Zehn Millionen Lichtjahre weit
schick ich meinen besten Gedanken.
Dass ihn jemand sieht, dass ihn jemand hört,
dass ihn jemand für mich weiterdenkt.
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 25026
Zehn Millionen Lichtjahre weit
schick ich meinen besten Gedanken.
Dass ihn jemand sieht, dass ihn jemand hört,
dass ihn jemand für mich weiterdenkt.
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 25026
Den Kalender niemals aufgehängt,
und trotzdem ist das Jahr vergangen.
Die Zeit lässt sich nicht stoppen.
Dein Puls mag schnell, mag langsam sein,
die Zeit ist immer gleich.
Sie ist der Maßstab,
ohne sie kein Zyklus,
durch sie erst die Vergänglichkeit.
Und doch schrumpft sie für dich zum Augenblick,
der erste Kuss, die Geburt des Kindes,
die rote Sonne vor der tollen Nacht.
Wie viele davon des Glücks hat denn dein Leben?
Ergeben sie zusammengerechnet überhaupt eine Minute?
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 24171
Ich bin das Tier im Käfig.
Die Menschen betrachten mich.
Gern hätte ich einen Bau,
in dem ich mich verstecken kann,
doch habe ich ihn nicht.
Hier im Käfig ist meine natürliche Umgebung imitiert,
doch sie ist es nicht.Auch ihr, die ihr mich anstarrt,
steckt in einem Käfig,
nur da er keine Stäbe hat,
wisst ihr es nicht.
Ihr habt verlernt zu jagen,
ihr werdet gefüttert,
von anderen Lebewesen,
die euch Menschen als Tiere halten.
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 24084
Die Wahrheit
wollen wir sie sehen?
Existiert
eine Wahrheit?Die Wahrheit
schüttelt uns
beunruhigt uns
zertrümmert unsere Gewissheiten
und macht sie
bröckeligMan kann nicht neutral bleiben
der Wahrheit gegenüber
Man nimmt sie an oder lehnt sie ab
man kämpft für die Wahrheit
oder gegen die WahrheitDie Wahrheit
ist ein Akt der Rebellion
notwendig
um aus der lauwarmen Schläfrigkeit
des ruhigen Lebens aufzutauchenDie Wahrheit zu sagen
macht uns einsam
tief einsam
In den Apfel zu beißen
fordert eine Wahl
die Kenntnis
und wer gesehen hat
kann nicht mehr schweigen
Annamaria Bortoletto
https://laltraidea.wordpress.com
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 24069
Begrüßenswerterweise hat er heute die Verwaltung der Bibliothek übernommen. Nicht so, dass er es ungern getan hätte, aber es war damals im Oktober noch sehr warm draußen und die Sonne schien und er hätte sich auch in anderen Teilen der Stadt aufhalten können. Es war der Sommer im Jahre 2008. Es waren Olympische Spiele in Peking und der Krieg um Südossetien. Wärmere Gedanken, als ich noch über die Dächer blicken konnte. Haus und Chaos sind ein Minimalpaar, oder etwa nicht?
Außenpolitisch ist Erdogan längst
Es gibt von Zeit zu Zeit Vorkommnisse, die sind nicht einfach nur im Vorübergehen zu erklären, schon gar nicht, wenn man versucht, nur die einfachste Alltagssprache zu verwenden.
in anderen Sphären. Von der EU
Was damals gewesen ist: In einigen Tagen kann es anders werden.
hat sich der Autokrat verabschiedet.
Manchmal geht es ganz schnell. Eine Person, ein Gegenstand, an den man sich noch erinnern konnte, ist einfach weg. Von einem Tag auf den anderen.
Sie hat ihre Schuldigkeit getan, als ihr
Er fragte sich neuerlich, warum gerade er die letzten Tage nicht so zugebracht hat, wie er es eigentlich vorher geplant hatte.
der einstige Annäherungsprozess die
Nicht, dass er es wirklich gewollt hatte, aber das gewünschte Ergebnis seiner Planungen hatte sich nicht im Geringsten als tragfähig erwiesen, schlimmer noch: Die Unerfüllbarkeit seiner Vorstellungen hätte ihm von Anfang an bewusst sein sollen.
