte.

Jetzt wird mir klar, so geht das nicht,
drum werd ich selbst zum Initiator.
Dem Horizont, dem fehlt das Licht,
ich bau den Railjetsimulator!

Ich weiß mir was in uns’rer Diele,
seit Jahren steht das Ding so da,
der großen Mutter alte Miele.
Sieh an, das Gute liegt so nah!

Ein Klacks, das Ding zu kombinieren
mit einer Plattform, die da rüttelt,
dann Film und Beamer noch justieren,
was mich beim Schreiben heftig schüttelt.

Ein Landschaftsfilm soll mir fingieren,
nun so zu tun, als dass ich ahn,
um mir beim Schreiben vorzuführen,
ich säß tatsächlich in der Bahn.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 25215

Herbstgedicht

Den Kragen hoch, das Tal erstickt im Nebel.
Im Auto stirbt die Batterie.
Still und starr ragt hier ein Hebel.
Der Starter streikt. Das tat er bisher nie.

Am Akku zeigt sich die Vergänglichkeit.
Ihr Opfer fordert gnadenlos die Kälte.
Am Ende seiner Leistungsfähigkeit
spendet er Dunkel, anstatt dass er erhellte.

Vom Fahrtwind träumt der Fahrer kühn,
zieh’n Wälder und auch Wiesen rasch vorbei.
Entgegen aller Plagen und auch Müh’n
das Miststück springt nicht an. Verdammte Schweinerei!

Doch nicht nur dies, das dicke Öl gilt schwer zu pumpen,
was nicht zuletzt den Anlassvorgang hemmt.
In diesem Fall lässt sich der Pannendienst nicht lumpen.
Es kann der Motor nicht, nachdem ihn etwas hemmt.

Was gestern galt, so flink gleich einem Wiesel,
scheint heut verflockt, der Filter ist verstopft.
Ein derber Fluch belastet diesen Diesel.
Nur zähe rinnt, was früher freudig hat getropft.

Solche Momente lassen sich nicht loben!
Denn nichts kann so verdrießlich sein,
wenn’s kalt ist und die Winde toben.
Die Karre streikt. Kein Sonnenschein.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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www.verdichtet.at |Kategorie: an Tagen wie diesen … | Inventarnummer: 25240

Die stillste Zeit im Jahr

Das ist die stillste Zeit im Jahr,
immer wenn es Weihnacht wird.
Da fallen Bomben, glühend heiß,
die Welt, die wächst im Hass, nichts schmilzt das Eis,
immer wenn es Weihnacht wird.

Es dunkelt schnell am Angriffstag,
immer wenn es Weihnacht wird.
Der Feind nahm uns das Kämmerlein,
wir rücken zusammen im Granatenschein,
immer wenn es Weihnacht wird.

Hörst du den heftigen Gegenschlag,
immer wenn es Weihnacht wird?
Da machen uns die Angst und der Winter ganz bang!
Im Herzen hallt wider der Raketen Klang,
immer wenn es Weihnacht wird.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: ärgstens | Inventarnummer: 25239

Schifahr’n

Schifahr’n ist ein teurer Spaß,
und für jeden! Hat sich was!
Hast du Weib und Kind dabei,
rechnet alles sich mal drei.

Der Preis ist das Bescheuertste,
Brettln, G’wand und Lift pro Mann!
Weil Schifoan ist das Teuerste,
was man sich nur vorstell’n kann.

Es entzieht, noch eh ich’s checke,
das Klima mir den Schnee als Decke.
Daher verkürzt sich die Saison,
beinah um vierzig Tage schon.

Beschneiung, denkt der schlaue Bauer,
mach ich, meine Wiesen sind eh sauer.
Scheu tritt aus dem Wald ein Reh
auf den selbstgemachten Schnee.

Sind die Pisten ständig aper,
meiden Mutter, Kind und Papa
solche Schigebiete sehr.
Drum, so fährt man denn ans Meer.

Ganz droben ist es auch nicht besser
und viel teurer für den Esser.
Ski-Heil!, die Lage ist verfilzt,
weil auch schon der Gletscher schmilzt.

Mit den Preisen in der Hütte
nehmen sie dich auf die Schippe.
Ein Lunchpaket, das längst vermisste,
iss am besten auf der Piste.

Zu teuer ist die Unterkunft,
beinah geg’n jegliche Vernunft.
Der Geizhals baut am Waldesrand
aus Schnee ein Iglu mit Verstand.

