Schlagwort-Archiv: auszugsweise

Herlicek – Regenwolke

Im Sommer ist es viel zu heiß;
Herlicek sich zu helfen weiß,
indem er unter die Erfinder geht –
macht Experimente früh bis spät

Bald schon hat er was erschaffen;
Nachbarn kommen, um zu gaffen
Es ist eine kleine Regenwolke,
die Erfrischung bringt dem Volke

Ein Instant-Wölkchen für die Tasche;
man holt es raus, zieht an der Lasche,
ein Vierterl Wasser gießt man hinzu –
die Wolke steigt dann auf im Nu

Sie schwebt, groß wie ein Elefant
über ihrem Besitzer – allerhand!
Auf ihn herab prasselt der Regen,
bringt Abkühlung auf allen Wegen

Wie? Die Erfindung ist zu nass?
Der Herlicek verrät uns was:
Die Wolke gibt es auch im Set
mit Regenschirm – sehr adrett

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26138

Herlicek – Heimweh

Herlicek könnt Urlaub nehmen,
doch leider weiß er nicht: wozu
Wegfahr’n? Nein, das würd ihn grämen –
das kostet Geld und stört die Ruh

Ferne Länder sind längst passé,
und dort leben nur Ausländer
Die versteh’n ihn nicht im Café
und kennen keinen Einspänner

Also bleibt er gleich zu Hause,
flüchtet in die Arbeit, ohne Schmäh
Bearbeitet Akten ohne Pause;
er leidet an Büro-Heimweh

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26124

Herlicek – Filmfestival

Beim Filmfestival am Rathausplatz
genießt Herlicek Gemischten Satz
Es ist viel los, wie jedes Jahr,
ein Auf- und Schaulauf, wirklich wahr

Es wird geflirtet, wohin man schaut,
gelacht, getratscht – es ist sehr laut
Partystimmung bei jedem Standl,
Köstlichkeiten schmor’n im Pfandl

Und doch gibts was, das ist nicht fein,
das stört Herlicek ungemein
Es ist diese Musik-Belästigung
durch Konzertfilme im Hintergrund!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26123

Herlicek – Sinn des Lebens

Herlicek denkt sich: ‚Mein Gott,
jeden Tag derselbe Trott
Es muss doch etwas geben,
das sich lohnt in diesem Leben.‘

Er geht runter auf die Straße;
gute Nacht sagen Fuchs und Hase
Hier wird er den Sinn nicht finden,
da kann er sich noch so schinden

Er geht weiter durch die Nacht,
bis jetzt hat ihm das nichts gebracht
Wie wär’s mit einem Päuschen –
da vorn, bei diesem Häuschen?

Es ist ein kleiner Würstelstand,
das Angebot ist allerhand
Er bestellt eine heiße Wurst;
davon kriegt man einen Durst

Zum Glück gibt es ein Gösser Bier;
gemütlich wird es langsam hier
Herlicek sagt unumwunden:
„Lebenssinn hab ich gefunden!“

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26122

Herlicek – Schatzsuche im Beisl

Herlicek im Beisl bei Tee mit Rum,
da krabbelt wer am Boden herum:
eine Dame mit Knien ganz wund;
Herlicek fragt nach des Krabbelns Grund.

„Ich hab meinen Ohrring verloren!
Und anstatt jetzt nachzubohren,
könnten Sie helfen beim Suchen –
oder woll’n Sie ein Schürfrecht buchen?

Das Ohrringerl ist aus reinem Gold –
vielleicht ist uns Antonius hold!“
Herlicek wollt sich schon verdrücken,
doch jetzt tut auch er sich suchend bücken.

„Also ich find nichts und muss jetzt gehn –
tut mir sehr leid, auf Wiedersehn!“
Herlicek hat’s nun eilig, marschiert los –
seine Hand zur Faust … verdächtig groß!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26117

Herlicek – Investition in Gold

Der Preis des Goldes steigt und steigt,
doch Herlicek ganz nobel schweigt.
Er hatte den Trend längst erkannt
und vorgesorgt mit Hausverstand.

Sein Gold-Depot sorgt für ein Gleißen
und dafür, dass er was hat zum Beißen.
Was also ist des Schweigens Grund?
Er hat sein Gold – in seinem MUND!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26116

Barfuß durch dein Herz: Für mein Kind

Ich möcht       gern mal
barfuß durch dein Herz spazieren
und dort von deiner Unbeschwertheit probieren.
Dabei schütt ich all meine Liebe aus.
Verdichte Fugen und Spalten, glätte Falten
und lege es mit rotem Samt aus.
So kann sich die Liebe voll entfalten.
Und Sorgen und Schmerz
erhalten keine Gelegenheiten,
sich in deinem Herzen
auszubrei-
ten.

Claudia Lüer
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aus dem Gedichtband „Barfuß durch dein Herz“, BoD-Verlag, 2023

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26113

Herlicek – Klima-Kleber auf der Baustelle

Schwer liegt er uns im Magen,
der österreichische Bodenfraß.
Herlicek kann’s nicht ertragen;
die Versiegelung ist ohne Maß!

Dagegen muss man tun, was man kann:
Herlicek ist ein Mann der Tat.
Es heißt, man fängt im Kleinen an –
wartet nicht auf Gesetze vom Staat.

Gemäß seinem stürmischen Wesen,
läuft er runter zur Großbaustelle;
will Betonierern die Leviten lesen –
er ist heut ein strenger Geselle.

