Herlicek – Weltuntergang

Herlicek sitzt im Park, allein –
Gedanken schwer wie alter Wein.
Der Vormittag wird langsam heller,
doch seine Stimmung ist im Keller.

Zwar kitzelt ihn das Tageslicht,
doch auf Sonne ist er nicht erpicht.
„Irgendwann hast uns nicht mehr gern!“,
schreit er hinauf zum Himmelsstern.

„In fünf Milliarden Jahren
wirst mit uns zur Hölle fahren.
Du mutierst zum Roten Riesen,
wirst uns den jüngsten Tag vermiesen.

Alles wirst du hier verbrennen,
da nützt kein Schreien und kein Flennen.
Was du erschaffen, wirst du zerstören –
das Lied vom Tod werden wir hören.

Als Weißer Zwerg wirst du einst enden;
niemand kann das Schicksal wenden“,
reimt Herlicek und ist entsetzt
von dem, was er so sprach zuletzt.

Da geschieht das große Wunder
und Herlicek wird zum Bekunder:
Gewölk verhüllt die böse Sonne –
und alles ist wieder eitel Wonne.

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26260

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