Ist der Schiurlaub zu teuer,
der Kassenpegel ungeheuer,
der Traum vom Schifahr’n nun vom Tisch,
dann macht die Not erfinderisch.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25232

Der Bittsteller

Keiner weiß, wohin das führt,
alles läuft sonst wie geschmiert.
Niemand weist es von der Hand,
ja, ein viel gelobtes Land.

Auf identisch wird geprotzt
und historisch großgekotzt.
Dass bloß keiner korrumpiert,
Rauschgift nimmt und onaniert.
Sex und Crime gilt als verachtet,
Journalismus ist entmachtet.

Gütig blickt vom Kreuz herab
ein Jesus, der nicht reden mag.
Vorbildhaft republikanisch,
konventionell, amerikanisch.

Anti-woke gibt sich der Herr,
ein bisschen so, beinah wie er.
Nämlich der, der durch den Sager
alles kann, so richtig MAGA.

Ein kleines Land muss rasch kapieren,
Kunst braucht es zum Durchlavieren.
Von Ost bis Westen muss sich strecken,
wer Vorteil will, und sei’s durch Lecken.

Der nächste Winter kommt bestimmt,
und mit ihm Eis und kalter Wind.
Da darf man nicht mit Demut geizen,
denn sonst hat man nichts zum Heizen.

Als feurig gilt der Paprika,
nur Brennholz ist zu wenig da.
Leicht kann sein, dass man erfriert,
bloß der fährt gut, der auch gut schmiert.

Jedoch der Brennstoff, der scheint schmutzig.
Blutbeschmiert! Ist das nicht putzig?
Und wer davon profitiert,
der wird leider sanktioniert.

Zimperlich, das kann man sagen,
war man nie, drum will man’s wagen,
seinen Bonus zu gestalten,
stets bereit zum Handaufhalten.

Doch ziert der große MAGA vage
sich grad in dieser heiklen Frage,
denn er will mit List erringen,
Despoten in die Knie zu zwingen.

Zu Haus wird’s auch bald unbequem,
und man fürchtet ums System.
In den Umfragen, gesteht er,
steht ganz vorn der schöne Peter*.

Und dann kommen noch dazu
die Einschränkungen der EU.
Dafür wird er kritisiert,
weil er diese stark blockiert.

So mancher holt sich eine Beule,
von MAGAS Sanktionierungskeule.
Die Chancen für die Klientel
steh’n schlecht am Gulyás-Archipel.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

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*Dem Oppositionellen Peter Magyar, der Orban im
Wahlkampf im Frühjahr 2026 gefährlich werden könnte,
huldigt die ungarische Öffentlichkeit unter diesem Beinamen.

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: Perfidee | Inventarnummer: 25230

Was jetzt noch

Was fängt man ohne Hilfe an,
wenn man den Wind nicht ändern kann?
Oft fehl’n Erfahrung und das Wissen.
Vielleicht die Segel richtig hissen?

Alles, was man da so hört,
eine Meinung, ganz allein.
Aber was mich so empört,
das kann doch nicht die Wahrheit sein!

Alle reden von Bedrohung
und von ständiger Verrohung.
Nicht die Bösen sind die Krassen,
jene sind’s, die es zulassen.

Und man sagt, so wie du denkst,
du dein Glück dir selber lenkst.
Da fragt man sich, was denkt der Tor,
was geht denn in dem Kerl vor?

Wie ein Tropfen, scheint das Wissen,
wie ein Ozean, was wir missen.
Bange wird, was die wohl denken?
Und was für Leut’ die Welt jetzt lenken!

Wer stößt sich schon an kleinen Dingen,
wenn er die großen will bezwingen?
Auf dem Wege hin zur Macht
lässt man die kleinen außer Acht.

Doch was wäre schon das Leben,
würde es den Mut nicht geben?
So mancher mag gern was riskieren,
um andre damit zu brüskieren.

Vielen, die oft Macht bekommen,
wurde als Kind was weggenommen.
Auf dem Weg zu den ganz Großen
darf man an Kleinkram sich nicht stoßen.

Doch Macht besitzen macht oft blind,
und schnell vergisst das Menschenkind,
ist es erst wichtig, reich und satt,
dass es dasselbe Schicksal hat.

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Copyright: Norbert Johannes Prenner

Norbert Johannes Prenner (Text und Grafik)

www.verdichtet.at | Kategorie: es menschelt | Inventarnummer: 25229