Reisenotizen Frankreich

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Mich erfüllt stets freudige Erwartung, dieses Land zu besuchen, dessen Sprache man am besten mit entspannten Gesichtsmuskeln, dafür jedoch mit straffer Grammatik artikuliert, während das Wasser im Munde zusammenrinnt. Stil darf von der Kochlöffelspitze bis zum Savoir-vivre lässig bis kokett gepflegt werden, niemals aber puritanisch, mit Ausnahme von … siehe Sprache.

Kaum zu glauben, wie sich ein germanischer Stamm (die Franken) dank römischem Einfluss, Absolutismus, ein paar Revolutionen und sonstigen historischen Faktoren (etwa einem Korsen, der sein Sodbrennen zwischen zweitem und dritten Uniformknopf mit einer geradezu ikonischen Geste zu besänftigen pflegte) zur Grande Nation gemausert hat. Dabei sind ihre Regionen und Landschaften äußerst vielfältig. Überall jedoch lässt es sich vortrefflich bei anregenden Gesprächen stundenlang schnabulieren.

Besonders inspirierend empfinde ich, dass hier Frauen wie Mme de Pompadour, Émilie du Châtelet, Olympe de Gouges ebenso gewirkt haben wie Simone de Beauvoir, Marie Curie, Coco Chanel und Edith Piaf. In dieser unvollständigen Aufzählung hat nur eine ihren Kopf verloren, traurigerweise aber diejenige, die die wesentlichsten Beiträge zu den Menschenrechten geleistet hat und die nicht einmal in einer Fußnote bei deren offizieller Deklaration Platz fand.

Die Hauptstadt absolviert man am besten nonchalant mit einem Chanson in den Ohren und pfeift auf Postkartendestinationen. Überhaupt mundet hier Kulturgenuss dann am meisten, wenn man mit dem Geschmack einer flaumigen Crêpe auf der Zunge in die Geschichte des ehemaligen Lutetia eintaucht und immer wieder sich gerne vom Überflüssigen wie Confiserien, Parfumerien, Patisserien, Boutiquen und Straßenkünstlern ablenken lässt.

Paris ist nämlich eine einzige große Ablenkung, wodurch Dramatik und Bedeutungsschwere der französischen Geschichte erträglich werden. Nur hier hatte ich das Gefühl, durch die Vergangenheit flanieren zu dürfen. Hier aber ging mir aber auch der Luxus am Cul vorbei. Die Freiheit ist auf den Barrikaden langfristig ebenso fehl am Platz wie in den Konsumtempeln; sie kann nämlich dann ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen, die Herzen leicht zu machen.

Copyright: Antonia H.

Copyright: Antonia H.

Parisblick von der Seine aus

Antonia H.

www.verdichtet.at | Kategorie: hin & weg | Inventarnummer: 26232

 

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