Kennengelernt habe ich sie im Oktober 2006 in der ersten Stunde des Sprachkurses. Sie saß neben mir und sprach mich unvermittelt an. Dabei wusste sie, dass ich gerade von einem Auslandsaufenthalt zurückgekommen war, und ich war verblüfft, dass sie das wusste, weil es niemanden gegeben hätte, von dem sie es hätte erfahren können.
An ihr Aussehen erinnere ich mich noch, dass sie die Haare lang trug und an diesem Tag eine schöne weiße Jeanshose mit bunten Streifen anhatte.
Ich erfuhr, dass sie im Hauptfach Anglistik studierte, aber nicht, aus welchem Grund sie diesen Sprachkurs besuchte.
An den weiteren Einheiten des Sprachkurses nahm sie nicht mehr teil und ich begegnete ihr auch an anderen Orten nicht mehr.
Ich fand Jahre später ihre Adresse im Internet, zögerte aber zuerst, bis ich ihr dann – einige Jahre später –einen Brief schrieb, in dem ich ihr meine Kontaktdaten mitteilte.
Eine Antwort blieb aus, aber ich sah es schon als Erfolg, dass der Brief nicht retour geschickt worden war.
Sehr viel später möchte ich gerne wissen, was ihre Motivation dafür war mich anzusprechen und ob sie Interesse an mir gezeigt hätte. Im Gedächtnis habe ich diese Begegnung wie eine Miniatur gespeichert, ohne einen genauen Verwendungszweck dafür zu haben.
Adina – ihr Name wie eine Spur, ein Rätsel. Im Internet erfuhr ich – was eine gewisse Unschärfe hat –, dass der Name aus dem Persischen stammt und ein an einem Freitag geborenes Mädchen bezeichnen soll.
Wie ich auch noch später feststellte, hätte ich ihr gerne etwas von mir gegeben als Erinnerung an dieses kurze Gespräch. Dabei fiel mir mein Kugelschreiber mit der Werbeaufschrift Menjačnica Miljun ein, ein kleines Andenken an meinen unlängst beendeten Auslandsaufenthalt, den ich an diesem Tag stolz wie eine Trophäe verwendet hatte.
Michael Bauer
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