Der schlaue Feigling

Es war ein schöner Ausflug nach Stoob im Burgenland. Durch das Dörfchen mit seinem Blumenschmuck und den schönen, eigenwillig ausgestalteten Häusern war angenehm zu flanieren, bis hinter einem halbhohen Drahtzaun ein kleiner Hund auftauchte, der den harmlos
vorbeigehenden Sebastian zähnefletschend verbellte und nebenher lief in der klaren Absicht, den unerwünschten Besucher auf ein Netzleiberl zu zerreißen, wenn nur dieser hinderliche Zaun nicht wäre.

Sebastian ging ruhig weiter, diese Handvoll Hund nicht einmal ignorierend, bis auf einmal – der Zaun weg war! Das elektrische Rolltor vor der Hauseinfahrt war offen – und da standen sich Sebastian und der vorhin noch so aggressive, nunmehr Schock-erstarrte kleine Köter unmittelbar gegenüber.

Nun hätte er sich ja auf Sebastian stürzen und ihn zerbeißen, zerreißen müssen – während Sebastian mitleidig hinuntersah und überlegte, dass bei einem tatsächlichen Angriff ein mittlerer Fußtritt die Situation bereinigt hätte. Bis der schlaue Hund einen Meter zurück hinter den Zaun lief und von dort wieder seine Drohung hinausbellte.
Aber nicht sehr überzeugend, denn sowohl Sebastian als auch der Hund wussten, dass es ein strategisches Rückzugsgefecht war.

Robert Müller

www.verdichtet.at | Kategorie: Von Mücke zu Elefant | Inventarnummer: 26162

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