Herlicek hört noch: „Hey, Sie da! Halt!“ –
doch er steckt schon im frischen Asphalt.
Jetzt gilt er gar als Klima-Kleber,
ihm läuft eine Laus über die Leber.

Mit einem Schlagbohrer müssen sie
den armen Herlicek am End befrei’n.
Er fühlt eine tiefe Lethargie,
geht nach Haus‘, lässt’s Protestieren sein!

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26115

Die Perchtenmaske

Oktober 2003

„Gib sie zurück, auf der Stelle! Ich will dieses unsinnige Ding nicht mehr im Haus haben. Nur Unglück bringt das“, keifte Katharina ihren Mann an. Der machte keine Anstalten dagegen zu reden. Er wusste, dass es nichts bringt, wenn seine Frau begann, sich aufzuregen. Da war es das Beste, sie einfach zu ignorieren.

„Das Klump kommt weg, raus aus unserem Haus. Keiner braucht das. Bringt nix!“

Katharina war so richtig in Fahrt. Der alten Perchtenmaske wohnte anscheinend ein böser Geist inne und sie hatten sich deswegen schon einige Male gestritten. Ständig kam jemand und wollte dieses grässliche Ding zurück. Manche meinten sogar ihrem Mann drohen zu müssen. Der war aber partout nicht zu bewegen, das Ungetüm herzugeben. Seit dieses Unding im Haus war, gab es nur Ärger mit dem hässlichen Stück. Doch je mehr sie dagegen wetterte, desto mehr lobte er die Maske in den Himmel. Sie verstand ihren Mann in diesem Punkt überhaupt nicht.

Willy reichte es jetzt. Er wollte seiner Frau soeben eine passende Antwort geben, als es an der Haustüre läutete. Ein wenig verstört blickte sich das Ehepaar an. Wer kam am Samstag um diese Uhrzeit, um halb neun in der Früh, vorbei? Katharina zuckte nichts wissend die Schultern. Willy erhob sich und ging zur Tür, um zu sehen, wer das war. Katharina hatte sich inzwischen etwas beruhigt und räumte das Frühstücksgeschirr vom Tisch in die Geschirrspülmaschine.

Sie verstaute das übrig gebliebene Essen im Kühlschrank und in den Küchenschränken. Von draußen hörte sie unverständliches Gemurmel und dann ein lautes „Nein!“ rufen.

„Willy, wer ist denn da?“, rief Katharina in Richtung Vorhaus. Dann hörte sie einen Schuss. Erstarrt blieb sie vor der Türe zum Vorhaus stehen. Was war da los? Sie legte das Geschirrtuch auf einen der Küchenschränke. Langsam und mit zittrigen Fingern öffnete sie vorsichtig die Küchentüre und lugte durch den Spalt. Alles war still. Ein leichter Windzug wehte durch den Vorraum, weil die Haustüre noch offenstand. Katharina ging langsam über den Teppich zum Schuhschrank, der sich neben der Eingangstüre befand. Es war niemand zu sehen. Hin zur Straße hörte sie noch ein Geräusch von hastig davoneilenden Schritten, konnte aber nichts erkennen. Willy saß auf der zweiten Stufe der Stiege zum ersten Stock, angelehnt an die Mauer, die Augen weit geöffnet. Er rührte sich nicht. „Willy?“, fragte Katharina. Keine Antwort.

„Willy, was ist mit dir?“

Katharina beugte sich zu ihrem Mann und berührte ihn leicht an der Schulter. Darauf fiel er im Zeitlupentempo auf die andere Seite, wo er mit dem Kopf am Schmiedeeisengeländer der Stiege hängen blieb. Jetzt sah Katharina die blutverschmierte Stelle an der Wand, welche von Willy‘s Kopf stammte. Auf der Stirn bemerkte sie ein rundes schwarz-rotes Etwas. Ein kleines rotes Rinnsal bahnte sich seinen Weg entlang der Wange hin zum Hals. Katharina stand mit weitaufgerissenen Augen vor ihrem Mann und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Der wird doch nicht tot sein! Es brauten sich dunkelschwarze Wolken in ihrem Kopf zusammen.

„Neeeeeiiiin!“ Ihr Schrei durchflog die Umgebung. Die Vögel in den Bäumen stoben erschrocken auseinander.

Gabriele Grausgruber

Auszug aus dem zweiten Regionalkrimi der Autorin:
„Die Perchtenmaske“ kann in jeder Buchhandlung, beim Innsalz-Verlag
oder über die Website www.grausgruber-gaby.com bestellt werden.

www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26090

 

Herlicek – E-Moped

Herlicek stöhnt: „Das gibt’s ja ned –
schon wieder ein Elektro-Moped!“
Es nähert sich von der Seite
in seiner ungeheuren Breite

Lautlos pirscht es sich heran,
das ist, was es am besten kann
„Ich bin ein Fahrrad“, steht unterm Sitz –
für Herlicek ein schlechter Witz

„Und ich bin – ein Straßenpoller!“,
ruft Herlicek zum frechen Roller
Er stellt sich hin wie eine Säule,
gleich kriegt der Fahrer eine Beule:

Der bremst in allergrößter Not,
als ging’s um Leben oder Tod,
muss verreißen seinen Lenker,
stürzt vom Moped bei dem Schwenker

Nun liegt er da – und kocht vor Wut,
beschimpft Herlicek voll inn’rer Glut
Der Täter lächelt, das Spiel ist aus;
dreht sich um und geht nach Haus

Bernd Watzka
aus: Herlicek. Aus dem Leben eines Wieners (2026)
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www.verdichtet.at | Kategorie: auszugsweise | Inventarnummer: 26084