Ausrede dafür lieferte, seinen größten
In einer lauschigen Nacht traf ich damals eine junge Frau mit langen, lockigen Haaren. Sie trug eine Jeans mit Ledergürtel. Auch sie ist sehr schnell verschwunden.
Gegner, die Armee, zu entmachten.
Worin man sich doch auch noch getäuscht haben könnte. Vor allem dann, noch, auch wenn man gesehen hat, dass die Jahre anders verlaufen sind, damals. Und du sagtest doch, damals, ich könnte jederzeit zurückkehren.
Schon sind die Ziele größer, der Wunsch
Fünfzehn Jahre danach erinnerte ich mich an sie und machte eine Zeichnung, die ich ihr widmete.
Aber das ist zu wenig. Ich erinnerte mich, aber konnte mir nicht vorstellen, wer sie war.
nach Ausweitung seiner islamisch-konservativen
Leider kannte ich diese Person nicht. Ich hätte diese Person gerne kennengelernt. Oder ich hätte wenigstens ein Wort mit ihr gewechselt. Von woher das Wohlgefühl stammt, das ich von ihr bekommen habe, weiß ich nicht.
Herrschaft stärker.
Auch sie ist eine Verschwundene.
(News 38, 6.6.2015, S.19)
Es vergeht ein Tag wie der andere.
Nur das hat der eine Tag mit dem anderen gemeinsam.
Schnell hat man gemerkt, dass für diesen Traum
nicht war Raum, nicht war Zeit.
Es zerrinnen mir die Tage
meines geliebten Lebens
wie Sand.
Michael Bauer
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 24048
Die Zahlen sind nur das Mittel zum Zweck,
um die Linien zu berechnen
und den Winkel, in dem sie aneinandergesetzt werden,
die das Gehäuse der Welt formen.
Johannes Tosin
(Text und Foto)
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 24032
Eine Sinusschwingung
ist zur Hälfte im positiven
und zur Hälfte im negativen Bereich.
Beginnt sie bei 0 auf der x-Achse,
endet sie auch wieder bei 0.Es ist das Gleiche,
wie wenn man sich um 360° dreht.
Man steht auf demselben Punkt.
Johannes Tosin
(Text und Bild)
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 23149
Wieder einmal geht was Schönes vorbei, und obwohl ich genau wusste, dass es so kommen musste, bin ich nicht frei,
hänge in einer Zeitschleife, noch eh ich begreife, dass ich mit meiner Seele um die Wette schrei,
spüre, wie ich im Nacken versteife, weil sich alle Muskeln und Sehnen dagegen wehren
im Hier und Jetzt zu sein und mit allen Sinnen neu zu beginnen, weiterzuspinnen
und eine Zeitblase zu schließen, fall wider alle Vernunft ins Begehren,
das Glitzern im Gestern mit Goldstaub zu verzieren, einzufolieren und binnen
kurzer Zeit mich darin zu verlieren. Weil es so verdammt schwer ist,
da weiterzumachen, wo es aufgehört hat. Auch wenn’s noch nicht so lang her ist.Jeder Tag ist ein Abschied, jede Stunde, jede Minute verlässt mein Leben, kommt nicht wieder, denn nichts bleibt, wie es war.
Und meistens hab ich gar nicht die Zeit, darüber nachzudenken, weil das Vergehen so schnell geschah,
und ich, ins Leben vertieft, kann nur noch die Staubwolken sehen von all den Ereignissen,
die schwinden, sich zu meiner Vergangenheit verbinden, und nur, wenn ich mal innehalte, so wie jetzt, kann ich sie wirklich vermissen.
