Du sagst,
Du vermisst mich.
Doch bist du bedacht genug zu erwähnen,
ich solle mir keine Hoffnungen machen.
Nives Farrier
aus: Nach Dir.
(TwentySix Verlag, 2018)
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 18070
Du sagst,
Du vermisst mich.
Doch bist du bedacht genug zu erwähnen,
ich solle mir keine Hoffnungen machen.
Nives Farrier
aus: Nach Dir.
(TwentySix Verlag, 2018)
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 18070
„Wie viele Male können wir noch von vorn beginnen?“
„So viele wie nötig.“
„OK. Dann treffen wir uns in der Mitte?“
„Ja. Wir treffen uns im Auge des Wirbelsturms.“
Nives Farrier
aus: Nach Dir.
(TwentySix Verlag, 2018)
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 18066
Lass deine Worte die letzten sein,
die meine Ohren berühren.
Deine Wange das Letzte,
das meine Lippen spüren.
Ich will deine Stimme hören,
über allen andern Stimmen,
über dem Lärm der Welt.
Tief in mein Innerstes durchdringend,
wo mein Herz, trauernd und wartend,
sonst jeden Zuspruch verschmäht.
Nives Farrier
aus: Nach Dir.
(TwentySix Verlag, 2018)
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 18062
Du überall
Stets dein Gesicht und
Unaufhörlich Du
Nives Farrier
aus: Nach Dir.
(TwentySix Verlag, 2018)
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 18055
Deine Fassade bröckelt wie die Berliner Mauer.
Noch lange bevor sie gänzlich fiel,
konnte ich durch dich hindurchsehen.
Und dann fängt The Hoff auch noch zu singen an.Was konnten wir gegen diese Anziehung schon groß tun?
Irgendwann stehen wir vor den Trümmern der Mauer,
blicken zurück,
und der Song wird nur noch ein Echo sein.
Aber es wird eine legendäre Geschichte gewesen sein.
Nives Farrier
aus: Nach Dir.
(TwentySix Verlag, 2018)
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 18054
unsere blicke sind zerbrochen, ich schneide dich aus den scherben, du versprichst uns, ein spiegelkabinett zu bauen, prunkvoll, wir haben überhaupt keinen fokus.
und ständig will ich dich immer, wir verlaufen auf uns zu, aber dann ist da doch nur ein spiegel, das kabinett wird unser gefängnis, unsere blicke sind verbrochen.
unsere blicke sind gesprochen, ich setze das kabinett unter wasser, wir liebten uns, aber farblos, wir spiegelten uns, aber stimmlos, wir werden zu eis, das alles auftreibt.
Julia Knaß
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 17194
Im Herbst zieht sich der Knoten in unserem Erzählfaden weiter zu und ich fliehe vor ihm nach Wien. Zu ihm. Wenn ich bei ihm bin, fixiert er mich. Ob das genug Milch sei, ob das meinen Geschmack treffe, will er wissen, als er mir Kaffee kocht. Und ich sage, ja. Ob das fest genug sei, ob das meinen Geschmack treffe, will er wissen, als er meine linke Brustwarze zwischen seine Finger nimmt. Und ich sage, fester.
Er hat in seinem Regal nur vier Bücher stehen, aber eines davon ist Wunschloses Unglück. Darüber reden wir nicht, als wir auf seinem Balkon sitzen, sondern über die Fassade. „Das Fenster, da, hat so eine seltsame Verfärbung im Glas“, zeige ich auf das Haus gegenüber und wir rätseln, warum. Dann beschäftigt mich die Asymmetrie der Kamine. Die leeren Kaffeetassen vergessen wir draußen.
Wir essen Spiegeleier gleich flüssig, stellen wir beim Frühstück fest. Er hat heute ein Meeting, ich treffe mich mit einer Freundin. Wir sind spät dran und müssen zur U-Bahn rennen. Ich lache und sage, dass ich mich wie eine Wienerin fühle, und er meint: „Richtig angekommen bist du hier erst, wenn dich die U-Bahn das erste Mal in einer ihren Türen eingezwickt hat.“ Wir fahren zwei Stationen gemeinsam, dann steigt er aus.
Meine Freundin zeigt mir die Stadt. Wie eine Katze kennt sie die besten Plätze. Zwischen Rüdigerhof und Café Drechsler versuche ich mich erstmals an einem Anfang. Wenn wir schweigend nebeneinander gehen, dann macht sie „Miau“. Irgendwann frage ich, warum sie das tue, und sie meint, weil es Spaß mache. In unserem Lachen finde ich meine Sprache wieder. Glück liegt in Katzenlauten.
Währenddessen bin ich unruhig, weil ich Angst habe, dass er sich nicht meldet. Wir wollen uns wieder treffen, wenn er mit der Arbeit fertig sei, erzähle ich ihr und zeige ihr sein Foto. Sie meint, er sehe lieb aus und dass es ja logisch sei, dass er mir während der Arbeit nicht schreibt. Als er sich meldet, fragt er, ob ich Milch mitbringen könne. Ich habe wenig Ahnung von Alltag, aber ich kaufe die, die am längsten hält.
„Meine Liebe, wenn du hier wärst, dann könnten wir jeden Tag so verbringen“, meint er und ich stelle mir eine Welt vor. Von seiner Wohnung bis zum Bahnhof sind es zwanzig Minuten zu Fuß. Er fragt, ob er mich begleiten solle. Ich verneine lachend und meine, ich sei ja schon groß, ich würde das alleine schaffen. Als ich im Zug sitze, reißt der Faden schließlich doch, nur die Schlinge um den Hals bleibt.
Julia Knaß
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 17187
Das alte Nest
hat wenig Halt,
Verstaubt mit mir alleine,
Es hat alles gesehen
In den Straßen,
voller Lärm,
Dein Gesicht,
schön und zart,
rollst den rosa Koffer zur Tür,
Im Radar finden sich selten Momente
Florian Pfeffer
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 18004
Dunkle Wolken ziehen auf,
Meine Liebste rette mich,
Schatten umschlingen mich,Die Filter sind schwarz geworden,
hunderttausende helfen nicht,Und wenn keiner da ist,
wer holt das Boot,
Wellen so hoch,
Lungen voll Schleim,
Liebste rette mich,
Viel finde ich nicht,
Bringe mich zurück,
an die Bank,
wo Blumen im Park wachsen,
Eine Spinne spannt ihr Netz,
Falle nicht hinein,
deine Hand so weich,
so fein
Florian Pfeffer
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 17176
eine spirale: die ist ROSTIG, windet sich, die hat ZACKEN, die sind SPITZ, immer weiter, dreht sich langsam durch meine SCHÄDEL:decke, dann, durch mein gehirn,
zersplittert meine gedanken: „es ist nicht zu ertragen, ertragen es ist nicht zu, zu ertragen es ist nicht, nicht zu ertragen es ist, ist nicht zu ertragen es : uns“, mein körper:
SUCHT zu entkommen, er läuft davon, weil: der körperliche schmerz ist LEICHTER – wie mir ALLES weh tut – aber auch mein körper wird NASS in unserem regen,
die spirale : dreht sich weiter, bohrt sich tiefer, durch den kopf, sie will weiter, sie will zu meinem blinden fleck für?, die spirale nennen wir auch sehnsucht, my love
Julia Knaß
www.verdichtet.at | Kategorie: verliebt verlobt verboten | Inventarnummer: 17170