Dann werd ich traurig, wenn der Baum vor meinem Fenster seine Blätter verliert,
weil wieder einmal ein Sommer vergeht und in meiner Erinnerung steht,
dass er so, wie er war, nie wieder passiert. Und mit ihm im Schlepptau zieht die Illusion dahin,
dass ich noch mittendrin im Beginn meines Lebens bin, dass alles noch vor mir liegt und ich resistent gegen das Altern bin.Jeder Abschied ist ein bisschen wie Sterben, sagt man
und egal, ob er groß ist oder klein, wird er nie ohne Schmerz und Wehmut sein,
zieht ungeschminkt in deinem Herzen ein, ob du es willst oder nicht,
um es zu stempeln und dich für dein Leben zu prägen.Es gibt viel mehr Abschiede im Leben, als ich denke, und mir war nicht bewusst,
dass ich mich nicht nur von Herzensmenschen, sondern auch von Träumen, Hoffnungen und Glaubenssätzen verabschieden muss,
von einer Blüte, die mich bis zum November erfreute, von einer Prüfung, die ich scheute,
von Gedanken, die man mir als Kind einbläute, dass eine Liebe ein Leben lang hält,
dass das, was ich tue, mir jeden Tag gefällt, ein Schiff niemals an den Klippen zerschellt
und eine Freundschaft jede Belastung aushält, dass mein Lieblingskäse irgendwann verfällt
und von der Vorstellung, man bräuchte kein Geld, um glücklich zu sein.
Von dem Glauben daran, dass es keine Kriege mehr gibt auf der Welt, von meinem Papa als Held, und dass auch die Zeit nicht immer
alle Wunden heilt, und manchmal macht auch ein Sonnenstrahl alles nur noch schlimmer.Und ich ertapp mich dabei, wie ich mich in meinen Zimmern einschließe
mit meinem Erinnern, es nicht rauslassen will, meine Zeitschleife genieße
darin döse, in Selbstmitleid zerfließe und so tue, als ob es das Jetzt wäre.
Versuche, in diesem Schein, es mit aller Kraft zu halten, den Lauf der Zeit aufzuhalten,
alle Uhren abzuschalten, es an den Wänden festzunageln, vor den Türen aufzustapeln
und sehe, wie ich die Fähre, die in meinen Adern zirkuliert, damit beschwere,
die mein Herz befüllt, bis es überquillt, weil ich alles aufbewahren will, damit der Abschied bloß nicht endgültig wird.
Sehe, wie das Erinnern wie ein Flimmern durch meine Zellen schwirrt.
Und mein Herz dann, völlig überfüllt, sich in Schweigen hüllt, still steht,
ich an der Erinnerung kleb, und mein Leben kopfnickend an mir vorübergeht.Jeder Abschied ist ein bisschen wie Sterben, sagt man
und egal, ob er groß ist oder klein, wird er nie ohne Schmerz und Wehmut sein,
zieht ungeschminkt in deinem Herzen ein, ob du es willst oder nicht,
um es zu stempeln und dich für dein Leben zu prägen,
der dich neu formt und zu dem macht, der du bist, sich durch deine Gänge frisst,
um dich dann von Scherben umrahmt zurückzulassen, Narben zu hinterlassen,
die dich, tief in deinem Innern, für immer an ihn erinnern.
Und vielleicht wird ein Teil von dir in seinen Trümmern niemals ruhen,
weil er in längst verschlissenen Schuhen in dir umherirrt.
Und du setzt deine Scheuklappen auf, obwohl er nicht aufgibt, dir nicht gut zu tun,
bist ein Gewohnheitstier, durch und durch, geblendet von dem Schimmern
der unstillbaren Sehnsucht danach, wie es einmal war.Wissenschaftlich betrachtet, müssen wir ein schlechtes Gefühl nur 90 Sekunden aushalten, bevor es ganz von allein wieder abfällt.
Wenn ich also meinen Abschiedsschmerz für eine Weile ertrage, ihn nicht blockiere und mit giftigen Pfeilen torpediere,
mich nicht ständig frage und studiere, wie es vorher war, mich darin verliere und nicht kapiere,
dass ich loslassen muss, damit ich den Schmerz überwinde, auch wenn der sichere Boden wackelt,
weil die Veränderung an meinen Toren rackelt und rumpelt, verzweifelt um Einlass fleht
und mir nur die Kraft ausgeht, weil ich so lange gegen sie angekämpft habe,
anstatt mit dem Herzen den neuen Weg zu fühlen, den alten dankbar zu verlassen,
ohne Ungewolltes auszusortieren und die Edelsteine, die ich dort fand, zu verlieren und als besondere Gabe
zu verstehen, als Geschenk des Lebens, das ich mir bewahre, um es dann
in das Neue zu flechten …
Dann geht es voran, weil mein Herz endlich tanzen kann.Jeder Abschied ist ein bisschen wie Sterben, sagt man
und egal, ob er groß ist oder klein, wird er nie ohne Schmerz und Wehmut sein,
zieht ungeschminkt in deinem Herzen ein, ob du es willst oder nicht,
um es zu stempeln und dich für dein Leben zu prägen.
Doch wenn Schmerz und Trauer verblassen, offenbart die Liebe
ihre eigene Tiefe, die sie bis dahin nicht kannte und unentdeckt bliebe.
Die dir die Kraft gibt, weiterzugehen, Samen im Neuen zu säen und den Segen
der Blüte weiterzugeben, in neuen Farben zu strahlen und für das Leben ein funkelndes Fest zu geben.
Claudia Lüer
Informationen zu Veröffentlichungen und Buchbestellungen
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 22098
… die wir vielleicht zu wenig bedenken
Woran es wohl liegt, dass die Großhirnrinde 52 Rindenfelder hat? 52! So viele Wochen hat das Jahr. Erstaunlich, nicht? Ein Feld pro Woche (geistig) zu beackern, das müsste doch übers Jahr gesehen zu schaffen sein …
Und warum heißt die Amygdala auch Mandelkern, wo doch das Gehirn aussieht wie eine Walnuss? Außerdem: Weswegen sind Nüsse gut fürs Denken, wo doch „nuts“ vom Gegenteil zeugt?
Ist es nicht eigenartig, dass wir den Parasympathicus mehr mögen als den Sympathicus?
Und so geht es schleichend immer weiter, auch wenn es aus dem Ruder läuft. Je mehr wir unsere Gehirne strapazieren, desto mehr Verbindungen (ja, so funktionieren Netzwerke!) scheinen aufzutauchen: Dieser und jenes, solche und manches scheinen auf abenteuerliche Weise zusammenzuhängen. Wir verknüpfen, was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Verluste. Eingefügt wird in dieses zunehmend starre Gerüst des erhärteten Erdachten schließlich nur noch, was dem weiteren Zementieren der grauen Zellen dient.
Und wenn wir das einfach lassen? Wie wäre es damit: Geben wir doch unseren Gedanken wieder etwas mehr Raum. Hören wir auf, nach Verbindungen zu suchen, wo keine sind. Zumindest keine, die tatsächlich etwas miteinander zu tun haben.
Wir alle wünschen uns viel Freilauf fürs Gehirn. Aber nicht in das allerletzte Eck, bitte.
Und falls Sie sich fragen, was Ihnen diese Zeilen sagen wollen: gar nichts. Eins ist allerdings sicher: Unsinn bleibt Unsinn, auch wenn er ordentlich durch-dacht ist.
(Dieser Text ist eine leicht veränderte Version des redaktionellen Postings, das im Fasching 2022 erschienen ist.)
Carmen Rosina
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 22080
Neid und Hass, Hass und Neid
Dazu sind wir stets bereitWir woll’n uns so zwar nicht begreifen
Doch wenn wir doch ein wenig reifenWird er dünn, der schöne Schein
Ob er dein ist, oder meinWas ist hier zu tun demnach?
(Ich mein davor und nicht danach)Neid und Hass lern zu erkennen
(Diese sind nicht leicht zu trennen)Hol sie nur in dir ans Licht
Sonst verstehst du beide nichtDann siehst du, was den and’ren rührt
Der dich sonst spazieren führt
Bernd Remsing
http://fm4.orf.at/stories/1704846/
www.verdichtet.at | Kategorie: think it over | Inventarnummer: 22079